Was ist was?

Berufserfahrung: Einschlägig, fundiert, erwünscht – Das solltest du wissen

Berufserfahrung: Einschlägig, fundiert, erwünscht – Das solltest du wissen

„Abgeschlossenes Studium“, „hohe Lernbereitschaft“ oder „eigenständiges Arbeiten“ – wenn du bereits die ein oder andere Stellenausschreibung gelesen hast, werden dir diese Schlagworte aufgefallen sein. Das Stichwort „Berufserfahrung“ taucht hier ebenso oft auf. Doch was meint das eigentlich genau und wie präsentierst du deine bisherigen Kenntnisse smart und überzeugend? ABSOLVENTA gibt Tipps rund um das Thema Berufserfahrung. 

Inhalt:

  1. Notwendigkeit von Berufserfahrung
  2. Unterscheidungen bei der Berufserfahrung
  3. Berufserfahrung sammeln
  4. Berufserfahrung richtig im Lebenslauf angeben
  5. Bewerben ohne Berufserfahrung

Die Notwendigkeit von Berufserfahrung

Warum Berufserfahrung wichtig ist

Erfahrung im Berufsleben ist für Unternehmen eines der wichtigsten Kriterien bei der Mitarbeiterauswahl. 67 Prozent der Arbeitgeber möchte, dass die Bewerber bereits mit dem Arbeitsalltag vertraut und der Belastung gewachsen sind. Dazu zählt, dass die Kandidaten Dinge wie Unternehmensstrukturen, Hierarchien, Teamarbeit oder eine 40-Stunden-Woche schon aus der Praxis kennen. Obwohl durch die Bachelor- und Masterreform die Studienzeit sehr straff gespannt ist und viele Studenten zudem einem Studentenjob nachgehen, wird ein geregelter Tagesablauf häufig nicht mit dem Studentenleben in Verbindung gebracht. Wichtiger als Berufserfahrung wird von Arbeitgebern nur die Englischkenntnisse von Bewerbern sowie Praxiserfahrungen durch Praktika angesehen, wie die nachfolgende Tabelle zeigt. 

Erwartungen an die Zusatzqualifikationen von Unternehmen an Hochschulbewerber

Qualifikation Zustimmung in Prozent der befragten Unternehmen
Englischkenntnisse 74 %
Praktika 73 %
Berufserfahrung 67 %
Betriebswirtschaftliches Verständnis 64 %
Außeruniversitäre Erfahrungen 59 %
Betriebswirtschaftliche Kenntnisse 52 %
Auslandsaufenthalte/-erfahrungen 52 %
Berufsausbildung 44 %

Quelle: statista.de (2016) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/408614/umfrage/zusatzqualifikationen-von-hochschulabsolventen-in-deutschen-unternehmen/

Über diese allgemeinen Erfahrungen hinaus geht es auch darum, dass die Bewerber schon in einem gleichen oder ähnlichen Bereich Praxisluft geschnuppert haben. So geht die Einarbeitung in die Themen und Aufgaben schneller. Vergangene Arbeitszeugnisse sind zudem ein wichtiges Kriterium bei der Personalauswahl für die HR-Verantwortlichen.

Unterscheidungen bei der Berufserfahrung

Diese Unterscheidungen existieren bei der Berufserfahrung

Je nach Position ist mal mehr und mal weniger Berufserfahrung notwendig. Wie viel Berufserfahrung sich der Arbeitgeber wünscht, spiegelt sich in der Stellenanzeige in verschiedenen Formulierungen wider. Mal wird „einschlägige Berufserfahrung“ verlangt, dann wieder „fundierte Berufserfahrung“. Bei Praktika oder Einstiegsjobs genügt häufig schon „(idealerweise) erste Praxiserfahrung“. Doch was bedeutet was?

Erste Berufserfahrung

Sieht ein Unternehmen zum Beispiel in einer Stellenausschreibung „erste Berufserfahrung als Grundvoraussetzung an, sollten Bewerber den Arbeitsalltag in einem Unternehmen bereits kennengelernt haben. „Erste Berufserfahrung“ kann man schon für sich reklamieren, wenn man bisher nur einen einzigen Eintrag in seiner Berufsvita zu verzeichnen hat. Hier kann ein relevanter Aushilfsjob, eine Werkstudententätigkeit oder ein Praktikum genannt werden. Dabei ist es zwar von Vorteil, wenn die Erfahrung in dem anvisierten Bereich gesammelt wurde, aber in vielen Fällen nicht zwingend notwendig. Gerade wenn bei einer Praktikum-Ausschreibung „idealerweise“ oder „gern gesehen“ dabeisteht, ist erste Berufserfahrung nicht das ausschlaggebendste Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung.

Einschlägige Berufserfahrung

Anders sieht es aus, wenn „einschlägige Berufserfahrung auf dem Wunschzettel der Firmen steht. Dann sollte man relevante Arbeitserfahrungen aus genau der Branche bzw. dem Bereich vorlegen, für die man sich bewirbt. Relevante Arbeitserfahrungen sind dann zum Beispiel eine intensive Werkstudententätigkeit oder ein längeres Praktikum in dem gewünschten Bereich.

Hier setzen die Arbeitgeber darauf, dass die Einarbeitung sehr schnell klappt und die Neulinge im Idealfall auch Kontakte und Know-how mitbringen, von denen das Unternehmen wirtschaftlich profitieren kann.

Fundierte Berufserfahrung

Sucht das Unternehmen einen neuen Mitarbeiter, der bereits über „fundierte Berufserfahrung verfügt, ist das gleichbedeutend mit einer mehrjährigen, umfassenden beruflichen Vorerfahrung in genau dem Job, für den man sich bewirbt. Hier hast du es schwer, wenn du nur ein Praktikum vorweisen kannst. Auch mit einer beruflichen Tätigkeit in einem fremden Bereich wird es eher schwierig, denn dein Arbeitgeber erwartet fundiertes Wissen und Praxiserfahrung. Solltest du dieses Vorwissen und diese Vorerfahrung nicht vorweisen können, hat deine Bewerbung in der Regel keine Aussicht auf Erfolg.

So sammelst du Berufserfahrung

Wenn du dich als Student auf dein erstes Praktikum bewirbst oder als studierter Berufseinsteiger nach Jobs suchst, stellt sich die Frage nach der Berufserfahrung, da diese in den meisten Stellenangeboten gefordert wird. Als Student oder Absolvent verfügst du meist jedoch über wenig bis gar keine Berufserfahrung. Das heißt aber nicht, dass Studenten oder Absolventen keine Praxiserfahrung aufweisen können. Schon vor dem Einstieg ins Berufsleben gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Erfahrungen im Arbeitsleben zu sammeln.

Außerdem kannst du eigene Projekte anführen. Das kann beispielsweise bei der Bewerbung für eine Redakteursstelle der eigene Blog sein oder für den Beruf als Social Media Manager eine eigene Facebook-Seite zu einem bestimmten Thema oder ein Instagram-Profil.

Berufseinsteiger haben also unterschiedliche Optionen, bei den Unternehmen mit Praxiserfahrung zu punkten – auch wenn keine klassische Berufserfahrung vorliegt.

So gibst du deine Berufserfahrung richtig im Lebenslauf an

Wichtig ist, dass du in deinem Lebenslauf sowie in deinem Anschreiben schon auf deine Berufserfahrung eingehst. So gilt, dass du auch mit geringer Berufserfahrung, die du gut verpackst, einiges erreichen kannst.

Berufserfahrung im Anschreiben angeben

  • Schaue, welche geforderten Kriterien in der Stellenbeschreibung du durch mögliche Berufserfahrungen belegen kannst
  • Verpacke die Anforderung in einem Satz mit deiner Berufserfahrung und gehe kurz darauf ein, was du tatsächlich gearbeitet hast
  • Beispiel: Meine strukturierte Arbeitsweise konnte ich in meiner zweijährigen Werkstudententätigkeit bei der Firma … unter Beweise stellen. Dabei war es meine Aufgabe, die anfallenden Terminbuchungen zu verwalten und nach Priorität zu sortieren.

Berufserfahrung im Lebenslauf angeben

  • Berufserfahrung bzw. Praxiserfahrung sollte ein eigener Punkt in deinem Lebenslauf sein
  • Gib hierbei links die Dauer mit Monat/Jahr – Monat/Jahr an und rechts das Unternehmen sowie die Beschäftigungsart (Praktikum, Trainee, Festanstellung)
  • Führe dabei kurz unter dem Unternehmensnamen und deiner Berufsbezeichnung in zwei bis drei Stichpunkte auf, was deine Hauptaufgaben in der Tätigkeit waren

Bewerben ohne Berufserfahrung

Wann eine Bewerbung auch ohne Berufserfahrung Chancen hat

Hast du bisher erst sehr wenig Berufserfahrung gesammelt, wird die Bewerbung auf eine Festanstellung schwierig. Hier eignen sich Praktika-Stellen, bei denen eingeplant ist, dass du am Anfang eingelernt werden musst. Als Berufsneuling musst du die anvisierte Ausschreibung deswegen nicht sofort abschreiben, sondern abwägen, was du von den angegebenen Anforderungen erfüllen kannst. Du musst die Kriterien schließlich nicht zu 100 Prozent erfüllen. Wenn du zwei Drittel der Anforderungen abdeckst, kann sich eine Bewerbung lohnen. Bringst du also das geforderte Studium mit sowie sehr gute Englischkenntnisse und Erfahrungen in universitären Projekten kann das die „idealerweise erste Berufserfahrung“ auch kompensieren.

Du solltest im Bewerbungsschreiben aber auf keinen Fall darlegen, was du alles nicht kannst, sondern selbstbewusst die Punkte aufführen, die du vorweisen kannst. Die Kunst besteht eben darin, deine Praxiserfahrung sowie deine sonstigen Qualifikationen und positiven Eigenschaften so aufzubereiten, dass das gesamte Bewerbungspaket überzeugt!


Weitere Lesetipps:
>> Arbeitslos nach dem Studium: Aus der Not eine Tugend machen
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Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

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