Bunt kommt an

Roter Faden im Lebenslauf

Roter Faden im Lebenslauf

Bis vor wenigen Jahren legten die Unternehmen üblicherweise großen Wert darauf, dass die Bewerber einen roten Faden im Lebenslauf haben. Am besten hätte man schon in der Grundschule wissen sollen, was man später mal beruflich machen wollte, und seinen Werdegang genau daraufhin ausgelegt haben. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Arbeitsmarkt, die Arbeitnehmer und die Unternehmen sind flexibler geworden. Ein "bunter Faden" mit Brüchen im Lebenslauf ist kein Ausschlusskriterien mehr, sondern können – ganz im Gegenteil - sogar von einem interessanten Bewerber zeugen, der den Blick über den Tellerrand wagt.

Inhalt

  1. Flexible Arbeitnehmerschaft
  2. Ecken und Kanten
  3. Neue Job-Optionen
  4. Keine Standard-Frage

Neue Jobangebote erfordern flexible Arbeitnehmerschaft

Täglich entstehen neue Jobs. Das Internet dient hier als Paradebeispiel. Heute bekleiden nicht nur jüngere Menschen Jobs, von denen die Menschen zur Jahrtausendwende noch nicht einmal wussten, dass es solche Berufe jemals geben würde, geschweige denn, dass sie diese später selbst ausüben würden: Social Media Berater, eCommerce Manager, SEO/SEM-Spezialist, Web-Designer, App-Entwickler u.v.m.

Diese Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt erfordern von den Arbeitnehmern eine hohe geistige Flexibilität. Sich aber ausschließlich an einen roten Faden und einem festen Berufsfeld festzuklammern, bedeutet genau das Gegenteil. Würden alle Arbeitnehmer in ihrem Lebenslauf einem roten Faden folgen, könnten viele neue Position nur schwerlich bessetzt werden.

Die Unternehmen haben auch begonnen, in diesem Punkt umzudenken. Beispielsweise achtet die Deutsche Telekom bei Bewerbern gezielt darauf, ob diese Brüche und Wendungen in ihrem Lebenslauf haben. Das deutet nämlich darauf hin, dass die Bewerber die Fähigkeiten mitbringen, flexibel zu sein, getroffene Entscheidungen zu hinterfragen und eingeschlagene Wege nicht stur weiter, sondern neue Wege zu gehen. Vielfältige Erfahrungen sind auch ein Indiz für Mut, vielschichtige Interessen sowie die Schlüsselqualifikationen, den Blick über den Tellerrand zu wagen. Und genau diese Mentalität benötigen die Unternehmen, um Innovationen zu entwickeln.

„Ecken und Kanten“ statt „Roter Faden“

Auf die Frage, was die Telekom für Kandidaten für ihr Trainee-Programm „Start Up!“ suchen, antwortet Björn Skalicky, Senior Experte Corporate Talent Management bei der Deutschen Telekom AG:

Wir suchen keine Bewerber mit gradlinigen Lebensläufen, sondern ambitionierte Hochschulabsolventen mit „Ecken und Kanten“, die uns mit ihrem Veränderer- und Unternehmergeist überzeugen, ihre Ideen einbringen möchten und Veränderungen im Konzern vorantreiben wollen. Wir freuen uns, wenn der Bewerber bereits internationale und praktische Erfahrung gesammelt hat und sich darüber hinaus auch zum Beispiel in sozialen Bereichen engagiert. Über ein Exposé erhält der Bewerber die Möglichkeit abseits des CV sich als Person zu beschreiben und die Besonderheiten herauszuarbeiten {...} Für uns ist es auch in Ordnung, wenn ein Bewerber sich nach einem anstrengenden Studium erst einmal eine kurze Auszeit nimmt, um zum Beispiel Erfahrungen im Ausland zu sammeln und erst danach bei uns beginnt.

Der „bunte Faden“ lässt grüßen!

Abkehr vom roten Faden eröffnet Arbeitnehmern neue Job-Optionen

Die Abkehr vom roten Faden bedeutet auch, dass man sich auch auf Stellen bewerben kann, in denen man noch keine allzu große Erfahrung hat. Wichtig ist dann aber, dass einen der Job und die Tätigkeiten wirklich interessieren. Denn wenn man mit Begeisterung bei einer Sache ist, lernt man diese Dinge deutlich schneller und besser. Die Herausforderung für Bewerber liegt dann darin, die Unternehmen im Auswahlverwahren von dem selbst angeeigneten Wissen und ihre Leidenschaft für die neue Aufgabe zu überzeugen.

Standard-Frage „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“ ist überholt

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die geprägt ist durch Internet, Globalisierung, Kapitalismuskrise sowie durch Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Auch wenn wir in Deutschland in vielen Bereichen vergleichsweise noch wie auf einer Insel der Glückseligen leben, ist die jahrzehntealte Personaler-Standardfrage im Bewerbungsgespräch „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren“, eigentlich nicht seriös zu beantworten. Zwar sollte man Wünsche und Ziele haben, sie sind eine Triebfeder für das eigene Handeln. Doch sich zu fest an etwas zu klammern, kann entmutigen, wenn man merkt, dass man seine Ziele doch nicht erreicht. Wer sich zu sehr auf ein Ziel fixiert und starr einem roten Faden folgt, verliert die Umgebung aus den Augen, und dem entgehen unter Umständen andere, mitunter noch viel schönere Ziele. Das Leben bietet schier unendlich viele Möglichkeiten, da wäre es schade drum, wenn man nicht vielfältige interessen hat und immer wieder neuen (Berufs-)Wege einschlägt.

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Über den Autor

Lukas große Klönne
Lukas große Klönne

Ehem. Redaktionsleiter der Jobbörse ABSOLVENTA und Autor des Buches "Trainee-Knigge" – der Ratgeber für Berufseinsteiger.

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