So verdienst du mehr: Tipps für die Gehaltsverhandlung.

So verdienst du mehr: Tipps für die Gehaltsverhandlung.
„Bitte geben Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung an.“ Dieser Satz am Ende einer Stellenanzeige für den Traumjob stellt dich als Berufseinsteiger vor die Herausforderung, deinem hoffentlich künftigen Arbeitgeber eine konkrete Zahl zu nennen, die über dein Gehalt bestimmt. Hier bekommst du Tipps für die Gehaltsverhandlung und erfährst, wie eine realistische Gehaltsforderung aussieht.
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  1. Festlegen der Gehaltsvorstellung.

    Gerade als Berufseinsteiger ist es sehr schwer, einen Wert der eigenen Arbeitsleistung zu benennen: Du hast mangels vorheriger Gehaltsverhandlungen noch keine großen Vergleichswerte, wenig Berufserfahrung und es fehlt einfach das Gespür für eine konkrete Zahl. Aber du kannst durchaus deine Hausaufgaben machen, denn es gibt verschiedene Faktoren, die zu einem realistischen Gehaltswunsch führen:

    Dein Studium

    Ein Informatiker verdient meist mehr als ein Geisteswissenschaftler, ein Master-Absolvent mehr als ein Bachelor-Absolvent – dein Abschluss hat einen großen Einfluss auf dein Einstiegsgehalt. Diese Bereiche und Fächer gelten als besonders lukrativ:

    Studienrichtungen mit hohen Gehältern
    Ingenieurwesen, insbes. Fahrzeugtechnik
    IT, insbes. Wirtschaftsinformatik
    Naturwissenschaften, insbes. Mathematik
    Medizin, insbes. Zahnmedizin
    Jura
    Psychologie
    Marketing
    Consulting
    Vertrieb
    Personalwesen

    Orientierst du dich direkt in Richtung Management – zum Beispiel durch ein Trainee-Programm, das dich gezielt auf eine Führungsposition vorbereitet –, hast du natürlich noch bessere Chancen in Sachen Gehalt.

    Die Unternehmensgröße

    Große Unternehmen zahlen mehr als kleine – so einfach ist es in der Regel. Das heißt, du kannst bei einem Startup mit 50 Mitarbeitern nicht das gleiche Gehalt fordern wie bei einem Konzern mit 5.000 Mitarbeitern.

    Deine praktische Erfahrung

    Du bist Berufseinsteiger – dementsprechend kannst du noch nicht mit langjähriger Berufserfahrung auftrumpfen. Hast du mehrere Praktika absolviert, die zur anvisierten Stelle passen, ist das natürlich ein Vorteil, genauso wie eine entsprechende Werkstudententätigkeit oder Abschlussarbeit. Kannst du zeigen, dass du in der Vergangenheit schon einmal die Extra-Meile gegangen bist, stärkt das deine Verhandlungsposition. Stichwort Soft Skills: Sieht dein künftiger Chef etwas in dir, was er als echten Gewinn für das Unternehmen deutet, ist er geneigt, mehr zu zahlen – es gilt also, Persönlichkeit zu zeigen und dich nicht als Anfänger zu präsentieren.

    Der Unternehmensstandort

    In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen wird meist mehr gezahlt als in den neuen Bundesländern. Passe deine Gehaltsvorstellung dementsprechend realistisch an.

    Diese Unternehmen zahlen besonders gut.

    Immer wieder gibt es Rankings, bei welchen Unternehmen man am besten verdienen kann. Dazu gehören regelmäßig:

  2. Deine konkrete Gehaltsforderung.

    Hast du eine Idee davon, was du verdienen willst, geht es daran, deine konkrete Gehaltsvorstellung an deinen künftigen Chef zu bringen. Du bist also für das Eröffnungsgebot zuständig, und das ist auch gut so, denn erwiesenermaßen ist das Endergebnis häufig nicht weit weg vom Anfangswert.

    Bei deiner konkreten Gehaltsforderung solltest du Folgendes beachten:

    • Recherchiere auf Basis der oben genannten Faktoren ausführlich, was eine realistische Gehaltsforderung ist.
    • Staple weder tief noch hoch – einerseits darfst du dich nicht unter Wert verkaufen, andererseits bist du bei einer zu hohen Zahl schnell aus dem Rennen, wenn jemand mit ähnlichen Qualifikationen weniger verlangt.
    • Überlege dir eine Minimalgrenze, unter die du auf keinen Fall gehen willst.
    • Wähle einen Wert, der einen Tick über dem liegt, was du eigentlich haben willst – du kannst davon ausgehen, dass es weniger wird, als du angibst.
    • Nenne eine krumme Zahl. Dadurch simulierst du, dass du deinen Wert bis auf den Cent genau kennst.

    In der Bewerbung kannst du die Gehaltsvorstellung zum Beispiel so angeben:

    „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei einem Brutto-Jahresgehalt von X Euro.“

    Du kannst auch konkreter werden und direkt sagen, warum dein Gehalt eine gewisse Höhe haben sollte. Damit zeigst du Selbstbewusstsein, allerdings solltest du dir auch noch starke Argumente für die eigentliche Gehaltsverhandlung aufheben. Eine begründete Forderung liest sich zum Beispiel so:

    „Aufgrund meiner Qualifikation im Bereich YZ stelle ich mir eine Vergütung von X Euro brutto im Jahr vor.“

    Du kannst auch eine Gehaltsspanne angeben – damit signalisierst du, dass du verhandlungsbereit bist. Denke daran, den niedrigen Wert nicht zu niedrig zu wählen. Bezieht sich dein künftiger Chef auf diesen, kannst du übrigens gut über Extras wie Jobticket oder Essenszuschuss verhandeln – schließlich bist du ja scheinbar schon an deine untere Toleranzgrenze gegangen. Im Anschreiben kannst du das so formulieren:

    „Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen X und Y Euro brutto im Jahr.“

  3. Tipps für die Gehaltsverhandlung.

    Ist das Vorstellungsgespräch positiv gelaufen, gilt es, sich im Vertragsgespräch über die Rahmenbedingungen einig zu werden. Dabei wird auch deine Gehaltsvorstellung zur Sprache kommen. Grundsätzlich ist dein Verhandlungsspielraum etwas kleiner als bei jemandem, der schon länger im Geschäft ist.

    Den Einstieg in die Gehaltsverhandlung bestreitet meist dein Vorgesetzter. Wird das Thema komplett ausgeklammert, kannst du es natürlich trotzdem von dir aus anspreche. Liegt die Zahl auf dem Tisch, solltest du folgendes beachten:

    • Du weißt, dass du gut bist – wozu also Konjunktive und Einschränkungen benutzen? Sagst du Dinge wie „Das ist mir sehr unangenehm, aber eigentlich wollte ich nicht unter 35.000 Euro gehen“, wirkt das defensiv und unsicher.
    • Man neigt dazu, in Gesprächspausen draufloszuplappern. Bleib stattdessen ruhig, halte den Blickkontakt und signalisiere so, dass du hinter dem stehst, was du gesagt hast.
    • Solange du aktiv zuhörst, kannst du schlaue Fragen stellen und behältst die Gesprächsführung. Gleichzeitig sammelst du Punkte, an denen du später ansetzen kannst mit deiner Argumentation.
    • Informiere dich vorher, was typische Aussagen deines Gegenüber sein könnten, und lege dir zurecht, wie du das durch Gegenargumente entkräften könntest. So musst du nicht grübeln und reagierst dennoch spontan.
    • Imitierst du dein Gegenüber in Gestik und Mimik – natürlich ohne zu übertreiben –, wirkst du sympathisch auf ihn und er wird dir eher vertrauen. Übe diese Taktik unbedingt vorher mit Freunden!
    • Komplett kompromisslos solltest du nicht sein. Bleibt dein Gesprächspartner stur, kannst du dich flexibel zeigen, ohne zurückzurudern: Zum Beispiel indem du Alternativen in Form von Benefits vorschlägst.
    • Bleib während der Verhandlung unbedingt freundlich, auch wenn es nicht ganz optimal läuft! Mit negativen Energien kommt man selten ans Ziel.
  4. Die Gehaltserhöhung.

    Bist du eine Zeitlang im Job, kommt das Thema „Gehalt“ wieder auf den Tisch: Natürlich willst du nach einer gewissen Zeit mehr Lohn. Hier kannst du noch mutiger sein, um deine Gehaltsforderung durchzusetzen: Schließlich hast du durch deine Erfolge im Unternehmen viele Argumente für die Gehaltsverhandlung gesammelt.

    Als Vorbereitung auf das Gespräch mit deinem Chef solltest du dir diese Argumente genau zurechtlegen, um eine satte Gehaltserhöhung zu rechtfertigen. Neben den Strategien, die du oben findest, gibt es noch weitere, die hier Anwendung finden können:

    • Timing ist entscheidend. Setze offiziell einen Termin auf, am besten, wenn du gerade ein Projekt abgeschlossen hast oder es positive Nachrichten für das Unternehmen gab. Clever ist, das Ganze vor der jährlichen Budgetplanung zu terminieren.
    • Wer nicht fragt, der bekommt auch nichts. Dieses Mal ist es an dir, den ersten Aufschlag zu machen. Das zeigt Selbstbewusstsein und Eigeninitiative – zwei Eigenschaften, die dein Chef von dir sehen will.
    • Akzeptiere nie das erste Angebot. Dieses ist lediglich ein Signal, dass über Geld geredet werden kann – es gilt nun, den Verhandlungsspielraum auszuloten.
    • Studien zeigen, dass nach einer riesigen Forderung keiner zu einer kleineren Nein sagt. Forderst du also augenzwinkernd 50 Prozent mehr Gehalt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du 10 bekommst, sehr hoch.
    • Stellst du deinem Chef im Termin viele Fragen, die er bejahen wird, ist er geneigter, weiterhin Ja zu sagen – auch bei der Gehaltsfrage.
    • Hat alles nichts geholfen? Dann schlage vor, zu einem konkreten späteren Zeitpunkt nochmal über das Gehalt zu sprechen. Profis schicken direkt eine lockere E-Mail mit den Vereinbarungen hinterher.
    • Sprich von einer Gehaltsanpassung: Das klingt verdienter als Gehaltserhöhung und schreckt nicht durch das Wort „Höhe“ direkt ab.
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