Alles Wissenswerte zur BAföG-Rückzahlung

Alles Wissenswerte zur BAföG-Rückzahlung

Hast du als Student BAföG erhalten, musst du das irgendwann zurückzahlen – soviel steht fest. Wenn du dich fragst, wann und in welcher Höhe die BAföG-Rückzahlung für dich fällig wird, erhältst du hier einen Überblick über alle Fakten zur BAföG-Rückzahlung. 

Inhalt

  1. Fakten zur BAföG-Rückzahlung auf einen Blick
  2. Wer muss BAföG zurückzahlen?
  3. Zeitpunkt der BAföG-Rückzahlung
  4. Höhe und Dauer der Rückzahlung
  5. Freistellung von der BAföG-Rückzahlung wegen geringen Einkommens
  6. Nachlass bzw. Verminderung der BAföG-Schulden

Fakten zur BAföG-Rückzahlung auf einen Blick

Beginn

5 Jahre nach Ende deiner BAfög-Förderhöchstdauer musst du beginnen, BAföG zurückzuzahlen.

Dauer

20 Jahre hast du im Standardfall Zeit für die Rückzahlung. 

Ablauf

Auf einmal oder in dreimonatigen Raten kannst du deine BAföG-Schulden begleichen.

Maximale Höhe

Maximal 10.000 Euro musst du an BAföG-Schulden zurückzahlen.

Nachlass

Nachlass deiner BAföG-Schulden funktioniert nur noch, wenn du dein BAföG auf einen Schlag zurückzahlst. Dann kannst du bis zu 50 Prozent erlassen bekommen.

Wer muss BAföG zurückzahlen?

Hast du als Student in deiner Studienzeit BAföG erhalten, muss du dies nach Ende deiner BAföG-Förderungshöchstdauer zurückzahlen. Studenten-BAföG kannst du erhalten, wenn du an einer der folgenden Institutionen eingeschrieben bist: 

  • Universitäten und Hochschulen
  • Fachhochschulen bzw. Höhere Fachhochschulen
  • Akademien

Die BAföG-Förderung besteht zur Hälfte aus einem Zuschuss und zur anderen Hälfte aus einem zinsfreien Staatsdarlehen. Dieses Darlehen, sozusagen den zinsfreien Kredit vom Staat, musst du zurückzahlen. Beim Schüler-BAföG ist dies nicht der Fall, da dieses als Vollzuschuss gewährt wird. Schüler-BAföG musst du deswegen nicht zurückzahlen.

Zeitpunkt der BAföG-Rückzahlung

Wann beginnt die BAföG-Rückzahlung?

Ungefähr viereinhalb Jahren nach Ende der Förderungshöchstdauer (= die Regelstudienzeit) erhältst du einen Rückzahlungsbescheid vom Bundesverwaltungsamt. Die Förderungshöchstdauer bezieht sich dabei immer auf die Regelstudienzeit deines Bachelor-Studiengangs. Hast du einen Fachrichtungswechsel vollzogen, ist die Förderungshöchstdauer des zuletzt absolvierten Studiengangs entscheidend. Dadurch bezieht sich diese Regel immer auf dein Bachelorstudium und kann nicht auf die Bachelor-Master-Kombination angewendet werden.

Das Bundesverwaltungsamt informiert dich in dem Rückzahlungsbescheid über den Ablauf und die Höhe sowie die Dauer der Raten für die BAföG-Rückzahlung. Ein halbes Jahr nach dem Bescheid, also fünf Jahre nach Ende deiner Förderungshöchstdauer, musst du mit der ersten Rate der BAföG-Rückzahlung beginnen.

Wichtig ist, dass dein Bundesverwaltungsamt in Köln über deine aktuelle Anschrift verfügt! Diese kannst du auf der Internetseite des Bundesverwaltungsamtes eintragen. Gibst du sie nicht an, musst du 25 Euro für die Ermittlung deiner Anschrift bezahlen. Verzögert sich dadurch auch deine BAföG-Rückzahlung, können zusätzlich Verzugszinsen fällig werden.

Höhe und Dauer der BAföG-Rückzahlung

Wie lange und wie viel BAföG muss man zurückzahlen?

  • Die Rate für die BAföG-Rückzahlung beträgt 105 Euro pro Monat.
  • Dabei bezahlst du die Raten nicht jeden Monat, sondern für drei aufeinanderfolgende Monate in einer Summe, also alle drei Monate 315 Euro.
  • Für die Rückzahlung des BAföGs hast du insgesamt 20 Jahre Zeit. Bezahlst du jedoch diese Rate jeden Monat, solltest du früher damit fertig sein.

Maximal musst du 10.000 Euro BAföG zurückzahlen. Das ist aber nur der Fall, wenn du während deines Studiums den BAföG-Höchstsatz empfangen hast. Musst du 10.000 Euro zurückzahlen und begleichst das in der vorgegebenen Ratenhöhe von 105 Euro monatlich, hast du in acht Jahren dein BAföG zurückgezahlt.

Hast du dich wegen geringen Einkommens freistellen lassen – siehe nächster Punkt – kann sich die Rückzahlungsfrist um maximal zehn Jahre, also auf 30 Jahre insgesamt, verlängern. Gegen Ende der Frist steigt die Höhe der Raten bzw. der Rest wird auf einen Schlag fällig.

Freistellung von der BAföG-Rückzahlung wegen geringen Einkommens

Die BAföG-Nachzahlung richtet sich jedoch auch nach der Höhe deines Einkommens. So gibt es eine festgelegte Einkommensgrenze. Bist du aufgrund eines geringen Einkommens unter dieser – zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit –, kannst du beantragen, von der Rückzahlung freigestellt zu werden. Das bedeutet nicht, dass dir deine Schulden erlassen werden! Sondern du wirst vorübergehend, solange dein Einkommen unter der Einkommensgrenze liegt, von den Rückzahlungen verschont.

Die Einkommensgrenze erhöht sich für dich um einen festen Betrag, wenn du verheiratet bist, in einer eigentragenden Lebenspartnerschaft lebst und/oder ein eigenes Kind, ein Kind deines Ehe-/Lebenspartners oder ein Pflegekind im Haushalt betreust.

Zum 1. August 2016 wurde die Einkommensgrenze erhöht. Die nachfolgende Tabelle zeigt dir die aktuellen sowie kommenden geltenden Beträge im Überblick. Der Darlehensnehmer-Betrag gibt jeweils das bereinigte monatliche Nettoeinkommen an. Also dein Gehalt abzüglich Steuern und Sozialversicherungen. Kindergeld wird hierbei nicht als Einkommen gezählt: 

  Ab Oktober 2010 Ab August 2016
Darlehensnehmer (du) 1.070 Euro 1.145 Euro
Ehegatte oder Lebenspartner 535 Euro 570 Euro
Jedes Kind 485 Euro 520 Euro

Anmerkung: Befindet sich der Ehe- oder Lebenspartner und/oder ein Kind in einer Ausbildung, die nach BAföG oder nach dem SGB III gefördert werden kann, so werden sie nicht berücksichtig!

Die Freistellung gilt normalerweise für ein Jahr und erfolgt auf Antrag. Diesen kannst du online auf der Internetseite des Bundesverwaltungsamtes stellen oder hier den PDF-Antrag herunterladen. Deine Einkommensnachweise musst du per Post einsenden. Rückwirkend kannst du die Freistellung bis zu vier Monate beantragen.

Nachlass bzw. Verminderung der BAföG-Schulden

Rückzahlung auf einen Schlag

Wenn du dein BAföG-Darlehen auf einen Schlag komplett oder in großen Teilen zurückzahlen kannst, kannst du einen Nachlass auf die Darlehensschuld in Höhe von bis zu 50 Prozent erhalten. Mit dem Rückzahlungsbescheid erhältst du direkt ein Angebot für diese Möglichkeit. Dein BAföG auf einen Schlag zurückzuzahlen ist sehr empfehlenswert, weil der gewährte Nachlass oftmals nochmal sehr hoch ist. Hast du das Geld nicht, empfiehlt es sich, bei Eltern oder Großeltern Geld zu leihen. Wie hoch der Nachlass für deine BAföG-Schulden ausfallen kann, findest du in folgender Tabelle: 

Ablösung des Darlehens bis zu (in Euro) v.H. Nachlass in Prozent Zahlungsbetrag in Euro
500 8,0 460
1.000 9,0 910
1.500 10,0 1.350
2.000 11,5 1.770
2.500 12,5 2.188
3.000 13,5 2.959
3.500 15,0 2.975
4.000 16,0 3.360
4.500 17,0 3.735
5.000 18,5 4.075
5.500 19,5 4.428
6.000 20,5 4.770
6.500 21,5 5.103
7.000 22,5 5.425
7.500 23,5 5.738
8.000 24,5 6.040
8.500 25,5 6.333
9.000 26,5 6.615
9.500 27,5 6.888
10.000 28,5 7.150
10.500 29,5 7.403
11.000 30,0 7.700
11.500 31,0 7.935
12.000 32,0 8.160
12.500 33,0 8.375
13.000 33,5 8.645
13.500 34,5 8.843
14.000 35,5 9.030
14.500 36,0 9.280
15.000 37,0 9.450
15.500 37,5 9.688
16.000 38,5 9.840
16.500 39,0 10.065
17.000 40,0 10.200
17.500 40,5 10.413
18.000 41,5 10.530
18.500 42,0 10.730
19.000 43,0 10.830
19.500 44,0 11.018
20.000 44,0 11.200
20.500 45,0 11.275
21.000 45,5 11.445
21.500 46,0 11.610
22.000 47,0 11.660
22.500 48,0 11.700
23.000 49,0 11.730
23.500 50,0 11.750
24.000 50,5 11.880

Stand: Januar 2014, abrufbar unter: http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_BT/Bafoeg/04_Rueckzahlung/rueckzahlung_node.html

Teilerlassmöglichkeiten

Teilerlassmöglichkeiten sind sukzessive abgeschafft worden. Die Erlassmöglichkeiten aufgrund von Kindererziehung gibt es bereits seit dem 31. Dezember 2009 nicht mehr. Bei guten Leistungen oder einem schnellen Studium hast du einen Teil der Darlehensschuld erlassen bekommen, wenn du deine Ausbildung bis zum 31. Dezember 2012 abgeschlossen hast. Nach 2012 erhältst du nur noch einen Nachlass auf deine BAföG-Schulden, wenn du sie auf einen Schlag zurückzahlen kannst. 

Weitere Informationen hierzu findest du auf der Seite des Bundesverwaltungsamtes.

Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

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