Zweitstudium: Das solltest du beachten.

Zweitstudium: Das solltest du beachten.
Wer mit seinem Studiengang unzufrieden war oder schlechte Berufsaussichten fürchtet, kann ein Zweitstudium anschließen. Welche Regeln bei einem zweiten Studium an einer Hochschule gelten, welche Kosten auf dich zukommen und welche Gründe es für ein Zweitstudium gibt, erfährst du hier.
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  1. Zweitstudium: Was du wissen solltest.

    Was gilt als Zweitstudium? Ein Zweitstudium bedeutet, dass auf einen ersten europäischen Hochschulabschluss ein zweites grundständiges Studium folgt. Ist ein Master ein Zweitstudium? Ja und nein. Es gibt nämlich konsekutive und nicht-konsekutive Masterstudiengänge. Hast du schon einen Master Abschluss, möchtest aber noch einen weiteren Master anhängen, dann gilt dieser immer als Zweitstudium. Zu unterscheiden ist zwischen:

    KONSEKUTIVER MASTER NICHT-KONSEKUTIVER MASTER
    Kein grundständiges, sondern weiterführendes Studium Weiterbildender Master in einem anderen Studiengang mit anderen, fachlichen Inhalten
    Im Anschluss an einen vorangegangenen, ähnlichen Bachelor Es muss kein fachlicher Zusammenhang zum vorangegangenen Bachelorstudium gegeben sein
    In Vollzeit studiert, Dauer in der Regel 2 Jahre (4 Semester) Oft in Teilzeit, berufsbegleitend oder in Fernstudium studierbar
    Beispiel: Du hast bereits einen Bachelor of Science in Informatik gemacht und möchtest dein Wissen in einem Masterstudium vertiefen. Beispiel: Du hast bereits einen Bachelor of Science in Ingenieurwesen abgeschlossen und brauchst für deinen weiteren Karriereweg zusätzliche wirtschaftliche Kenntnisse.
    Gilt als Erststudium Gilt als Zweitstudium
  2. Zulassung zum Zweitstudium.

    Sobald du ein Studium mit erfolgreichem Abschluss beendet hast, ist deine Abiturnote für eine Studienbewerbung nicht mehr von Interesse. Mit ihr bewirbst du dich nur für ein Erststudium. Auch Wartesemester spielen bei deiner Bewerbung für ein Zweitstudium keine Rolle mehr.

    Ein Studium gilt nur als abgeschlossen, wenn du dafür ein Gesamtprädikat (Abschlussnote) und ein Abschlusszeugnis deiner Hochschule erhalten hast. Hast du dein erstes Studium also abgebrochen, gilt dein erneuter Studienanfang ebenfalls als Erststudium. Übrigens: Ein Studienabbruch kommt häufiger vor, als du wahrscheinlich denkst. Das Hochschul-Informations-System (HIS) hat bundesweit 2.500 Studienabbrecher befragt, was sie zu ihrem Studienabbruch bewegt hat. Dabei haben sich die folgenden Top 3 Gründe für den Studienabbruch hervorgetan:

    • Leistungsprobleme (ca. 25–30 %)
    • Finanzierungsprobleme (ca. 19 %)
    • Mangelnde Studienmotivation (ca. 18 %)  

    Sonstige Gründe für den Studienabbruch sind schlechte Studienbedingungen, berufliche Neuorientierung, familiäre Probleme und als letztes Krankheit. Die Chancen für Studienabbrecher, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, sind nicht so schlecht, wie man vielleicht denken mag. Viele Firmen haben keine Scheu davor, auch Uni-Abbrecher einzustellen.

    Handelt es sich bei deinem Studienwunsch um einen zulassungsfreien Studiengang, können sich alle Bewerber, egal ob Erst- oder Zweitstudiengang, innerhalb der Frist anmelden. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen hingegen gibt es einen bestimmten Prozentsatz für Zweitstudenten. Bei der Humboldt-Universität zu Berlin stehen zum Beispiel vier Prozent der Studienplätze in einem Fach zur Verfügung. Das heißt, in jedem Studiengang sind nur sehr wenige Plätze für Absolventen im Zweitstudium vorgesehen – durchschnittlich zwei bis drei Studienplätze pro Fachrichtung. In der Online-Bewerbung gibst du in einem der ersten Schritte an, dass es sich bei deiner Bewerbung um ein Zweitstudium handelt.

    Bei der Studienplatzvergabe zählen die Note deiner Abschlussprüfung des Erststudiums sowie die Begründung deines gewünschten Zweitstudiums. Deine Gründe legst du in einem Motivationsschreiben dar, bei manchen Universitäten erfolgt auch ein persönliches Gespräch mit einem Fachprofessor. Die Gründe werden von manchen Universitäten nach bestimmten Kriterien in einem Punktesystem bewertet, zum Beispiel  bei Hochschulstart.de:

    • Zwingende berufliche Gründe > 9 Punkte
    • Wissenschaftliche Gründe > 7, 9 oder 11 Punkte
    • Besondere berufliche Gründe > 7 Punkte
    • Sonstige berufliche Gründe > 4 Punkte
    • Sonstige Gründe > 1 Punkt
  3. Zweitstudium: Gebühren & Kosten.

    In den meisten Bundesländern fallen für ein Zweitstudium keine Extra-Gebühren an, sondern du musst nur den Semesterbeitrag bezahlen. Anders sieht es aus, wenn du an einer privaten Universität, Fachhochschule oder Akademie studierst. Hier ist ein Studium eine kostspielige Angelegenheit und es fallen hohe Studiengebühren an. 

    Gut zu wissen: Steuerlich kannst du von einem Zweitstudium profitieren. Denn anders als im Erststudium kannst du die Ausgaben für dein Zweitstudium in deiner Steuererklärung als Werbungskosten absetzen. Was kannst du geltend machen? Zum Beispiel Fahrtkosten, ggf. einen Zweithaushalt, Arbeitsutensilien, einen Arbeitsraum sowie Studienfahrten und Seminare. Achtung – das alles gilt nur für Kosten, die du selber zahlst. Eine Ausnahme bilden die Studiengebühren, welche auch steuerlich abgesetzt werden können, wenn deine Eltern sie zahlen – solange sie auf deinen Namen laufen. Wer ein Zweitstudium erwägt, sollte seine Familie und Freunde mit in den Entscheidungsprozess einbeziehen.

  4. Finanzierung.

    Bei der Finanzierung deines Zweitstudiums gibt es viel zu berücksichtigen: 

    • Bist du älter als 25 Jahre, erhältst du kein Kindergeld mehr, zusätzlich bist du nicht mehr bei deinen Eltern in der Krankenversicherung mitversichert und musst dich selbst versichern.
    • Auch Stipendien werden eher selten an Zweitstudenten vergeben.
    • Wer keine Unterstützung durch seine Eltern erhält, muss entweder neben dem Studium jobben oder einen Studienkredit aufnehmen. Hier findest du zum Beispiel Kredite mit niedrigem Zinssatz und einer kostenlosen Vorab-Beratung.
    • Möchtest du dein Zweitstudium durch BaföG finanzieren, hast du nur Aussicht auf Erfolg, wenn das Zweitstudium für deinen späteren Beruf erforderlich ist. Dennoch solltest du dich beim BaföG-Amt deiner Universität beraten lassen und einen BaföG-Antrag abgeben.

    Du solltest dir also Zeit für die Recherche nehmen und die Angebote in Ruhe vergleichen. Probieren kannst du es jedoch immer!

    Dualer Master.

    Eine gute Option fürs Zweitstudium, besonders unter finanziellen Aspekten, kann auch ein dualer Master sein. Hier sammelst du gleichzeitig praktische Erfahrungen durchs Arbeiten und theoretisches Wissen aus der Uni. In diesen Unternehmen findest du regelmäßig Angebote für den dualen Master:

    Zusätzlich gibt es einige Hochschulen, die Masterstudiengänge in Zusammenarbeit mit Unternehmen anbieten:

  5. Wieso überhaupt nochmals studieren?

    Es kann viele Anlässe für ein Zweitstudium geben. Letztlich liegt es an dir, zu entscheiden, ob du diesen Weg gehen willst und ob sich die Vor- und Nachteile aufwiegen. Wichtig ist aber, dass du deine Gründe kennst und deutlich benennen kannst, denn: Häufig musst du ein Motivationsschreiben anfertigen und darin deine Gründe anführen. Mögliche Gründe könnten sein:

    • Nach dem Erststudium hat sich herausgestellt, dass der Job, für den du studiert hast, sehr schlechte Karriereaussichten bietet
    • Der Arbeitsmarkt hat sich stark verändert
    • Für deinen angestrebten Beruf benötigst du zusätzliche Kenntnisse
    • Dein Erststudium entsprach nicht deinen Erwartungen oder dein persönlicher Schwerpunkt hat sich während des Studiums verlagert
    • Durch die Kombination bestimmter Studiengänge bist du möglicherweise besonders qualifiziert für den Arbeitsmarkt


    Diese Umfrage von September 2016 zeigt die Gründe, die Leute für ein Studium im Allgemeinen angeben:

    Quelle: statista 2017: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/617347/umfrage/motive-fuer-den-beginn-eines-studiums-in-deutschland/

  6. Zweitstudium: Pro und Contra.

    Erwägst du ein Zweitstudium, solltest du dessen Vor- und Nachteile sinnvoll miteinander abwägen. Dabei, und auch bei der Argumentation für dein Motivationsschreiben, hilft dir die folgende Gegenüberstellung:

    PRO CONTRA
    Chance, eigene Fähigkeiten und Interesse zu erweitern Schwere Zugangsmöglichkeiten für einen Studienplatz
    Bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt Problem der Finanzierung
    Teilweise lassen sich bereits erbrachte Leistungen anrechnen und das Zweitstudium dadurch verkürzen Verzögerung des Berufseinstiegs
    Die steuerlichen Vorteile Bürokratische Hürden
    Durch das Erststudium bist du schon aufs Uni-Leben vorbereitet

    Ein großer Vorteil des Zweitstudiums ist natürlich, dass du den Studienalltag schon kennst. Du hast gelernt, dich zu organisieren, kennst ggf. Dozenten und Kommilitonen, die Bib, das Prüfungsamt – kurzum: Du weißt, wie der Hase läuft!

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