Alles auf Anfang

Zweitstudium: Per Umweg zum Karriereziel

Zweitstudium: Per Umweg zum Karriereziel

Viele Wege führen zum Traumjob, aber nicht immer verlaufen sie geradlinig. Wer mit seinem Studiengang unzufrieden war oder sich um schlechte Berufsaussichten sorgt, kann ein Zweitstudium anschließen. Welche Regeln beim Zweitstudium gelten sowie mögliche Gründe und die Kosten, die auf dich zukommen, erfährst du hier. 

Inhalt

  1. Erklärung: Was ist ein Zweitstudium?
  2. Master ist kein Zweitstudium
  3. Gründe für ein Zweitstudium
  4. Bewerbung und Zulassung zum Zweitstudium
  5. Zweitstudium: Kosten und Gebühren
  6. Zweitstudium und BaföG
  7. Vor- und Nachteile eines Zweitstudiums

Erklärung: Was ist ein Zweitstudium?

Zwischen dem ersten Semester und dem Abschlusszeugnis liegen viele Stunden intensiven Lernens, unzählige Hausarbeiten und Prüfungen und damit viel Stress. Doch wer sich nach seinem Studienabschluss noch nicht ausreichend für die Arbeitswelt gewappnet fühlt, kann seine bisherigen Qualifikationen durch ein Zweitstudium erweitern.

Ein Zweitstudium bedeutet, dass nach einem ersten Hochschulabschluss ein zweites grundständiges Studium folgt.

Das heißt, wenn du dein Bachelorstudium abgeschlossen hast, aber noch einmal ein Bachelorstudium aufnehmen willst, zählt dein zweiter Bachelor als Zweitstudium.

Ein Studium gilt als abgeschlossen, wenn du

  • dein Studium an einer deutschen Hochschule oder an einer europäischen Hochschule absolviert hast und
  • wenn du dafür ein Gesamtprädikat (Abschlussnote) sowie einen erfolgreichen Abschluss des ersten Studiums (Abschlusszeugnis) erhalten hast.

Hast du bis zum Ende der Bewerbungsfrist noch keine Abschlussnote und kein Abschlusszeugnis erhalten, bewirbst du dich mit deinem Abiturzeugnis zum Erststudium. Das Gleiche gilt, wenn du dein erstes Studium abbrichst, also nicht zu Ende studierst. Dann nimmst du kein Zweitstudium auf, sondern bewirbst dich wieder mit deinem Abiturzeugnis zu einem Erststudium.

Master ist kein Zweitstudium

Möchtest du nach deinem Bachelorstudium im Master weiterstudieren, ist der Master kein Zweitstudium. Ein Master nach dem Bachelorabschluss zählt als Aufbau- und Ergänzungsstudium.

Anders sieht es aus, wenn du bereits einen Masterabschluss hast und jetzt noch einen weiteren Master dranhängen möchtest. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du einen geisteswissenschaftlichen Master, beispielsweise in Kunstgeschichte, hast, für deinen Beruf zusätzlich wirtschaftliches Verständnis brauchst und deswegen einen MBA, also einen Master of Business Administration, absolvieren möchtest. In diesem Fall zählt ein weiterer Master als Zweitstudium.

Gründe für ein Zweitstudium

Gründe für ein Zweitstudium gibt es viele. Wichtig ist, dass du diese deutlich benennst, um die Wahl des Zweitstudiums im Motivationsschreiben oder auch bei deinen Eltern begründen zu können.

>> Wie du ein gelungenes Motivationsschreiben verfasst, erfährst du hier!

Beispiele für die Begründung eines Zweitstudiums:

  • Während deines ersten Studiums haben sich deine Interessen verlagert oder es entspricht nicht deinen Erwartungen, du wolltest aber erst dein Studium beenden, bevor du ein neues beginnst.
  • Die Berufsaussichten nach deinem Erststudium entsprechen nicht deinen Vorstellungen oder der Arbeitsmarkt hat sich verändert.  
  • Durch die Kombination des Erststudiums und des Zweitstudiums bist du besonders qualifiziert für den Arbeitsmarkt.
  • Du hast weitere Fachkenntnisse erworben, die du wissenschaftlich vertiefen möchtest.
  • Mit deinem Bachelorabschluss kannst du nicht den Master machen, den du für deinen weiteren Weg brauchst.

Eine Umfrage im September 2016 hat die Gründe generell für ein Studium erfasst: 

Quelle: statista 2017: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/617347/umfrage/motive-fuer-den-beginn-eines-studiums-in-deutschland/

Bewerbung und Zulassung zum Zweitstudium

Für ein Zweitstudium ist deine Abiturnote, mit der du dich zu deinem Erststudium beworben hast, nicht mehr von Interesse. Auch Wartesemester spielen bei deiner Bewerbung für ein Zweitstudium keine Rolle mehr.

Handelt es sich bei deinem Studienwunsch um einen zulassungsfreien Studiengang, können sich alle Bewerber, egal ob Erst- oder Zweitstudiengang, innerhalb der Frist anmelden.

Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen gibt es einen bestimmten Prozentsatz für Zweitstudenten. Bei der Humboldt-Universität zu Berlin stehen zum Beispiel vier Prozent der Studienplätze in einem Fach zur Verfügung. Das heißt, in jedem Studiengang sind nur sehr wenige Plätze für Absolventen im Zweitstudium vorgesehen – durchschnittlich 2 bis 3 Studienplätze pro Fachrichtung. In der Online-Bewerbung gibst du in einem der ersten Schritte an, dass es sich bei deiner Bewerbung um ein Zweitstudium handelt.

Bei der Studienplatzvergabe zählen die Note deiner Abschlussprüfung des Erststudiums sowie die Gründe für das gewünschte Zweitstudium. Deine Gründe legst du hierbei in einem Motivationsschreiben dar, bei manchen Universitäten erfolgt auch ein persönliches Gespräch mit einem Fachprofessor. Die Gründe werden von manchen Universitäten nach bestimmten Kriterien in einem Punktesystem bewertet, zum Beispiel:

  • Zwingende berufliche Gründe
  • Wissenschaftliche Gründe
  • Besondere berufliche Gründe
  • Sonstige Gründe

Zweitstudium: Kosten und Gebühren

Über ein Zweitstudium entscheidet vor allem auch die finanzielle Ausgangssituation der Absolventen. In den meisten Bundesländern fallen für ein Zweitstudium keine Extra-Gebühren an, sondern du musst nur den Semesterbeitrag bezahlen.

Anders sieht es aus, wenn du an einer privaten Universität, Fachhochschule oder Akademie studierst. Hier ist ein Studium eine kostspielige Angelegenheit und es fallen hohe Studiengebühren an.

Wer ein Zweitstudium erwägt, sollte seine Familie und Freunde mit in den Entscheidungsprozess einbeziehen. Bist du älter als 25 Jahre, erhältst du kein Kindergeld mehr, zusätzlich bist du nicht mehr bei deinen Eltern in der Krankenversicherung mitversichert und musst dich selbstversichern. Auch Stipendien werden eher selten an Zweitstudenten vergeben. Der Rückhalt im Familien- und Freundeskreis spielt deswegen für ein weiteres Studium eine wichtige Rolle – auch unter finanziellen Aspekten. Wer keine Unterstützung durch seine Eltern erhält, muss entweder einen Nebenjob oder einen Studienkredit aufnehmen. Doch nicht jede Bank bietet eine solche Finanzierung an und auch die Zinssätze unterscheiden sich stark. Hier sollte man sich Zeit für die Recherche nehmen und die Angebote in Ruhe vergleichen.

>> Mit diesen Werkstudentenjobs finanzierts du dir dein Studium selbst!

Zweitstudium und BaföG

Möchtest du dein Zweitstudium durch BaföG finanzieren, hast du nur Aussicht auf Erfolg, wenn das Zweitstudium für deinen späteren Beruf erforderlich ist. Dennoch solltest du dich beim BaföG-Amt deiner Universität beraten lassen und einen BaföG-Antrag abgeben. Probieren kann man es immer!

Vor- und Nachteile eines Zweitstudiums

Karriereoption oder Zeitverlust?

Erwägst du ein Zweitstudium, solltest du die Vor- und Nachteile dafür sinnvoll miteinander abwägen können. Damit findest du für dich selbst heraus, ob du die weiteren Studienjahre sowie den Aufwand und die Energie dafür hast. Außerdem kannst du diese Argumentation auch für deine Begründung verwenden, zum Beispiel in deinem Motivationsschreiben. 

Nachteile Zweitstudium:

  • schwere Zugangsmöglichkeiten für einen Studienplatz
  • Problem der Finanzierung
  • Verzögerung des Berufseinstiegs
  • Bürokratische Hürden

Vorteile Zweitstudium:

  • Chance, eigene Fähigkeiten und Interesse zu erweitern
  • Bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt
  • Durch erstes Studium ist man schon auf das Uni-Leben vorbereitet
  • Teilweise lassen sich bereits erbrachte Leistungen anrechnen und das Zweitstudium dadurch verkürzen

Die Anforderungen im Studienalltag sind für einen Hochschulabsolventen im Zweitstudium keine Herausforderungen mehr, denn du kannst auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen: Wie organisiere ich meinen Studienalltag? Wie viele Lehrveranstaltungen kann ich pro Semester absolvieren? Wie viel Zeit beansprucht die Vor- und Nachbereitung?

Wenn das Zweitstudium nicht mit einem Hochschulwechsel einhergeht, sind auch die Wege zum Prüfungsamt, zur Bibliothek oder zur Studienberatung keine zusätzlichen Stressfaktoren mehr. All diese Dinge sind im Zweitstudium hilfreich und sparen Zeit und Nerven. Im Gegensatz zum Erststudenten kann der Zweitstudent häufig auf ein festes soziales Netzwerk im Hochschulalltag zurückgreifen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zumindest einige ehemalige Kommilitonen oder Dozenten in den Fluren der Hochschule anzutreffen sind.

In jedem Fall bedarf es zum Zweitstudium einer ordentlichen Portion „Liebe zum Studieren“.

Lies auch:
>> Arbeitslos nach dem Studium
>> Warum Studenten ihr Studium abbrechen

>> Roter Faden im Lebenslauf verliert an Bedeutung

Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

Beliebte Artikel aus unserem Karriereguide

Sich bewerben: Ein Full-Time-Job
Ein typischer Tagesablauf

Sich bewerben: Ein Full-Time-Job

Arbeitslos und kein Spaß dabei. Auf Jobsuche zu sein und Bewerbungen zu schreiben ist ein hartes Los. Sozialer Druck, die eigenen Ansprüche und limitierte finanzielle Mittel sorgen dafür, dass Bewerber keine Arbeitslosen-Klischees erfüllen und den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, sondern einen (unbezahlten) Fu...

Zum Artikel
Kündigung bei befristetem Arbeitsvertrag
Nur in Ausnahmefällen möglich

Kündigung bei befristetem Arbeitsvertrag

Eine Kündigung bei einem befristeten Arbeitsvertrag ist nicht nötig. Mit Ablauf der Vertragslaufzeit endet das Arbeitsverhältnis automatisch. Eine vorzeitige Kündigung ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Zum Artikel
Karriere bei der REWE Group: Einblicke vom Arbeitgeber
Personaler im Interview

Karriere bei der REWE Group: Einblicke vom Arbeitgeber

Alexander Pape ist als HR-Experte für das Thema Arbeitgebermarketing/Employer Branding bei der REWE Group zuständig. Im Interview mit ABSOLVENTA spricht er über die Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen, Gehalt und Benefits für Mitarbeiter sowie die Unternehmenskultur des Handels- und Touristikkonzerns.

Zum Artikel