Was ist eigentlich ein Traineeprogramm?

Traineeprogramm: Spezialausbildung für Hochschulabsolventen

Traineeprogramm: Spezialausbildung für Hochschulabsolventen

Ein Traineeprogramm kann sich von Unternehmen zu Unternehmen zum Teil deutlich unterscheiden. Nicht nur inhaltlich sondern auch in Aufbau, Ablauf und der Dauer. Das liegt daran, dass „Traineeprogramm“ kein geschützter Begriff ist. Jedes Unternehmen kann eine Trainee-Stelle anbieten, völlig unabhängig davon, wie das Programm dahinter ausgestaltet ist. Dadurch gibt es auch keine allgemeingültige Definition für Traineeprogramme. So ist es kein Wunder, dass nicht nur viele Firmen sondern auch viele Bewerber sich etwas Unterschiedliches darunter vorstellen. 

ABSOLVENTA bringt Licht ins Dunkel. Wir zeigen, was die Grundidee eines Traineeprogramms ist und woran man erkennt, ob es sich um ein faires und karriereförderndes Einstiegsprogramm handelt.

Aus Hochschulabsolventen werden Fach- und Führungskräfte

Traineeprogramme richten sich in aller Regel an Hochschulabsolventen. Ziel der Unternehmen ist es, den Trainee zu einer vielseitig einsetzbaren Nachwuchskraft aufzubauen, die nach der Ausbildung innerhalb des Unternehmens eine verantwortungsvolle Fach- oder Führungsposition einnimmt. Die genaue Zielposition steht zu Beginn eines Traineeprogramms oftmals aber noch nicht fest, sondern kristallisiert sich erst im Laufe der Zeit heraus.

Dazu durchläuft ein Trainee während des meist zwölf bis 24 Monate dauernden Traineeprogramms für jeweils einige Wochen und Monate verschiedene Abteilungen - teilweise auch im Ausland - um das Unternehmen in seiner Gesamtheit und in seiner Organisationsstruktur kennenzulernen. Auf diese Weise soll der Trainee lernen, abteilungsübergreifend zu denken und zu handeln, so dass er in seinem späteren Werdegang innerhalb der Firma nicht nur seinen eigenen Fachbereich sieht, sondern die Auswirken auf andere Unternehmensbereiche in seine Überlegungen und sein Handeln mit einbezieht.

Neben dem allgemeinen Traineeprogramm gibt es vermehrt auch fachspezifische Traineeprogramme. Hier lernt der Trainee nicht alle Bereiche des Unternehmens kennen, sondern durchläuft nur die für seinen jeweiligen Fachbereich relevanten Abteilungen. Er wird dann zu einem Experte in dem Gebiet, schaut aber auch über den Tellerrand seines Bereiches.  

Woran man ein hochwertiges Traineeprogramm erkennt

Neben der Job-Rotation durch verschiedene Unternehmensbereiche zeichnet sich ein hochwertiges noch durch einige andere Merkmale aus. Da mal als Führungskraft nicht nur über Fachkompetenz sondern auch über soziale Kompetenzen verfügen muss, nehmen Trainees im Rahmen ihrer Ausbildung auch regelmäßig an Workshops und Schulungen teil. Dieses sog. Training-off-the-Job zielt darauf ab, die Soft Skills der Trainees zu verbessern.

Trainees erfahren in der Regel auch eine besondere Betreuung. Neben der Einarbeitung durch die fachlichen Vorgesetzten werden die Trainees meistens noch zusätzlich von einem HR-Mitarbeiter betreut und bekommen zudem noch einen Mentoren zur Seite gestellt, der ihnen nicht nur in fachlichen Angelegenheiten mit Rat und Tat zu Seite steht.

Ein weiteres typisches Element von Traineeprogrammen sind Netzwerkveranstaltungen. Diese dienen dazu, dass der Trainee andere Trainees sowie Führungs- und Fachkräfte des Unternehmens persönlich kennenlernt, damit die Entscheidungsträger der Firma in Zukunft besser und intensiver abteilungsübergreifend zusammenarbeiten.

Die Bezahlung im Traineeprogramm gilt als fair, wenn das Einstiegsgehalt eines Direkteinsteigers gleicher Qualifikation nicht wesentlich unterhalb des Trainee-Gehalts liegt (max. 15 Prozent Differenz). Sofern man kein Quereinsteiger ist, sollte das Trainee-Gehalt zudem nicht unter 2500 Euro pro Monat liegen. Die Vergütung der Trainees liegt zwar häufig etwas unter dem Lohn der Direkteinsteiger, doch die hohen Investitionen in das Humankapital kompensieren das wieder. Zudem sind die mittel- und langfristigen Gehaltsaussichten meist sehr gut, da man die Karriereleiter als Absolvent des Programms sehr gute Aufstiegs- und Entwicklungschancen hat. Das spiegelt sich dann auch im Gehalt wieder.

Ein Indiz für die Qualität des Traineeprogramms ist die Übernahmequote (bzw. Weiterbeschäftigungsquote) der Trainees nach Ablauf des Programms. Auch wenn viele Trainees zunächst nur einen Arbeitsvertrag über die Dauer des Traineeprogramms erhalten, sind die Unternehmen nämlich auf Grund der hohen Investition in die Ausbildung (Einarbeitung, Reisekosten, Soft-Skills-Seminare, Netzwerkveranstaltungen, Mentorenprogramm etc.) stark an einer Übernahme interessiert, sofern der Trainee den Erwartungen des Arbeitgebers gerecht wird.

„Trainee-Auszeichnung“ kennzeichnet Top-Traineeprogramme

Doch nicht alle Traineeprogramme können mit den genannten Qualitätsmerkmalen aufweisen. Es gibt sogar Angebote, die sich bei näherem Hinschauen als ein besseres Praktikum erweisen. Das ist nicht die Regel, zeigt aber die Spannweite, die es auf dem Markt der Traineeprogramme gibt. 

Als Orientierungshilfe für Bewerber hat die Jobbörse ABSOLVENTA daher gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 2011 die „Trainee-Auszeichnung“ ins Leben gerufen. Diese erhalten Firmen, die nachweislich „hochwertige und faire Traineeprogramme“ anbieten. Hier die Liste aller ausgezeichneten Unternehmen.

Eine Traineeprogramm, dass diese Auszeichnung nicht trägt, muss aber nichts zwangsläufig schlecht sein. Als Bewerber muss man immer seine eigenen Qualifikationen und Kompetenzen dem Jobangebot des Arbeitgebers gegenüberstellen. Insbesondere für Quereinsteiger, Uni-Abbrecher oder Absolventen ohne Praxiserfahrung kann auch ein weniger hochwertiges Traineeprogramm ein guter Einstieg ins Berufsleben sein.

Anforderungen an Bewerber steigen mit der Qualität des Traineeprogramms

Je hochwertiger die Trainee-Ausbildung, desto höher auch die Anforderungen an Bewerber.  Um eine Trainee-Stelle bei einem großen internationalen Konzern zu ergattern, muss man schon über einen exzellenten Lebenslauf (u.a. sehr guter Master-Abschluss, Auslandserfahrung, Praxiserfahrung, Fremdsprachen) und ausgeprägte Soft Skills verfügen. Bei Unternehmen im Mittelstand haben aber auch Absolventen ohne einen Einser-Abschluss reelle Chancen auf den Berufseinstieg als Trainee.

Bis vor einigen Jahren richteten sich Traineeprogramme vornehmlich an Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge. Mittlerweile aber sind die Unternehmen auch vermehrt an Ingenieuren, Informatiker, Juristen und zum Teil auch an Geisteswissenschaftlern interessiert.

>> Trainee-Stelle gesucht? Lasse dich mit einem Bewerberprofil von den Unternehmen finden oder durchforste die Stellenangebote nach einem passenden Traineeprogramm.

Über den Autor

Lukas große Klönne
Lukas große Klönne

Ehem. Redaktionsleiter der Jobbörse ABSOLVENTA und Autor des Buches "Trainee-Knigge" – der Ratgeber für Berufseinsteiger.

Beliebte Artikel aus unserem Karriereguide

Karriere bei REWE Markt: Einblicke vom Arbeitgeber

Karriere bei REWE Markt: Einblicke vom Arbeitgeber

Katrin Sievers ist HR-Expertin im HR-Kompetenzcenter der REWE Markt GmbH. Im Interview mit ABSOLVENTA berichtet sie über die Möglichkeiten, die Hochschulabsolventen für den Berufseinstieg bei dem Unternehmen haben und verrät, was im Auswahlprozess auf die Bewerber zukommt.

Zum Artikel
Berufseinstieg bei BFFT: Erfahrungen
Insider-Interview

Berufseinstieg bei BFFT: Erfahrungen

Johannes Meyr hat seinen Bachelor of Electronic Engineering an der Glyndwr University in Wrexham beendet, bevor er als Testingenieur bei BFFT eingestiegen ist. Wie sein Auswahlgespräch verlief, welche Aufgaben er nun im Arbeitsalltag hat und warum er jeden Tag gerne zur Arbeit bei dem internationalen Fahrzeugentwick...

Zum Artikel
Stärken im Vorstellungsgespräch gekonnt einbringen
Ganz stark!

Stärken im Vorstellungsgespräch gekonnt einbringen

Die Stärken im Vorstellungsgespräch darzustellen gehört zu den klassischen Aufgaben und bedarf einer gute Vorbereitung. Denn nur Schlagwörter wie „kommunikativ“ oder „kreativ“ aufzuzählen reicht noch lange nicht. Es geht vielmehr darum, die Stärken anhand von konkreten Beispielen zu belegen.

Zum Artikel