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Vorsicht, Fettnäpfchen!

Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz ist in der globalisierten Arbeitswelt wichtiger denn je. Vor allem bei einem Global Player sind oft weitreichendere Soft Skills gefragt als nur Teamfähigkeit und der richtige Umgang mit den Kollegen. Steht man im Beruf mit Menschen aus anderen Kulturkreisen in Kontakt, sollte man tunlichst die landestypischen Höflichkeitsformen kennen. ABSOLVENTA erklärt, welche Besonderheiten man im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern beachten sollte. 

Religion und Essgewohnheiten

Das Wissen über andere Religionen ist ein zentrales Element der interkulturellen Kompetenz. Die europäische Gesellschaft ist durch das Christentum geprägt. Kirche und Staat sind in den meisten europäischen Staaten strikt voneinander getrennt. In anderen Regionen der Welt spielt Religion vielfach jedoch eine sehr viel bedeutsamere Rolle und beeinflusst viele Bereiche des täglichen Lebens, wie beispielsweise das Essen und Trinken. Obwohl zum Beispiel das Wort „Alkohol“ ursprünglich  aus dem Arabischen stammt, ist der Konsum von Alkohol in vielen arabischen Ländern ungewöhnlich, wenn nicht sogar verboten.

Ein Geschäftsessen mit einem muslimischen Kunden, bei dem es Schweinefleisch gibt, ist sogar undenkbar. Schweine sind Allesfresser und gelten in der muslimischen Welt als unrein. Deshalb sollte der Gastgeber alle Produkte aus Schwein vermeiden, wenn er mit einem muslimischen Kunden zusammentrifft. In Dubai gibt es nicht einmal Gummibärchen aus gewöhnlicher Gelatine, da auch diese aus dem Bindegewebe von Schweinen produziert wird.

Auch das Judentum stellt strenge Regeln für die Gläubigen auf: Orthodoxe Juden leben oft koscher nach den Gesetzen des „Tanach“. Sie lehnen Gerichte ab, die Milchprodukte und Fleisch vereinen. Fleisch essen sie nur von wiederkäuenden Tieren mit gespaltenen Hufen, beispielsweise Rind, Lamm oder Ziege.

Diese Besonderheiten in der Esskultur zeigen, dass die jeweilige Kultur auch über Tabus bestimmt. Diese sollten im Umgang mit internationalen Geschäftspartnern zwingend beachtet werden, um den geschäftlichen Erfolg nicht zu gefährden und die persönliche Beziehung nicht zu belasten.
 

Im Video werden weitere Aspekte der interkulturellen Kompetenz dargestellt

Tischmanieren

So unterschiedlich wie die Speisen sind auch die Tischmanieren in einzelnen Ländern. Während Europäer das Rülpsen und Schmatzen als unhöflich bis unzivilisiert ansehen, ist dieses Tisch-Verhalten in China und Japan durchaus üblich. Es ist kein Mangel an Respekt – ganz im Gegenteil. Durch diese geräuschvolle Gepflogenheit wird dem Gastgeber signalisiert, dass etwas besonders gut schmeckt. Im Zweifel sollte man aber mit derlei Geräuschen warten, bis der Gastgeber damit anfängt, denn vor allem China ist ein sehr großen Land, in dem es auch viele regionale Unterscheide gibt.

Darüber hinaus ist es in asiatischen Ländern oft üblich, dass die Gäste von einer großen Drehtafel speisen und sich von allen Gerichten bedienen.

Pünktlichkeit

Auch beim Thema Pünktlichkeit kann sich zeigen, wie interkulturell kompetent man ist. In Italien, Spanien oder in der Türkei kann es schnell passieren, dass Gesprächspartner zu spät kommen. Eine Verspätung bedeutet jedoch nicht, dass sie den Termin für unwichtig erachten. Im arabischen Raum verabredet man sich nach Tageszeiten, also zum Beispiel am Nachmittag. Hier sollte man für Geschäftstermine also unter Umständen etwas mehr Zeit einplanen.

Im asiatischen Raum gilt eine Verspätung hingegen als Affront. Geschäftspartner aus diesem Kulturkreis legen in der Regel Wert auf minutengenaue Pünktlichkeit und lassen Ausreden nicht gelten. Die Regeln werden bei Ausländern oft etwas toleranter gehandhabt. Wer jedoch mit seiner interkulturellen Kompetenz punkten will, muss sich mit den örtlichen Gepflogenheiten auskennen und sollte sein Gegenüber nicht warten lassen.

Von einem Deutschen wird im Allgemeinen erwartet, dass er pünktlich ist. Selbst in Ländern, wo Pünktlichkeit nicht so wichtig ist, kann es für den Gastgeber eine große Enttäuschung sein, wenn der deutsche Gast zu spät kommt. Das liegt daran, dass der Stereotyp des pünktlichen Deutschen in vielen Staaten existiert und dass diese Pünktlichkeit auch von ihm erwartet wird. Unpünktlichkeit kann in diesem Fall als Unhöflichkeit ausgelegt werden.

Höflichkeit und Begrüßung

Höflichkeit betrachten viele Kulturen als hohes Gut, dabei ist die jeweilige Auffassung von Höflichkeit überall anders. Was in einer Kultur erwartet wird, kann in einer anderen als unangemessen bewertet werden.

In vielen Ländern gilt es als unhöflich, einen Gast nicht zu bewirten. In Ägypten etwa ist es fast schon schändlich einem Gast nicht wenigstens ein Mahl anzubieten. Noch negativer fasst der Ägypter eine Erklärung á la „Ich habe keine Zeit, Sie müssen irgendwann anders vorbeikommen“ auf.

Auch die Art der Begrüßung variiert von Kultur zu Kultur. Während es in Deutschland üblich ist, den Gast mit einem Handschlag zu begrüßen, ist das zum Beispiel in England oder den USA ungewöhnlich. Hier ist der Körperkontakt eher unerwünscht. In Russland hingegen ist es normal, dass sich nur die Männer per Handschlag begrüßen. Frauen wird jedoch generell nicht die Hand gegeben. Man beschränkt sich bei den Damen auf eine verbale Begrüßung und/oder ein Kopfnicken..

In Japan ist es Usus, dass die Geschäftspartner bei der Begrüßung Visitenkarten austauschen. Wenn mehrere Personen anwesend sind, ist es wichtig sich zu merken, wer welchen Rang innehat und wem welche Karte gehört. Wer die Visitenkarten direkt nach dem Erhalt wegsteckt, gilt als respektlos. Richtig ist es, sie der Hierarchie nach geordnet auf dem Tisch zu präsentieren, bevor man sie in die Tasche steckt.

Weiterhin ist es in Japan landestypisch, die Visitenkarte mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung zu überreichen. Ebenso nimmt man die Karte mit beiden Händen an.

Laut Knigge steckt man aber auch in Deutschland die Visitenkarten nicht einfach in die Hosentasche, sondern liest sie sich zuerst durch.

Sprache als Teil interkultureller Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz zeigt sich auch in der Sprache. Die meisten Geschäftspartner erwarten nicht, dass der Gast ihre Sprache beherrscht. Es kann allerdings hilfreich sein, ein paar Worte zu sprechen. Das zeigt, dass man sein Gegenüber wertschätzt und sich auf den Termin vorbereitet hat. Häufig werden Geschäftsgespräche auf Englisch geführt, es kann aber auch ein Dolmetscher anwesend sein.

In vielen Fällen ist der Geschäftspartner freudig überrascht, wenn der Gast oder Gastgeber ihn in seiner Landessprache begrüßt. Allerdings sollte man sich vorher versichern, dass man den eingeübten Satz richtig ausspricht, sonst könnte es schnell peinlich werden. Ein oft zitiertes Beispiel für eventuelle Missverständnisse ist das chinesische Wort „ma“, das je nach Sprechweise mehrere Bedeutungen haben kann – von „Hanf“ über „Mutter“ bis „Pferd“.

Auch eine direkte Verneinung und eine klare Meinungsäußerung sind in manchen Kulturkreisen eher unüblich. Dabei geht es oft darum, sein eigenes Gesicht oder das des Gegenübers zu wahren. Bei Alltag und Arbeit in China ist es zum Beispiel unangebracht, einfach „Nein“ zu sagen, stattdessen entschuldigt man sich und bedauert, dass man zwar sehr geehrt sei, das mehr als großzügige Angebot jedoch nicht annehmen könne.

Im Übrigen ist es in China sehr unhöflich, negativ über jemand anderen beziehungsweise dessen Hab und Gut zu reden. Selbst wenn das Auto eines Geschäftspartners von Rost zerfressen ist, beglückwünscht man ihn zu seinem guten Kauf und eventuell zu der wunderschönen Farbe des Wagens, um ihn nicht bloßzustellen.

Zu der interkulturellen Kompetenz gehört auch, die Worte und Gesten des Gegenübers richtig zu deuten. So schenkt derjenige, der häufig in den USA unterwegs ist, dem täglichen „How are you?“ nur wenig Beachtung – die einzig akzeptable Antwort, wenn man nicht befreundet ist, ist ein „fine“. Auch „Let‘s have dinner“ ist ohne eine feste Terminierung meist nur eine höfliche Floskel.

Fazit

Die Interkulturelle Kompetenz ist insbesondere für die Arbeit in international operierenden Unternehmen sehr wichtig. Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter zusätzlich zu speziellen Seminaren, um ihre interkulturelle Kompetenz auszubilden. Die grundlegenden Formen der Höflichkeit und Traditionen einer anderen Kultur zu verstehen, kann einen nur weiterbringen. Deshalb sind auch Auslandserfahrungen nicht nur eine schöne Zierde auf dem Lebenslauf sondern auch im Berufsalltag ein großer Vorteil.  

In den genannten Beispielen handelt es sich um Stereotypen. Es ist hilfreich sie zu kennen, aber man sollte sie nicht einfach blind befolgen, sondern immer auch auf den gesunden Menschenverstand hören sowie das individuelle Verhalten und die Reaktionen seines Gegenübers berücksichtigen.

Das wichtigste sind ohnehin Höflichkeit und Respekt. Wenn man beides an den Tag legt, so wird das Gegenüber auch nachsichtiger sein, falls man doch mal in ein interkulturelles Fettnäpfchen treten sollte.

>> Arbeiten im Ausland: Tipps und Infos

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