Zwischen Studium und Beruf

Uni-Abschluss – und dann? So startest du entspannt in den „Ernst des Lebens“

Uni-Abschluss – und dann? So startest du entspannt in den „Ernst des Lebens“

„Schule aus, wir gehn nach ...“ – ja, wohin eigentlich? Nach dem Studium ist vor dem ersten festen Job. In die Freude über den Hochschulabschluss mischt sich die Sorge um die ungewisse Zukunft. Auch eine Auszeit zu nehmen, ist erstmal verlockend. Wie du die Zeit nach der Uni sinnvoll nutzt und mit deinem Berufseinstieg die richtige Richtung einschlägst, erfährst du hier.

Inhalt

  1. Nach der letzten Prüfung
  2. Zeit sinnvoll nutzen
  3. Berufsorientierung
  4. Bewerbung schreiben
  5. 1. Arbeitstag

Nach der letzten Prüfung

Während die einen Geldnöte plagen, weil sie ihren Studienkredit schnell zurückzahlen und sofort in den Job einsteigen wollen, zieht es andere erst einmal auf Papas Kosten für eine mehrmonatige Backpacker-Auszeit nach Australien. Gemein haben aber alle Absolventen, dass sie früher oder später in den Beruf einsteigen und dann Jahrzehnte lang Teil des Arbeitsmarktes sind. Die Phase zwischen Studium und Beruf ist für die meisten Absolventen somit die letzte Auszeit vor einer langen Karriere, in der die Urlaubstage rar gesät sein werden.

Die gute Nachricht vorweg: Hochschulabsolventen finden fast immer einen Job. Die Arbeitslosenquote von Akademikern liegt seit jeher unter fünf Prozent, selbst Absolventen von sogenannten Orchideenfächern werden auf dem Arbeitsmarkt fündig.

Die schlechte Nachricht: Je nach Studienrichtung und Wunschregion kann die Jobsuche Wochen, Monate oder gar ein ganzes Jahr dauern. Was kannst du also in der Zeit tun und wie findest du überhaupt raus, was du künftig machen willst? Ob freiwillige oder ungewollte Auszeit: In jedem Fall ist es wichtig, dass du dir einen Plan machst und die Zeit so nutzt, dass es keine verlorene ist.

Zeit sinnvoll nutzen

Was heißt „sinnvoll“? Diese Frage kann jeder nur für sich beantworten. Hier sind Vorschläge, wie du die Zeit zwischen Studium und Beruf aktiv und für dich nutzen kannst.

Nebenjob
Mit einem Nebenjob kann man sich zwischen Abschluss und dem ersten richtigen Job etwas Geld verdienen und Praxiserfahrungen sammeln. Wenn der Nebenjob auch noch in Zusammenhang mit dem gewünschten Job steht, schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.
Beispiele u.a.: Messe-Jobs, Büro-Tätigkeiten, Gastronomie, Call Center, Produkttester 

Ehrenamtliche Tätigkeiten
Ehrenämter und soziales Engagement machen sich in jedem Lebenslauf gut. Das ist in Hinblick auf die am Arbeitsmarkt geforderten Soft Skills deutlich überzeugender, als sich im Bewerbungsschreiben selbst als teamfähig, gewissenhaft und sozial kompetent zu bezeichnen, ohne das anhand von konkreten Beispielen belegen zu können. 
Beispiele u.a.: Nachhilfe für Geflüchtete, Besuchsdienst im Altenheim bei alleinstehenden Senioren, Mitarbeit bei der Tafel

Sprachkurse
Auch ein Sprachkurs ist eine sinnvolle Sache, um das eigene Qualifikationsprofil zu verbessern. Das können z. B. Kurse an der Volkshochschule sein oder mehrwöchige Sprachreisen.

Die eigene Homepage erstellen
Die Reputation im Internet wird immer wichtiger. Biete den Personen, die im Internet nach Informationen über dich suchen, deine eigene Homepage an. Die laufenden Kosten für eine Webseite bewegen sich im einstelligen Euro-Bereich, die Homepage kann sich aber im Bewerbungsprozess als sehr wertvoll herausstellen. So kannst du googelnden Personalern einen seriösen Eindruck von dir vermitteln. Außerdem vermittelt die eigene Homepage digitale Kompetenz.

Reisen
Es muss ja nicht immer gleich eine teure Weltreise sein. Auch innerhalb Deutschlands kannst du herumreisen, Kulturtrips machen und Freunde besuchen. Dank Mitfahrgelegenheiten, Fernbussen und Couchsurfing geht das auch zum kleinen Preis. Zieht es dich für länger ins Ausland, macht sich auch das gut im Lebenslauf – denn du zeigst interkulturelle Kompetenz, Organisationsgeschick und Mut, wenn du zum Beispiel alleine mit deinem Backpack quer durch Südamerika reist.

Was wolltest du immer schon mal machen?
Wolltest du schon immer mal ein paar Handgriffe bzw. Akkorde auf der Gitarre erlernen, einen Kochkurs belegen oder endlich den Führerschein machen? Welche Sachen sind in der Prüfungszeit liegen geblieben, die du jetzt endlich nachholen kannst? Nicht lange drüber nachdenken, einfach machen! 

Berufsorientierung

Auch wenn du nach deinem Uni-Abschluss erstmal langsam machst, solltest du deine berufliche Zukunft nicht völlig ignorieren. Wenn du Medizin oder Jura studiert hast, hast du vielleicht schon einen konkreten Plan, wo sich deine Karriere hinbewegen soll. Bei allgemeineren Fächern wie BWL oder Geisteswissenschaften hingegen kannst du so viele Wege einschlagen, dass du vermutlich gar nicht weißt, wo du anfangen sollst. Jetzt gilt es: In dich reinhorchen, informieren, bewerben! Dabei stellst du dir folgende Fragen:

Was hat mir die Uni gebracht?

Wer an einer Universität studiert, sollte sich von vornherein bewusst sein, dass der akademische Auftrag dieser Einrichtungen ein allgemeiner ist. Es geht nicht nur um eine gezielte Berufsausbildung, sondern auch um eine generelle berufliche Qualifikation. Universitäten vermitteln über den eigentlichen „Lernstoff“ hinaus traditionell Methodenkompetenz und kritisches Denken. Soweit zumindest die Theorie. Nichtsdestotrotz bleibt eine Universität dem universalen Anspruch verhaftet. Inwiefern jede einzelne Hochschule diesen erfüllen kann, bleibt erst einmal unbeantwortet.

Was passt grundsätzlich zu mir?

Bevor Studenten und Absolventen das eigene berufliche Ziel artikulieren können, müssen sie es erst einmal selber finden. Viele Studenten haben noch kein festes Berufsbild vor Augen und wissen noch weniger, wie sie sich bereits im Studium darauf vorbereiten können. Berufsfindungsseminare (wie z. B. die Potenzialanalyse GPOP) sind ein gangbarer Weg, sich über seine Stärken und mögliche Karrierewege klar zu werden. Einschlägige Ratgeber geben zudem einen Überblick über Karriere-Chancen für die unterschiedlichen Studiengänge und die Karriere-Seiten der Unternehmen zeichnen ebenfalls Berufsfelder vor.

Verstärkt finden sich auch Online-Tests, die dir passende Fachrichtungen vorschlagen. Hier ist es wichtig, dass du dich nicht auf einen Test verlässt, sondern am besten mehrere durchführst und dir auch klarmachst, wo deren Fokus liegt bzw. welche Schwachpunkte sie vielleicht auch aufweisen. Hast du Ideen, bist aber noch sehr unsicher, hilft es, gute Freunde und Familienmitglieder zu fragen, ob sie dich in dem Beruf sehen.

Hier kannst du herausfinden, welche Richtung für dich passen könnte:

Wo kann ich mich gezielt informieren?

Insbesondere Wirtschaftswissenschaftlern, Juristen und Geisteswissenschaftlern bietet sich ein breites Spektrum an beruflichen Aufgabenfeldern. Daher ist besonders wichtig, sich früh über Einstiegschancen zu informieren, z. B. auf Karriere-Portalen oder am besten direkt auf den Karriere-Seiten der Unternehmen. Neben den Berufsfeldern informieren die Webauftritte auch über Anforderungen an die Bewerber und geben Auskunft, worauf Personaler Wert legen. Gleiches gilt für Jobmessen, auf denen Unternehmen nach fähigen Nachwuchskräften suchen.

Praktika während des Studiums bilden die beste Orientierungsfunktion. Dort knüpfst du berufliche Kontakte und erfährst durch eigene Erfahrung, ob dir bestimmte Aufgaben und Tätigkeiten liegen oder eben nicht. Mit dem Wissen kannst du deine Lehrinhalte für den Rest der Studienzeit gezielter auswählen.

Wo möchte ich mich bewerben?

Kennst du deine Möglichkeiten und potenzielle Arbeitgeber, geht es auf Stellensuche. Das heißt, du durchforstest Stellenanzeigen und Karrierewebsites und checkst, welche Arbeitgeber dich interessieren. Sind bei deinem Wunscharbeitgeber keine Stellen frei, kannst du dich auch initiativ bewerben. Hierbei musst du das Unternehmen besonders davon überzeugen, wieso du ein großer Gewinn bist. Neben den Aufgabenfeldern solltest du dich auch über die Arbeitsbedingungen und die Unternehmenskultur schlau machen, um sicherzugehen, dass du dich dort wohlfühlen könntest.

Bewerbungen schreiben & überzeugen

Wer nach dem Studium den Berufseinstieg anstrebt, muss dafür auch etwas tun. Dazu gehört, dass du exzellente Bewerbungsunterlagen erstellst:

  • Lass beim Fotografen ansprechende Bewerbungsfotos von dir machen
  • Verfasse für jede Bewerbung ein neues, individualisiertes Anschreiben, was genau auf die gewünschte Position und die Firma passt
  • Gestalte deinen Lebenslauf übersichtlich und konzentriere dich auf relevante Auskünfte
  • Bereite dich auf Vorstellungsgespräche intensiv vor

Es hilft, wenn du dir bestimmt Ziele setzt und mit dir selbst vereinbarst, jeden Tag mindestens drei Bewerbungen zu verschicken.

Tipp: Mut zur Lücke

Je länger der Zeitraum zwischen Studium und Beruf ist, desto skeptischer beäugen viele Personaler diesen – jedenfalls solange in der Bewerbung nicht schlüssig dargelegt ist, was der Kandidat in dieser Zeit gemacht hat. Wird man im Vorstellungsgespräch zu der „arbeitslosen“ Zeit befragt, muss man eine bessere Antwort parat haben als „nichts“, „Party gemacht“ oder „relaxed“, um sich nicht selbst aus dem Auswahlverfahren herauszukatapultieren.

Wenn man beispielweise vom 23.06.2017 bis zum 07.08.2017 eine ca. sechswöchige Auslandsreise gemacht hat, darf man es im Lebenslauf guten Gewissens so aussehen lassen, als ob man drei Monate dort gewesen ist (06/17 – 08/17). Genauso kann man Nebenjobs, Praktika – sofern kein entlarvendes Zeugnis vorliegt – etc. zeitlich etwas strecken, um seine Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu vergrößern.

Der 1. Arbeitstag

Du hast es geschafft, deinen perfekten Einstiegsjob ergattert und der 1. Tag im neuen Job steht bevor? Dann erwartet dich erstmal eine große Umstellung. Frühes Aufstehen und in der Regel fünf Tage die Woche jeweils acht Stunden ackern werden dir erstmal einiges an Energie klauen. Doch hast du dir erstmal den neuen Rhythmus angewöhnt, wirst du schnell Vorteile gegenüber dem Studentenleben erkennen. Dazu gehören:

  • ein richtiger Feierabend statt Abende in der Bib
  • ein regelmäßiges Gehalt auf dem Konto
  • endlich Praxis statt nur Theorie
  • keine Prüfungen und vor allem keine Hausarbeiten
  • viel neue Inspiration und neues Wissen ganz nebenbei

Außerdem wirst du in der Regel intensiv eingearbeitet und gerade am Anfang kannst du dir als Berufseinsteiger sicher sein, nicht alleine gelassen zu werden. Dazu gibt es viel wertvolles Feedback. Und das Beste: Bist du erstmal im Berufsleben drin, steigen deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit jedem Jahr Arbeitserfahrung. Du kannst an deiner eigenen Karriere schrauben und deine Zukunft genau so gestalten, wie du persönlich das möchtest. Das heißt: Solltest du feststellen, dass das Feld, für das du dich entschieden hast, doch nichts für dich sein, steht es dir frei, zu wechseln – wichtig ist hierbei nur, dass du es nicht mehrmals hintereinander machst und in künftigen Vorstellungsgesprächen gut begründen kannst. 


>> Hochschulabsolventen sprechen über ihre Erfahrungen beim Berufseinstieg

Über den Autor

Bettina Wilde
Bettina Wilde

Bettina Wilde ist seit 2015 im Content Team von ABSOLVENTA tätig. Die studierte Germanistin verfasst Artikel rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere und ist Expertin, wenn es um Fragen zu Trainee-Programmen geht.

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