Achtung, Wohlfühlzone!

Nähe und Distanz – Das richtige Maß bei der Gesprächsführung

Nähe und Distanz – Das richtige Maß bei der Gesprächsführung

Die Körpersprache schließt auch die Distanz zum Gesprächspartner ein. Je besser man eine Person kennt und je vertrauter man mit ihr ist, desto weiter darf man sich ihr nähern. Wer allerdings die angemessene Entfernung verletzt, stößt schnell auf Ablehnung. Insbesondere bei Vorstellungsgesprächen sollten sowohl Bewerber als auch Personaler auf die Konventionen achten. ABSOLVENTA verrät, in welcher Situation welcher Körperabstand angebracht ist. 

Inhalt

  1. Die soziale Beziehung bestimmt die Nähe zum Interaktionspartner
  2. Öffentliche Distanz
  3. Soziale Distanz – Angemessene Nähe im Bewerbungsgespräch
  4. Persönliche Distanz
  5. Intime Distanz – Körperkontakt

Die soziale Beziehung bestimmt die Nähe zum Interaktionspartner

Was ist die richtige Nähe bei der Interaktion mit seinen Mitmenschen? Die Proxemik erforscht, inwieweit ein Nähe-Distanz-Verhältnis zu den Reaktionen eines Gesprächspartners besteht. Forscher dieses Teilgebiets haben (ungefähre) Grenzen festgesetzt, wie weit man sich anderen Menschen nähern kann, ohne dass diese Nähe für sie unangenehm wird. Die übliche Nähe zwischen Akteuren in bestimmten Situationen ist kulturabhängig. Für Mitteleuropäer unterscheiden die Forscher zwischen vier Distanzen:

  • öffentliche Distanz
  • soziale Distanz
  • persönliche Distanz
  • intime Distanz

Die Nähe zwischen zwei Menschen wird von der persönlichen Beziehung zueinander bestimmt. Welche Nähe angemessen ist, entscheidet sich nach dem jeweiligen Beziehungsstatus. Verletzt man den Abstand durch Bewegungen oder die Körperhaltung, reagiert das Gegenüber oft mit Abwehrgesten, beispielsweise Zurückweichen oder ablehnender Gestik wie dem Verschränken der Arme. Ausgenommen sind konventionelle Gesten, wie etwa der Händedruck. Hier sind die Akteure quasi zu Nähe gezwungen. Danach nehmen sie wieder die Distanz zueinander ein, der ihrer sozialen Beziehung entspricht.

Öffentliche Distanz

Bei Begegnungen auf der Straße oder in der Öffentlichkeit versuchen die meisten Menschen automatisch einen Abstand von mehr als dreieinhalb Metern zwischen sich und anderen Passanten einzuhalten. Wenn man einem fremden Menschen auf der Straße näher kommt, als die öffentliche Distanz es normalerweise zulässt, fällt seine Aufmerksamkeit automatisch auf den "Eindringling" in die Wohlfühlzone. Er versucht auszuweichen oder analysiert die Körpersprache des Gegenübers, um herauszufinden, ob man sich kennt und ob man etwas von ihm einfordern könnte, wie ihn nach dem Weg zu fragen.

Ausnahmen bilden natürlich bevölkerte Straßen wie eine Fußgängerzone, überfüllte öffentliche Verkehrsmittel, eine Supermarktschlange oder zum Beispiel Volksfeste und Konzerte. Dort ist die Distanz zwischen den Menschen zwangsläufig geringer und sie fühlen sich durch die Nähe nicht sonderlich irritiert.

Soziale Distanz – Angemessene Nähe im Bewerbungsgespräch

Die sogenannte soziale Distanz entspricht einer Entfernung von 1,20 bis 3,60 Metern. Bei öffentlichen Reden, formellen Anlässen oder offiziellen Gesprächen gilt diese Entfernung zueinander als angemessen. Verletzt jemand diese Distanz und kommt in die direkte Nähe von anderen Personen, können diese sich bedroht fühlen.

Bei einem Bewerbungsgespräch ist diese Nähe bzw. Distanz ebenfalls angemessen. Da es meistens an einem Tisch oder zumindest in einer Sitzgruppe stattfindet, ist der Abstand jedoch in der Regel automatisch vorgegeben. Trotzdem sollte man auch bei Begrüßung und Verabschiedung darauf achten, nicht in die persönliche oder sogar intime Nähe seines Gesprächspartners zu kommen. Bei einer solchen formalen Situation ist ein Abstand von etwa einer Armlänge angemessen.

Persönliche Distanz

Die persönliche Distanz von circa einem halben Meter bis hin zu 1,20 Metern ist Menschen vorbehalten, mit denen man vertraut ist. In diesem Interaktionsraum werden auch persönliche Themen besprochen, die eine nähere Beziehung zueinander voraussetzen. Die Akteure sind hier miteinander vertraut, jedoch nicht so sehr, dass sie automatisch Körperkontakt zulassen würden.

Intime Distanz – Körperkontakt

Die intime Distanz beträgt weniger als einen halben Meter. Diese Nähe eignet sich, um Themen zu besprechen, bei denen man sehr vertraut miteinander umgeht. Menschen, die in jemandes unmittelbare Nähe treten dürfen, kennen denjenigen sehr gut und sind in der Regel berechtigt, ihn zu berühren oder zu umarmen. Ein unberechtigtes Eindringen in die intime Distanz ist daher sehr problematisch und führt sehr schnell zu Abwehrreaktionen.

Achtung! Die beschriebenen Konventionen zur Nähe bestehen hauptsächlich für Mitteleuropa. Die angemessene Distanz zwischen zwei Personen ist kulturell determiniert. Die Deutschen neigen ähnlich wie die Japaner eher zu einer größeren Distanz, während in anderen Kulturen Nähe zu einem Gesprächspartner gesucht wird. In Brasilien wird ein Abstand zum Gegenüber von nur 30 cm als angenehm empfunden. Dort ist es auch völlig normal, weniger vertraute Personen zu berühren. Kenntnisse über die landestypische Nähe und Distanz sind Bestandteil der interkulturellen Kompetenz und insbesondere im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern unverzichtbar. Zudem gibt es Unterschiede zwischen Land- und Stadtbevölkerung. Städter halten tendenziell einen näheren Abstand zueinander ein als Landbewohner.

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