Die besten Antworten fürs Vorstellungsgespräch.

Die besten Antworten fürs Vorstellungsgespräch.
Das Bewerbungsgespräch: Wie sieht eine gute Vorbereitung aus, was muss ich unbedingt vermeiden und sind Notlügen eigentlich erlaubt? Keine Angst, nobody is perfect – mit dem richtigen Wissen kannst du aber viel erreichen. Deshalb haben wir diejenigen gefragt, die es am besten wissen müssen: zwei Personalerinnen. Lies hier, welche Tipps sie Bewerbern für die besten Antworten im Vorstellungsgespräch geben.
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  1. Do’s and Don’ts.

    Die Nervosität steigt oft, wenn sich im Vorstellungsgespräch Personaler Notizen machen und der Bewerber nicht weiß, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Was denken Personaler eigentlich während des Gesprächs, wie kann ich Faux-Pas verhindern, gibt es komplett unangebrachte Fragen? Wir stellen Nadia Grötsch und Yvonne Bayha die wichtigsten Fragen:

    Viele Bewerber machen sich große Gedanken, wenn im Vorstellungsgespräch das Gehalt nicht angesprochen wurde. Wir fragen deshalb nach Tipps: „Wird das Thema Gehalt im Vorstellungsgespräch grundsätzlich vom Personaler auf den Tisch gebracht?“

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Diese Frage stellt der Personaler. Und wenn er das nicht tut, hat er entweder irgendeinen Grund dafür oder es schlicht vergessen. Das kommt aber äußerst selten vor, weil ja die Frage, ob man sich beim Gehalt einigen kann, eine sehr entscheidende ist. Nur, wenn im Gespräch die Frage gar nicht aufs Gehalt kam, kann man zum Ende hin danach fragen.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Dies variiert, in der Regel wird das Gehalt jedoch vom Unternehmen angesprochen.

    „Wie detailliert sollte der Kandidat in einem Vorstellungsgespräch die Firmengeschichte kennen?“

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Die Geschichte des Unternehmens auswendig zu kennen, halte ich für übertrieben. Schließlich weiß jeder Personaler, dass sich Kandidaten in der Regel bei verschiedenen Unternehmen bewerben und eher selten derart begeistert von einem Unternehmen sind, dass sie sogar die Geschichte kennen. Die Eckdaten, also Gründungsjahr und –ort, Gründer, Produkte und Leitbild sollte man sich aber vorher schon angesehen haben.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Grobe Kenntnisse reichen völlig aus, Detailkenntnisse sind hier nicht notwendig.

    Was sind die drei größten Fehler in einem Bewerbungsgespräch?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Ungepflegtes Auftreten, keine Vorbereitung, Lügen.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Eine schlechte Vorbereitung für die Stelle, wenn die Motivation für die Stelle und das Unternehmen nicht herausgestellt werden, wenn keine Fragen gestellt und keine Notizen gemacht werden, denn das vermittelt Desinteresse.

    Der Bewerber ist krank – macht es einen schlechten Eindruck, den Termin für das Vorstellungsgespräch zu verschieben?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Nein, wenn jemand krank ist, macht das keinen schlechten Eindruck. Personaler sind Menschen und werden auch krank! Man sollte sich aber in einem solchen Fall aktiv um einen neuen Termin bemühen.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Keineswegs.

    Wann stellt der Kandidat am besten die Frage nach Erstattung der Reisekosten? Oder sollte er nicht danach fragen?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Das sollte man am besten vor dem Gespräch mit einem kurzen Anruf in der Personalabteilung klären.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Zum Abschluss des Gespräches, falls er nicht von selber darauf angesprochen wird.

  2. Wie finde ich die richtige Strategie?

    Die Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs auf Personaler Fragen beinhaltet auch, eine Antwortstrategie zu entwickeln. Überlege dir im Vorfeld gerade: Welche Leistungen, Kenntnisse, Qualifikationen und Erfahrungen zeichnen dich aus? So vermittelst du deine Antworten an passender Stelle fließend und mit einem gesunden Selbstbewusstsein.

    Die sogenannten Standardfragen lassen sich vergleichsweise leicht beantworten. Andere Bewerbungsfragen haben es jedoch in sich, wie zum Beispiel Stressfragen oder Brainteaser. Tipp: Mit exakt vorformulierten Klauseln macht man bei Arbeitgebern keinen guten Eindruck. Der individuelle Bezug zur eigenen Person und zu den persönlichen Stärken, zur ausgeschriebenen Stelle und natürlich auch zum Unternehmen ist entscheidend für gute Antworten beim Vorstellungsgespräch.

  3. Wie gehe ich am besten mit offenen Fragen um?

    Am häufigsten bekommt man im Bewerbungsgespräch offene Fragen (bzw. offene Aufgaben) gestellt, z. B. „Schildern Sie bitte ihren bisherigen Werdegang“ oder „Auf welche Stationen in Ihrem Lebenslauf sind Sie stolz?“

    Auf offene Fragen kann man nicht mit „Ja“ oder „Nein“, sondern kann bzw. muss man ausführlich und mit einer Selbstrepräsentation antworten. Dabei sollte man besonders die Tätigkeiten und praktischen Erfahrungen herausstellen, die einen direkten Bezug zu der angestrebten Position haben. Hier sollte man möglichst auf der beruflichen Ebene bleiben, nicht zu knapp aber auch nicht zu ausschweifend antworten.

    Wir fragen unsere beiden Gäste: Sollte man bei Fragen wie „Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?“ stets auf der beruflichen Ebene bleiben und einen Bezug zur angestrebten Stelle herstellen, oder auch einen privaten Ausblick geben?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Beides ist wichtig, sollte aber in einem angemessenen Verhältnis stehen. Zunächst sollte man immer erst einen Überblick über den Ausbildungs- und Berufsweg geben. Dort spielen private Dinge nur insofern eine Rolle, als sie zum Beispiel die Wahl des Studienfachs oder einen Wechsel begründen. Auch Hobbies oder Interessen, die man persönlich hat, sind in einer Vorstellung sehr wichtig. Der Fokus sollte aber grundsätzlich auf den fachlichen Erfahrungen liegen.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Die berufliche Ebene steht im Vordergrund, das Privatleben darf aber auch gerne mit einbezogen werden, da dies natürlich zusammenhängt.

  4. Und wie gehe ich mit geschlossenen Fragen um?

    Im Umkehrschluss zu offenen Fragen lassen sich geschlossene Fragen im Prinzip einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Zum Beispiel „Können Sie sich vorstellen, auch im Außendienst zu arbeiten?“. Hier wird allerdings von dir erwartet, dass du neben der klaren Ja-Nein-Antwort auch noch eine Begründung mitlieferst.

    Es kann auch vorkommen, dass der Personaler einen Kandidaten mit sogenannten Alternativfragen aus der Reserve locken möchte, beispielsweise „Arbeiten Sie lieber im Team oder alleine?“. Vorsicht: Bevor man antwortet, sollte man kurz im Hinterkopf überlegen, ob nicht beide Extreme negativ ausgelegt werden könnten und seine Antworten darauf abstimmen. Zum Beispiel: „Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Teamarbeit in meinem Praktikum bei der Firma XYZ gemacht, dort aber auch gerne eigenständig Aufgaben im Controlling bearbeitet.“

    Eine sehr geschlossene und gleichzeitig berüchtigte Frage ist natürlich die nach dem Kinderwunsch. Viele Bewerberinnen fürchten hier, ihnen könne eine ehrliche Antwort zum Nachteil werden. Wir fragen nach: „Sind kleine (Not-)Lügen und Übertreibungen erlaubt, z. B. bei Fragen nach einem Kinderwunsch oder dem Aufgabengebiet des letzten Praktikums?“

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Hmm, das sind in dem Fall zwei sehr verschiedene Themen. Auf die Frage nach dem Kinderwunsch muss man gar nicht antworten. Hier darf man sogar lügen. Das gilt auch für folgende Fragen:

    • Möchten Sie heiraten?
    • Sind Sie schwanger?
    • Welchen Beruf übt Ihr Partner aus?
    • Sind Sie heterosexuell/homosexuell?

    Bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft sogar dann, wenn die Bewerberin die Arbeit als Schwangere zunächst nicht ausüben kann. So ein neueres Urteil des Bundesarbeitsgerichts [BAG Az. 2 AZR 621/01].

    Bei Fragen zu früheren Arbeitsgebieten sollte man lieber bei der Wahrheit bleiben, das hilft allen am meisten. Wird man dann nämlich eingestellt und kapituliert vor Aufgaben, mit denen man im Vorstellungsgespräch geprahlt hat, hat man nicht viel gekonnt. Fair und authentisch bleiben ist immer der beste Weg.

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): Grundsätzlich nein. Bei unzulässigen Fragen wie zum Beispiel der Frage nach Kinderwunsch sollte lieber nicht geantwortet werden anstatt zu lügen. Wenn bei den bisherigen Aufgaben geschwindelt wird und die Mitarbeiter demzufolge falsch eingesetzt werden, kommt das spätestens bei der Tätigkeit ans Tageslicht und ist für beide Seiten ungünstig. Darüber hinaus führt dies zu Vertrauensverlust.

  5. Welche Beispiele lasse ich am besten in meine Antworten einfließen?

    Es reicht nicht aus, nur bestimmte Schlagwörter in den Raum zu stellen. Der Arbeitgeber möchte den Bewerber, seine Fähigkeiten, seine Persönlichkeit und seine Arbeitsweise kennenlernen bzw. einschätzen können. Dazu braucht er konkrete praktische Beispiele aus dem Leben des Bewerbers, beispielsweise aus der Schulzeit, dem Studium, einem Praktikum oder dem vorherigen Job:

    • „Im Studium hatte ich einen wunderbaren Prof, der meine Begeisterung für die Logistik geweckt hat. Daher habe ich mich auf den Bereich spezialisiert.“
    • „Beim meinem sechsmonatigen Marketing-Praktikum bei der Firma XYZ habe ich den Bereich eCommerce kennengelernt und war fasziniert, welche Chancen dieser Bereich bietet.“
    • „In meinem vorherigen IT-Job habe ich viel gelernt und viele Aufgaben eigenverantwortlich erledigen dürfen, möchte daher nun den nächsten Karriereschritt machen, um mich weiterzuentwickeln.“

    Beliebt ist auch die mögliche Frage nach den Stärken und nach der größten Schwäche im Bewerbungsgespräch. Seine Stärken unterstreicht man am besten anhand von praktischen und beruflichen Erfahrungen.

    Wenn man als Berufseinsteiger noch nicht über Praxiserfahrung verfügt, kann man auch wie folgt antworten: ‚Ich bin neugierig und lerne gerne immer wieder Neues dazu.‘ Das kann aus ganz unterschiedlichen Bereichen sein: Technik, Biologie, Literatur, Sport oder Politik.

    Bei den Schwächen sollte man stattdessen unverfängliche Beispiele anbringen, die nichts oder nur wenig mit der angestrebten Position zu tun haben, z. B. dürftige Kochkünste oder mangelnde handwerkliche Fähigkeiten. Die richtige Antwort auf die Frage nach den Schwächen zu stellen, ist jedoch ganz schön tricky; guten Rat findest du hier.

    Die Personaler-Tipps hierzu:

    Nadia Grötsch (TowerConsult): „Am elegantesten lösen Bewerber diese Frage, indem sie ehrlich sind. Die Standardantworten kennt eh jeder Personaler. Wenn als Schwäche immer wieder Ungeduld genannt wird, ist das langweilig und nicht authentisch. Ich möchte doch mit dieser Frage den Kandidaten nicht bloßstellen, sondern herausfinden, wie er sich selbst einschätzt und ob er reflektiert mit dieser Einschätzung umgeht. Deshalb sollte man sich vorher schlüssig und vor allem wahre Antworten überlegen. Flunkern ist nicht sinnvoll, es fliegt sowieso auf.“

    Yvonne Bayha (Ernst & Young): „Einfach ehrlich beantworten, falls die Frage so gestellt wird. Jeder hat Stärken sowie auch Schwächen, man muss dazu stehen können.“

  6. In a nutshell: Das wird von dir erwartet.

    Sei positiv! Gehe im Vorstellungsgespräch grundsätzlich mehr auf positive Dinge ein als auf negative.

    Bereite dich unbedingt auf die gängigen Fragen vor und übe, deinen Werdegang mit den relevanten Stationen strukturiert und an den gewünschten neuen Job angepasst vorzutragen. Versuche zudem, stets höflich und authentisch auf die typischen Fragen im Vorstellungsgespräch zu antworten.

    Das Bewerbungsgespräch sollte übrigens keine Einbahnstraße sein. Es ist auch wichtig, im Vorstellungsgespräch eigene Fragen zu stellen.

    Der häufigste Fehler im Job Interview besteht darin, auf die Fragen der Personaler zu kurz und zu oberflächlich zu antworten. Daher gilt: gerne etwas weiter, aber nicht zu weit ausholen.

    Es antworteten euch:

    Nadia Grötsch – mit TowerConsult spürt sie passende eCommerce-Experten für ihre Kunden auf und stellt technische Ressourcen zur Verfügung, um Projekten einen passenden Rahmen zu geben. Außerdem schreibt Sie fleißig für Bewerberblog.de.

    Yvonne Bayha von Ernst & Young: Neben der Wirtschaftsprüfung und der Steuerberatung besteht das Dienstleistungsangebot aus Transaktions-, Risiko- und Managementberatung sowie Immobilien- und M&A-Beratung. Weltweit arbeiten rund 135.000 Mitarbeiter für die Ernst & Young AG.

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