Personaler antworten: Tipps für die Bewerbung.

Personaler antworten: Tipps für die Bewerbung.

Personalverantwortliche beantworten Fragen von Studierenden und Absolvent_innen rund um das Thema „Die Bewerbung“. Sie geben wertvolle Insider-Tipps und nützliche Infos für den Berufseinstieg.

Umfrage

Was ist dir wichtiger?

Hallo Frau Grötsch, Frau Al-Mallah und Herr Ullah! Auf was legen Sie mehr Wert: Das Anschreiben oder den Lebenslauf? Wird ein durchschnittlicher Lebenslauf durch ein überzeugendes Anschreiben wettgemacht?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Auf den Lebenslauf. Dort stehen schließlich die relevanten Fakten für die Stelle drin. Deshalb wende ich für den Lebenslauf mehr Zeit auf. Dort möchte ich lesen, welche Stationen die Bewerbenden schon durchlaufen hat, welche Erfahrungen er gemacht hat. Das Anschreiben ist deswegen nicht unwichtig, es ist eher eine Art Eindruck von der Persönlichkeit. Dort kann ich ablesen, was die Bewerbenden sich für eine Stelle wünschen, was sie vorhaben, ob sie sich Gedanken zur Stelle gemacht haben und ob sie sich schriftlich ausdrücken können.

Wie beliebt ist bei Ihnen die sogenannte „Dritte Seite“, in der Bewerber_innen ihre Persönlichkeit, Kenntnisse und Motivation nochmals hervorheben? Können Bewerber_innen damit positiv auf sich aufmerksam machen?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Ehrlich gesagt, finde ich eine solche „Dritte Seite“ überflüssig. Es sei denn, man hat wirklich etwas zu sagen, das man nicht aus Anschreiben und Lebenslauf herauslesen kann.

Wie viel Zeit nehmen Sie sich im Schnitt für eine Bewerbung?

Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Im Schnitt 20 -30 Minuten.

Nadia Grötsch (TowerConsult): Für eine Bewerbung auf eine bestimmte Stelle nehme ich mir etwa eine viertel Stunde Zeit. Habe ich dann den Eindruck, dass die Person tatsächlich passen könnte, schaue ich noch mal genauer hin und recherchiere schon auch mal im Internet nach.

Zu welchen Praxiserfahrungen – Praktika, Nebenjobs, ehrenamtliche Tätigkeiten – sollte der Bewerber ein Zeugnis beilegen?

Ulrike Al-Mallah (Brose): An erster Stelle stehen hier die geleisteten Praktika, sollten für Nebenjob - welche im Zusammenhang mit der angestrebten Tätigkeit stehen – ebenfalls Zeugnisse vorhanden sein, dann sind diese natürlich auch interessant.

Nadia Grötsch (TowerConsult): Besonders als Berufseinsteiger_in sollte man nicht allzu viele Zeugnisse anhängen, die wichtigsten genügen. Sollten weitere gewünscht werden, kann man die immer noch nachreichen.

Studierende, die ihr Studium selbst finanzieren müssen, weisen oftmals eine deutlich höhere Studiendauer auf als die Regelstudienzeit. Wie und vor allem wo sollte dies Studierende bei der Bewerbung verdeutlichen? Wie offen sind Sie gegenüber diesen Bewerber_innen?

Ulrike Al-Mallah (Brose): Ich denke, wenn dies deutlich und offen dargestellt wurde bzw. am CV nachweisbar ist, ist solch eine Bewerbung keinesfalls im Nachteil gegenüber Bewerbungen, die eine Regelstudiendauer aufweisen. Es ist immer eine Frage der Darstellung bei diesem Thema .

Nadia Grötsch (TowerConsult): Grundsätzlich ist es positiv, wenn sich Studierende teilweise oder ganz selbst um seinen Lebensunterhalt kümmern müssen. Dass sich dadurch das Studium verlängern kann, wissen alle Personalverantwortlichen. Dauert das Studium aber deutlich länger, muss man sich auf entsprechende Fragen im Vorstellungsgespräch einstellen.

Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Eigentlich sollten Studierende trotz Selbstfinanzierung in der Lage sein, das Studium in einem angemessenen Rahmen zu beenden (z.B. 1-2 Semester über der Durchschnittsstudienzeit). Wenn es dennoch verdeutlicht werden soll, dann ist es dem Lebenslauf zu entnehmen. Wenn Bewerbende durch Qualifikationen überzeugen, ist für uns die Studiendauer nicht ausschlaggebend.

Hinterlassen Bewerber_innen einen positiven Eindruck, wenn sie sich vorher telefonisch über die ausgeschriebene Stelle informieren?

Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Nein, da die telefonische Information nicht direkt bei den zuständigen Personalverantwortlichen vorgenommen wird, sondern an einer zentralen Service-Funktion.

Ulrike Al-Mallah (Brose): Jein – das kommt darauf an welche Fragen zu dieser ausgeschriebenen Stelle gestellt werden. Wird bereits da ein hohes Interesse bekundet, ist dies natürlich positiv.

Was sind die drei häufigsten Fehler, die Absolvent_innen bei ihren Bewerbungen machen?

Ulrike Al-Mallah (Brose): Fehler im Anschreiben, vergessene Zeugnisse, mangelnde Darstellung des CV, zu wenig Infos zu den Inhalten und Tätigkeiten der geleisteten Praktika.

Nadia Grötsch (TowerConsult): Aussagelose Unterlagen durch das Verwenden von Bewerbungsvorlagen, fehlende oder unvollständige Kontaktinformationen, unkonkrete Lebensläufe ohne detaillierte Angaben zu Kenntnissen und Erfahrungen.

Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Unplausible Angaben – von inhaltliche Unstimmigkeiten bis zur Lüge, Rechtschreibfehler und Unstimmigkeit der Bewerbungsunterlagen selbst, z. B. fehlende oder unnötige Zeugnisse und Nachweise.

Schauen Sie schon mal auf webbasierenden sozialen Netzwerken wie Xing nach Kandidat_innen? Wenn ja, worauf achten Sie besonders? Gibt es für Sie ein „Kick-out-Kriterium“?

Ulrike Al-Mallah (Brose): Da wir selbst einer Researchabteilung haben und hier die Direktansprachen über soziale Netzwerke vornehmen, ist dies ein großes Thema. Jedoch wird bei der Selektierung nicht anders vorgegangen als im normalen Bewerbungsprozess.

Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Nein, wir nutzen solche Netzwerke nicht.

Nadia Grötsch (TowerConsult): Natürlich tun wir das. Nicht bei allen Bewerber_innen natürlich, das würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Bei Kandidat_innen, die einen nichtssagenden Lebenslauf haben, bei denen sich Widersprüche zeigen oder vor Vorstellungsgesprächen schauen wir schon mal bei Facebook und Xing vorbei. Kick-out-Kriterien gibt es nicht, vielmehr geht es darum, ein besseres Bild von der Persönlichkeit zu bekommen. In der Online-Branche ist es außerdem wichtig zu schauen, ob und wie sich jemand im Internet bewegt und darstellt. Partybilder sind jedenfalls kein Problem, die schauen wir uns aber auch nicht an. Die Frage ist nur, ob man sich so in der Öffentlichkeit darstellen will. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Es antworteten Euch:

Nadia Grötsch, TowerConsult GmbH: Mit TowerConsult spürt sie passende eCommerce-Expert_innen für ihre Kundschaft auf und stellt technische Ressourcen zur Verfügung, um Projekten einen passenden Rahmen zu geben. Außerdem schreibt Sie fleißig für Bewerberblog.de.

Ulrike Al-Mallah, Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG: Entwickelt und produziert an 60 Standorten in 23 Ländern Systeme und Komponenten für Karosserie und Innenraum. Weltweit beschäftigt Brose mehr als 25.000 Mitarbeitenden.

Robindro Ullah, Deutsche Bahn Mobility Logistics AG: Zuständig für die Mobilitäts- und Logistikaktivitäten des DB- Konzerns. Sie beschäftigt rund 174.000 Mitarbeitende und ist damit einer der größten deutschen Arbeitgeber.


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