Focus Money Auszeichnung - Beste Jobbörse

6143 Jobs für Berufseinsteiger. Jetzt suchen!

Im Land der aufgehenden Sonne

Arbeiten im Ausland: Japan

Arbeiten im Ausland: Japan

In Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, brennen die Bürolichter nach Sonnenuntergang einige Stunden länger als hier in Deutschland. So lautet das allgemeine Vorurteil. ABSOLVENTA erklärt wie realitätsnah diese Annahme über das Arbeiten in Japan ist, ob man nach Feierabend am Karaokesingen vorbeikommt, und welches Verhalten fernost im Büro-Aufzug erwartet wird.

Arbeiten in Japan - Besonderheiten bei der Bewerbung

Wer sich um Arbeit in Japan bemüht, sollte sich über die Besonderheiten im Bewerbungsprozess bewusst sein. In traditionellen japanischen Unternehmen ist es üblich, Werdegang und Hobbies händisch in ein Formular aus dem Schreibwarengeschäft seines Vertrauens einzutragen. Wenn dies jedoch nicht ausdrücklich verlangt ist, bietet sich die deutsche Variante mit Lebenslauf und Motivationsschreiben an. In Japan ist hier jedoch Vorsicht geboten: Anders als hier werden Qualifikationen zwar sachlich aufgeführt, schwungvolle Reden auf die eigene Talentvielfalt werden in Japan allerdings schnell als Arroganz interpretiert. Auch im Vorstellungsgespräch ist in Japan Bescheidenheit die größere Tugend. Sachlich ruhig und nicht zu selbstbewusst, so kommen Bewerber bei japanischen Personalern am besten an. Und die Frage nach Teamfähigkeit sollte man unbedingt bejahen und gut begründen – in Japan wird Zusammenarbeit nämlich groß geschrieben!

Hohe Arbeitsmoral in Japan

Thema Arbeitszeiten: Was ist noch dran am Klischee der im Büro übernachtenden Mitarbeiter? Ist das Arbeiten in Japan nur etwas für ausgewiesene Workaholics? 

Gesetzlich ist wie auch hierzulande die 40 Stunden Woche eingeführt. In Japan müssen zudem Überstunden mit einem Aufschlag von 25 Prozent auf den Stundenlohn vergütet werden. Tatsächlich ist es jedoch eine ganz andere Sache, ob die japanischen Arbeitnehmer sich an diese „auferlegten“ Vorgaben halten. Denn im Vergleich zu Deutschland arbeitete der Japaner im Jahr 2010 durchschnittlich immer noch in etwa 340 Stunden mehr als wir. Das ist pro Arbeitstag deutlich mehr als eine Stunde. 

Obwohl die Tendenz fallend ist, kommt der deutsche Herr Müller nicht umhin zu fragen, weshalb Herr Takeshi aus Japan seinen Feierabend willentlich hinauszögert: In Japan herrscht – nicht nur am Arbeitsplatz - ein stark ausgeprägtes Gemeinschaftsdenken. Es kann daher zum guten Ton gehören ungefragt Überstunden zu machen, weil der Kollege es eben auch tut. Viele japanische Mitarbeiter schrecken auch davor zurück, vor dem Chef nach Hause zu gehen. Dies wird dem Vorgesetzten gegenüber als respektloses Verhalten gewertet. Und da der Vorgesetzte nach bewährter Tradition auch gerne mal länger arbeitet, entsteht ein kleiner Teufelskreis, der sich bis in die späteren Abendstunden zieht.

Viele Japaner lassen Urlaubstage verfallen

Einem 50-jährigen Japaner stehen mit durchschnittlich 33 Tagen fünf Urlaubstage mehr zur Verfügung als einem deutschen Arbeitnehmer – eigentlich. Laut dem Japan Institute of Labour nimmt er jedoch nur acht Tage davon in Anspruch. Die Deutschen haben im Durchschnitt 29 Tage im jahr Urlaub.  Grund für diese Diskrepanz ist, dass viele Japaner sich beim Gedanken, ein Anderer müsse dann ihre Arbeit übernehmen, unwohl fühlen. Doch Japaner zeigen ihr Engagement zwar durch lange und häufige Arbeitstage, aber nicht zwangsläufig durch eine viel höhere Produktivität. Das heißt, dass sie zwar lange im Büro bleiben, aber nicht unbedingt die ganze Zeit arbeiten, sondern z.B. noch im Internet surfen.

Skurrile Besonderheiten beim Arbeiten in Japan

Wie man es beim Arbeiten in Japan nun mit Überstunden und Urlaubstagen hält, ist dann letztendlich die eigene Entscheidung. Punkto Sinn für Gemeinschaft sollte man sich jedoch über eines bewusst sein: Der Versuch sich vor dem feierabendlichen Karaokesingen zu drücken, sorgt für Missmut. Wer in Japan arbeiten möchte, kommt vor diesem gesellschaftlichen Phänomen kaum vorbei, denn eine Verweigerung stört empfindlich die Beziehung zu Kollegen und Vorgesetzten. Da heißt es dann: Augen (bzw. Ohren) zu, Mund auf und durch.

Doch auch vor dem Feierabend geht es in Japan lustig zu: Unter den männlichen (!) Kollegen ist es durchaus üblich einander Streiche zu spielen, oder sich sogar gegenseitig zu massieren. Den japanischen Kolleginnen kommt hingegen keine besondere Behandlung zu.

Noch eine Besonderheit: In Japan können schon im Aufzug aufgrund strenger Hierarchien Missverständnisse auftreten: Nicht wer näher an den Aufzugknöpfen steht, sondern der beruflich Rangniedrigere bedient den Etagenknopf.  Um die gewünschte Etage zügig zu erreichen, ist also schnelles Abwiegeln gefragt.

>> Arbeiten im Ausland: China

Beliebte Artikel aus unserem Karriereguide

Die Gehaltsanalyse
Unterschiede beim Einkommen

Die Gehaltsanalyse

Die Gehälter können zwischen einzelnen Branchen und Regionen sehr stark voneinander abweichen. Da aber kaum jemand über sein Gehalt spricht, können Berufseinsteiger ihren eigenen Marktwert oft nicht richtig einschätzen. Eine individuelle Gehaltsanalyse, die die vielen verschiedenen Einflussfaktoren berücksichtigt, s...

Zum Artikel
Geschäftliche E-Mails schreiben und beantworten
Struktur und Netikette

Geschäftliche E-Mails schreiben und beantworten

Der elektronische Brief hat den postalischen Schriftverkehr weitgend verdrängt und ist auch in der Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken. Allerdings fällt es vielen Versendern noch immer schwer, die E-Mails auch formell korrekt zu verfassen. Das wird dadurch verstärkt, dass E-Mails dazu verleiten, Förmlichkeiten, Gra...

Zum Artikel
Stressbewältigung im Job
Ruhig bleiben.

Stressbewältigung im Job

Stress kann viele Gesichter haben. Im Beruf aber auch privat stehen wir ständig unter Strom. Schuld daran sind jedoch nicht ausschließlich die äußeren Faktoren, wie beispielsweise ein hohes Arbeitspensum. Den meisten Stress machen wir uns selbst. ABSOLVENTA verrät, wie man mit einer bewussten Lebensführung und einem...

Zum Artikel