Arbeiten in Japan: Wirtschaftsstärke, Teamgeist & lange Arbeitszeiten.

Arbeiten in Japan: Wirtschaftsstärke, Teamgeist & lange Arbeitszeiten.
In Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, brennen die Bürolichter nach Sonnenuntergang einige Stunden länger als in anderen Ländern – so lautet das Vorurteil. Absolventa erklärt, wie realitätsnah diese Annahme über das Arbeiten in Japan ist, welche Karrierechancen sich dir bieten, ob man nach Feierabend um Karaoke herumkommt und was „Karoshi“ ist.
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  1. Warum im Ausland arbeiten?

    Ob im Studium oder im Berufsleben: Auslandserfahrungen haben für dich gerade im Zeitalter der Globalisierung viele Vorteile:

    • Du wertest deinen Lebenslauf auf.
    • Du verbesserst deine Sprachkenntnisse und deine interkulturelle Kompetenz.
    • Du bekommst Einblick in andere Arbeitsweisen.
    • Du entwickelst dich persönlich weiter und lernst, mit unbekannten Situationen umgehen.
    • Du tauchst in andere Kulturen ein.
    • Du zeigst Mut, Organisationstalent und Offenheit – alles wichtige Soft Skills im Berufsleben.
  2. Warum in Japan arbeiten?

    Entscheidest du dich dafür, in Japan zu arbeiten, erwartet dich eine sehr vielseitige Kultur zwischen Tradition und Moderne. Japan ist genauso bekannt für seine technologischen Innovationen, Wirtschaftsstärke und hohe Arbeitsleistung wie für Zen, Ruhe und Entspannung. Dazu kommt, dass Japaner als besonders gastfreundlich gelten – du musst dir also keine Sorgen machen, dass du in der ungewohnten Fremde und mitunter anonym wirkenden Metropolen keine Unterstützung bekommst oder gar untergehst. Außerdem macht sich ein Land wie Japan, dessen Kultur und Arbeitsweise sich sehr von der deutschen unterscheidet, besonders gut im Lebenslauf – vor allem, wenn du vor Ort an deinen Japanisch-Kenntnissen arbeitest.

  3. Arbeitsmarkt in Japan.

    Japan ist nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft – dennoch herrscht im Land der aufgehenden Sonne Fachkräftemangel, der sich vor allem im technologisch-wissenschaftlichen Bereich zeigt: Hier nehmen die Absolventenzahlen stetig ab. Dementsprechend gut stehen deine Chancen, wenn du in Japan arbeiten willst und zum Beispiel in diesen Bereichen tätig bist:

    Deine Möglichkeiten.

    Als Praktikant arbeiten. Nach einem Praktikum in Japan kannst du auf eigene Faust suchen oder dich von einer Agentur vermitteln lassen – gegen Gebühr, aber dafür wirst du bei organisatorischen Themen wie Visum und Wohnungssuche unterstützt.

    Work & Travel in Japan machen. Hierbei kannst du das Land entdecken und ab und zu arbeiten, um die Reisekasse aufzubessern – zum Beispiel als Sprachlehrer oder in der Gastronomie. Auch für Work & Travel gibt es Agenturen, die sich um organisatorische Fragen kümmern.

    Als Expat arbeiten. Als sogenannter Expat wirst du, wenn du ein paar Jahre Arbeitserfahrung hast, von deinem Arbeitgeber in Deutschland für einen gewissen Zeitraum nach Japan entsendet. Auch hier wirst du bei Visum und Co. unterstützt, bekommst ein Gehalt nach deutschen Maßstäben – meist mit einer Auslandszulage – und bist nach dem deutschen System sozialversichert. Diese Unternehmen sitzen auch in Japan:

    Bei einem japanischen Unternehmen arbeiten. Natürlich kannst du dein Glück auch direkt bei einem japanischen Unternehmen versuchen oder ohne Entsendung in Japan arbeiten. Dann gelten für dich natürlich japanische Maßstäbe, was Gehalt, Sozialversicherung und Co. betrifft.

  4. Besonderheiten bei der Bewerbung in Japan.

    Wer sich um Arbeit in Japan bemüht, sollte sich dieser fünf Besonderheiten im Bewerbungsprozess bewusst sein.

    1. In traditionellen japanischen Unternehmen ist es üblich, Werdegang und Hobbies händisch in ein Formular aus dem Schreibwarengeschäft einzutragen.
    2. Wenn dies nicht ausdrücklich verlangt ist, bietet sich die deutsche Variante mit Lebenslauf und Motivationsschreiben an. In Japan ist hier jedoch Vorsicht geboten: Anders als hier werden Qualifikationen zwar sachlich aufgeführt, schwungvolle Reden auf die eigene Talentvielfalt werden in Japan allerdings schnell als Arroganz interpretiert.
    3. Auch im Vorstellungsgespräch ist in Japan Bescheidenheit die größere Tugend. Sachlich ruhig und nicht zu selbstbewusst, so kommen Bewerber bei japanischen Personalern am besten an.
    4. Die Frage nach Teamfähigkeit sollte man unbedingt bejahen und gut begründen – in Japan wird Zusammenarbeit nämlich großgeschrieben!
    5. Mit einer Visitenkarte, die du bei der Begrüßung deinem Gegenüber gibst, kannst du zusätzlich punkten.
  5. Visum und Arbeitserlaubnis für Japan.

    Sobald du länger als 90 Tage in Japan bleibst, brauchst du ein Visum. Um in Japan zu arbeiten, muss dein Arbeitgeber ein Arbeitsvisum beim Justizministerium beantragen, das dann auch nur für den Job in dem Unternehmen gilt – falls du den Job wechselst, brauchst du also ein neues Visum.

  6. Arbeitsbedingungen: Arbeitszeiten und Urlaubstage in Japan.

    Was ist noch dran am Klischee der im Büro übernachtenden Mitarbeiter, die niemals Urlaub nehmen? Ist das Arbeiten in Japan nur etwas für ausgewiesene Workaholics? 

    Arbeitszeit.

    Gesetzlich ist in Japan die 40-Stunden-Woche festgelegt. Dabei gilt, dass Überstunden mit einem Aufschlag von 25 Prozent auf den Stundenlohn vergütet werden. Tatsächlich ist es jedoch eine ganz andere Sache, ob die japanischen Arbeitnehmer sich an diese „auferlegten“ Vorgaben halten. Denn im Vergleich zu Deutschland arbeitete der Japaner im Jahr 2010 durchschnittlich immer noch in etwa 340 Stunden mehr. Das ist pro Arbeitstag deutlich mehr als eine Stunde. 

    Doch warum zögern viele Arbeitnehmer in Japan ihren Feierabend hinaus? Zum Beispiel, weil in Japan – nicht nur am Arbeitsplatz – ein stark ausgeprägtes Gemeinschaftsdenken herrscht. Es kann also zum guten Ton gehören, ungefragt Überstunden zu machen, weil der Kollege es eben auch tut. Viele japanische Mitarbeiter schrecken auch davor zurück, vor dem Chef nach Hause zu gehen. Dies wird dem Vorgesetzten gegenüber als respektloses Verhalten gewertet. Und da der Vorgesetzte nach bewährter Tradition auch gerne mal länger arbeitet, entsteht ein Teufelskreis, der sich bis in die späteren Abendstunden zieht.

    Urlaubstage.

    In Japan gibt es gesetzlich 10 Urlaubstage, die sich von Jahr zu Jahr bis zum Maximum von 20 Tagen steigern, und 16 zusätzliche Feiertage – die aber nur die wenigsten japanischen Arbeitnehmer in Anspruch nehmen oder teilweise sogar anstelle von Krankheitstagen verwenden. Grund dafür ist, dass viele Japaner sich beim Gedanken, ein Anderer müsse dann ihre Arbeit übernehmen, unwohl fühlen. Doch Japaner zeigen ihr Engagement zwar durch lange und häufige Arbeitstage, aber nicht zwangsläufig durch eine viel höhere Produktivität. Das heißt, dass sie zwar lange im Büro bleiben, aber nicht unbedingt die ganze Zeit arbeiten, sondern z. B. noch im Internet surfen.

    After Work.

    Noch viel öfter als in Deutschland finden betriebliche Veranstaltungen in Japan statt – von Jubiläen über Projektabschlüsse bis hin zur Verabschiedung von Mitarbeitern. Die Teilnahme ist zwar keine offizielle Pflicht, wird aber inoffiziell erwartet, denn sogenannte „Nomikai“ werden als teambildende Maßnahmen gesehen. Arbeit und Freizeit sind in Japan also stärker miteinander verflochten, als wir es aus Deutschland oder den meisten anderen Ländern kennen.

  7. Tod durch Überarbeitung: Phänomen Karoshi.

    Überstunden sind doch gang und gäbe heutzutage, denkst du dir vielleicht – was sie in übermäßiger Menge zur Folge haben können, zeigt „Karoshi“, der Tod durch Überarbeitung. Ja, er tritt so oft auf, dass Japan ein eigenes Wort dafür hat. Die offiziellen Zahlen sprechen von ca. 150 Opfern jedes Jahr. Todesursache ist bei Karoshi meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall, wie zum Beispiel bei einer 31-jährigen Reporterin, die nach 159 Überstunden in einem Monat tot aufgefunden wurde. Neben den körperlich bedingten plötzlich auftretenden Todesfällen werden in Japan überdurchschnittlich viele Suizide im Zusammenhang mit Problemen auf der Arbeit wie Überbelastung begangen.

    Doch was heißt das jetzt für dich – musst du dir Sorgen machen, in Japan nach kurzer Zeit völlig überlastet zu sein? Das liegt natürlich auch an dir. Natürlich willst du deine japanischen Kollegen nicht vor den Kopf stoßen und jeden Abend um 18 Uhr den Stift fallen lassen. Außerdem solltest du respektieren, dass die Arbeit in Japan einen hohen Stellenwert hat – klinkst du dich aus allem aus, wirst du nicht glücklich werden. Setze dir dennoch Grenzen und sei, je nachdem, auf welcher Position du arbeitest, auch selber ein gutes Beispiel – bist du als Expat von einem deutschen Unternehmen entsendet und leitest ein Team, hast du eine gewisse Sonderstellung. Aber natürlich solltest du nicht die komplette Mentalität umkrempeln: Japaner legen großen Wert auf Höflichkeit und Hierarchien, du solltest also vorsichtig sein, als „Neuer“ direkt alles Alteingesessene zu kritisieren.

  8. Good to know: Büro-Knigge für Japan.

    • Unter den männlichen (!) Kollegen ist es durchaus üblich, einander Streiche zu spielen oder sich auch mal gegenseitig zu massieren. Den japanischen Kolleginnen kommt hingegen keine besondere Behandlung zu.

    • In Japan können schon im Aufzug aufgrund strenger Hierarchien Missverständnisse auftreten: Nicht, wer näher an den Aufzugknöpfen steht, sondern der beruflich Rangniedrigere bedient den Etagenknopf. Um die gewünschte Etage zügig zu erreichen, ist also schnelles Abwiegeln gefragt.

    • Das Klischee, dass der Feierabend vorzugsweise mit Kollegen beim Karaoke verbracht wird – manchmal sogar am eigenen Geburtstag – trifft oft zu. Da musst du ab und zu durch, wenn du es dir nicht mit den Kollegen verscherzen willst.

    • Beim Geschäftsessen im traditionellen Restaurant werden die Schuhe ausgezogen.

    • Als pünktlich gilt in Japan, fünf bis zehn Minuten vor einem Termin bereits vor Ort zu sein.

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