Focus Money Auszeichnung - Beste Jobbörse

7618 Jobs für Berufseinsteiger. Jetzt suchen!

Im Land der aufgehenden Sonne

Arbeiten im Ausland: Japan

Arbeiten im Ausland: Japan

In Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, brennen die Bürolichter nach Sonnenuntergang einige Stunden länger als hier in Deutschland. So lautet das allgemeine Vorurteil. ABSOLVENTA erklärt wie realitätsnah diese Annahme über das Arbeiten in Japan ist, ob man nach Feierabend am Karaokesingen vorbeikommt, und welches Verhalten fernost im Büro-Aufzug erwartet wird.

Arbeiten in Japan - Besonderheiten bei der Bewerbung

Wer sich um Arbeit in Japan bemüht, sollte sich über die Besonderheiten im Bewerbungsprozess bewusst sein. In traditionellen japanischen Unternehmen ist es üblich, Werdegang und Hobbies händisch in ein Formular aus dem Schreibwarengeschäft seines Vertrauens einzutragen. Wenn dies jedoch nicht ausdrücklich verlangt ist, bietet sich die deutsche Variante mit Lebenslauf und Motivationsschreiben an. In Japan ist hier jedoch Vorsicht geboten: Anders als hier werden Qualifikationen zwar sachlich aufgeführt, schwungvolle Reden auf die eigene Talentvielfalt werden in Japan allerdings schnell als Arroganz interpretiert. Auch im Vorstellungsgespräch ist in Japan Bescheidenheit die größere Tugend. Sachlich ruhig und nicht zu selbstbewusst, so kommen Bewerber bei japanischen Personalern am besten an. Und die Frage nach Teamfähigkeit sollte man unbedingt bejahen und gut begründen – in Japan wird Zusammenarbeit nämlich groß geschrieben!

Hohe Arbeitsmoral in Japan

Thema Arbeitszeiten: Was ist noch dran am Klischee der im Büro übernachtenden Mitarbeiter? Ist das Arbeiten in Japan nur etwas für ausgewiesene Workaholics? 

Gesetzlich ist wie auch hierzulande die 40 Stunden Woche eingeführt. In Japan müssen zudem Überstunden mit einem Aufschlag von 25 Prozent auf den Stundenlohn vergütet werden. Tatsächlich ist es jedoch eine ganz andere Sache, ob die japanischen Arbeitnehmer sich an diese „auferlegten“ Vorgaben halten. Denn im Vergleich zu Deutschland arbeitete der Japaner im Jahr 2010 durchschnittlich immer noch in etwa 340 Stunden mehr als wir. Das ist pro Arbeitstag deutlich mehr als eine Stunde. 

Obwohl die Tendenz fallend ist, kommt der deutsche Herr Müller nicht umhin zu fragen, weshalb Herr Takeshi aus Japan seinen Feierabend willentlich hinauszögert: In Japan herrscht – nicht nur am Arbeitsplatz - ein stark ausgeprägtes Gemeinschaftsdenken. Es kann daher zum guten Ton gehören ungefragt Überstunden zu machen, weil der Kollege es eben auch tut. Viele japanische Mitarbeiter schrecken auch davor zurück, vor dem Chef nach Hause zu gehen. Dies wird dem Vorgesetzten gegenüber als respektloses Verhalten gewertet. Und da der Vorgesetzte nach bewährter Tradition auch gerne mal länger arbeitet, entsteht ein kleiner Teufelskreis, der sich bis in die späteren Abendstunden zieht.

Viele Japaner lassen Urlaubstage verfallen

Einem 50-jährigen Japaner stehen mit durchschnittlich 33 Tagen fünf Urlaubstage mehr zur Verfügung als einem deutschen Arbeitnehmer – eigentlich. Laut dem Japan Institute of Labour nimmt er jedoch nur acht Tage davon in Anspruch. Die Deutschen haben im Durchschnitt 29 Tage im jahr Urlaub.  Grund für diese Diskrepanz ist, dass viele Japaner sich beim Gedanken, ein Anderer müsse dann ihre Arbeit übernehmen, unwohl fühlen. Doch Japaner zeigen ihr Engagement zwar durch lange und häufige Arbeitstage, aber nicht zwangsläufig durch eine viel höhere Produktivität. Das heißt, dass sie zwar lange im Büro bleiben, aber nicht unbedingt die ganze Zeit arbeiten, sondern z.B. noch im Internet surfen.

Skurrile Besonderheiten beim Arbeiten in Japan

Wie man es beim Arbeiten in Japan nun mit Überstunden und Urlaubstagen hält, ist dann letztendlich die eigene Entscheidung. Punkto Sinn für Gemeinschaft sollte man sich jedoch über eines bewusst sein: Der Versuch sich vor dem feierabendlichen Karaokesingen zu drücken, sorgt für Missmut. Wer in Japan arbeiten möchte, kommt vor diesem gesellschaftlichen Phänomen kaum vorbei, denn eine Verweigerung stört empfindlich die Beziehung zu Kollegen und Vorgesetzten. Da heißt es dann: Augen (bzw. Ohren) zu, Mund auf und durch.

Doch auch vor dem Feierabend geht es in Japan lustig zu: Unter den männlichen (!) Kollegen ist es durchaus üblich einander Streiche zu spielen, oder sich sogar gegenseitig zu massieren. Den japanischen Kolleginnen kommt hingegen keine besondere Behandlung zu.

Noch eine Besonderheit: In Japan können schon im Aufzug aufgrund strenger Hierarchien Missverständnisse auftreten: Nicht wer näher an den Aufzugknöpfen steht, sondern der beruflich Rangniedrigere bedient den Etagenknopf.  Um die gewünschte Etage zügig zu erreichen, ist also schnelles Abwiegeln gefragt.

>> Arbeiten im Ausland: China

Beliebte Artikel aus unserem Karriereguide

Postkorbübung im Assessment Center
Logik statt Hektik

Postkorbübung im Assessment Center

Ein Klassiker, der aus der Mode kommt? Die Postkorbübung ist noch immer ein fester Bestandteil der meisten Assessment Center. ABSOLVENTA verrät, worum es bei der Postkorbübung genau geht und wie man sie erfolgreich bewältigen kann.

Zum Artikel
Berufseinstieg bei Tchibo: Erfahrungen
Insider-Interview

Berufseinstieg bei Tchibo: Erfahrungen

Maximillian Herzberger (27) ist nach seinem Masterabschluss in BWL an der Universität Bayreuth als Trainee bei Tchibo im Bereich Supply Chain Management eingestiegen. Im Interview mit ABSOLVENTA erzählt er, wie er das Auswahlverfahren empfunden hat, was ihm bei seinem Berufsstart besonders gefallen hat und welche vi...

Zum Artikel
Lebenslauf optimieren: 10 Tipps
Das geht besser!

Lebenslauf optimieren: 10 Tipps

Stell dir vor, du bist Personaler und jeden Tag landen hunderte Lebensläufe auf deinem Schreibtisch. Klar, dass da pro Bewerbung meist nur wenige Sekunden bleiben, um sich einen ersten Eindruck vom Kandidaten zu verschaffen. Hier fällt der Blick meistens zuerst auf den Lebenslauf und das Bewerbungsfoto.    

Zum Artikel