Kennst du deine sympathischen Schwächen?

Kennst du deine sympathischen Schwächen?
BLITZ-UMFRAGE
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Das Bewerbungsgespräch neigt sich seinem Ende zu und den Job hast du bestimmt in der Tasche – da bist du dir sicher. Doch kurz bevor du aufatmen kannst, kommt sie, die berühmt-berüchtigte Frage: „Was sind Ihre Schwächen?“. Viele Bewerber:innen* geraten gerade bei dieser Frage ins Schwitzen und beantworten sie falsch oder unüberlegt.

Damit du in deinem Vorstellungsgespräch einen kühlen Kopf bewahren kannst, haben wir hier für dich zusammengefasst, welche Schwächen besonders sympathisch rüberkommen und geben Tipps und Beispiele.

Was ist eine sympathische Schwäche?

Eine sympathische Schwäche, ist eine Schwäche, die sympathisch, also ehrlich oder positiv konnotiert, herüberkommt. Doch, ob eine bestimmte Schwäche sympathisch ist oder nicht, das lässt sich konkret nicht beantworten. Denn, es kommt letztendlich auf die Situation an, ob sie sympathisch herüberkommt oder nicht. Folgende Bespiele verdeutlichen dies für dich.

Schwäche Situation Ist die Schwäche sympathisch?
„Ich kann keine Kommas setzen.“ Bewerbung als Redakteurin für eine große Tageszeitung. Nein, denn für diese Stelle solltest du exzellente Rechtschreibkenntnisse vorweisen können.
„Ich kann keine Kommas setzen.“ Bewerbung als Softwareingenieur für ein internationales Unternehmen. Ja, denn ob du die deutsche Grammatik beherrscht oder nicht, das steht in diesem Beruf an zweiter Stelle.
„Ich bin nicht sehr selbstbewusst.“ Bewerbung als Account Manager im Vertrieb. Nein, denn wenn dein Job Kundenkontakt verlangt, sollte es dir an Selbstbewusstsein nicht mangeln.
„Ich bin nicht sehr selbstbewusst.“ Bewerbung als Fachlagerist für ein Logistikunternehmen. Ja, in diesem Job kannst du als introvertierte Person gut arbeiten.
„Ich habe kaum Englischkenntnisse.“ Bewerbung im Kundenservice für ein internationales Unternehmen. Nein, wenn die Arbeitssprache Englisch ist oder du dich mit Kunden auf Englisch unterhalten musst, solltest du die Sprache auch können.
„Ich habe kaum Englischkenntnisse.“ Bewerbung als Steuerberaterin für ein DACH-Unternehmen. Ja, Englischkenntnisse wären natürlich von Vorteil, doch da du sie im Berufsalltag nicht brauchen wirst, sind wenig relevant.

Wie du sehen kannst, kommt es vor allem auf den Kontext an, ob eine Schwäche als sympathisch oder unsympathisch gewertet wird. Mehr Beispiele und wie du Schwächen am besten darstellst, zeigen wir dir später.

! TIPP

Schwächen wie fehlende Sprachkenntnisse sind für Personaler vor allem deswegen oft sympathisch, weil Bewerber die Kenntnisse durch Weiterbildungen und Co. leicht nachholen können. Viele Unternehmen bieten deshalb Weiterbildungen als Benefit an.

Diese Unternehmen bieten den Benefit Weiterbildung:

Schwächen, die eigentlich keine sind

Die Versuchung ist wahrscheinlich groß, im Vorstellungsgespräch Schwächen anzugeben, die gar keine Schwächen sind, sondern eigentlich Stärken. Dazu gehören Sätze wie:

  • „Ich arbeite zu viel“
  • „Ich bin ein Perfektionist“
  • „Ich bin immer überpünktlich“
  • „Ich liebe es, Überstunden zu machen“

Dass solche Aussagen keine wirklichen Schwächen darstellen und in Wirklichkeit dazu dienen, dich in einem positiven Licht darzustellen, wird von Personalern schnell durchschaut. Deshalb solltest du bei der Frage nach den Schwächen ehrlich bleiben – wie übrigens im Rest des Bewerbungsgesprächs auch – denn schließlich ist niemand perfekt. Dennoch solltest du deine Schwächen in einem möglichst positiven Licht darstellen, sprich: sie sympathisch machen.

Warum werde ich nach meinen Schwächen im Bewerbungsgespräch gefragt?

Zwar mag die Frage nach den Schwächen auf den ersten Blick wie eine fiese Fangfrage wirken, doch sie wird nicht ohne Grund im Vorstellungsgespräch gestellt. Denn für Personaler ist es wichtig, dass sie so genau wie möglich herausfinden, wen sie ins Team holen. Um den Teamfit zu ermitteln, gilt es also nicht nur die Stärken der Bewerber herauszufinden, sondern auch die Schwächen. Außerdem können Personaler so prüfen, welche Lücken du beispielsweise im Bereich der Soft Skills hast, damit diese später geschlossen werden können.

Zuletzt zeigt eine ehrliche Antwort auf die Frage auch, dass du

  • analytisch,
  • selbstreflektiert und
  • ehrlich

bist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass du im Vorstellungsgespräch sympathische Schwächen nennst.

Mehr Infos zu der Frage nach den Schwächen im Bewerbungsgespräch sowie Tipps und Beispiele findest du in unserem Artikel zu Schwächen im Vorstellungsgespräch.

Diese sympathischen Schwächen gibt es

In dieser Liste findest du sympathische Schwächen, die du im Bewerbungsgespräch erwähnen könntest:

  • „Ich bin kein wirklicher Morgenmensch, aber nach einem Kaffee geht’s dann.“
  • „Ich telefoniere ungern, lieber schreibe ich E-Mails oder spreche die Person persönlich an.“
  • „Manchmal fällt es mir schwer, meine Ansichten kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen, vor allem dann, wenn ich mich sehr für das Thema interessiere.“
  • „Ich kann nicht gut mit PowerPoint Präsentationen herstellen, ich benutze lieber Google Slides.“
  • „Leider habe ich bis jetzt nur wenig Erfahrung mit C++ gemacht, dafür bin ich ein Java-Ass.“
  • „Ich bin etwas tollpatschig.“
  • „Ich bin nicht sehr kreativ und halte mich lieber an bewährte Prozesse als dass ich etwas Neues erfinde.“
  • „Wenn ich Präsentationen vor einem größeren Publikum halten muss, werde ich oft nervös.“
  • „Ich kann nicht gut kopfrechnen und muss immer sofort zum Taschenrechner greifen.“

Doch wie schon zuvor erwähnt solltest du auch diese Beispiele nicht einfach pauschal übernehmen und im Vorstellungsgespräch auflisten, sondern die Eigenschaften an den Job, für den du dich bewirbst, anpassen. Denn, dass du nicht sehr kreativ bist, ist in einer Stelle im Rechnungswesen egal, aber als Grafikdesigner wirst du damit nicht sehr weit kommen.

Finde Jobs im Bereich Rechnungswesen in deiner Nähe:

Außerdem solltest du bei deinen Aussagen nicht nur bei einem Satz bleiben. Begründe in jedem Fall, warum deine Schwächen nicht so schlimm sind, welche Eigenschaften sie zu sympathischen Schwächen machen und sage auch, dass du an deinen Schwächen arbeitest. Konkrete Beispiele hierzu zeigen wir dir gleich.

Wie finde ich meine persönlichen Schwächen heraus?

Zwar sind Beispiele wie die in der obigen Liste schön und gut, doch einfach blind ein Beispiel aus der Liste zu wählen und dieses im Bewerbungsgespräch zu benutzen wäre falsch. Schließlich währt Ehrlichkeit am längsten. Du solltest also nur Schwächen nennen, die du auch wirklich hast und die auch welche sind.

Doch weißt du überhaupt, was deine Schwächen sind? So findest du sie heraus.

1. Selbstreflexion

Als allererstes solltest du dir folgende Fragen stellen, um deine persönlichen Schwächen zu finden:

  • Gibt es Situationen, in denen ich nicht mag, wie ich reagiere?
  • Gibt es Fächer/Kurse, mit denen ich in der Schule oder beim Studium besondere Schwierigkeiten hatte? Warum?
  • Gibt es Sachen, bei denen ich besonders lange gebraucht habe, bis ich sie gelernt habe oder die ich bis heute nicht verstehe?
  • Was wird in Feedbackgesprächen mit meinem Arbeitgeber erwähnt? Gibt es etwas, das schon öfters erwähnt wurde?
  • Gibt es in meinem jetzigen Job Aufgaben, die ich überhaupt nicht ausstehen kann oder Projekte, die schiefgegangen sind? Warum?
  • Welche negativen Eigenschaften und Erfahrungen fallen mir ein?

2. Familie und Freunde fragen

Nachdem du dir diese Fragen gestellt und aufgeschrieben hast, solltest du deiner Familie oder guten Freunden die gleichen Fragen stellen. So stellst du sicher, dass du nicht nur Antworten aus deiner Perspektive hast, sondern aus mehreren. Schließlich kann es einem manchmal schwerfallen, Verhaltensmuster und persönliche Schwächen selbst zu erkennen.

! TIPP

Niemand mag es, Schlechtes über sich zu hören. Frage deshalb deine Ansprechpersonen auch nach deinen Stärken oder was sie besonders toll an dir finden. Das hilft nicht nur deinem Selbstwertgefühl, sondern auch, die Frage nach deinen Stärken im Vorstellungsgespräch besser zu beantworten.

3. Schwächen vergleichen

Als nächstes solltest du die beiden Listen der Schwächen vergleichen und schauen, ob und welche Übereinstimmungen es gibt. Daraus kannst du nun konkret deine Schwächen herausfiltern und gruppieren. In diesem Schritt solltest du außerdem deine Schwächen in unsympathische und sympathische Schwächen aufteilen und schauen, ob sich in deiner Liste nicht evtl. doch Stärken verstecken.

4. Stellenanzeige analysieren

Jetzt wo du deine Schwächen genau kennst, kannst du auch konkret im Bewerbungsgespräch auf sie eingehen. Aber bevor du deine sympathischen Schwächen einfach auflistest, solltest du dich auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten, indem du die Stellenanzeige analysierst und dabei genau darauf achtest, nach welchen Soft Skills und Voraussetzungen gefragt wird.

Schließlich verlangen verschieden Stellen auch verschiedene Fähigkeiten. Wird beispielsweise nach jemandem gesucht, der Englisch auf C1-Niveau spricht, so sind deine eingerosteten Englischkenntnisse keine sympathische Schwäche, sondern eine richtige Schwäche. Bewirbst du dich allerdings als IT-Support in einem deutschen Unternehmen, so kannst du sie ruhig erwähnen.

! Wichtig

Gehe in deinem Lebenslauf in jedem Fall nur auf deine Stärken ein – deine Schwächen sind hier komplett fehl am Platz. Mehr Tipps zum Lebenslauf sowie Vorlagen findest du in unserem Artikel zum Lebenslauf.

Unsympathische Schwächen

Wichtig ist es also, dass du deine Liste der Schwächen in sympathische und unsympathische Schwächen aufteilst. Folgende Tabelle zeigt dir wie unsympathische Schwächen aussehen könnten, damit du sie vermeiden kannst. Denn sie solltest du im Vorstellungsgespräch auf gar keinen Fall erwähnen.

Unsympathische Schwächen
Ich werde schnell cholerisch oder aggressiv.
Ich bin immer zu spät.
Ich hasse es, im Team zu arbeiten und sehe Kollegen als Konkurrenten, die es zu besiegen gilt.
Ich werde sehr schnell neidisch.
Ich trinke gerne und viel, ich war schon öfters stark verkatert arbeiten.
Ich sehe mich selbst als Nummer eins, an andere zu denken fällt mir schwer.
Ich bin sehr gesprächig und liebe es, über andere zu reden.

! Aha

Wie schon zuvor erwähnt, gilt auch diese Liste der unsympathischen Schwächen nicht für alle Situationen. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, dass du deine Liste der Schwächen immer mit der Stellenausschreibung abdeckst.

Beispielformulierungen

Das Wichtigste ist, dass du deine Schwächen entschärfst, sprich, sie begründest. Lass also dein „Ich kann mit Excel überhaupt nicht umgehen“ nicht einfach so im Raum stehen, sondern gib eine Begründung und sag wie du konkret vorhast daran zu arbeiten. Zum Beispiel:

  • „Leider habe ich im Studium keinen Kurs zu Excel belegen können und habe demnach nur sehr wenig Erfahrung mit dem Programm. Deswegen finde ich die Weiterbildungen, die Ihr Unternehmen anbietet, sehr interessant und möchte die Chance nutzen, mein Können auszubauen.“

Im Folgenden findest du weitere Beispiel Antworten, sortiert nach Art der Schwäche.

Persönliche/emotionale Schwächen

  • „Ich halte ungern Präsentationen vor einem größeren Publikum, da ich dabei schnell nervös werde. Doch ich arbeite seit ein paar Monaten mit meiner Mentorin zusammen daran. Sie zeigt mir, wie ich selbstsicher auftrete.“
  • „Ich bin eine sehr impulsive Person: Oft sage ich das Erste, was mir in den Sinn kommt, ohne groß darüber nachzudenken. Doch nachdem ich darauf aufmerksam gemacht wurde, arbeite ich daran. Ich habe es mir deshalb angewöhnt, erstmal meine Gedanken zu sortieren, bevor ich was sage. Das hat sich auch positiv auf meine Arbeit ausgewirkt.“
  • „Meine größte Schwäche ist, dass ich mich relativ leicht ablenken lasse, vor allem in einem lauten Umfeld finde ich es schwer, mich zu konzentrieren. Deshalb arbeite ich in einem Großraumbüro immer mit Noise-Cancelling-Kopfhörern, damit ich gut arbeiten kann.“

Fehlende Kenntnisse

  • „Ich habe seit der Schule nicht mehr Spanisch gesprochen und meine Aussprache ist daher etwas holprig. Zum Glück gibt es mittlerweile praktische Sprachapps, die die korrekte Aussprache vermitteln. Diese nutze ich zurzeit, um meine Fähigkeiten zu verbessern.“
  • „Leider habe ich bis jetzt nur wenig praktische Erfahrung mit der Software XX gemacht. Deshalb freue ich mich darauf, mich mit Ihrem Kollegen Herr Müller darüber auszutauschen und bin gespannt auf die Herausforderung.“

Arbeitsweise

  • „Meine größte Schwäche ist, dass ich ziemlich chaotisch bin. Mir fällt es vor allem schwer meine Aufgaben zu priorisieren. Deshalb arbeite ich in meinem jetzigen Job mit der Projekt-Management-Software Asana, die mir dabei hilft, meine Aufgaben zu visualisieren.“
  • „Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe oder ein bestimmtes Ziel im Auge habe, fällt es mir manchmal schwer davon abzuweichen oder es zu ändern. Diese Hartnäckigkeit hat schon einmal für Spannung mit meinem Vorgesetzten gesorgt. Deshalb versuche ich seitdem mich nicht so festzubeißen, was bis jetzt auch sehr gut klappt.“
  • „Ich mag Altbewährtes und finde es manchmal schwer, mit neuen Prozessen oder Umstrukturierungen klarzukommen. Um dem entgegenzusteuern habe ich mir das Ziel gesetzt, mir alle drei Monate einen neuen Skill anzueignen. Zuletzt habe ich eine Excel-Schulung gemacht.“

Umgang mit anderen

  • „Ich bin eher introvertiert, soziale Interaktionen erschöpfen mich schnell. Deshalb verbringe ich meine Mittagspause gerne alleine. Ich nutze die Zeit dann für mich, um aufzutanken. So kann ich dann nach dem Mittag wieder voll und ganz für meine Kolleg_innen und Kund_innen da sein.“
  • „Meine größte Schwäche ist, dass ich ungern Nein sage. Das kann dazu führen, dass ich zu viel auf dem Tisch habe, da ich es allen recht machen will. Deshalb arbeite ich mit Projektmanagement-Tools, sodass ich besser einschätzen kann, ob ich noch Kapazitäten habe, um neue Aufgaben anzunehmen.“
  • „Ich arbeite sehr selbständig und finde es deshalb manchmal schwer, andere nach Hilfe zu fragen. Doch da dies kontraproduktiv ist, habe ich es mir angewöhnt öfters, um Hilfe zu bitten, wenn ich sie benötige.“

Tipps

Abschließend haben wir hier nochmal ein paar Tipps für dich, wie du deine Schwächen ins beste Licht rückst und was du unbedingt vermeiden solltest.

Do Don’t
Sei ehrlich: Nenne nur Schwächen, die du auch wirklich hast. Leugnen, dass du überhaupt Schwächen hast. Schließlich ist niemand perfekt, das wissen Personaler.
Relativiere deine Antwort, um die Schwäche zu begründen. Lügen
Angemessene und relevante Beispiele nennen, die konkret mit dem gewünschten Job zu tun haben. Humorvoll antworten. Antworten wie „Schokolade“ oder „Shopping“ sind albern und lassend ich unreif wirken.
Worte wie „manchmal“, „gelegentlich“ oder „ab und an“ benutzen, um die Schwäche einzuschränken. Schwächen nennen, die eigentlich keine Schwächen sind.
Eine unsympathische Schwäche nennen.

Fazit: Stehe zu deinen Schwächen

Jeder Mensch hat Stärken, aber auch Schwächen – und das wissen Personaler auch. Deshalb wird auch nicht von dir erwartet, dass du zu 100 Prozent perfekt bist und keine Schwächen hast. Deswegen solltest du die Frage nach deinen Schwächen ehrlich und reflektiert antworten. Das lässt dich sympathisch und menschlich erscheinen und du kannst gleichzeitig demonstrieren, dass du lernwillig bist und mit Kritik umgehen kannst.

Bei deiner Antwort solltest du aber unbedingt darauf achten, dass du nur sympathische Schwächen nennst, welche diese aber letztendlich sind, das hängt von dir und den Anforderungen in der Stellenanzeige ab.

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