So schützt du dich vor Mobbing am Arbeitsplatz.

So schützt du dich vor Mobbing am Arbeitsplatz.

Mobbing am Arbeitsplatz betrifft mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer in Deutschland. Somit ist Mobbing nicht nur ein Problem in der Schule, sondern auch am Arbeitsplatz. Auch Berufseinsteiger als neue Mitarbeiter sind davor nicht geschützt. Doch wie definiert man Mobbing auf der Arbeit und was kannst du, abgesehen von einer Kündigung, tun, wenn du selbst von Mobbing betroffen bist? Das alles und mehr erklären wir dir in diesem Artikel.

So schützt du dich vor Mobbing am Arbeitsplatz.

Mobbing am Arbeitsplatz betrifft mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer in Deutschland. Somit ist Mobbing nicht nur ein Problem in der Schule, sondern auch am Arbeitsplatz. Auch Berufseinsteiger als neue Mitarbeiter sind davor nicht geschützt. Doch wie definiert man Mobbing auf der Arbeit und was kannst du, abgesehen von einer Kündigung, tun, wenn du selbst von Mobbing betroffen bist? Das alles und mehr erklären wir dir in diesem Artikel.

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Definition: Das ist Mobbing.

Deine Kolleg_innen* haben dir zum wiederholten Mal aus Versehen eine E-Mail nicht weitergeleitet und dein Chef kritisiert vor der Kundschaft deine Arbeitsweise. In beiden Fällen fühlst du dich ungerecht behandelt. Langsam fragst du dich, ob dir deine Kollegen vorsätzlich Informationen vorenthält. Und hat dein Chef nicht erst letztens in großer Runde die Präsentation zerlegt, die du angefertigt hast?

Ob es sich bei den genannten Situationen um Einzelfälle handelt oder diese gehäuft auftreten, ist entscheidend für die Definition von Mobbing am Arbeitsplatz. Im Gegensatz zu offensichtlichem Mobbing, zum Beispiel in der Schule, wenn Schüler von mehreren Klassenkameraden schikaniert werden, oder beim Cybermobbing, bei dem eine Person online in sozialen Netzwerken beschimpft oder bedroht wird, ist Mobbing am Arbeitsplatz sehr viel schwerer kenntlich zu machen und nachzuweisen.

Wie also definiert man Mobbing am Arbeitsplatz?

Die juristische Definition von Mobbing ist folgende: „Der Begriff Mobbing erfasst im arbeitsrechtlichen Verständnis fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die nach ihrer Art und ihrem Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielsetzung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere ebenso geschützte Rechte, wie Gesundheit und Ehre, verletzen.“

Verständlicher ist eine Definition zu Mobbing im Beruf, die vor allem in der Beratung angewandt wird:

Unter Mobbing werden (negative) kommunikative Handlungen am Arbeitsplatz verstanden, die von Kollegen, Chefs oder Führungskräften ausgeübt werden, gegen eine Person gerichtet sind und systematisch und zielgerichtet über einen längeren Zeitraum als ein halbes Jahr, ein- bis mehrmals wöchentlich vorkommen. Ziel ist die Ausgrenzung vom Arbeitsplatz. Dabei sind Betroffene die Personen, über die tiefer liegende betriebliche Probleme ausgetragen werden.

Es geht also darum, dass Mitarbeiter, bzw. Arbeitnehmer, durch das Mobbing gezielt und über einen längeren Zeitraum bei der Ausübung ihrer Arbeit behindert werden. Die Behinderung der beruflichen Tätigkeit kann sich dabei in verschiedenen Formen äußern.

Formen: Diese Arten von Mobbing gibt es.

Gemobbt werden kann ein Arbeitnehmer auf viele Arten und Weisen. Am Arbeitsplatz ist dabei die häufigste Version das bewusste Vorenthalten von Informationen. Zwei von drei Personen haben diese Art des Mobbings schon einmal erlebt.

Indem E-Mails nicht weitergeleitet oder Meetings nicht an alle kommuniziert werden, können die Betroffenen ihre Arbeit nicht zur vollsten Zufriedenheit erfüllen und stehen so vor den anderen oder ihrem Arbeitgeber in einem schlechten Licht dar. Auch Mitarbeiter vor anderen schlechtzumachen oder gezielt Lügen über jemanden zu verbreiten, sind Arten des Mobbings. Oftmals reichen schon kleine Randbemerkungen durch Kollegen wie „Frau Kohl macht ihre Arbeit nie hundertprozentig“, um einen schlechten Eindruck zu generieren.

Gaslighting.

Eine andere Art des Mobbings am Arbeitsplatz, ist das sogenannte Gaslighting. Hier wird das Mobbingopfer gezielt manipuliert, indem das Realitätsverständnis des Opfers manipuliert wird. So werden auch beim Gaslighting beispielsweise bewusst Informationen vorenthalten, dies wird aber verleugnet, zum Beispiel durch Aussagen wie „die Einladung zum Meeting habe ich dir auf jeden Fall geschickt, du hast sie ja sogar angenommen" – obwohl die Einladung bewusst nicht verschickt wurde. Die Folge: Opfer dieser Art von Mobbing fangen an, an der Realität und sich selbst zu zweifeln, werden isoliert und können leicht manipuliert werden.

Grafik: Arten von Mobbing

Auf welchem Weg Mobbing am häufigsten ausgedrückt wird, zeigt dir die nachfolgende Grafik:

MOBBING-ART ANTEIL DER PERSÖNLICHEN ERFAHRUNG
in direkter sozialer Interaktion 81 %
per E-Mail 8 %
über Social Media 7 %
per Telefon 6 %
per Messenger 4 %
Sonstiges 12 %

Wo fängt Mobbing am Arbeitsplatz an?

Mobbing zeichnet sich dabei, ähnlich wie man es beim Mobbing aus der Schule kennt, immer durch eine tägliche oder wöchentliche Schikane aus – vom absichtlichen Streuen von Gerüchten und übler Nachrede bis hin zur Rufschädigung der betroffenen Person. Auch eine Arbeitsüber- oder Arbeitsunterforderung sowie Arbeitsentzug oder ständige negative Kritik können bei Regelmäßigkeit eine Form des Mobbings am Arbeitsplatz sein.

Daneben werden zwei weitere Arten des Mobbings im Arbeitskontext definiert:

Bossing

  • Das Mobbing durch Führungskräfte oder Vorgesetzte wird als Bossing bezeichnet. Dieses zeigt sich durch direkte Machtausübung der Vorgesetzten, indem Mitarbeiter bewusst kleingehalten und ausgegrenzt werden. Das kann räumlich erfolgen, indem Mitarbeiter alleine in einen Raum oder weitab des Teams versetzt werden. Auch die Erteilung eines Redeverbots gegenüber den Kollegen sowie die Androhung beziehungsweise Durchführung arbeitsrechtlicher Sanktionen können – solange sie unbegründet sind – Formen des Bossings sein.

Staffing

  • Die zweite Art des Mobbings am Arbeitsplatz, das Staffing, drückt hingegen die umgekehrte Form von Mobbing aus. Das heißt, hier tun sich ein oder mehrere Mitarbeiter zusammen, um ihren Vorgesetzten bewusst zu schaden.

Mobbing am Arbeitsplatz: Beispielsituationen

So viel zur Theorie, in der Praxis kann es aber sein, dass die Grenze zwischen Mobbing und z. B. Missverständnissen verschwimmt. Denn der Begriff Mobbing sollte nicht inflationär für alle Situationen benutzt werden, in denen du dich ungerecht behandelt fühlst. Schließlich gibt es auch Situationen, in denen du dich zwar so fühlst, es aber nicht absichtlich gemacht wurde.

In folgender Tabelle haben wir ein paar Beispiele von unangenehmen Arbeitssituationen erstellt und erklären dir, ob es sich hierbei um Mobbing handelt oder nicht und warum.

Beispielsituation Ist das Mobbing?
Deine Chefin grüßt dich morgens nicht. Nein, zwar ist das unhöflich, aber nicht jeder ist ein Morgenmensch. Ausnahme: Deine Chefin grüßt regelmäßig gezielt alle anderen Mitarbeiter und grenzt dich dabei absichtlich aus.
Du bist Teamleiter, aber dein Team weigert sich regelmäßig, deine gegebenen Aufgaben zu erledigen. Ja, dies ist ganz klar eine Form des Saffing-Mobbings. Dein Team schikaniert dich, indem es sich weigert, deine übergeordnete Position anzuerkennen.
Alle Kollegen gehen gemeinsam in einem Restaurant Mittag essen, nur du bleibst zurück. Handelt es sich um einen Einzelfall oder passiert so etwas regelmäßig? Wäre letzteres der Fall, handelt es sich ganz klar um Mobbing. Doch einmal beim Team-Lunch vergessen zu werden, ist frustrierend, aber noch nicht Mobbing.
Du wirst regelmäßig von deinem Chef angeschrien. Ja, hierbei handelt es sich um Bossing. Aber auch hier liegt die Betonung auf „regelmäßig”, schließlich könnte jeder mal einen schlechten Tag haben.
Deine Kollegen weigern sich, deine Fotos von deinem neugeborenen Neffen anzusehen. Nein, das wäre zwar unhöflich, aber kein Mobbing.
Dein Vorgesetzter kritisiert deinen Pitch – und das nicht zum ersten Mal. Kritik fühlt sich unschön an, (regelmäßige) konstruktive Kritik ist aber noch kein Mobbing. Wird aber deine grundsätzliche Kompetenz infrage gestellt oder ist die Kritik unbegründet, so handelt es sich um Bossing.

Entstehung von Mobbing am Arbeitsplatz: Interview mit Monika Hirsch-Sprätz.

Um nochmal zu verdeutlcihen, wie Mobbing am Arbeitsplatz entsteht und wie es dazu kommt, haben wir mit Frau Monika Hirsch-Sprätz gesprochen. Sie ist Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg und hat täglich in ihrer Arbeit mit Mobbing-Opfern am Arbeitsplatz zu tun.

Guten Tag Frau Hirsch-Sprätz, wie entsteht Mobbing?

Mobbing entsteht, wie in der Schule auch, meist schleichend. Kränkungen, Verletzungen, Konkurrenzen, Neid und Ängste auf der Arbeits- und Beziehungsebene werden nicht angesprochen, hinterfragt oder sind noch nicht bewusst. Was für den einen lustig ist, ist für den anderen unter Umständen verletzend. Es gibt Menschen, die erkennen, wenn sie ein Gegenüber verletzt haben und sind zukünftig vorsichtiger mit dem was und wie sie etwas äußern, tun oder fragen auch mal nach, was da gerade angekommen ist.

Aber einen Kollegen mal nett aufziehen, ist ja noch kein Mobbing. Wann wird aus Ärgern oder Necken wirklich bewusstes Mobbing?

Manche Menschen merken lange nicht, was sie tun, da ihre Laune, Machtposition oder ihre Persönlichkeitsstruktur dazu führt, dass sie willkürlich, unsensibel oder qua Funktionsebene so auf ihre Umwelt reagieren. Andere wiederum, die aus persönlichen Gründen ihr Gegenüber ärgern, verletzen oder ausgrenzen wollen, sehen wie dieses Verhalten ankommt und werden, um ihr persönliches Ziel zu erreichen, dies dann gezielt öfter tun, wenn sie damit einen persönlichen Nutzen verbinden. Sie haben die Schwachstelle beim Anderen erkannt. Ein solch bewusstes, gezieltes und andauerndes Vorgehen verändert das Necken/Ärgern dann in ein systematisches Verhalten und wird so zum Mobbing. Der alltägliche Psychoterror beginnt.

Wenn meine Führungskraft meine Arbeit kritisiert, ist es auch schnell gesagt, dass man gemobbt wird, weil man es subjektiv so empfindet…

Meinungsverschiedenheiten, Spannungen im Kollegium oder Arbeitsstress, sogar schlechter Führungsstil von Vorgesetzten oder dem Chef muss noch kein Mobbing beziehungsweise Bossing sein. Jeder Mensch bringt seine Familien- und Sozialisationserfahrung, seine Persönlichkeitsstruktur oder Tagesverfassung mit und damit seine Erfahrungen, wie er Konflikte und deren (Nicht-)Lösung in der Vergangenheit und den Umgang damit erlebt hat. Wenn verschiedene Welten, Kulturen, Hierarchieebenen, Persönlichkeitsmerkmale oder Arbeitsgewohnheiten aufeinander treffen und keine Zeit bleibt oder sich genommen wird, sich die dahinter liegenden Bedürfnisse der Konfliktbeteiligten zu betrachten, dann bleibt der Konflikt auf der Ebene der unterschiedlichen Positionen stehen oder kann eskalieren – ohne Rücksicht auf oder Verständnis für das Gegenüber.

Das hört sich an, als würden bestimmte Menschen eher dazu neigen, andere zu mobben?

Menschen, die andere Menschen mobben (bzw. die Täter oder Mobber), haben häufig Minderwertigkeitsgefühle, sind neidisch und hassen oder sind gekränkte Menschen, die über Rache agieren. Auch Personen mit starken (Sehn-)Suchtproblemen, Egomanen und Narzissten – häufig kombiniert – und diejenigen, die starke Existenz-, Konkurrenz- und Karriereverlustängste haben, sind häufig unter den Mobbenden zu finden. Auch (negative) Macht-Menschen, Menschen in Unter- oder Überforderungssituationen und unqualifizierte Vorgesetzte mobben.

Gibt es dagegen auch typische Mobbing-Opfer?

Meiner Erfahrung und Kenntnis nach nicht. Mobbing kann jeden Arbeitnehmer treffen. Es gibt also keine speziellen Typen von Opfer.

! TIPP

Leider sind auch im Arbeitsumfeld häufig diejenigen Personen von Mobbing betroffen, die aus der homogenen Gruppe herausstechen, beispielsweise durch ihr Alter, ihr Geschlecht oder ihre Hautfarbe. Diese Art von Mobbing fällt unter den Reiter der Diskriminierung und ist laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verboten. Um Diskriminierung vorzubeugen und aktiv gegen Mobbing vorzugehen, bieten viele Unternehmen deshalb Inklusions- oder Diversitätsprogramme an.

Diese Unternehmen bieten den Benefit Inklusion:

Diese Folgen hat Mobbing für Betroffene.

Mobbing am Arbeitsplatz kann also jeden treffen – egal ob Chef oder Arbeitnehmer. Ebenso zeigen sich die Auswirkungen für jedes Opfer Mobbingopfer unterschiedlich. Die Folgen können in psychische, physische, finanzielle, arbeitstechnische und gesellschaftliche unterteilt werden. Zu den psychischen Schäden der Betroffenen zählen: 

  • Nervosität und Weinkrämpfe
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafstörungen und Alpträume
  • Angststörungen, Panikattacken und Atemnot
  • Erschöpfungszustände und Burnout
  • Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTSD)
  • Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen und Apathie sowie
  • Suizidversuche und Suizidausführung

Daneben kann sich die belastende Situation auf Arbeit auch konkret in physischen Schmerzen und Problemen äußern. Betroffene von Mobbing am Arbeitsplatz klagen zum Beispiel über:  

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Essstörungen und Verdauungsprobleme
  • Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre
  • Herz-Kreislaufprobleme und Bluthochdruck
  • Undefinierbare Symptomschmerzen
  • Suchtverhalten (Medikamente und Alkohol)

In schlimmen Fällen hat Mobbing außerdem finanzielle Resultate. Teilweise müssen die Betroffenen die Kosten für Beratung, Rechtsbeistände sowie Krankengeldkosten tragen. Auf der Arbeitsebene ergeben sich häufig lange krankheitsbedingte Fehlzeiten, Stigmatisierungen, Diskriminierungen, Versetzungen und Umsetzungen. Erhalten Mobbing-Opfer keine umfassende Betreuung oder Therapie, können sich die psychischen Probleme so manifestieren, dass eine berufliche Tätigkeit nur noch schwer ausgeübt werden kann. Folgen sind dann eine Kündigung gefolgt von Arbeitslosigkeit oder eine Berufsunfähigkeit. Daraus kann eine gesellschaftliche Ausgrenzung durch den Verlust des Arbeitsplatzes, der gesellschaftlichen Anerkennung oder den sozialen Kontakten entstehen.

Hilfe beim Mobbing am Arbeitsplatz.

Ist man erstmal Opfer eines Mobbers, ist es schwer, sich aus der Situation zu befreien. Viele Unternehmen und Arbeitgeber fürchten zusätzlich eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema. Für Betroffene ist es deswegen schwer, das Thema bei Vorgesetzten direkt anzusprechen, denn für die Mobber ist es leicht, alles abzustreiten. Gerade wenn Mobber der eigene Vorgesetzte oder ein Chef sind, ist es für Betroffene noch schwieriger, dem direkten Angriff angemessen entgegenzusteuern.

Ist die Belastung zu groß, kann eine Strafanzeige gegen die Mobber erfolgen und Schadenersatz gefordert werden. Das Opfer kann sich hierbei auf das Arbeitsrecht bzw. das Arbeitsschutzgesetz berufen.

Durch das Urteil muss die Diffamierung des Opfers unterlassen werden. Sind Mobber ein Kollege oder eine Kollegin kann der Arbeitgeber auch eine Abmahnung erlassen. Hierfür muss das Thema jedoch offen bei den Vorgesetzten angesprochen werden.

Die meisten Mobbingopfer im Arbeitsumfeld reichen ihre Kündigung ein oder Fragen nach einer Versetzung, um durch den Wechsel des Arbeitgebers bzw. Unternehmensstandort die Situation zu umgehen. Für die Zukunft in einem neuen Unternehmen oder Betrieb ist diese Konfliktvermeidung jedoch nicht immer hilfreich. Die Ursachen für den Konflikt wurden nicht geklärt und die Gefahr besteht, dass das eigene Selbstwertgefühl zu sehr darunter leidet. Die Kündigung wird dann nicht mehr als Schuld eines anderen, sondern als persönliches Versagen empfunden.

Wie kann ich beweisen, dass ich gemobbt werde?

Um zu zeigen, dass du ein Opfer von Mobbing bist, musst du es natürlich auch beweisen können. Vor allem, wenn es sich bei der Mobbingart um psychologische Schikane handelt, zum Beispiel in Form von übermäßiger Kritik, ist es oft schwer, Beweise zu sammeln.

In jedem Fall solltest du aber jede E-Mail oder Chat-Konversation, die du mit dem Täter hast, gesichert abspeichern. Wirst du online gemobbt, so kannst du Bildschirmfotos machen und diese mit einem Zeitstempel abspeichern.

Es ist auch wichtig, Zeugen zu finden, die das Mobbing gesehen haben oder vielleicht auch gemobbt werden. Schließlich ist es einfacher, gegen Mobbing vorzugehen, wenn man nicht alleine ist.

! Achtung

Vorsicht beim Beweise-Sammeln: Wenn du heimlich Telefonate aufzeichnest oder Videos aufnimmst, so begehst du eine Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und kannst dich gar strafbar machen.

Wir haben abschließend noch einmal Frau Monika Hirsch-Sprätz gefragt, welche Tipps sie im Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz hat und welche Schritte du gehen und an wen du dich wenden kannst (z. B. dem Betriebsrat), bevor du eine Kündigung erwägst. 

Frau Hirsch-Sprätz, wenn ich das Gefühl habe, ich werde auf Arbeit von einem Kollegen oder einer Kollegin gemobbt, was kann ich tun?

Es ist sinnvoll, mit Freunden, Partnern, dem Betriebsrat oder Kollegen zu sprechen und sich mehrere Meinungen und Informationen einzuholen. Ich rate außerdem dazu, die Vorfälle und den Verlauf in einem Mobbing -Tagebuch aufzuschreiben, sowie die psychischen und physischen Folgen von einem Arzt dokumentieren zu lassen. Mobbende Arbeitgeber, Chefs oder Vorgesetzte können von Arbeitnehmern auch ermahnt und abgemahnt werden. Dazu ist es gut, wenn Betroffene zeitnah spezielle Beratungsstellen aufsuchen.

Und was kann man tun, wenn man von Vorgesetzten gemobbt wird?

Zunächst muss man die Kontrolle über sich bewahren und nicht aus der Haut fahren. Dazu sollte man zuhören, aber nicht bis zum bitteren Ende eine diskriminierende Gesprächssituation abwarten. Besonders wichtig ist es, sich zu wehren, indem man klar, mutig und couragiert ein oder mehrere „STOPs“ setzt, Distanz hält und selbstbewusst auftritt. Auch das Dazuholen von Zeugen und der Gang zum Personal- oder Betriebsrat kann helfen.

Es kann auch der Fall sein, dass man nicht selbst gemobbt wird, aber andere Mitarbeiter. Wie sollte man sich verhalten, wenn Kollegen das Ziel einer Mobbing-Attacke werden?

Zuerst sollte man hinsehen und nicht weggehen. Man sollte sich neben die angegriffene Person stellen und immer erst fragen, ob man unterstützen und vermitteln kann, auch wenn unterschiedliche Hierarchieebenen betroffen sind. Des Weiteren kann man mit dafür sorgen, dass Konfliktparteien miteinander im Gespräch bleiben oder je nach Situation überlegen, wie sachlich verbal diskutiert werden kann. Es kann auch helfen, wenn man andere Personen anspricht und in die Konfliktsituation einbezieht, um den Konflikt auf eine breitere Ebene zu stellen und vorsichtig Öffentlichkeit für den Angegriffenen schafft. Es ist eine gute Idee, die betroffene Person zu fragen, was ihr helfen könnte und ihr bei der Suche nach internen oder externen Ansprechpartner Hilfe anzubieten.

Gerade für Berufseinsteiger, die noch wenig Erfahrung in der Arbeitswelt haben, ist es interessant zu wissen: Wie kann/sollte man sich als Berufseinsteiger in einer neuen Firma oder bei einem Wechsel in eine neue Abteilung verhalten, damit man nicht zu einem Mobbing-Opfer wird?

Man sollte nicht gleich mit 180 Prozent Einsatz einsteigen, sondern sich Zeit lassen und sich umschauen, was die Regeln, Arbeitsweisen und zwischenmenschlichen Gepflogenheiten vor Ort sind. Dazu kann man nach der Arbeitsplatzhistorie fragen, zum Beispiel was mit Vorgängern war. Es ist auch grundsätzlich vorteilhaft, sich über die Anfänge von Mobbing in Büchern und im Internet zu informieren. Es ist außerdem nützlich, auf das Miteinander im Kollegium zu achten, wie auch auf die Unternehmenskultur und das Betriebsklima überhaupt, auch zwischen den Führungskräften.

Fazit.

Das Thema Mobbing sollte in Unternehmen und Betrieben zu einer offenen Kommunikation gehören, sodass sich Mitarbeiter bei Belästigung an Ansprechpartner, zum Beispiel den Betriebsrat, wenden können. Arbeitgeber und Chefs sollten sich zudem in der Fürsorgepflicht sehen, Maßnahmen zur Prävention einzuführen. Sobald du das Gefühl hast, von übler Nachrede betroffen zu sein, solltest du dich frühestmöglich über Möglichkeiten informieren und Beratung in Anspruch zu nehmen.

Bei Anwalt.de findest du viele weitere Informationen zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz und wie du rechtlich dagegen vorgehen kannst.

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