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Mindestlohn im Praktikum

Mindestlohn im Praktikum

Dass es einen gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland gibt, hast du sicher mitbekommen. Mit dem neuen Gesetz bekommt somit jeder in Deutschland eine Vergütung von mind. 8,50 Euro pro Stunde für seine Arbeit. Und Freude für dich: Auch Praktikanten fallen unter den gesetzlichen Mindestlohn. Haken jedoch: Nicht alle. Deswegen erfährst du auf ABSOLVENTA, wann für dein Praktikum der Mindestlohn zählt. 

Inhalt:

  1. Fakten zum Mindestlohn
  2. Wer erhält Mindestlohn
  3. Mindestlohn und Praktikum
  4. Auswirkung des Mindestlohns auf Praktikumsangebote

Fakten zum Mindestlohn

  • Ab 2015 muss in Deutschland ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gezahlt werden.
  • Durch den Mindestlohn will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verhindern, dass jemand trotz eines Vollzeit-Jobs nicht von seinem Einkommen leben kann.
  • Bei einer 40-Stunden-Woche kommt ein Arbeitnehmer so auf ein monatliches Brutto-Gehalt von ca. 1.400 Euro.
  • Auch Praktikanten haben Anspruch auf den Mindestlohn. Er wird aber nicht in jedem Praktikum bezahlt. Den festgelegten Stundenlohn gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Erst einmal gilt der gesetzliche Mindestlohn für alle Arbeitnehmer über 18 Jahre. Bei Langzeitarbeitslosen kann in den ersten sechs Monaten vom Mindestlohn abgewichen werden. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen.

Wer erhält Mindestlohn?

​Du erhältst keinen Mindestlohn, wenn du ... 

  • dich in einer Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz befindest.
  • du ehrenamtlich tätig bist.
  • du einen freiwilligen Dienst ableistest.
  • an einer Maßnahme der Arbeitsförderung teilnimmst.
  • nach dem Heimarbeitergesetz tätig bist.
  • selbstständig bist.

Mindestlohn und Praktikum

Ob du in deinem Praktikum eine Vergütung nach dem Mindestlohn erhältst, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Diese sind:

  • Du bist mindestens 18 Jahre alt: Der Mindestlohn gilt nur für Erwachsene. Minderjährige haben nur dann Anspruch auf den Mindestlohn, wenn sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Somit soll verhindert werden, dass ein Praktikant aufgrund des vergleichsweise hohen Lohns auf eine Berufsausbildung verzichtet. Kurzfristig wäre das zwar finanziell von Vorteil, langfristig aber nachteilig, da man mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung langfristig bessere Chancen am Arbeitsmarkt hat sowie bessere und höhere Verdienstmöglichkeiten.
  • Das Praktikum dauert länger als 3 Monate: Der Mindestlohn wird nur dann fällig, wenn das Praktikum länger als drei Monate dauert. Damit wird berücksichtigt, dass ein Praktikant i.d.R. nicht sofort einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens leistet. Zuerst ist eine Einarbeitung nötig, die das Unternehmen Zeit und Geld kostet.
  • Es handelt sich um ein freiwilliges Praktikum: Handelt es sich um Orientierungspraktikum oder ein ausbildungs- bzw. studienbegleitendes Praktikum, das länger als drei Monate dauert, ist es ab dem ersten Tag der Beschäftigung mit dem Mindestlohn zu vergüten. Auch wenn das Praktikum nach drei Monaten verlängert wird, greift der Mindestlohn rückwirkend. Hast du ein freiwilliges Praktikum, dass nur drei Monate dauert, muss dein Unternehmen nicht den Mindestlohn bezahlen
  • Bei Pflichtpraktika hast du keinen Anspruch auf Mindestlohn: Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, das von Schule, Ausbildungseinrichtung oder Hochschule vorgeschrieben ist, haben die Praktikanten keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Dasselbe gilt für ein Praktikum im Rahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung oder in einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung. Keine Anwendung auf Praktika findet das Mindestlohngesetz ebenfalls im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung nach dem SGB III und Maßnahmen einer Berufsausbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz.
  • Bestimmte Ausnahmeregelungen: Für einige wenige Branchen, Regionen und Personenkreise gibt es in der Übergangsphase zeitlich befristete Ausnahmeregelungen. Zum Beispiel haben Langzeitarbeitslose erst nach sechs Monaten Anspruch auf den Mindestlohn – unabhängig davon, ob es sich um ein Praktikum oder einen festen Job handelt.

Ansonsten sind keine Ausnahmen möglich. Der Mindestlohn ist zwingend. Praktikanten und andere Arbeitnehmer können nicht auf den Mindestlohn verzichten und sich freiwillig mit einer geringeren Vergütung zufriedengeben.

Ob bei deinem Praktikum der Mindestlohn greift, kannst du auch anhand dieser Info-Grafik rausfinden: 

Gehaltsanspruch steht im Arbeitsvertrag

Wer sich unsicher ist, ob er im Praktikum Anspruch auf den Mindestlohn hat, sollte im Vorstellungsgespräch nachfragen. Ansonsten hilft ein Blick in den Arbeitsvertrag (bevor man ihn unterschreibt). Im Praktikumsvertrag muss neben den Ausbildungszielen, dem Beginn und der Dauer des Praktikums, der täglichen Arbeitszeit und dem Urlaubsanspruch auch das Praktikumsgehalt schriftlich festgehalten werden.

Geld verdienen im Praktikum nur Nebensache

Ein Praktikum ist nicht in erster Linie dazu da, Geld zu verdienen. Stattdessen sollte es drei andere Funktionen erfüllen:

Nichtsdestotrotz ist es fair, wenn die Leistung eines Praktikanten und sein Beitrag zum Unternehmenserfolg auch finanziell honoriert werden.

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Auswirkungen des Mindestlohns auf das Praktikumsangebot

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Mindestlohn auf die Entwicklung der Praktikumslandschaft in Deutschland auswirkt. Es besteht die Gefahr, dass das Angebot von längeren Praktika vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zurückgeht, da sie die Nachwuchskräfte nicht mehr zu diesem Preis bezahlen wollen oder können. Viele Praktikanten werden vermutlich nur theoretisch finanziell von der neuen Regelung profitieren, da ein großer Teil der Stellen auf eine Dauer von maximal drei Monate reduziert wird.

Das Gesetz bietet jedoch einen Vorteil für junge Leute, die ein Pflichtpraktikum im Rahmen ihrer (universitären) Ausbildung absolvieren müssen. Da Pflichtpraktikanten nicht unter die Mindestlohnregelung fallen, werden sie möglicherweise bevorzugt eingestellt und können längere Praktika absolvieren.

Sicher kann aber bereits jetzt festgestellt werden, dass der Mythos der sogenannten „Generation Praktikum durch den Mindestlohn der Vergangenheit angehört. Mit diesem Begriff wurden hochqualifizierte Absolventen beschrieben, die sich zu Beginn ihrer Karriere von einem un- oder gering bezahlten Praktikum zum nächsten hangeln mussten. 

Lies auch: 

>> Urlaub im Praktikum | Rechtliche Regelungen

Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

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