Befristeter Arbeitsvertrag für Berufseinsteiger: Das sind deine Rechte.

Befristeter Arbeitsvertrag für Berufseinsteiger: Das sind deine Rechte.
Befristete Arbeitsverträge sind leider im heutigen Berufsleben gang und gäbe – gerade Berufseinsteiger bekommen das oft zu spüren. Wir stellen Gründe für die Befristung vor und klären dich über deine Rechte auf.
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  1. Was heißt befristeter Arbeitsvertrag?

    Ein befristeter Arbeitsvertrag bedeutet, dass du einen Arbeitsvertrag hast, der nur auf eine bestimmte Zeit abgeschlossen wird. Damit sichern sich gerade große Unternehmen gerne ab – mit einer Befristung läuft ein Vertrag automatisch aus, eine Kündigung und eine damit verbundene Rechtfertigung sind nicht nötig. 2017 war in Deutschland jeder zweite neue Vertrag befristet, besonders häufig betroffen sind die 25- bis 34-Jährigen.

  2. Gründe für Befristung.

    Ein befristeter Arbeitsvertrag muss gewisse Bedingungen erfüllen, um rechtlich wirksam zu sein. Diese Arten von Befristung gibt es:

    Kalendermäßig befristeter Vertrag.

    Ein Arbeitsvertrag kann insgesamt bis zu zwei Jahre kalendermäßig befristet werden, wenn der Arbeitgeber keinen Sachgrund im Arbeitsvertrag angibt. Dabei gilt allerdings, dass diese rein kalendermäßige Befristung nur dann über zwei Jahre erfolgen darf, wenn es sich um das erste Arbeitsverhältnis zwischen diesem Arbeitgeber und dieser Firma handelt. Bei Start-ups gibt es in den ersten vier Jahren nach der Gründung eine Ausnahme: Hier sind sogar vier Jahre Befristung erlaubt, weil die wirtschaftliche Lage des Unternehmens als instabiler gilt.

    Befristung mit Sachgrund bzw. Zweckbefristung.

    Die Befristung eines Arbeitsvertrages mit Sachgrund setzt, wie der Name schon sagt, einen sachlichen Grund voraus. Der Vertrag endet in diesem Fall, sobald der Sachgrund wegfällt. Darüber muss dein Arbeitgeber dich aber zwei Wochen vorher schriftlich informieren. Sachgründe können sein:

    • Vertretung eines anderen Arbeitnehmers, zum Beispiel Elternzeit, Krankheitsvertretung, Sabbatical
    • Zeitlich begrenzter Bedarf an der Arbeitsleistung, zum Beispiel Filmproduktion, Schlussverkauf, Abwicklungsarbeiten zur Betriebsschließung
    • Gründe in der Person des Arbeitsnehmers, zum Beispiel Jobben in den Semesterferien, vorübergehende Beschäftigung bis zur Rente, Arbeit bis zum Ende einer befristeten Aufenthaltserlaubnis

    Auch bei Trainee-Programmen ist oft der Arbeitsvertrag befristet: Viele Unternehmen lassen es sich formal offen, ob nach dem Traineeship die Übernahme erfolgt, auch wenn das meistens der Fall ist. Es gibt aber auch Unternehmen, die von vornherein unbefristete statt zeitlich befristete Verträge für Trainees anbieten, wie zum Beispiel:

  3. Hat der befristete Arbeitsvertrag auch Vorteile?

    Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand, für Arbeitnehmer auf den ersten Blick nicht so sehr. Als Berufseinsteiger kannst du die Befristung noch am ehesten positiv sehen:

    • Du kannst eine befristete Anstellung als Sprungbrett nutzen: Erstmal anfangen, dich beweisen und dann im Idealfall so unentbehrlich machen, dass du unbefristet übernommen wirst.
    • Du kannst verschiedene Unternehmen und Arbeitsweisen kennenlernen, was deinen Horizont erweitert.
    • Du kannst Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen sammeln und wächst so fachlich – als ITler kannst du beispielsweise noch eine Programmiersprache lernen oder als Marketing Manager Experte für Social Media Ads werden.
    • Du kannst gezielt nach hochkarätigen Unternehmen suchen – auch wenn du nicht lange dort arbeitest, hast du sie danach dennoch im Lebenslauf stehen. Hast du beispielsweise als Ingenieur bei einem Automobilriesen gearbeitet oder warst Consultant bei einer international erfolgreichen Unternehmensberatung, macht sich das gut in der nächsten Bewerbung.
  4. Grundsätzliches zum befristeten Arbeitsvertrag.

    Das muss gegeben sein, damit ein befristeter Arbeitsvertrag rechtsgültig ist:

    • Schriftform
    • Unterschrieben von Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor Beginn des Arbeitsverhältnisses
    • Explizite Angabe von Sachgrund, falls vorhanden

    Außerdem hält das Arbeitsrecht folgende Spitzfindigkeiten bereit:

    • Rechtliche Unwirksamkeit: Macht dein Arbeitgeber beim befristeten Arbeitsvertrag Fehler, gilt er als unbefristet. Wird ein befristeter Vertrag zum Beispiel verlängert und ein Detail geändert – wie zum Beispiel mehr Gehalt –, entsteht dem Gesetz nach ein völlig neuer befristeter Arbeitsvertrag, der rechtlich unwirksam ist und damit eine Entfristung nach sich zieht.

    • Automatische Verlängerung eines befristeten Vertrages: Erscheint der Arbeitnehmer am Tag nach dem Ende der Beschäftigung einfach wieder im Büro und verrichtet seine Arbeit, ohne dass der Arbeitgeber Einspruch erhebt, gilt der Vertrag als unbefristet verlängert. Laut Gesetzestext muss der Arbeitgeber „unverzüglich widersprechen“, um die automatische Verlängerung des Vertrags zu vermeiden.

    • Benachrichtigung über Vakanzen: Nach Ablauf der Anstellung über befristete Anstellungen muss dein Vorgesetzter dich informieren, falls Stellen ausgeschrieben sind, die deinen Fähigkeiten oder deiner Position entsprechen. Du hast aber kein Vorrecht, sondern musst dich auf die Stelle genauso bewerben wie jeder andere auch. Die Benachrichtigung muss auch nicht persönlich erfolgen: Ein sichtbarer Aushang reicht.

  5. Verlängerung der Befristung.

    Arbeitgeber können den Vertrag unter der Prämisse, dass die Gesamtdauer von zwei Jahren nicht überschritten wird, drei Mal verlängern. Das heißt, dass der erste Vertrag über sechs Monate abgeschlossen und dann dreimal um jeweils sechs Monate verlängert werden kann.

    Eine weitere Verlängerung des befristeten Arbeitsvertrags ist nach dem Arbeitsrecht nur dann möglich, wenn der Arbeitgeber einen Sachgrund für die Befristung angibt. In dem Fall darf dieser dann zweckbefristete Arbeitsvertrag auf einen kalendermäßig befristeten folgen.

  6. Kündigung des befristeten Arbeitsvertrages.

    Steht im Arbeitsvertrag nichts zur Kündigung drin, kann sie auch nicht stattfinden – die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen ist nur anzuwenden, wenn im befristeten Vertrag auf sie verwiesen wird. Für Menschen mit Behinderung oder für Schwangere gibt es bei einer befristeten Anstellung keinen besonderen Kündigungsschutz. Lediglich eine fristlose Kündigung ist prinzipiell genauso schwierig wie bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag.

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