Die Zukunft der Wirtschaftsprüfung: Wie die Digitalisierung eine Branche revolutioniert.

Die Zukunft der Wirtschaftsprüfung: Wie die Digitalisierung eine Branche revolutioniert.
Immer öfter hört man, dass Wirtschaftsprüfer in Zukunft aufgrund der Digitalisierung kaum noch gebraucht werden. Stimmt das? Jein. Außer Frage steht, dass Künstliche Intelligenz die Branche radikal verändern wird – und es auch jetzt schon tut. Weshalb sich der Beruf des Wirtschaftsprüfers aber immer noch lohnt, erklären dir Absolventa und PwC.
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  1. Künstliche Intelligenz: Es wird ernst.

    Seit dem letzten Jahr steht fest: Künstliche Intelligenz hält sukzessiven Einzug in unseren Berufsalltag, schafft neue Jobs im IT-Umfeld und verändert bestehende Berufsfelder. Besonders an Universitäten herrscht die Angst, dass der Beruf des Wirtschaftsprüfers in Zukunft an Bedeutung verlieren wird.

    Eine Studie von PwC, Deutschlands führender Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, zeigt: Dank KI könnte im Jahr 2030 das weltweite Bruttoinlandsprodukt um 14 Prozent höher ausfallen. Auch Jana Zemmrich, Senior Managerin bei PwC, zweifelt nicht an der Bedeutung von KI:

    „Künstliche Intelligenz ist derzeit überall ein Hot Topic, vom Sitzungssaal bis zum Pausenraum und wird das Geschäft unserer Kunden in der Zukunft maßgeblich beeinflussen. Deshalb setzen wir uns bei PwC schon seit längerer Zeit sehr intensiv damit auseinander. Unter anderem in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen zum Thema Künstliche Intelligenz.“

  2. Wandel der Branche.

    Wer befürchtet, dass es für Wirtschaftsprüfer in Zukunft schlecht aussieht, der sei beruhigt: Experten sind sich einig – der Job des Wirtschaftsprüfers wird durch die Digitalisierung nicht ersetzt. Allerdings übernimmt die Technik immer mehr Aufgaben.

    Jana Zemmrich bestätigt:

    „Ein Großteil der Tätigkeiten, die ein Wirtschaftsprüfer heute manuell erledigt, wird in Zukunft durch die digitale Datenanalyse automatisiert und unterstützt. Wirtschaftsprüfer werden daher in der Zukunft ihr Fachwissen mit einem tiefgreifenden Verständnis von digitaler Technologie verbinden müssen, um die komplexen Geschäftsprozesse der Kunden zu verstehen und beurteilen zu können. Allerdings wird das erhöhte Anspruchsniveau in der künftigen Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers auch neue Ausbildungs- und Karrieremodelle erforderlich machen.“

    Das kann den Beruf natürlich auch noch spannender machen: Langweilige Routinearbeiten an riesigen Datenmengen erledigt der Computer. Die Daten werden immer vielfältiger und sind in Echtzeit verfügbar. Der Prüfer setzt sich nur noch mit den anspruchsvollen Sachverhalten auseinander – nämlich mit der Analyse und Auswertung dieser. Innovative Datenanalysetools und -techniken wie zum Beispiel Halo Suite verbessern die Prüfungsprozesse zusätzlich.

  3. Mensch vs. Maschine.

    Wie abwechslungsreich die Arbeit eines Wirtschaftsprüfers ist, zeigt sich auch im Gespräch mit Jasmin Gehrlein. Sie ist Senior Consultant im Servicebereich Regulatory bei PwC und ihre tägliche Arbeit besteht darin, Banken „finanzbebenfest” zu machen, sodass diese zukünftige Krisen auch ohne Staatshilfe überstehen können. An ihrem Arbeitsalltag in der Beratung gefallen ihr die thematische Ausrichtung sowie der direkte Draht zum Kunden besonders:

    „Man hat sehr viel mit dem aktuellen Geschehen zu tun: Was man heute in der Zeitung liest, das könnte schon morgen auf meinem Schreibtisch liegen. Außerdem gefällt mir die Vielseitigkeit der Menschen, mit denen ich arbeite.”

    Gerade im direkten Kundenkontakt wird die künstliche Intelligenz also auch künftig noch keine große Rolle spielen. Aber wo macht der Einsatz von KI Sinn und wo sind menschliche Fähigkeiten unverzichtbar? Eine Übersicht über die Aufgabenteilung zwischen Mensch und Maschine bietet dir die folgende Tabelle.

    Wer macht was?

    MENSCH KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
    Die Beherrschung der komplexen und feingliedrigen Arbeit, die aus Einzelsachverhalten besteht. Enormes Potenzial in der Finanzplanung: Möglichkeit einer täglichen statt jährlichen Vorhersage. Schnellere Reaktion auf kurzfristige Entwicklungen.
    Prüfungsgebiete mit hohem Ermessensspielraum wie etwa Risikobeurteilung oder Bewertungsfragen. Datenanalyse: das Sortieren von Massendaten und die Berücksichtigung von Wenn-Dann-Beziehungen. Anschließend werden die Daten dem Menschen zur Bilanzierung zur Verfügung gestellt.
    „One-Shot Learning": das Lesen und Verstehen von bloß ein oder zwei Verträgen. Daraufhin werden richtige Schlussfolgerungen gezogen.
    Das Skalieren auf große und kleine Projekte.
  4. Anforderungen an Bewerber.

    Grundsätzlich gilt: Bewerber sollten Wissen über Digitalisierung und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem mitbringen. Dr. Rüdiger Loitz, leitender Wirtschaftsprüfer bei PwC und Uni-Dozent an der Hochschule zu Köln, erklärt:

    „Wir werden sehr viele IT-Experten brauchen, die sich mit Big Data und Machine Learning befassen. Was aber weiterhin entscheidend für die Wirtschaftsprüfung sein wird, sind Bilanzexperten. Sie sind es, die KI-Systeme trainieren können.“

    Neben den klassischen BWLern finden neuerdings also auch Wirtschaftsinformatiker, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Juristen, Wirtschaftsingenieure oder Forensiker Anklang.

    Ebenfalls heiß begehrt sind Bewerber mit Verständnis für IT-Systeme, wie zum Beispiel SAP, komplexe Datenanalysetools sowie die Interpretation der Ergebnisse – kurzum: je mehr IT-Kenntnisse, desto besser.

  5. Das bedeutet es für dein Studium.

    Hochschulen und Ausbildungsinstitute hängen weit hinterher und unterrichten noch die klassischen, teils sehr veralteten Inhalte der Betriebswirtschaftslehre. Dabei brauchen Wirtschaftsprüfer heutzutage viel mehr technische Basics. Das wird sich hoffentlich auch bald im Lehrplan der Wirtschaftsprüferkammer und der Unis widerspiegeln, doch bis dahin sollten sich Studierende selbst mit IT-Themen beschäftigen und ihr Wissen auf den aktuellen Stand bringen.

    Aber auch PwC glaubt, dass sich bald ein Wandel abzeichnen wird: sowohl beim Interesse der Studierenden an dem Thema als auch bei den Studienangeboten.

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