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Allgemeine Vereinbarungen

Alles, was du zum Tarifvertrag wissen musst verständlich erklärt

Alles, was du zum Tarifvertrag wissen musst verständlich erklärt

Du fragst dich, was ein Tarifvertrag ist und warum man diesen braucht? Spätestens wenn dein Arbeitsvertrag nach einem Tarifvertrag geregelt ist, wird dieses Thema für dich interessant, denn in Deutschland arbeiten 70 Prozent der Arbeitnehmer in einem Unternehmen mit Tarifbindung. Aktuell gibt es rund 71.900 Tarifverträge in Deutschland, von denen zurzeit 490 allgemeinverbindlich sind. ABSOLVENTA erklärt, was ein Tarifvertrag ist, warum dieser bei deiner Gehaltserhöhung eine Rolle spielt und wozu wiederum ein Mantel- und Rahmentarifvertrag zählt.

Inhalt:

  1. Definition Tarifvertrag
  2. Für wen ein Tarifvertrag gilt
  3. Funktionen Tarifvertrag
  4. Tarifvertrag und Gehalt
  5. Die verschiedenen Tarifverträge im Überblick

Definition Tarifvertrag: Was ist ein Tarifvertrag?

  • Tarifverträge werden in der Regel zwischen einer Gewerkschaft und einem Arbeitgeberverband oder einem einzelnen Unternehmer geschlossen und gelten für die Mitglieder beider Tarifvertragsparteien.
  • Tarifverträge legen Mindeststandards für alle wichtigen Arbeits- und Einkommensbedingungen fest, wie Löhne, Gehälter, Arbeitszeiten, Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Kündigungsfristen.
  • Typisch in Deutschland sind (Verbands-)Tarifverträge für ganze Branchen, die auch Flächentarifverträge genannt werden, so zum Beispiel für die Metall- und Elektroindustrie, die Chemieindustrie oder den öffentlichen Dienst, aber auch für kleinere Bereiche wie private Rundfunkanstalten.
  • Tarifverträge mit einzelnen Unternehmen nennt man Haus- oder Firmentarifverträge.

Die rechtliche Grundlage für den Tarifvertrag bilden das Tarifvertragsgesetz von 1949 sowie der Abs. 9 des Grundgesetzes, der die Tarifautonomie regelt. Die Tarifverhandlungen und der Tarifvertragsabschluss zwischen den Vertragsparteien sollen demnach ohne staatliche Einflussnahme ablaufen.

Für wen gilt ein Tarifvertrag?

Grundsätzlich haben nur diejenigen Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf die Vereinbarungen aus dem Tarifvertrag, die auch Mitglied in der entsprechenden Gewerkschaft sind.

Allerdings gewähren die tarifgebundenen Unternehmen auch Arbeitnehmern ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft die tariflichen Bedingungen, um Missstimmungen unter den Arbeitnehmern und Gewerkschaftsbeitritte zu verhindern.

Auch viele nichtorganisierte Arbeitgeber richten sich nach Vereinbarungen aus Tarifverträgen, auch wenn sie dazu gesetzlich nicht verpflichtet sind. Dies gilt insbesondere, wenn im Tarifvertrag eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung unterzeichnet wurde. Dann haben sich alle Unternehmen, egal ob Mitglied des Arbeitgeberverbandes oder nicht, an die Vereinbarungen aus dem Tarifvertrag zu halten.

Meistens wird auch in den Stellenanzeigen angegeben, ob das Unternehmen nach Tarifvertrag zahlt.

Funktion des Tarifvertrags: Wozu sind Tarifverträge gut?

Insgesamt regeln Tarifverträge den Arbeitsmarkt, indem sie verbindliche Vorgaben für individuelle Arbeitsverträge festsetzen. Sie geben damit Fixpunkte für die Mart-Beziehung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Zusätzlich haben beide Seiten bestimmte Vorteile durch Tarifverträge.

Vorteil Arbeitgeber Vorteil Arbeitnehmer

Die Rahmenbedingungen von Arbeitsverträgen müssen nicht für jeden Arbeitnehmer individuell verhandelt werden. 

Durch die Gewerkschaften haben die Arbeitnehmer die Möglichkeit, ihre Arbeitsbedingungen mitzubestimmen.

Lohnkosten können besser kalkuliert werden.

Die Konkurrenzsituation in Gehaltsfragen wird eingegrenzt und die Verhandlungsposition gegenüber dem Arbeitgeber gestärkt.

Tarifverträge übernehmen eine Kartellfunktion und schaffen einheitliche Wettbewerbsbedingungen bei den Arbeitskosten.

 

Durch die kurzen Laufzeiten von Lohn- und Gehaltstarifverträgen partizipieren sie des Weiteren an den wirtschaftlichen Entwicklungen.

 

Während der Tarifvertragslaufzeit herrscht Friedenspflicht, das heißt, es darf nicht gestreikt werden.

 

Die langen Laufzeiten von Rahmen- und Manteltarifverträgen schützt vor zu schnellen Änderungen der individuellen Arbeitsverträge.

 

Und sogar der Staat profitiert von Tarifverträgen: Abgesehen von der Festlegung des Mindestlohns muss sich der Gesetzgeber nicht in die Verhandlungen um die Höhe des Gehalts einmischen. Im Fall der Auseinandersetzung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden kommt dem Staat unter Umständen lediglich eine Schlichterposition zu.

Tarifvertrag und Gehalt

Ein Tarifvertrag hilft dir dabei, einen Eindruck davon zu erhalten, mit welchem Einstiegsgehalt du rechnen kannst. Aber auch in deiner weiteren Karriere, wenn es um Gehaltsverhandlungen geht, hilft dir der Tarifvertrag weiter. Besonders bei der Vorbereitung auf eine Gehaltsverhandlung kann ein Tarifvertrag für die entsprechende Branche erste Anhaltspunkte für den persönlichen „Marktwert“ liefern. Dabei gilt es zu beachten, dass im Tarifvertrag immer nur die Mindestlöhne angegeben sind. Das Gehalt kann also dementsprechend höher ausfallen. Insgesamt verändern sich die tariflich-vereinbarten Stundenlöhne in Deutschland jedes Quartal und man vergleicht die Veränderung mit dem Vorjahr wie die nachfolgende Grafik zeigt: 

Veränderung des tariflichen Stundenlohns

Quelle: statista.de (2016): http://de.statista.com/statistik/daten/studie/70169/umfrage/entwicklung-der-tariflichen-monatsverdienste-seit-2006/

Die verschiedenen Tarifverträge im Überblick

Mantel- und Rahmentarifvertrag

Den Rahmen für alle anderen Tarifverträge bildet in der Regel der Manteltarifvertrag bzw. der Rahmentarifvertrag. Er regelt allgemeine Punkte wie beispielsweise Arbeitszeiten, Kündigungsfristen, UrlaubsansprücheProbezeit, Lohn- bzw. Gehaltsgruppen oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Laufzeit beträgt gewöhnlich mehrere Jahre. Es kann allerdings vorkommen, dass einzelne Punkte im Rahmen von Lohn- und Gehaltsverhandlungen, zum Beispiel Arbeitszeiten, schon vor Ende der Laufzeit neu definiert werden.

Flächen- und Haustarifvertrag

In einem bestimmten Tarifgebiet regeln Flächentarifverträge die Arbeitsbedingungen einer oder mehrerer Branchen. Ein Flächentarifvertrag kann für ein Bundesland oder auch eine bestimmte Region eines Bundelandes gelten. Er sorgt für vergleichbare Arbeitsbedingungen in den einzelnen Betrieben. Allgemein gelten Flächentarifverträge als leicht handhabbar. Trotzdem gehen immer mehr Arbeitgeber dazu über, Haustarifverträge auszuhandeln, da diese besser an wirtschaftliche Entwicklungen anzupassen sind.

Haustarifverträge regeln nur die Arbeitsbedingungen einer speziellen Firma, die Vereinbarungen mit der zuständigen Gewerkschaft trifft. Bekannte Beispiele hierfür sind die Lufthansa oder BMW. In den meisten Fällen handelt es sich um Anerkennungsverträge, die sich bis auf einige einzelne Punkte dem Flächentarifvertrag unterwerfen. So genannte Öffnungsklauseln im Flächentarifvertrag sorgen dafür, dass der Haustarifvertrag an die individuelle Situation des Unternehmens angepasst werden kann.

Lohn- und Gehaltstarifvertrag

Die exakte Höhe der Löhne und Gehälter sowie die Einordnung der einzelnen Berufe und Tätigkeiten in die jeweiligen Vergütungsgruppen nimmt der Lohn- und Gehaltstarifvertrag vor. Dabei gelten die Kriterien der Arbeitsbewertung, die eine den Anforderungen der Tätigkeit entsprechende, gerechte Entlohnung sicherstellen sollen. Teilweise werden auch die Betriebszugehörigkeit, Berufsjahre oder Betriebstreue berücksichtigt.

Der Tariflohn entspricht dem Mindestlohn, der gezahlt werden muss und nicht unterschritten werden darf. Übertarifliche Bezahlung ist hingegen möglich. Meistens werden Lohn- und Gehaltstarifverträge jährlich neu verhandelt.

>> Weitere Infos zu den verschiedenen Vertragsarten im Arbeitsrecht

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