Gelbe Karte für Angestellte

Die Abmahnung

Die Abmahnung

Verspätung, Pfusch, Faulheit, Krankfeiern: Für eine Abmahnung gibt es viele Gründe. Sie dient dazu, den Arbeitnehmer eindeutig zu warnen. Der Arbeitgeber erklärt mit der Abmahnung, dass die Wiederholung des angeprangerten Fehlverhaltens nicht gebilligt wird. Bessert sich der Arbeitnehmer nicht, folgt die Kündigung. ABSOLVENTA informiert.

Arbeitsrecht

Eine Abmahnung ist daher mit einer gelben Karte bei Fußball vergleichbar: Sie verwarnt den Akteur, er darf jedoch (auf Bewährung) weitermachen. Wir klären alle wichtigen Fragen rund um das Thema Abmahnung im Arbeitsrecht.

Facebook und Pfandbon: Was führt zu einer Abmahnung?

Eine Abmahnung muss immer einen hinreichenden Grund haben und für den Abgemahnten nachvollziehbar sein. Unfreundliches und respektloses Verhalten gegenüber dem Chef, Schmähungen der Arbeitsstelle und der Kollegen – ob auf dem Büroflur oder in einem sozialen Netzwerk – und auch regelmäßige Unpünktlichkeit können zu Abmahnungen führen. Einen definierten Katalog, welche Vergehen zu einer Abmahnung oder zu einer direkten Kündigung führen, gibt es nicht. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Im Endeffekt entscheidet das Arbeitsgericht, wenn der Arbeitnehmer gegen die Abmahnung klagt.

Im Fall Emmely – eine langjährige Kassiererin löste einen fremden Pfandbon über 1,30 Euro ein und erhielt deswegen eine Kündigung – entschied das Gericht, dass die Kündigung unverhältnismäßig und damit rechtswidrig war. Eine Abmahnung wäre angemessen gewesen, die bei Wiederholung des Fehlverhaltens eine Kündigung hätte nach sich ziehen können. Normalerweise ist Diebstahl jedoch ein Kündigungsgrund, da er das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber irreparabel zerstört.

Muss vor einer Kündigung eine Abmahnung erfolgen?

In der Regel muss ein Arbeitnehmer zunächst abgemahnt werden, bevor er die Kündigung erhalten kann. Doch es gibt Ausnahmen: Im Juristendeutsch spricht man von einer „schwerwiegenden Pflichtverletzung“, die bei einer Kündigung keiner vorhergehenden Abmahnung bedarf. Auch wenn der Arbeitnehmer das geforderte Verhalten ernsthaft und endgültig verweigert, kann ein Arbeitgeber ihm fristlos kündigen. In der Probezeit ist keine Abmahnung vor einer Kündigung notwendig.

Einer Abmahnung für wiederholte Verspätung darf keine Kündigung aufgrund eines anderen Fehlverhaltens – beispielsweise wegen schlechter Leistung – folgen. Ausnahme: Dem unterschiedlichen Fehlverhalten liegt die gleiche Ursache zu Grunde, zum Beispiel Trunkenheit. Bei kleineren Vergehen sind häufig mehrere Abmahnungen nötig, damit eine Kündigung rechtens ist. Auch hier gilt die Einzelfallregelung.

Anforderungen an eine Abmahnung

Damit eine Abmahnung nach dem Arbeitsrecht gültig ist, muss sie formale Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Ort, Datum und Zeit sowie die genaue Beschreibung des Vergehens (Dokumentation). Außerdem muss der Arbeitnehmer aufgefordert werden, sich zu bessern (Hinweis). Und ihm muss deutlich gemacht werden, dass bei weiterem Fehlverhalten eine Kündigung erfolgt (Warnung). Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer zudem eine Besserungsmöglichkeit zugestehen. Das heißt, dass dieser einen angemessenen Zeitraum erhält, in dem er seine Leistung verbessern kann.

Abstrakte Formulierungen und generelle Hinweise machen eine Abmahnung ungültig. In der Regel erfolgt eine Abmahnung in schriftlicher Form, ist jedoch auch mündlich möglich.

Rechtliche Möglichkeiten gegen eine Abmahnung

Ein Arbeitnehmer kann gegen eine Abmahnung vor dem Arbeitsgericht klagen. Der Arbeitgeber steht in der Beweispflicht. Er muss vor Gericht beweisen, dass eine Abmahnung erfolgte und rechtens war. Kann er das nicht, ist sie unwirksam – ebenso wie eine darauf basierende Kündigung.

Übrigens: Auch ein Arbeitnehmer kann einen Arbeitgeber abmahnen. Wenn die Abmahnung rechtes war, kann er kündigen, ohne dass die Kündigung negative Auswirkungen auf den Bezug von Arbeitslosengeld hat.

Lies auch:
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Über den Autor

Michael Kerzel
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