Virales Marketing von Otto – lustig, ansprechend oder peinlich?

Virales Marketing von Otto – lustig, ansprechend oder peinlich?

Was haben eine von einem Dach stürzende Frau, ein fliegender Recruiter, eine singende Meute und der König aller Raubtiere – ein Tyrannosaurus Rex – gemeinsam? Sie sitzen alle auf der Otto Casting-Couch für dessen Marketing Kampagne in den Weiten des Webs. Otto geht mit viralem Marketing beim Employer Branding neue Wege und setzt dabei auf eine Serie von Clips.

Was ist „Virales Marketing“ überhaupt?

Virales (Online) Marketing nutzt soziale Netzwerke und die „neuen“ Medien, um Produkte, Marken oder auch die Unternehmensphilosophie zu verbreiten. Dabei soll sich eine einmal gestartete Kampagne wie ein Virus von Mensch zu Mensch übertragen, beispielsweise dadurch, dass ein Internetuser einen interessanten Clip an seine komplette Mailliste verschickt. Damit das funktioniert, muss eine Kampagne lustig, spannend oder zumindest interessant sein.

Start der Otto-Kampagne – „Fliegendes Bewerbungsgespräch“

Die Video-Serie startet in luftiger Höhe: Zwei Menschen unterhalten sich bei einem Fallschirmsprung, können sich dabei jedoch nicht richtig verstehen und hören ähnlich klingende Worte, die ebenfalls zum Gespräch passen. Die Idee, ein Vorstellungsgespräch an einen außergewöhnlichen Ort zu versetzen ist gut, das Video ist allerdings einen Tick zu lang, auch wenn das Ende eine interessante Wendung parat hat.

Von „Run 4 it“ bis „Bock auf Exzess“

Der nächste Clip der Otto-Kampagne „Run 4 it“ ist sehr gelungen: Tolle Stunts und sympathische Darsteller, die sich ein Wettrennen zur Spitze des Otto-Gebäudes liefern. Der Spot zeigt Dynamik, Jugendlichkeit, Spontaneität und kolportiert dadurch ein positives Image: Die Otto-Mitarbeiter sind jung und fit – es lohnt sich vollen Einsatz zu zeigen, um bei Otto arbeiten zu dürfen.

Der nächste Part der Kampagne wirkt dagegen etwas überzogen. Er zeigt eine korpulente Frau, die von einem Dach stürzt – neben ein Auffangtuch, das die Mitarbeiter bereithalten! Sie bleibt jedoch unverletzt, da sie auf einem Bauarbeiter landet, welchen sie zu Brei zerquetscht. Der Leitspruch zu diesem Video lautet „Routine bei Otto“ und suggeriert natürlich, dass bei Otto niemals Langeweile aufkommt. Die Überreste des Bauarbeiters werden im Comic-Stil präsentiert. Wirklich schockierend ist das also nicht – aber auch nur bedingt lustig. Ziel der Videoserie ist es potentiellen Bewerbern zu zeigen, dass bei Otto Spaß und Teamwork im Vordergrund stehen, warum also fällt die Frau neben das Sprungtuch? Aber interpretiert selbst:

Der vorerst letzte Teil der Serie zeigt eine Otto-Betriebsfeier, auf der die Belegschaft vor einer Bühne zu dem Lied „Bock auf Exzess“ exzessiv tanzt, lauthals mitsingt und derbe feiert. Das Video wirkt sehr authentisch. Hier wird der Sinn der Kampagne wieder deutlicher: Otto setzt auf Teamwork und Spaß bei der Arbeit. Und die Kollegen wissen auch, wie man richtig feiert.

Kampagne ein Erfolg für Otto?

Stefanie Hirte, Abteilungsleiterin Personalmarketing bei Otto, ist mit den „Klickzahlen“ der Videos auf den gängigen Portalen im Internet zufrieden. Doch ob die angepeilte Zielgruppe erreicht wurde und ob diese die Werbung positiv aufnehmen, steht auf einem anderen Blatt. Objektive Zahlen und Daten über den Erfolg von viralem Marketing sind kaum zu ermitteln. Unstrittig ist, dass diejenigen, die die Videos gesehen haben, auch darüber diskutieren – und damit auch automatisch über Otto. Die Kampagne ist mutig und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Bewerberansprache mal anders

Die Botschaft der Kampagne, dass Otto „anders ist, als man denkt“, und sich damit auch von anderen Unternehmen in der gleichen Branche unterscheidet, ist gut und erfrischend. Die Videos kolportieren einerseits gute Laune innerhalb der Otto-Familie („Bock auf Exzess“), Dynamik und Jugendlichkeit („Run 4 it“), andererseits jedoch auch ausgediente und wenig originelle „Gagschemen“ („Fliegendes Vorstellungsgespräch“) und überzogene Clips, die bisweilen Fremdschämen auslösen(„Alle für Eine“). Aber für Diskussionsstoff sorgt die Kampagne allemal. Auch wenn Otto teilweise vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen ist – insgesamt macht die Kampagne Spaß und Lust auf weitere Clips. Hoffentlich sind in Zukunft noch mehr Firmen offen für neue Wege der Bewerberansprache und überraschen mit originellen viralen Kampagnen.

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