Self-actualizing-man und das Paradox des Pausenbrotes

Self-actualizing-man und das Paradox des Pausenbrotes

Die Idee des self-actualizing-man entstand parallel zum social man Konzept und kann daher ebenso als Reaktion auf den homo oeconomicus verstanden werden. Der self-actualizing man strebt als oberstes Ziel die eigene Selbstverwirklichung an. Betrachteten Wirtschaftswissenschaftler bisher einzelne Bedürfnisse des Arbeiters, wie zum Beispiel Gehaltswünsche oder soziale Anerkennung, tritt nun eine Bedürfnisvielfalt in den Vordergrund. In seinem Leben verfolgt der Mensch nicht nur ein Ziel, sondern er hat mehrere Vorstellungen für die Zukunft entwickelt, die er mitunter gleichzeitig anstrebt. Dazu stehen ihm spezifische Fähigkeiten und Talente zur Verfügung, die der Arbeitgeber berücksichtigen sollte. Ein Angestellter kann nur dann seine optimale Leistung erbringen, wenn er in einem für ihn passendem Umfeld arbeitet. Manche Menschen bevorzugen wiederholende Arbeitsschritte und Routine, während andere positiv auf dynamische Situationen reagieren.

Der self-actualizing-man muss den Sinn der Arbeit erkennen können, ansonsten sieht er seine Arbeit und teilweise sich selbst für wertlos an. Daher bevorzugt er eine ganzheitliche Tätigkeit, in der er nach getaner Arbeit das fertige Produkt als Erfolg wahrnehmen kann. Zusätzlich ist er ergebnisorientiert. Für den self-actualizing-man ist das Resultat die Hauptsache, wie er zu diesem kommt, möchte er selbst entscheiden. Sein Tätigkeitsfeld sollte daher autonom sein, damit er flexibel auf die anfallenden Aufgaben reagieren kann. Eine fachliche wie persönliche Entwicklung ist ihm ebenso wichtig.

Das Paradox des self-actualizing-man

Ein Paradox des self-actualizing-man ist zudem der Gegensatz zwischen interner und externer Motivation. Da er seine Motivation aus der Arbeit und dem Produkt zieht, spielen für den self-actualizing-man äußere Faktoren eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich könnte ein solcher Motivationsanreiz sogar hemmend wirken. Ein äußerer Faktor ist z. B. das Gehalt. Die Geschichte des alten Ökonomen veranschaulicht dies. Zwei Schulkinder bewerfen täglich auf ihrem Heimweg das Haus eines Rentners mit ihrem Pausenbrot. Dieser schimpft nun nicht über die unerzogenen Kinder, sondern bietet ihnen stattdessen einen Euro an, wenn sie am nächsten Tag sein Haus erneut bewerfen. Die Kinder akzeptieren das Angebot. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie in ihrer „Arbeit“ intern motiviert. Sie hatten schlichtweg Spaß daran, ihr Pausenbrot an die Wände des Hauses zu schmieren. Nun ersetzt der Ökonom diese interne Motivation durch eine externe, indem er ihnen sozusagen ein Gehalt anbietet. Nachdem die Kinder am folgenden Tag ihren „Auftrag“ erledigt haben, bittet der Rentner die beiden morgen wieder zu kommen, diesmal offeriert er jedoch nur noch fünfzig Cent. Die Schulkinder kommen erneut und wieder bittet der alte Herr, sie mögen am nächsten Tag erscheinen. Diesmal allerdings betrage das Gehalt nur noch 25 Cent. Und jetzt lehnen die Kinder ab. Das geringe Gehalt hemmt die Bereitschaft, weiterhin die Hauswand zu verunstalten, obwohl die Arbeit die gleiche war, als die Kinder sie umsonst ausführten. Extrinsische Faktoren können dazu führen, dass die interne Motivation untergraben wird. Ein Konzept wie der self-actualizing-man stellt bisherige ökonomische Annahmen auf den Kopf.

Ähnlich wie der social man hat der self-actualizing-man wesentlichen Anteil daran, dass sich die Arbeitsbedingungen im Laufe der Zeit verbesserten. Das Konzept betrachtet aber ein stabiles Individuum, dessen Wünsche konstant sind. Dabei hat der Mensch viele verschiedene Wünsche, die miteinander in Beziehung stehen und sich auch verändern können. Aus diesem Grund entwickelte sich die Idee des complex man.

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