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Schreibaschram fördert Produktivität

Klostersimulation hilft bei Schreibblockaden

Klostersimulation hilft bei Schreibblockaden

Das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten kann schnell zur Qual werden. Insbesondere Zeit- und Leistungsdruck stören den Schreibfluss. Die Klostersimulation Schreibaschram möchte hier Abhilfe schaffen. Fernab vom Alltagsstress konzentriert man sich ausschließlich aufs Schreiben. Drei ehemalige Teilnehmer berichten von ihren Erfolgen.

„Wir weisen eine Zone aus, in der es nur um das wissenschaftliche Schreiben geht, indem wir vorübergehend einen Klosteralltag simulieren.“ So beschreibt Ingrid Scherübl ihr Projekt, das sie 2013 mit Schreibcoach Katja Günther ins Leben gerufen hat. Als ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität kennt sie den Zeit- und Leistungsdruck im akademischen Alltag. Nicht selten hat sie sich „einfach mal Zeit für Konzentration“ gewünscht. Ihr Lösungsansatz: Alltagsflucht.

Klosterleben: Rückzug & Struktur

Bei ihren Recherchen für eine geeignete Umgebung, ist ihr das Kloster in den Sinn gekommen. So seien Klöster „nicht nur institutionell, sondern auch ideell die Wiege der Universität, der Bibliothek und unserer heutigen akademischen Praxis“. Das Besondere ist hierbei der organisierte Lebensvollzug, an dem sich der Schreibaschram orientiert. Die Teilnehmer folgen einem strikten Tagesplan, der in erster Linie aus Schreibzeiten besteht. Zudem enthält das Programm Sport, Meditation, Workshops und Coaching-Angebote.

Für Ingrid Scherübl tragen im Wesentlichen neun Elemente zum Erfolg der Klostersimulation bei:

  • Tagesstruktur
  • Gemeinschaft
  • Rückzug
  • Reduktion
  • Unterstützung
  • Bewegung
  • Meditation
  • Pausen
  • Reflexion

Den Schreibenden soll vom Alltagsstress so viel wie möglich abgenommen werden. Der feste Tagesplan dient als Rahmen, an Pausen und Mahlzeiten werden die Teilnehmer mit einem Gong erinnert. Neben dem unmittelbaren Schreiberfolg direkt vor Ort verfolgt die Klostersimulation jedoch ein übergeordnetes Ziel. So dient der Schreibaschram laut der Initiatorin vorrangig dazu, „durch das Erleben intensiver Produktivität mehr über die ganz individuellen Bedingungen für Schreiberfolg herauszufinden, sodass auch der Alltag entsprechend organisiert werden kann“.

ABSOLVENTA hat drei ehemalige Teilnehmer zu ihren Erfahrungen im Schreibaschram und der Zeit danach befragt...

So hilft der Schreibaschram

Michaela im Schreibaschram„Wenn man sich nicht um den Tagesablauf kümmern muss, werden plötzlich enorme Kapazitäten frei. Ich glaube, ich konnte mich noch nie so gut konzentrieren wie in diesen Tagen.“ – Michaela (Universität Regensburg)

Michaela hat innerhalb von drei Tagen eine ganze Seminararbeit im Schreibaschram verfasst. Und das, nachdem sie sich sieben lange Jahre mit dem Gedanken an diesen letzten Schein gequält hat. Der Grund für ihre Auszeit war die Geburt ihrer Kinder: „Mit Studienbeginn war mein erstes Kind ein halbes Jahr alt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Probleme, Studium und Familie unter einen Hut zu bringen. Im Gegenteil, ich habe mich immer gefragt, was andere Studenten mit all der freien Zeit anfangen.“ Dann kamen ihr zweiter Sohn und schließlich ihre Tochter zur Welt – ein Vollzeitjob. Michaela war nur noch wenige Schritte vom Diplom entfernt, fand aber im Alltag keine Zeit mehr fürs Schreiben: „Die Vorstellung, mich fast vier Tage ausschließlich um mein Studium kümmern zu können, war für mich nahezu paradiesisch.“

Nach ihrem Produktivitäts-Schub in der Klostersimulation freut sich Michaela jetzt sogar auf ihre Diplomarbeit. Ihre Erkenntnisse aus dem Schreibaschram lässt sie nun in ihren Alltag einfließen: „Ich habe akzeptiert, dass ich mein Studium nicht so neben meinen drei Kindern in zwei bis drei Stunden täglich beenden kann. Deshalb organisiere ich mir jetzt in regelmäßigen Abständen ein paar freie Tage, fahre zu einer Freundin und halte meinen persönlichen Schreibaschram ab.“

 

Jörg Hartmann – ehemaliger Teilnehmer des Schreibaschram„Ich habe gelernt, dass es motivierend ist, in einer Gruppe zu schreiben. Es gibt keine gegenseitige Überwachung, sondern eher das Gefühl, im gleichen Boot zu sitzen.“ – Jörg (Universität Karlsruhe)

Jörg promoviert über Science-Fiction und ist eigentlich ein Spätaufsteher. Dem Lärchen-Rhythmus des Schreibaschrams stand er zunächst skeptisch gegenüber. Doch dann überzeugte ihn der strukturierte Tagesablauf, und er hat in zehn Tagen Klosterleben viel geschafft: „Ich habe mein Exposé überarbeitet, vier Bücher gelesen und fünf Seiten Text für meine Promotion geschrieben. Ein tolles Gefühl, nach einer langen Phase der Blockiertheit wieder durchzustarten.“

Um auch weiterhin dran zu bleiben, macht sich Jörg nun regelmäßig einen Arbeitsplan. Seine wichtigste Erkenntnis ist jedoch, dass Schreiben in der Gemeinschaft die eigene Produktivität beflügelt. Deshalb hat er nach der Klostersimulation gemeinsam mit anderen Teilnehmern einen Schreibmarathon organisiert, dessen Ziel es war, in 80 Tagen 80 Seiten Rohtext zu verfassen. Orientiert haben sich die Teilnehmer dabei an den Strukturierungsmethoden, die sie im Schreibaschram kennengelernt und geübt haben.

 

Ruth – ehemalige Teilnehmerin des Schreibaschram„In den zehn Tagen ist es mir gelungen, wieder in mein Thema einzusteigen, Spaß am Schreiben zu bekommen und immerhin 50 Seiten Rohtext zu verfassen.“ – Ruth (Universität der Künste Berlin)

Ruth hatte eine schlummernde Promotion und war sich vor dem Schreibaschram nicht mehr sicher, ob sie diese überhaupt noch fertigstellen möchte. Durch die Klostersimulation wurde sie wieder wachgeküsst. Besonders hilfreich waren dabei die festen Schreibblöcke: „Vor dem Schreibaschram habe ich immer so lange gearbeitet, bis es stagnierte. Das konnte bereits nach einer halben Stunde sein. Hier war ich „gezwungen“, zwei Stunden am Stück zu arbeiten. Mal war ich schon nach einer Stunde reif für die Pause und habe dann eine Idee entwickelt, oder ich war ohnehin im Schreibfluss. In beiden Fällen habe ich mich aber darauf gefreut, nach der Pause weiterzumachen.“

Als Ruth nach Hause kam, räumte sie als erstes ihr Arbeitszimmer um und schaltete ihr E-Mail-Programm aus. Zudem hat sie sich einen individuellen Schreibplan erstellt, der ihr dabei hilft, abgestimmt auf ihren Arbeitsstil, ihr Ziel zu erreichen: „Gelernt habe ich auch, in den Pausen wirklich zu pausieren. Es ist sehr wichtig, dass man sich kleine Auszeiten gönnt und nicht nebenbei den Einkauf, die Wäsche oder ein Telefonat erledigt.“

>> Hier findest du alle Infos und Termine zum Schreibaschram

Jörg ist befreit von der Schreibblockade

Über den Autor

Luise Köhler
Luise Köhler

Luise schreibt seit 2011 für die ABSOLVENTA-Redaktion und kümmert sich dabei um die Bedürfnisse, Interessen und Fragen junger Berufseinsteiger.

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