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Personaler antworten: Das Vorstellungsgespräch

Personaler antworten: Das Vorstellungsgespräch

Unsere Serie „Absolventen fragen – Personaler antworten“ geht in die vierte Runde. Diesmal dreht sich alles um das Thema Vorstellungsgespräch: Wie bereitet man sich am besten auf das Gespräch vor, welche Fragen muss der Bewerber zwingend beantworten können und wann sind Notlügen erlaubt? Diese und mehr Fragen bekommst Du ABSOLVENTA-Karriereguide von erfahrenen Personalern beantwortet.

Auf welche Frage im Vorstellungsgespräch MUSS der Kandidat unbedingt eine ausführliche und aussagekräftige Antwort parat haben?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Auf die Frage nach seinem Werdegang, nach den Inhalten seiner letzten Tätigkeiten und nach Fragen zu seinen Stärken und zu seinen Schwächen.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Auf seine Motivation bei der Bewerbung.

Die Fragen nach den Stärken und Schwächen eines Kandidaten sind knifflig zu beantworten. Wie können Bewerber diese Fragen elegant lösen?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Indem sie ehrlich sind. Die „Standard“-Antworten kennt eh jeder Personaler. Wenn als Schwäche immer wieder „Ungeduld“ genannt wird, ist das langweilig und nicht authentisch. Ich möchte doch mit dieser Frage den Kandidaten nicht bloßstellen, sondern herausfinden, wie er sich selbst einschätzt und ob er reflektiert mit dieser Einschätzung umgeht. Deshalb sollte man sich vorher schlüssig und vor allem wahre Antworten überlegen. Flunkern ist nicht sinnvoll, es fliegt sowieso auf.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Einfach ehrlich beantworten, falls die Frage so gestellt wird. Jeder hat Stärken sowie auch Schwächen, man muss dazu stehen können.

Sind kleine (Not-)Lügen und Übertreibungen erlaubt, z.B. bei Fragen nach einem Kinderwunsch oder dem Aufgabengebiet des letzten Praktikums?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Hmm, das sind in dem Fall zwei sehr verschiedene Themen. Auf die Frage nach dem Kinderwunsch muss man gar nicht antworten. Hier darf man sogar lügen. Das gilt auch für folgende Fragen:
• Möchten Sie heiraten?
• Sind Sie schwanger?
• Welchen Beruf übt Ihr Partner aus?
• Sind Sie heterosexuell/homosexuell?
Bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft sogar dann, wenn die Bewerberin die Arbeit als Schwangere zunächst nicht ausüben kann. So ein neueres Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG Az. 2 AZR 621/01).
Bei Fragen zu früheren Arbeitsgebieten sollte man lieber bei der Wahrheit bleiben, das hilft allen am meisten. Wird man dann nämlich eingestellt und kapituliert vor Aufgaben, mit denen man im Vorstellungsgespräch geprahlt hat, hat man nicht viel gekonnt. Fair und authentisch bleiben ist immer der beste Weg.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Grundsätzlich nein. Bei unzulässigen Fragen wie z.B. der Frage nach Kinderwunsch sollte lieber nicht geantwortet werden anstatt zu lügen. Wenn bei den bisherigen Aufgaben geschwindelt wird und die Mitarbeiter demzufolge falsch eingesetzt werden, kommt das spätestens bei der Tätigkeit ans Tageslicht und ist für beide Seiten ungünstig. Darüber hinaus führt dies zu Vertrauensverlust.

Soll der Kandidat bei Fragen im Vorstellungsgespräch („Erzählen Sie etwas von sich“, „Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren“ etc.) stets auf der beruflichen Ebene bleiben und einen Bezug zur angestrebten Stelle herstellen?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Beides ist wichtig, sollte aber in einem angemessenes Verhältnis stehen. Zunächst sollte man immer erst einen Überblick über den Ausbildungs- und Berufsweg geben. Dort spielen private Dinge nur insofern eine Rolle, als sie zum Beispiel die Wahl des Studienfachs oder einen Wechsel begründen. Auch Hobbies oder Interessen, die man persönlich hat, sind in einer Vorstellung sehr wichtig. Der Fokus sollte aber grundsätzlich auf den fachlichen Erfahrungen liegen.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Die berufliche Ebene steht im Vordergrund, das Privatleben darf aber auch gerne mit einbezogen werden, da dies natürlich zusammenhängt.

Wie detailliert sollte der Kandidat in einem Vorstellungsgespräch die Firmengeschichte kennen?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Die Geschichte des Unternehmens auswendig zu kennen, halte ich für übertrieben. Schließlich weiß jeder Personaler, dass sich Kandidaten in der Regel bei verschiedenen Unternehmen bewerben und eher selten derart begeistert von einem Unternehmen sind, dass sie sogar die Geschichte kennen. Die Eckdaten, also Gründungsjahr und –ort, Gründer, Produkte und Leitbild sollte man sich aber vorher schon angesehen haben. Wichtiger ist, dass man weiß, welche Leistungen angeboten werden und sich damit identifizieren kann.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Grobe Kenntnisse reichen völlig aus, Detailkenntnisse sind hier nicht notwendig.

Wird das Thema Gehalt im Vorstellungsgespräch grundsätzlich vom Personaler auf den Tisch gebracht?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Diese Frage stellt der Personaler. Und wenn er das nicht tut, hat er entweder irgendeinen Grund dafür oder es schlicht vergessen. Das kommt aber äußerst selten vor, weil ja die Frage, ob man sich beim Gehalt einigen kann, eine sehr entscheidende ist. Nur, wenn im Gespräch die Frage gar nicht aufs Gehalt kam, kann man zum Ende hin danach fragen.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Dies variiert, in der Regel wird das Gehalt jedoch vom Unternehmen angesprochen.

Wann stellt der Kandidat am besten die Frage nach Erstattung der Reisekosten? Oder sollte er nicht danach fragen?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Das sollte man am besten vor dem Gespräch mit einem kurzen Anruf in der Personalabteilung klären.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Zum Abschluss des Gespräches, falls er nicht von selber darauf angesprochen wird.

Der Bewerber ist krank – macht es einen schlechten Eindruck den Termin für das Vorstellunsgespräch zu verschieben?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Nein, wenn jemand krank ist, macht das keinen schlechten Eindruck. Personaler sind Menschen und werden auch krank! Man sollte sich aber in einem solchen Fall aktiv um einen neuen Termin bemühen.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Keineswegs.

Wissen die Personaler eigentlich schon nach wenigen Minuten, ob der Kandidat für die Position geeignet ist oder stellt es sich wirklich erst im Laufe eines Interviews heraus?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Auch das ist unterschiedlich. In der Regel entscheidet ja nicht der Personaler allein. Sind sich aber alle Beteiligten schnell einig, dass es nicht passt, kann das auch schnell gehen. In der Regel hängt diese Entscheidung aber vor allem von den Qualifikationen und der Persönlichkeit des Kandidaten ab. Und um davon einen Eindruck zu bekommen, braucht man schon mindestens ein intensives Gespräch.

Yvonne Bayha (Ernst & Young): Natürlich spielt der erste Eindruck eine erhebliche Rolle. Die Eignung des Bewerbers stellt sich jedoch erst im Laufe des Interviews endgültig heraus, da die fachliche und soziale Kompetenz zusammenspielen.

Was sind die drei größten Fehler in einem Vorstellungsgespräch?

Nadia Grötsch (TowerConsult): Ungepflegtes Auftreten, keine Vorbereitung, Lügen.

Yvonne Bayha (Ernst & Young):
Eine schlechte Vorbereitung für die Stelle; wenn die Motivation für die Stelle und das Unternehmen nicht herausgestellt werden; wenn keine Fragen gestellt und keine Notizen gemacht werden, denn das vermittelt Desinteresse.

Fazit:
Sich auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten ist unabdingbar. Die genaue Firmengeschichte musst Du jedoch nicht in und auswendig wissen. Vielmehr solltest Du Dich vorher mit dem Leistungsspektrum des Unternehmens auseinandersetzen. Deine Motivation für die angebotene Stelle sollte auf jeden Fall ersichtlich sein. Am besten überlegst Du Dir schon vorher, wie Du Deinen Werdegang dem Personaler beschreibst.

Es antworteten Euch:
Nadia Grötsch, TowerConsult GmbH: Mit TowerConsult spürt sie passende eCommerce-Experten für ihre Kunden auf und stellt technische Ressourcen zur Verfügung, um Projekten einen passenden Rahmen zu geben. Außerdem schreibt Sie fleißig für Bewerberblog.de.

Yvonne Bayha, Ernst & Young AG: Neben der Wirtschaftsprüfung und der Steuerberatung besteht das Dienstleistungsangebot aus Transaktions-, Risiko- und Managementberatung sowie Immobilien- und M&A-Beratung. Weltweit arbeiten rund 135.000 Mitarbeiter für die Ernst & Young AG.

Lies auch die drei anderen Teile unser Serie "Absolventen fragen - Personaler antworten":
>> Personaler-Tipps zur Bewerbung
>> Personaler-Tipps zu Kenntnisse und Praxiserfahrungen
>> Personaler-Tipps zum Assessment Center

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