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‚Da geht doch was'

Liebe am Arbeitsplatz

Liebe am Arbeitsplatz

Man verbringt die meiste Zeit des Tages zusammen, scherzt, tauscht zaghaft Blicke aus, geht gemeinsam Mittagessen und lässt sich schließlich bei der Firmenfeier von der gelösten Stimmung mitreißen - sich am Arbeitsplatz zu verlieben ist nicht schwer. Etwa 30 Prozent aller Paare lernen sich dort kennen. Doch wie geht’s dann weiter? ABSOLVENTA nimmt eine nüchterne Betrachtung der Rechtslage vor, garantiert ohne rosarote Brille.

Liebe am ArbeitsplatzVorsicht statt Nachsicht

Das oberste Gesetz zuerst: Unabhängig davon, ob es sich um sprühende Funken, eine lodernde Affäre oder doch die ganz große Liebe handelt – die Arbeitsleistung sollte nicht unter den privaten Angelegenheiten der Mitarbeiter leiden. Dann nämlich kann der Chef eingreifen. Und so sollte man heimliche Treffen während der Arbeitszeit und das ‚Knutschen’ im Besprechungszimmer lieber vermeiden. – Oder zumindest geschickt anstellen.


Schließlich zählt das als Ablenkung von den beruflichen Tätigkeiten und kann sogar zu einer Abmahnung durch den Arbeitgeber führen. Außerdem ist dieser dazu berechtigt, kleine Änderungen in der Arbeitsorganisation vorzunehmen. Dazu zählt beispielsweise ein verordneter Platz- oder Zimmerwechsel. Diese Veränderungen dürfen laut Arbeitsrecht jedoch keine Verschlechterung für die Arbeitnehmer bedeuten. Es darf also niemand aufgrund einer Liebschaft im Büro gänzlich andere Aufgaben zugeteilt bekommen oder von einem Einzel- in ein Großraumbüro versetzt werden.

Möchten die Verliebten zur gleichen Zeit Urlaub nehmen, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, die individuellen Urlaubswünsche zu berücksichtigen. Das einzige, was die gemeinsamen Ferien gefährden könnte, sind dringende betriebliche Belange. Darüber hinaus sollte man möglichst darauf achten, nicht in der klassischen Ferienzeit frei nehmen zu wollen – denn dann haben Mitarbeiter mit Kindern Vorrang.

Arbeitgeber darf Liebe nicht verbieten

Eine fristlose Kündigung aufgrund von Liebe am Arbeitsplatz ist nicht zulässig. Es sei denn, es macht sich eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsleistung bemerkbar. Vertraglich verbieten lassen sich Liebeleien unter Mitarbeitern in Deutschland jedoch nicht. Klauseln im Arbeitsvertrag, wie beispielsweise „eine Liebesbeziehung zwischen Mitarbeitern ist untersagt“ sind somit unzulässig, da sie das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer verletzen.

Ein Beispiel: Der US-Handelsriese Wal-Mart wollte den deutschen Mitarbeitern sogar das Flirten am Arbeitsplatz verbieten. Auch private Dates waren laut Vertrag untersagt. Diese abstrusen Klauseln wurden jedoch vom Gericht als Verstoß gegen die Menschenwürde bewertet und aufgehoben.

Wenn der Prakti mit dem Chef...

Ein Sonderfall ist die private Beziehung zwischen Auszubildenden (m/w) und Ausbildern (m/w). Entwickelt sich zwischen beiden eine Liebelei, so darf der Vorgesetzte das Abhängigkeitsverhältnis auf keinen Fall ausnutzen. Schließlich würde das die  Fürsorgepflicht des Arbeitgebers verletzen.

In einem solchen Fall sollten beide Parteien wissen, was sie tun. Zum einen, um auszuschließen, dass der Praktikant oder der Auszubildende nicht aufgrund privater Zuneigung in irgendeiner Form ausgenutzt wird. Zum anderen, um eine Bevorzugung gegenüber anderen zu vermeiden.

Diskretion bewahrt vor Hohn

Generell gilt: Wer auf Arbeit mit einem Kollegen oder Vorgesetzten anbändelt, sollte sich zunächst diskret verhalten und vermeiden, dass der Rest des Unternehmens von der Sache Wind bekommt. Besonders wesentlich ist das bei Angestellten mit Publikumsverkehr. Körperlichen Kontakt, auch wenn er nur zufällig zu sein scheint, sollte man während der Arbeitszeit meiden. Doch auch andere Flirtsignale, wie ein kurzes Augenzwinkern oder verheißungsvolle Blicke, bleiben von den Kollegen meistens nicht lange unbemerkt. Verdächtig sind ebenso mehrere gemeinsame Mittagspausen in Folge oder der zeitgleiche Start in den Feierabend.

Kollegen sind normalerweise sehr sensibel, wenn es um angehende Liebschaften im Unternehmen geht – nicht nur, was ihre Fähigkeiten im Spurenlesen angeht, sondern ebenso ihre Reaktionen. Es kann sogar vorkommen, das Pärchen innerhalb einer Firma Opfer von neidvollen Lästereien, bis hin zum Mobbing, werden. Gerade Liebeleien zwischen unterschiedlichen Hierachiestufen bieten Angriffsfläche dafür, dass sich andere Mitarbeiter ungerecht behandelt fühlen.

Das Getuschel verstummt jedoch auch schnell wieder, sobald jeder im Unternehmen von der Liaison weiß und das Pärchen sich offen zueinander bekennt. Dann ist die ganze Angelegenheit nämlich kein Geheimnis mehr und somit nur noch halb so spannend.

Fazit: Liebe mit Bedacht ausdrücklich erlaubt

Wir halten also fest: Insofern sich die Liebschaft auf Arbeit nicht nachteilig auf die Arbeitsleistung der Mitarbeiter ausübt oder die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gefährdet, gibt es im Prinzip nichts zu befürchten. – Außer vielleicht ein paar neidische Blicke von den Kollegen, die Amors Pfeil noch nicht getroffen hat. 

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