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Unser Karriere-Navi braucht ein Update

Unser Karriere-Navi braucht ein Update

In meinem ersten Beitrag habe ich im letzten Monat über den Anspruch unserer Generation nach Jobs mit Sinn geschrieben. Das mit Anspruch und Wirklichkeit ist aber ja immer so eine Sache. Denn diese Jobs zu finden ist oft gar nicht so leicht.

Karriere-KompassIn meinem ersten Beitrag habe ich im letzten Monat über den Anspruch unserer Generation nach Jobs mit Sinn geschrieben. Das mit Anspruch und Wirklichkeit ist aber ja immer so eine Sache. Denn diese Jobs zu finden ist oft gar nicht so leicht.

Traditionell sind Karrierewege in Unternehmen vielleicht am besten mit der Fahrt auf einer Autobahn vergleichbar: Man fährt auf, und einmal unterwegs, kommt man relativ planbar voran und weiß – abgesehen von kleineren Spurwechseln – schon recht früh, in welche Richtung die Reise gehen kann und wird. Doch diese planbaren Karrierewege in einem Unternehmen oder einem Bereich werden immer seltener. Einen Teil der Generation Y scheint die Aussicht auf flexiblere Karrierewege nicht zu schrecken. 5-10 verschiedene Arbeitgeber, sich abwechselnde Phasen der Anstellung und der Selbstständigkeit; mal arbeitet man im Unternehmen, mal im Home Office, mal im Team oder in der „Cloud“. Schöne neue (Arbeits-)Welt?


Von der spezialisierenden Karriereschmiede zur ermöglichenden Potenzialentfaltung

Unsere Ausbildung bereitet uns aber leider nur für den ersten Job vor. Danach sind wir zur Orientierung auf Freunde und Kollegen angewiesen. Auch professionelle Hilfe bringt uns da selten weiter. Karriereportale zeigen uns Alternativen, die unserem Job möglichst ähnlich sind und wenn uns mal ein Headhunter anruft tut er dies sicher nicht um uns in einen anderen Sektor abzuwerben. Mit ziemlicher Sicherheit bietet er uns den gleichen Job beim Wettbewerber an, nur für mehr Geld. Einmal Banker immer Banker. Unser Karriere-Navi braucht ein Update mit Ausfahrten in andere Branchen und Sektoren – doch um die Orientierung außerhalb der Karriereautobahn müssen wir uns noch selber kümmern.

Wohin soll man sich also wenden, wenn man nicht vom "Idealberuf auf Lebenszeit" ausgeht? Einige Initiativen haben begonnen, die langweiligen Raststätten entlang unserer Autobahn neu zu gestalten. Sie laden ein zum Innehalten um uns zu orientieren und um uns auf ungewöhnliche Abfahrten vorzubereiten.

So zum Beispiel AIESEC, die größte internationale Studentenorganisation, die sich der Potenzialentfaltung interkulturell interessierter Studierender widmet. Eberhard Schächterle ist AIESEC-Alumnus und organisiert seit einigen Jahren für Studierende und Young Professionals die Imagine Konferenz: „Bei Imagine geht es darum, mehr Klarheit für die nächsten Schritte auf seinem Lebensweg zu gewinnen und sich bewusst zu machen, welche Werte und Ideen Basis hierfür sind – diese Reflexion und der offene Austausch darüber kommen im Alltag oft zu kurz.“

Damit wir auch abseits etablierter Karrierewege gut vorankommen und auch die Abkürzungen finden braucht es neben der Orientierung auch neue Formen der Qualifizierung. Das hat das Collective Leadership Institute (CLI) in Potsdam erkannt. In interdisziplinären Teams bearbeiten die TeilnehmerInnen des Young Leaders for Sustainability Programms dort berufsbegleitend Herausforderungen aus dem beruflichen Kontext und entwickeln neue Herangehensweisen. Petra Künkel ist Gründerin und Geschäftsführerin des (CLI) und überzeugt: „Die Führungskräfte der Zukunft müssen einen kollektiven Führungsstil erlernen um sektorübergreifende Partnerschaften für innovative und nachhaltige Lösungen zu globalen, nationalen und lokalen Herausforderungen zu schaffen.“


Vom Mitarbeiter zum (Sozial-)Unternehmer

Unsere Generation ist überdurchschnittlich stark gesellschaftlich engagiert und immer mehr von uns haben genug von der Trennung zwischen Engagement und Beruf. Viele müssen in ihren Projekten professionelle Strukturen schaffen um ihr Engagement mit ihrem Beruf zu vereinbaren. Einige entscheiden sich sogar ganz für die Abfahrt und machen ihr Engagement zum Beruf. Statt einen Job mit Sinn zu suchen und sich darauf zu bewerben schaffen sie sich diesen einfach selbst.

Das Programm Engagement mit Perspektive (PEP) hilft dem sozialunternehmerischen Nachwuchs mit Finanzierung, Stipendien und Weiterbildungen dabei die gesellschaftliche Wirkung ihrer eigenen Projekte zu steigern. Über 200 Vertreter der Generation Y hat PEP im ersten Jahr bereits erreicht. SAP ist Gründungspartner des Programms und überzeugt vom Potential der jungen Unternehmer-Talente. „Jede gute Idee braucht eine Person, die sie vorantreibt. Mit dem PEP-Stipendium geben wir den jungen Menschen dass, was sie am dringendsten brauchen: Freiraum und Begleitung, um sich und ihre Vision zu entwickeln.“ sagt Gabriele Hartmann, die im Unternehmen den Bereich Corporate Social Responsibility für Mittel- und Osteuropa leitet.

Egal ob als Mitarbeiter mit gesellschaftlichem Wirkungsanspruch oder als selbstständiger Sozialunternehmer. Das Berufsleben verläuft nur noch selten linear - die Karriereautobahn braucht einen Umbau. Unser Karriereweg ist nicht mehr vorgegeben, er kann und muss von uns proaktiv und entlang unserer eigenen Ziele gestalten werden. Das Bekannte in Frage zu stellen erfordert Mut und sorgt manchmal für Unsicherheit. Aber wie Ernst Ferstl sagt: „Auch Umwege erweitern unseren Horizont.“

 

Mit herzlichen Grüßen,
Dennis

Ps: Für die Imagine-Konferenz kann man sich hier übrigens noch bis zum 31.8. bewerben!

 

***

Autor Dennis Hoenig-OhnsorgZum Autor: Dennis Hoenig-Ohnsorg (31) ist ausgebildeter Karrierecoach, organisiert Un-Konferenzen für Absolventen auf Sinnsuche und arbeitet für das weltweit größte Netzwerk für Social Entrepreneurs. Bei Ashoka verantwortet er u.a. die Aktivitäten rund um das Thema Karrierewege für Weltveränderer. Dennis schreibt für Absolventa über die besonderen Möglichkeiten der gescholtenen „Generation Maybe”, Beruf und Berufung zu verbinden und über ihren Anspruch auf Jobs mit Sinn.

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