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Interview: Die richtige Jobbörse finden

Interview: Die richtige Jobbörse finden

Gerhard Kenk betreibt seit 2000 das Jobbörsen-Informationsportal "Crosswater Job Guide" und führt zusammen mit dem Kooperationspartner Profilo.de eine Jobbörsen-Nutzer-Umfrage durch, die seit 2008 die Einschätzungen und Zufriedenheitsbeurteilungen von Stellensuchenden erhebt.


Herr Kenk, Sie sind Experte für den Vergleich von Jobbörsen. Was sind derzeitige Trends bei den Jobbörsen?

Derzeit findet bei den Jobbörsen ein Gattungswettbewerb zwischen Generalisten, Spezialisten und Jobsuchmaschinen statt. Generalisten sind Jobbörsen, die ihr Angebot für alle Branchen, Berufe und Regionen ausgerichtet haben. Dem gegenüber stehen die Spezial-Jobbörsen, die zwar in punkto Quantität hinter den Generalisten liegen, jedoch zeichnen sich Spezial-Jobbörsen durch eine präzise Fokussierung auf eine bestimmte Branche, bestimmte Berufe oder Tätigkeiten oder auf gewisse Regionen aus. Grundsätzlich gibt es bei den Spezialisten geringere Streuverluste.

Jobsuchmaschinen hingegen verfolgen ein ganz anders gelagertes Geschäftsmodelle: Sie durchsuchen die Karriereseiten der Arbeitgeber und publizieren deren Stellenangebote im Jobsuchmaschinen-Index - zusammen mit Stellenanzeigen von Jobbörsen. Demzufolge sind bei den Jobsuchmaschinen wesentlich mehr Stellenanzeigen zu finden als bei den Generalisten. Der generelle Trend zur Mehrfach-Publikation in mehreren Jobportalen hält nach wie vor an.
 

Welche Features zeichnen gute Jobbörsen neben der Zusammensetzung und Anzahl von Stellenangeboten und Lebensläufen sonst aus?

Es geht um zwei wesentliche Leistungsmerkmale: Erstens um die Qualität der Suchergebnisse und zweitens um die Reichweite eines Jobportals in einer spezifischen Zielgruppe. Wichtig für die Suchqualität sind die Verknüpfung mit semantischen Begriffen, so dass der Stellensuchende bei der Wunschtätigkeit "Controlling" beispielsweise auch Angebote für Bilanzbuchhalter oder ähnliche Tätigkeiten angezeigt bekommt. Ebenso verhält es sich mit der Umkreissuche: diese soll möglichst präzise sein. Wer einen Job im Umkreis von Bayreuth sucht möchte keine Treffer aus Buxtehude sehen.

Die Reichweite der Jobbörsen in einer spezifischen Zielgruppe ist für die Arbeitgeber von besonderer Bedeutung. Wie viele Besucher verzeichnet ein Jobportal, wie oft wurde eine Stellenanzeige aufgerufen? Bei diesen Zahlen halten sich die Jobportale gerne zurück was die Veröffentlichung dieser Leistungsmerkmale handelt. Noch schwieriger wird es bei dem Versuch, die Reichweite ähnlicher Jobportale miteinander zu vergleichen.
 

Sie listen in Ihrer Datenbank knapp 2.500 nationale und internationale Jobbörsen. Aus der Personaler-Perspektive: Wie entscheide ich am besten, wo ich meine Anzeigen schalte?

Für die Auswahl der richtigen Jobbörse sollten Personaler auf die Anzahl der publizierten Stellenanzeigen - in Verbindung mit der erzielten Reichweite achten. Nachdem nur wenige Jobportale sich dem IVW-Meßverfahren angeschlossen haben, sollten Personaler das Alexa-Traffic-Ranking als Hilfsgröße in Betracht ziehen. Weiterhin ist die Zufriedenheit der Bewerber und Stellensuchende mit einer bestimmten Jobbörse wichtig. Ein anderer Entscheidungsfaktor ist die Weiterempfehlungsrate, die beispielsweise in der PROFILO-Umfrage unter Arbeitgebern ermittelt wird. 
 

Und wie entscheiden Jobsuchende Ihrer Erfahrung nach, wo sie nach offenen Stellen suchen?

Leider gehen viele Jobsuchende immer noch nach dem zufallsbedingten "Search and Pray" Verfahren vor. Google ist für viele noch die erste Anlaufstelle - dort werden Jobsuchende jedoch mit der immensen Trefferzahl überfordert. Bessere Ergebnisse versprechen eine gezielte Vorgehensweise in Jobbörsen nach Wunschbranche oder Wunschtätigkeit.

Generell ist zu empfehlen, dass Stellensuchende für die Suche nach guten Karrierechancen mehrere Jobportale gleichzeitig nutzen: Einige Generalisten, die jeweils relevanten Spezial-Jobbörsen und dies kombiniert mit Jobsuchmaschinen. Hilfreich ist es vor allem, einen Mail-Job-Agenten zu abonnieren, wie er in einigen Jobsuchmaschinen kostenlos angeboten wird: So wird ein Jobsuchender automatisch per Mail informiert, sobald ein neues Stellenangebot in der gewünschten Branche oder für eine spezifische Tätigkeit vorliegt.
 

Wie hat sich das Verhalten von Unternehmen und Jobsuchenden bezüglich der Auswahl von Jobbörsen in den letzten fünf Jahren verändert?

Die Veränderungen der letzten fünf Jahre machen sich eigentlich in einer immer größeren Vielfalt bemerkbar. Zum einen existieren mehr und mehr Suchkanäle nebeneinander, die Spezialisierung der Jobbörsen nimmt immer mehr zu und Stellenanzeigen werden nicht mehr exklusiv auf wenigen Webseiten angeboten sondern erscheinen auf vielfältigen Portalen. Hinzu kommen Social Media und Business Netzwerke wie Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn - alle möchten am Kuchen des Recruiting-Geschäfts knabbern.
 

Was können wir in den kommenden Jahren von den Jobbörsen erwarten, wie werden sich die Portale weiterentwickeln?

Die bisherige Vorgehensweise des "Pay and Pray" wird immer mehr abgelöst werden durch eine stärkere Vernetzung der Stellenangebote mit der Nachfrage von Bewerbern. Matching-Technologie ist das Zauberwort, und das möglichst Portal-übergreifend.  Recruiting findet auf allen Kanälen statt. Display-Technologien der werbetreibenden Wirtschaft stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung und Interessen-basierte Werbeeinschaltungen - Stichworte Re-Targeting und Real Time Bidding - werden ihren Einfluss nicht nur in der digitalen Konsumwerbung, sondern auch im Recruiting geltend machen.
 

Vielen Dank für das Interview.

 

Ebenfalls lesenswert:

>> Jobbörsen im aktuellen Bewerber-Urteil

 

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