Welche Faktoren beeinflussen das Gehalt?

Welche Faktoren beeinflussen das Gehalt?
Wer kennt sie nicht, die berühmt-berüchtigte Vorstellungsgesprächsfrage nach dem Einstiegsgehalt? Eine unrealistisch hohe Gehaltsvorstellung kann das sofortige Aus im Bewerbungsprozess bedeuten. Und wer zu wenig will, bekommt auch nur wenig oder wird gar nicht erst genommen, weil er auch für die Firma nicht genug fordern wird. Doch woher sollen Absolventen bei ihrem Berufseinstieg wissen, wie viel sie in ihrem Job verdienen werden? Die Jobbörse ABSOLVENTA erklärt in der Serie zum Thema Gehalt und Einstiegsgehalt für Absolventen und Young Professionals Bedingungen, harte Fakten und weiche Faktoren für Gehaltsverhandlung und Co.
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  1. Intrinsische und extrinsische Faktoren

    Das Gehalt gehört zur sogenannten extrinsischen, also zur äußeren Motivation, überhaupt zu arbeiten. Soll heißen: Wenn die Arbeit an sich Spaß macht, leistest du sie aus einer intrinsischen Motivation heraus. Geld, Dienstwagen, Ansehen und vielleicht sogar Ruhm sind extrinsische Faktoren. Das Gehalt ist dabei einer der wichtigsten Gründe, warum Menschen arbeiten. 78 Prozent der Absolventen ist laut einer Kienbaum Studie ihr zukünftiges Einkommen bei der Arbeitgeberwahl wichtig, die damit verbundene Karrierechancen sogar 92 Prozent.

    Obwohl ihr Einkommen den meisten so wichtig ist, bleibt die Frage nach dem Gehalt in Deutschland oft ein Tabu. Es gibt sogar Unternehmen, die ihren Mitarbeitern verbieten, sich über die Gehaltsstrukturen auszutauschen. Sie wollen damit verhindern, dass als ungerecht empfundene Lohnunterschiede die Motivation im Team senken. Dabei funktionieren wir anscheinend irrational: In einem vielzitierten Harvard-Experiment entschieden sich die meisten Studenten für ein geringeres Gehalt, wenn ihre Mitmenschen nur die Hälfte davon verdienen würden. Dafür lehnten sie ein doppelt so hohes Einkommen ab, wenn ihre Kollegen mehr als sie verdienten.

  2. Das Einstiegsgehalt zählt!

    Auch wenn vielen Absolventen ihr zukünftiges Gehalt wichtig ist, hört man immer wieder das Argument, das Einstiegsgehalt sei nicht so wichtig, man könnte ja später noch verhandeln. Falsch! Denn das Einstiegsgehalt bestimmt ausschlaggebend die Möglichkeiten der weiteren Gehaltsentwicklungen. Für Absolventen bedeutet dies: Verhandelt wird nicht erst später, sondern gleich beim Vorstellungsgespräch bzw. im Laufe des Bewerbungsprozesses, so der Job-Coach Martin Wehrle in seinem Buch „Lexikon der Karriereirrtümer“. Wird eine Gehaltserhöhung nicht in festen Beträgen, sondern in Prozent vom bisherigen Einkommen vereinbart, zählt natürlich jeder Euro, der von Anfang an verdient wurde.

    Außerdem gelingen größere Gehaltssprünge später nur noch bei einem Jobwechsel! Lediglich deutliche Positionsänderungen innerhalb der Firma können dein Gehalt maßgeblich beeinflussen. So etwa der Wechsel vom Trainee-Gehalt zum Einkommen bei Festanstellung.

  3. Studiengang und Arbeitsmarkt

    Einstiegsgehälter richten sich vorwiegend nach der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Galten beispielsweise Bauingenieure in den 1990ern als unvermittelbar, sind sie heute gefragter denn je. Entsprechend steigen die Gehälter besonders in Branchen mit vorherrschendem Fachkräftemangel. Ein Unterschied beim Einstiegsgehalt ist demzufolge nicht nur innerhalb eines Studienfachs an den Qualifizierungsstufen festzumachen. Natürlich verdient ein Ingenieur unterschiedlich, je nachdem ob er an der FH oder Uni studiert oder sogar eine Promotion drauf gesetzt hat.

    Der eigentliche Unterschied beim Einstiegsgehalt von Akademikern liegt jedoch im Studienfach. Der Arbeitsmarkt wertet hier anders, als unser Gerechtigkeitsdenken es vorschlägt: Zunächst erscheint ein Praktikum im Bundestag nicht weniger wert zu sein, als in einem Elektrokonzern oder bei einem großen Autobauer. Für den Arbeitsmarkt ist letztere Variante (momentan) aber lukrativer. Ebenso bei den Studienfächern: Die gerne als Blümchenwissenschaften verspotteten Geisteswissenschaften erfordern meist ähnliche kognitive Anstrengungen, wie die technischen Studienfächer. Wer einmal versucht hat, die Kant'schen Argumentationen zu durchdringen, weiß was gemeint ist. Dennoch werden künstlerische Berufe und die geisteswissenschaftliche Forschung erheblich schlechter vergütet.

  4. Geld ist nicht alles

    Neben dem monetären Lohn versprechen jedoch viele Jobs auch noch andere Entlohnungen. Wer ein geringeres Einkommen hat, verfügt dafür vielleicht über sehr viel gestalterische Freiheit in seinem Beruf, bekommt ständig emotionales und aufbauendes Feedback von seinen Klienten oder kann seine Arbeitszeit flexibel einteilen.

    Auch Ansehen und Status können als Belohnung gewertet werden, wie der Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk im Interview in der SZ erklärt: „Sonst würde ja niemand Lehrer werden wollen. Für ihre Qualifikation werden Pädagogen viel zu schlecht bezahlt, sie haben kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Mein Eindruck ist, dass viele Studenten nur sehr wenig über den Arbeitsmarkt wissen und deshalb von ihrem späteren Verdienst keine Ahnung haben. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Sonst hätten wir in ein paar Jahren keine Geisteswissenschaftler mehr - das wäre ja furchtbar.“

  5. Männer und Frauen verdienen unterschiedlich

    Überall heißt es, Männer verdienen mehr als Frauen, vor allem in gehobenen Führungspositionen. Aber: Gerade bei Berufseinsteigern gilt dies nicht zwangsläufig, weibliche Führungskräfte unter 30 Jahren verdienen laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sogar durchschnittlich sieben Prozent mehr, als ihre männlichen Kollegen, da sie meist bessere Hochschulabschlüsse mitbringen. Ausnahme davon dürften die technischen Branchen bilden: Bei den Ingenieuren verdienen die Männer von Anfang an besser.

    Dass sich das Gehaltsgefüge später umdreht, hat mehrere Gründe. Zum Einen spielen Familie und Babypause bei Frauen eine größere Rolle, vor allem in der Zeit zwischen 30 und 40, wenn die Karriere in die entscheidende Richtung gelenkt wird. Zum Anderen sind Frauen in Gehaltsverhandlungen weniger direkt und scheuen sich mehr vor dem Risiko von Prämienvergütung und Umsatzbeteiligung.

    Allerdings gilt es, Studien zum Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männer mit Vorsicht zu genießen. Große Unterschiede entstehen in den Statistiken vor allem dadurch, dass Frauen mehr in schlecht bezahlten Berufen arbeiten, etwa als Kassiererinnen oder Krankenschwestern. Im akademischen Bereich sind die Gehaltsunterschiede deutlich geringer.

    Fazit

    Gehalt ist nicht gleich Gehalt und Geld ist auch nicht alles. Viele Faktoren beeinflussen das Einstiegsgehalt, insbesondere dein Studiengang und die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Nach dieser grundlegenden Einführung bekommst du im nächsten Teil unserer Serie „Gehalt und Einstiegsgehalt“ konkrete Tipps für die Gehaltsverhandlung.

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