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Von der Uni an die Schule – Noëmi über ihren Einsatz für Teach First Deutschland

Von der Uni an die Schule – Noëmi über ihren Einsatz für Teach First Deutschland

„Wir gewinnen führende Kräfte von morgen für die Schulen von heute, damit auch benachteiligte Kinder eine gute Schulbildung bekommen.“ – So beschreibt die gemeinnützige Bildungsinitiative Teach First Deutschland ihre Arbeit. Im Jahr 2009 startete das Projekt in Deutschland und schickte erstmals Hochschulabsolventen als zusätzliche Lehrkräfte an Schulen in sozialen Brennpunkten. Die sogenannten Fellows kümmern sich dort um die individuelle Förderung der Schüler, indem sie zusätzliche Angebote wie bspw. Förderkurse oder Sport AGs anbieten. Wir haben uns mit Noëmi getroffen und mit ihr über ihre Tätigkeit als Fellow gesprochen.

Noemi Donner„Wir gewinnen führende Kräfte von morgen für die Schulen von heute, damit auch benachteiligte Kinder eine gute Schulbildung bekommen.“ – So beschreibt die gemeinnützige Bildungsinitiative Teach First Deutschland ihre Arbeit. Im Jahr 2009 startete das Projekt in Deutschland und schickte erstmals Hochschulabsolventen als zusätzliche Lehrkräfte an Schulen in sozialen Brennpunkten. Die sogenannten Fellows kümmern sich dort um die individuelle Förderung der Schüler, indem sie zusätzliche Angebote wie bspw. Förderkurse oder Sport AGs anbieten. Wir haben uns mit Noëmi getroffen und mit ihr über ihre Tätigkeit als Fellow gesprochen.

 

Hallo Noëmi, du bist nun seit circa einem halben Jahr bei Teach First Deutschland. Was hat dich dazu bewegt, mitzumachen?

Nach meinem Magisterabschluss war für mich klar, dass mein erster richtiger Job „Sinn“ machen soll. Ich wollte nicht nur meine berufliche Laufbahn sinnvoll angehen, sondern auch gesellschaftliche Veränderung bewirken. Ich denke, so geht es vielen Uni-Absolventen.

Wie lief der Bewerbungsprozess ab?

Nach einer Onlinebewerbung, bei der man bereits seine ersten Ideen für Projekte formulieren konnte, folgten ein Telefoninterview und eine Einladung zum Auswahltag.

Wie geht es nach der Bewerbung weiter?

Hat man den Auswahltag geschafft, folgt eine rund dreimonatige Vorbereitungs- und Trainingszeit, bevor man dann an einer Schule anfängt. Es geht los mit fünf Wochen Online-Campus, in denen man sich im Fernstudium mit pädagogischen und bildungspolitischen Themen auseinandersetzt und sich online bereits mit anderen Fellows aus seinem Jahrgang austauscht. Danach beginnt die sogenannte Sommerakademie. Mit dem gesamten Fellow-Jahrgang verbringt man hier insgesamt sechs bis sieben intensive Wochen mit theoretischer und praktischer Qualifizierung. Man übt bspw. Zielsetzungen zu formulieren, Unterricht zu planen und umzusetzen und wie man durch wertschätzende Beziehungen zu Jugendlichen ihre Motivation fürs Lernen steigern kann.

Wie entscheidet sich, an welcher Schule man tätig wird?

Grundsätzlich sollte man sehr flexibel sein, was den Einsatzort angeht. Man wird dort eingesetzt, wo die SchülerInnen einen am meisten brauchen. Es ist möglich, präferierte Bundesländer anzugeben. Wenn Teach First Deutschland die Profile der am Programm teilnehmenden Schulen und der Fellows alle beisammen hat, findet ein sorgfältiges „Matching“ statt, in dem die Bedarfe der Schulen bzw. SchülerInnen mit den Voraussetzungen der Fellows abgeglichen werden.

Wo bist du nach dem dreimonatigen Trainingsprogramm gelandet? Was für ein Projekt betreust du?

Ich bin seit Februar 2012 an einer Werkrealschule (Hauptschule) in Mannheim tätig. Hier arbeite ich vorwiegend mit den Klassen, die in den nächsten zwei Jahren ihren Abschluss machen. Ich arbeite mit Kleingruppen parallel zum Unterricht in den Hauptfächern und biete freiwillige Förderkurse an. Ich betreue das Projekt „Zukunftsläufer“, bei dem SchülerInnen wöchentlich zum Lauftraining kommen um sich gemeinsam auf die Mannschaftsteilnahme an Schülerläufen, wie z.B. den Mannheimer Minimarathon, vorzubereiten. Damit steigern sie nicht nur ihre sportliche Ausdauer, sondern auch ihr Durchhaltevermögen beim Erreichen eines selbstgesetzten Ziels. Zuverlässigkeit, Teamgeist und Engagement sind gefordert. Das sind Eigenschaften, die auch in Schule und Berufswelt äußerst wichtig sind. Ein weiteres Projekt für das nächste Schuljahr ist unsere Schülerfirma, bei der die SchülerInnen an realen Prozessen unternehmerisches Denken, selbständiges Arbeiten und Teamwork lernen. Ich freue mich schon sehr darauf.

noemi bei der arbeit

Dein erster Tag als Fellow: Wie war es?

Etwas seltsam war das schon, denn weder SchülerInnen noch LehrerInnen konnten zunächst so richtig etwas anfangen mit meiner Rolle an der Schule. Aber im Allgemeinen haben sich viele gefreut, dass jemand an die Schule kommt, der zusätzliche Kapazität, frische Motivation und neue Ideen mitbringt.

Was war dein bisher prägendstes Erlebnis?

Eine Schülerin aus der Abschlussklasse, die vor allem in Mathe massive Schwierigkeiten hatte, kam freiwillig mit auf ein von mir und Kolleginnen geleitetes Lernwochenende an einer anderen Schule. Die Entscheidung, ihre Freizeit zum Lernen aufzuwenden, war nicht normal für sie. Aber irgendwie hat es dann Klick gemacht und sie kam eines Tages zu mir und erzählte mir „Ich gehe jetzt oft nur noch einige Minuten statt einiger Stunden täglich ins Facebook und schaue auch kaum mehr Fernsehen. Meine Mutter hat schon zu mir gesagt, dass ich viel weniger wütend bin seitdem. Und ich kann mich echt hinsetzen und lernen.“ Sie wurde dann zur mündlichen Prüfung in Mathe zugelassen um ihre schriftliche Note zu verbessern. Nachdem wir noch einige Male intensiv den Stoff durchgegangen waren, schaffte sie tatsächlich eine 2,7 in der mündlichen Prüfung und bekam eine 3 im Abschluss!

Wem empfiehlst Du die Tätigkeit als Fellow bei Teach First Deutschland? Was sollte man mitbringen?

Man sollte Spaß daran haben, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, sich nicht schnell frustrieren lassen, wenn es mal nicht klappt, originell sein und Lust haben, in eigenen Projekten Ideen von und für SchülerInnen umzusetzen. Man sollte die Gabe haben, andere zu motivieren. Authentizität ist sehr wichtig und die Bereitschaft, sich auch an Wochenenden und in der unterrichtsfreien Zeit zu engagieren. Natürlich sollte man auch offen, kommunikativ und kreativ sein, gut erklären können und ein gewisses Fingerspitzengefühl mitbringen.

Weißt du schon, wie es nach dem Einsatz als Fellow für Dich weiter gehen soll?

Ganz konkret weiß ich das jetzt noch nicht. Toll ist, dass man im zweiten Jahr des Fellow-Einsatzes in den Genuss von Personalentwicklungsmaßnahmen kommt. Das ganze heißt „Fellow-Qualifizierungsprogramm“ und bietet ein breites Spektrum an unterschiedlichen Orientierungsmöglichkeiten. Ziel unseres zweijährigen Einsatzes ist es ja auch, dass wir uns im Anschluss, egal in welcher beruflichen Richtung wir uns bewegen, weiterhin für Chancengerechtigkeit in der Bildung einsetzen. Ich kann mir vorstellen, dass ich im Bereich Unternehmensverantwortung oder Presse- und Öffentlichkeit arbeite. Spannend fände ich aber auch Integrationsarbeit im Stadtteil oder eine internationale Tätigkeit mit Auslandseinsätzen.


Wer sich, genau wie Noëmi, auch für die Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher einsetzen möchte, der kann sich auf der Homepage von Teach First Deutschland über das Bewerbungsverfahren informieren. Hier erhält man auch weiterführende Informationen zum Programmablauf und den möglichen Einsatzgebieten der Fellows.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Noëmi sowie allen anderen Fellows gutes Gelingen bei allen folgenden Projekten!

Lies auch: Berufliche Alternative Lehrer?

Über den Autor

Luise Köhler
Luise Köhler

Als ehem. ABSOLVENTA-Redakteurin hat Luise zu den Bedürfnisse, Interessen und Fragen junger Berufseinsteiger recherchiert, geschrieben und erklärt.

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