Das Einstiegsgehalt von Absolventen variiert stark

Das Einstiegsgehalt von Absolventen variiert stark

Es gibt gewiss deutlich angenehmere Situationen als die Gehaltsverhandlung am Ende eines Vorstellungsgespräches. Besonders, wenn man nicht weiß, welches Gehalt „angemessen“ ist. Gerade als frischgebackener Absolvent hat man in Sachen Gehaltsverhandlung zumeist kaum Erfahrungen. Welches Einstiegsgehalt darf man also fordern, und was sollte man sogar fordern, um nicht mangelndes Durchsetzungsvermögen angekreidet zu bekommen?

Inhalt

  1. BWL ist nicht gleich BWL
  2. Viele Geisteswissenschaftler müssen sich mit deutlich weniger Gehalt begnügen
  3. Je größer die Firma, desto besser die Bezahlung
  4. Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle
  5. Vor Vertragsverhandlungen Infos einholen

Pauschale Aussagen über die Höhe des Einstiegsgehalts lassen sich nur schwer treffen, denn es ist von vielen Faktoren abhängig. Entscheidende Variablen sind dabei der Studiengang, die Region, die Abschlussnote und die Unternehmensgröße uvm. Nur eine detaillierte und individuelle Gehaltsanalyse liefert verlässliche Ergebnisse.

Durchschnittswerte gibt es trotzdem. Laut einer Studie von Kienbaum Consultants International liegen die Gehälter von Betriebs- und Volkswirten mit Uni-Abschluss im Durchschnitt beim Berufseinstieg bei knapp 41.000 Euro brutto pro Jahr. FH-Wirtschaftswissenschaftler, Bachelor- und BA-Absolventen kommen auf 38.000 Euro per anno. Die „Gehaltsstudie 2008“ von Alma Mater kommt zu etwas geringen aber vergleichbaren Ergebnissen.

BWL ist nicht gleich BWL

Die Durchschnittswerte täuschen aber darüber hinweg, dass es speziell bei Wirtschaftswissenschaftlern stark auf den Studienschwerpunkt ankommt, bzw. auf den Bereich, in dem der Berufseinstieg gelingt. Die Werte schwanken zwischen 18.000 und 60.000 Euro/Jahr. Während der Median (50% der Einstiegsgehälter liegen darüber und 50 Prozent darunter) im Marketing und im Personalwesen „nur“ 38.000 Euro beträgt, sind es in den Bereichen Vertrieb, IT, Fertigung, Controlling und Einkauf 40.000 Euro. Einstiegsjobs im Bereich Forschung und Entwicklung werden im Schnitt sogar mit 41.000 Euro im Jahr entlohnt.

Abb. 1 Einstiegsgehalt nach Funktionen (Quelle: Gehaltsstudie 2008)

Noch etwas besser schneiden die auf dem Arbeitsmarkt verstärkt nachgefragten Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler ab: Uni-Absolventen erhalten beim Berufseinstieg etwa 43.000 Euro. Mit einem FH-Abschluss oder dem Bachelor in der Tasche beträgt das durchschnittliche Jahresgehalt knapp 41.000 Euro.

Viele Geisteswissenschaftler müssen sich mit deutlich weniger Gehalt begnügen

Dagegen sind Geisteswissenschaftler oftmals deutlich schlechter dran. Zwar finden 95 Prozent von ihnen innerhalb eines Jahres nach ihrem Stuienabschluss einen Job, doch das mittlere Einkommen von geisteswissenschaftlichen Jobeinsteigern liegt bei vergleichweise niedrigen 22.500 Euro. Das ist allerdings vielfach der Tatsache geschuldet, dass etwa 50 % der Absolventen (z.T. mangels Alternativen) einen ersten Job annehmen, der nicht ihrer eigentlichen akademischen Qualifikation entspricht.

Je größer die Firma, desto besser die Bezahlung

Laut der Gehaltsstudie 2008 spielt beim Einstiegsgehalt auch die Unternehmensgröße eine gewichtige Rolle. Als Faustregel gilt: Je größer die Firma, desto besser die Bezahlung. Bei Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern liegt das Einstiegsgehalt von Absolventen bei ca. 36.000 Euro. Bei einer Firmengröße von 100 bis 999 Mitarbeitern beträgt das durchschnittliche Jahresgehalt knapp 38.000 Euro und bei Unternehmen mit bis zu 5000 Mitarbeitern sind es ca. 40.000 Euro. Auf weitere 2.000 Euro mehr Gehalt im Jahr kommen Berufseinsteiger in großen Konzernen mit über 5.000 Angestellten. Die Unternehmensgröße macht also bis zu zehn Prozent aus.

Abb. 2: Einstiegsgehalt nach Unternehmensgröße (Quelle: Gehaltsstudie 2008)

Diese Unterschiede erklären sich u.a. dadurch, dass größere Firmen häufiger an Tarifverträge gebunden sind: Während nur 5 Prozent der Betriebe mit bis zu 100 Mitarbeitern einem Tarifvertrag unterliegen, sind es bei Großunternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern knapp 60 Prozent. Zudem können sich große Konzerne aufgrund ihrer Marktmacht häufig die besten Nachwuchskräfte aussuchen, was sich in einem höheren Einstiegsgehalt für diese Top-Absolventen niederschlägt.

Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle

Das Einstiegsgehalt ist auch davon abhängig, in welcher Region in Deutschland der Job ausgeübt wird. Wenig überraschend: Es besteht ein West-Ost- und ein Süd-Nord-Gefälle. Die höchsten Einstiegsgehälter werden in Baden-Württemberg und Bayern mit knapp 41.000 gezahlt, die niedrigsten in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 39.000 Euro. Doch geringe Lebenshaltungskosten gleichen das gemessen in realer Kaufkraft vielfach wieder aus.

Vor Vertragsverhandlungen Infos einholen

Bei den vielen Zahlen ist es nicht leicht den Überblick zu behalten. In jedem Fall ist es ratsam, sich vor Gehaltsverhandlungen Informationen über das Gehaltsniveau in der jeweiligen Branche und Region einzuholen und herauszufinden, ob die Firma einem Tarifvertrag unterliegt. Auch wenn man den Deutschen nachsagt, eher weniger über das liebe Geld zu reden, geben einem berufserfahrene Freunde und Bekannte vor einem Vorstellungsgespräch unter vier Augen sicher mal die eine oder andere Auskunft, wie hoch ihr Einstiegsgehalt ist oder war.

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Über den Autor

Lukas große Klönne
Lukas große Klönne

Ehem. Redaktionsleiter der Jobbörse ABSOLVENTA und Autor des Buches "Trainee-Knigge" – der Ratgeber für Berufseinsteiger.

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