Ein Studienabschluss ist Voraussetzung, um auf der Karriereleiter aufzusteigen

Ein Studienabschluss ist Voraussetzung, um auf der Karriereleiter aufzusteigen

Mit einem abgeschlossenen Studium in der Tasche fällt die Jobsuche sehr viel leichter. Außerdem liegt die Arbeitslosenquote bei Akademikern erheblich niedriger. Die Jobbörse ABSOLVENTA sprach mit Katja Urbatsch, Gründerin der Initiative ArbeiterKind, die Jugendliche aus Nicht-Akademikerfamilien an das Studium heranführen soll, über Karrierechancen durch ein Studium, die Möglichkeiten, sich neben der Hochschule weiter zu qualifizieren und ihre Initiative.

ABSOLVENTA Experteninterviews

Frau Urbatsch, wieso ermöglicht ein Studium ganz andere Karriere- bzw. Berufsaussichten?

Der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften steigt zunehmend, Deutschland ist sogar von einem großen Fachkräftemangel bedroht. Daher sehen die Zukunftsaussichten für Akademiker sehr gut aus.

Außerdem ist ein Studienabschluss häufig eine Voraussetzung, um auf der Karriereleiter aufzusteigen. Denn während des Studiums erwirbt man über das eigene Studienfach hinaus wichtige berufliche Schlüsselqualifikationen wie die eigenständige Bearbeitung von Problemstellungen, Sozialkompetenzen und abstraktes Denken. Diese Fertigkeiten ermöglichen den Zugang zu anspruchsvolleren Tätigkeiten mit häufig besseren Verdienstmöglichkeiten.

Welche Tipps geben Sie Studenten, wie sie sich neben der Hochschule für das Berufsleben qualifizieren?

Mit dem erhöhten Studienpensum in Bachelor- und Masterstudiengängen bleibt neben der Uni natürlich wenig Zeit. Außerdem muss unsere Zielgruppe häufig arbeiten, um das Studium zu finanzieren. Empfehlenswert ist es natürlich, sich anstatt zu Kellnern, möglichst einen Job zu suchen, in dem man erste berufliche Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen kann. Zudem sollte man die Augen an der Uni nach freiwilligen Qualifizierungsmöglichkeiten offen halten. Einige Universitäten bieten inzwischen einen eigenen Karriere Service. Wenn man es sich zeitlich und finanziell leisten kann, zahlt sich meiner Meinung nach auch ehrenamtliches Engagement für die eigene Entwicklung und den späteren Berufsweg aus.

Wieso haben Sie die Initiative ArbeiterKind gegründet?

Als erstes Familienmitglied mit Studienabschluss weiß ich aus eigener Erfahrung, mit welchen Problemen Schüler und Studenten aus so genannten nicht-akademischen Familien an der Uni konfrontiert sind. In meiner Familie muss ich mich bis heute, denn jetzt promoviere ich auch noch, für mein Studium rechtfertigen. Und in der Uni habe ich bereits zu Beginn gemerkt, dass meine Freundinnen aus akademischem Hintergrund von Zuhause Informationen, Tipps und Hilfestellung bekommen, z.B. zu Stipendienbewerbungen, Hausarbeiten, Referaten oder der Abschlussarbeit. Nun möchte ich die nächsten Generationen, die als erste in ihrer Familie studieren können, dazu ermutigen und Sie auf ihrem Weg zum erfolgreichen Studienabschluss unterstützen.

Können Sie uns eine Einschätzung geben, wie viele Kinder aus Familien ohne akademischen Hintergrund nicht studieren, obwohl sie eigentlich in der Lage dazu wären?

Laut der aktuellen Sozialstudie des Deutschen Studentenwerks nehmen von 100 Akademikerkindern 83 ein Hochschulstudium auf. Dagegen studieren von 100 Kindern nicht-akademischer Herkunft lediglich 23, obwohl 46, also doppelt so viele Abitur machen. Von den Abiturienten ohne akademischen Hintergrund studieren also nur fünfzig Prozent.

Seit Mai 2008 läuft die Initiative Arbeiterkind. Können Sie abschätzen, wie viele Jugendliche Sie motiviert haben, zu studieren?

Das ist sehr schwer nachzuprüfen, denn mittlerweile hat sich die Initiative von meinem Modellprojekt in Gießen über die ganze Republik ausgebreitet. Nach nur neun Monaten engagieren sich bereits 800 Mentoren in circa 70 lokalen Gruppen. Wie meine Mentorengruppe und ich in Gießen gehen die Mentoren in die Schulen, ermutigen dort zum Studium und bieten ihre Hilfestellung an. Was ich sagen kann ist, dass die Anfragen von Schülern stetig ansteigen und unsere Internetseite von neun- bis zehntausend Besuchern im Monat genutzt wird.

Haben Sie das Gefühl, die Finanzkrise hält noch mehr Kinder aus "Arbeiterfamilien" von dem finanziellen Aufwand eines Studiums ab?

Das Problem der Studienfinanzierung ist für unsere Zielgruppe immer ein Dauerthema – unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage. Übrigens fassen wir den Begriff „ArbeiterKind“ etwas weiter und meinen damit alle Nicht-Akademikerkinder. Viele Kinder möchten Ihren Eltern die finanzielle Belastung nicht zumuten oder für die Eltern ist es undenkbar, Kredite für das Studium aufzunehmen, auch in Form von BAföG. Häufig wird aber auch einfach gesagt, dass ein Studium zu teuer ist, ohne sich genauer mit den Finanzierungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. So herrscht z.B. ein großes Unwissen darüber, wie das BAföG eigentlich genau funktioniert und das es auch Stipendien gibt, auf die man sich bewerben kann. Stipendien wurden ja gerade für diejenigen geschaffen, die aus finanziell schwachen Elternhäusern kommen.

Die Bundesregierung hat kürzlich die Kampagne "Aufstieg durch Bildung" initiiert. Fühlen Sie sich durch dieses "offizielle Bekenntnis" zum Thema in Ihrer Arbeit bestärkt?

Ja, Kampagnen wie diese bestärken uns natürlich in unserer Arbeit und es freut mich sehr, dass die Problematik immer mehr in dass allgemeine Bewusstsein rückt. Ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung bzw. das Bundesbildungsministerium noch mehr mit bereits bestehenden erfolgreichen sozialen Initiativen zusammenarbeiten und auch diese finanziell unterstützen würde. Zudem müsste noch transparenter gemacht werden, für welche Studienanfänger nun im Rahmen der neuen Programme Geld zur Verfügung steht und wie man sich genau darum bewerben kann.

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