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Bruchlandung statt Karrierestart – Über das Generationsbuch „Weiblich, jung, flexibel“

Bruchlandung statt Karrierestart – Über das Generationsbuch „Weiblich, jung, flexibel“

Das Uni-Zeugnis hängt endlich an der Wand, doch was kommt nun? Vor dem ersten festen Job steht in den meisten Fällen eine nervenaufreibende Bewerbungszeit, die viele Berufseinsteiger vor eine Herausforderung stellt. Genau von dieser stressigen Zeit erzählt Felicitas Pommerening in ihrem 2012 veröffentlichten Debütroman „Weiblich, jung, flexibel".

Am Beispiel der beiden Freundinnen Carlynn und Ellen beschreibt die Autorin die heutige Generation der Mittzwanziger. Jenen jungen Menschen, die frisch von der Uni kommen und sich zwischen diversen Praktika, unzähligen Vorstellungsgesprächen und befristeten Arbeitsverträgen fragen, was sie vom Leben erwarten – und zwar vom Berufsleben.

 

Von den wichtigen Momenten im Leben und wie man sie am besten verpasst

Carlynn und Ellen leben beide in Köln und haben die Uni abgeschlossen. Während Carlynn erfolglos Bewerbungsgespräche absolviert und an der Standardforderung nach Berufserfahrung ohne Berufserfahrung scheitert, wünscht sich Ellen vor allem Zeit für sich. Ellen möchte nicht viel Geld verdienen, sondern in erster Linie eine Arbeit finden, die ihr Spaß macht. Doch ihr Wunsch nach einer Teilzeitstelle stößt nicht nur bei ihrem späteren Chef auf Unverständnis, sondern auch bei ihren Freunden. Schließlich siegt der Druck der Außenwelt und Ellen fügt sich in eine Vollzeitstelle, während Carlynn zur Selbstfindung nach Indien reist. In Neu-Delhi erkennt Carlynn, dass sie sich nicht nach Abenteuern, sondern nach einem gutbürgerlichen Leben sehnt. Doch in ihrem ersten Job stößt sie schnell an ihre physischen und psychischen Grenzen und auch Ellen hadert mit ihrem Fulltime-Job. So stehen beide Freundinnen vor derselben Frage: Sollen sie ihren Wünschen folgen oder die gesellschaftlichen Konventionen erfüllen?

 

Der vermaledeite Teufelskreis von der Berufserfahrung ohne Berufserfahrung

Die Autorin lässt abwechselnd die ehrgeizige Carlynn und die nach Freiheit strebende Ellen zu Wort kommen, um die Situation der heutigen Berufseinsteiger darzustellen. Ihre Kritik richtet sich vor allem an die häufig unrealistischen Erwartungen der Wirtschaft: Selbst super Noten, eine Vielzahl an Praktika und Auslandssemester sind keine Garantie für eine anschließende Festanstellung. Stattdessen wird die mangelnde Berufserfahrung zu einer schier unüberwindbaren Hürde für junge Menschen: „In der Regel wird sogar spezifiziert, in welchem Bereich man diese Erfahrung gesammelt haben soll und dass man jetzt natürlich über die entsprechenden Kenntnisse verfügt... Mit anderen Worten ist man eben der absolute Experte auf dem Gebiet." Nach dem sogenannten „Learning on the Job“ sucht man bei vielen Unternehmen vergebens.

Doch die Autorin lässt nicht nur weibliche Stimmen zu Wort kommen, sondern schließt auch das männliche Pendant in die von Zukunftsängsten geplagte Generation der Mittzwanziger ein. Carlynns Bruder studiert (was auch sonst) BWL, verbringt einen Großteil seiner Zeit in der Bibliothek und verschiebt sein restliches Leben auf die Zeit nach dem Studium. Nur mit Bestnoten glaubt er eine Aussicht auf einen Job zu haben und beschränkt daher seine sozialen Kontakte auf die tägliche Mittagspause in der Mensa: „Er hat kein Hobby, macht keinen Urlaub und kriegt allgemein einfach nicht viel mit."

 

Die Sprache der Desillusionierung

Felicitas Pommerenings Roman kreist vor allem um die Desillusionierung. Erfrischender Weise resultiert jene Enttäuschung nicht aus der häufig bemühten Suche nach dem „richtigen“ Partner. Stattdessen ist es die Arbeit, die in ihrer Routine enttäuscht. Das quälende Gefühl, das Falsche studiert zu haben und nun auch in einem falschen Beruf zu arbeiten. Überforderung und der Gedanke, austauschbar zu sein, frustriert die jungen Berufstätigen und führt zu Selbstzweifeln.

Am Beispiel der beiden Protagonisten Carlynn und Ellen wirft Pommerening grundlegende Fragen auf: Was erwarten wir vom Leben? Welche Ansprüche darf man an seine Arbeit stellen? Ist der Wunsch nach einer erfüllenden Tätigkeit purer Luxus? Wie viel Geld braucht man überhaupt zum glücklich sein? Wie vereinbart man am besten Familie und Beruf? Und natürlich: Begnügt man sich lieber mit der gesellschaftlichen Anerkennung anstatt Freude an der Arbeit zu haben?

 

Fazit: Unterhaltsame Lektüre

Ehrlich und locker beschreibt die Autorin auf rund 180 Seiten die emotional aufwühlende Zeit zwischen Studium und Beruf. Obwohl sich die beiden Erzählerstimmen leider sehr stark ähneln und kaum die beabsichtigte Abwechslung bringen, sind die Charaktere erfreulich normal und regen zum Nachdenken an. Eine unterhaltsame Lektüre für all jene, die sich kurz vor, mitten im oder schon in der Zeit nach dem Bewerbungs- und Selbstfindungsprozess befinden.

Die Jobbörse ABSOLVENTA wünscht viel Spaß beim Lesen!

 

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