Bildungsreport 2012: neue Bewerbungstrends

Bildungsreport 2012: neue Bewerbungstrends

kreative BewerbungOnline-Recruiting, Europass-Lebenslauf und anonymisierte Bewerbungsunterlagen verändern mehr und mehr den Bewerbungsprozess. Der Studienförderer „Deutsche Bildung“ hat über 100 Personalverantwortliche, Experten und Dienstleister zum Thema „Bildungstrends“ befragt. Die Jobbörse ABSOLVENTA zeigt die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick.

Online-Recruiting nimmt zu

Das Internet ist als Informationsquelle im Bewerbungsprozess sowohl für Bewerber als auch für Personaler kaum noch wegzudenken. Jeder Jobsuchende sollte daher auch seinen eigenen Internetauftritt im Blick haben. Denn über 50 Prozent der befragten Personaler sehen sich regelmäßig in Business-Netzwerken wie XING und LinkedIn nach passenden Kandidaten um oder informieren sich dort über Bewerber.

Während wissenschaftliche Online-Publikationen aus dem jeweiligen Fachgebiet der Bewerber bei den Personalreferenten durchweg eine große Beachtung finden, informiert sich bisher nur ein kleiner Teil der Arbeitgeber in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. über die Bewerber. Ein Großteil der Befragten geht jedoch davon aus, dass die Bedeutung von Social Media im Auswahlverfahren in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird und die Online-Identität einen größeren Stellenwert im Auswahlprozess einnimmt.

Arbeitszeugnis vs. persönliche Referenz

Obwohl 34 Prozent der Befragten Arbeitszeugnisse immer noch als eine der wichtigsten Entscheidungsgrundlagen im Bewerbungsprozess ansehen, gewinnen Referenzen vor allem im Bereich „Management“ an Bedeutung. 25 Prozent der Personalverantwortlichen schätzen eine persönliche Empfehlung wichtiger ein als das Arbeitszeugnis. Vor allem der subjektive Charakter sowie die „nichtssagenden Floskeln und uniformen Formulierungen“ in den Arbeitszeugnissen stoßen auf Kritik.

Telefoninterviews und Assessment-Center

Um die Spreu vom Weizen zu trennen und gleichzeitig einen ersten Eindruck von den Kandidaten zu erhalten, sind Telefoninterviews ein beliebtes Mittel im Bewerbungsprozess: „Am Telefon erkenne ich die Bewerber, die es nicht sind. Dann können beide Seiten den Weg zum Interview und den damit verbundenen Aufwand sparen.“, erklärt einer der Befragten.

Lediglich 1 Prozent der befragten Unternehmen greift zur Vorauswahl auf ein Online-Assessment-Center zurück. Diese Methode eigne sich zwar bei einer großen Bewerberzahl, sei aber durch Vorbereitung und fremde Hilfe leicht beeinflussbar, so der einheitliche Tenor.

Neue Bewerbungsformate

Die traditionelle Bewerbungsmappe samt tabellarischem Lebenslauf ist und bleibt das präferierte Bewerbungsmittel – sowohl gedruckt als auch in der digitalen Version. Zwar liegen kreative Bewerbungen wie Videos, Flyer oder auch die eigene Homepage im Trend, doch werden sie von den Bewerbern nur äußerst selten verwendet und scheitern meist an der halbherzigen Umsetzung. Auch wenn die äußere Verpackung maßgeblich den persönlichen Eindruck eines Bewerbers bestimmt, zählen letztlich vor allem die Inhalte.

Standardisierter Lebenslauf

Nur drei Prozent der Befragten hält den standardisierten Europass-Lebenslauf für sinnvoll. Während die Fürsprecher die internationale Vergleichbarkeit der Europass-Dokumente loben, kritisieren die Gegner den Verlust der Individualität der Bewerber durch die standardisierten Formulare. Jenes Einheitsformular mache es für Bewerber unmöglich sich durch Aufbau, Sprache und Stil der Bewerbung positiv aus der Masse hervorzuheben.

Anonymisierte Bewerbung

In den USA und Kanada gehören anonymisierte Bewerbungsunterlagen längst zum Standard und auch in einigen deutschen Unternehmen wird das Prinzip bereits eingesetzt.

Insgesamt halten zwei Drittel der Befragten anonymisierte Bewerbungen nicht für zukunftsträchtig. Vorteile wie eine größere Gleichbehandlung und eine stärkere Fokussierung auf die Qualifikationen seien zwar nicht von der Hand zu weisen, doch verlagere das Fehlen von Foto und Co. den persönlichen Kontakt lediglich auf das Vorstellungsgespräch. Spätestens bei der tatsächlichen Begegnung würden sich Vorurteile abzeichnen – eine Garantie für mehr Toleranz gäbe es auch mit den anonymisierten Unterlagen nicht.

Während die flächendeckende Einführung von anonymisierten Unterlagen in Deutschland noch diskutiert wird, möchten 79 Prozent der Personaler nicht auf ein Bewerbungsbild verzichten. Ein Foto vermittle nicht nur einen persönlicheren Eindruck des Bewerbers, sondern sei auch im Hinblick auf die potentiellen Arbeitsgebiete entscheidend. Im Hinblick auf einen möglichen Kundenkontakt und repräsentative Tätigkeiten ist die optische Erscheinung durchaus ausschlaggebend, ob ein Kandidat zu einer Firma passt oder eben nicht.

68 Prozent der Befragten empfinden auch die Nationalität des Bewerbers für wichtig, um grundsätzliche Fragen wie eine gültige Aufenthaltserlaubnis und vorhandene Sprachkenntnisse zu klären. Laut Umfrage interessieren sich rund 50 Prozent der Personaler für das Geschlecht, 39 Prozent für den Familienstand und lediglich fünf Prozent für die Konfession der Kandidaten.

Ein Blick in die Bewerbungszukunft

Laut dem Bildungsreport von 2012 geht es der klassischen Bewerbungsmappe in den nächsten fünf Jahren an den Kragen – Online-Recruiting und soziale Netzwerke sind die Bewerbungsmittel von Morgen. Aufgrund des Fachkräftemangels sei der Bewerbungsprozess als ganzes von großen Veränderungen betroffen. So müssen sich Jobsuchende nicht mehr nur selbst bei Unternehmen bewerben, sondern finden sich in der komfortablen Situation wieder, sich ihrerseits von Personalern suchen zu lassen.

Der „War of Talents“ führe unter den Personalverantwortlichen zum regelrechten Wettstreit um passende Bewerber. Im Kampf um qualifizierte Mitarbeiter beschleunige sich nicht nur zwangsweise das Einstellungsverfahren, um geeignete Kandidaten schneller an das Unternehmen zu binden, sondern auch ältere und ausländische Fachkräfte haben bessere Erfolgsaussichten.

Die Jobbörse ABSOLVENTA wünscht viel Erfolg beim Bewerbungsprozess.

Lies auch:
>> Personalauswahlverfahren – Wie Firmen nach passendem Personal suchen
>> Zwischen Studium und Beruf: (un)befriedigende Freizeit
>> Karriere mit Stil: Business-Outfits für die Frau

Über den Autor

Claudia Wegner
Claudia Wegner

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