Jung, kreativ, arbeitslos – Benetton sucht „Unemployee of the Year"

Jung, kreativ, arbeitslos – Benetton sucht „Unemployee of the Year"

Ob AIDS, Hunger oder Rassismus – Benetton ist bekannt für seine sozialkritischen und provokanten Werbekampagnen. Der neuste Streich des Modelabels: Ein Wettbewerb, der die Jugendarbeitslosigkeit thematisiert. Gesucht wird der „Arbeitslose des Jahres“. Die zentrale Aussage: Arbeitslos ist nicht gleich faul. – Ein brisantes Thema, das vor allem auch Hochschulabsolventen betrifft.

Inhalt

  1. Wettbewerb: Werde „Arbeitsloser des Jahres“
  2. Jugendarbeitslosigkeit
  3. Job vs. Idealismus – Hochschulabsolventen in der Zwickmühle
  4. Benetton möchte Plattform bieten

Unemployee of the year

 

„100% Gen Y oder riskant?“ – Diese Frage stellt sich Carl-Christoph Fellinger in seinem Blog Recuiting Generation Y bezüglich der kürzlich gestarteten Kampagne des italienischen Modelabels Benetton. In seinem Artikel zum Thema „Unemployee of the Year“ beschreibt er, inwiefern die Kampagne auf die sogenannte Generation Y zugeschnitten ist. Sein Fazit: Die Zielgruppe wird entscheiden, ob Benetton mit seiner neuesten Provokation erfolgreich sein wird. Schließlich seien die Millenials sensibilisiert für „hohle Worte und falsche Versprechen“ sowie „kompetent und kreativ in ihren Reaktionen darauf“.

Ohne Frage, Hochschulabsolventen zählen zur Hauptzielgruppe der Kampagne, der Generation Y bzw. der Millenials. Diese Generation, geboren in den Achtziger Jahren, gilt als gut ausgebildet und zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus. In den Wertvorstellungen der Generation Y ist das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Mitbestimmung ebenso fest verankert wie das Streben nach Selbstverwirklichung. Und genau da, setzt die Benetton Kampagne an.


Wettbewerb: Werde „Arbeitsloser des Jahres“

Zentrales Thema der Kampagne ist ein Wettbewerb mit dem Titel „Unemployee of the Year“. Gemeinsam mit der eigens geründeten UNHATE Stiftung ruft Benetton nicht-berufstätige Menschen zwischen 18 und 30 Jahren dazu auf, eigene Projekte einzureichen, die eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft haben sollen. Welche 100 Projekte letztlich gefördert werden, entscheidet die Internetgemeinde.

Die Aktion soll den sogenannten NEETs (Not in Education, Employment or Training) Gehör verschaffen, „verbreitete Klischees zur Erwerbslosigkeit von Jugendlichen in Frage stellen und den Glauben an die Kreativität der Jugend in aller Welt mit Nachdruck vertreten“, so Benetton in der offiziellen Pressemitteilung.


Jugendarbeitslosigkeit: Eine gut ausgebildete Generation ohne Perspektive

Mit dem Thema „Jugendarbeitslosigkeit“ greift Benetton in der Tat ein akutes Problem auf. Insgesamt werden weltweit rund 75 Millionen junge Arbeitslose gezählt. Am stärksten betroffen sind laut ILO-Bericht der Mittlere Osten sowie Nordafrika. Doch auch Südeuropa meldet erschreckende Zahlen. In Griechenland und Spanien sind über 50 Prozent der unter 24-Jährigen arbeitslos. Im Gegensatz zu den Entwicklungsländern handelt es sich hierbei jedoch häufig um gut ausgebildete Nachwuchskräfte, denen aufgrund der Wirtschaftskrise keine Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Die Folge: Junge Akademiker rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit oder verlassen ihr Land.

Häufiges Ziel innerhalb Europas ist Deutschland. Hier blieb die junge Generation zum Großteil von der Wirtschaftskrise verschont, sogar vom Fachkräftemangel ist die Rede. – Eine attraktive Perspektive für gut ausgebildete Nachwuchskräfte anderer Europäischer Staaten.


Job vs. Idealismus – Hochschulabsolventen in der Zwickmühle

Doch die Benetton Kampage richtet sich nicht nur an junge Akademiker, die aufgrund wirtschaftlicher Bedingungen keinen Job finden. Hier schwingt noch etwas anderes mit: Der zunehmende Wunsch nach Selbstverwirklichung, auch im Job. Immer häufiger hört man von denen, die sich erst einen Ort zum Leben aussuchen und dann dort nach Arbeit suchen. Oder von BWL-Studenten, die eigentlich davon träumen, einen handfesten Beruf zu erlernen. Es gibt viele, die ihr „eigenes Ding“ versuchen oder zumindest neben der Arbeit in verschiedensten Projekten engagiert sind. Ganz nach dem Motto: „Do what you love, love what you do.” – "Tu‘, was Du liebst und liebe, was du tust."

Für einen Großteil der Generation Y ist nicht das Gehalt ausschlaggebendes Kriterium für einen guten Job. Es zählen auch andere Faktoren, zum Beispiel flexible Arbeitszeiten und Raum für eigene Ideen. Job und Privates sollen nicht konsequent getrennt sein. Man möchte nicht nur arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern auch, um damit etwas Sinnvolles zu bezwecken. Der Job soll Perspektiven bieten, die eigene Entwicklung fördern und Spaß machen. Viele sind dafür bereit, Kompromisse einzugehen, wie bspw. ein niedrigeres Gehalt.

Genau an diesen Idealismus, die Einsatzbereitschaft und die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung knüpft die neue Benetton Kampagne an. Sie soll das Lebensgefühl der Millenials transportieren und verdeutlicht dies mit gezielten Statements wie: „For the extraordinary achievements in research, arts and crafts“ ("Für den außergewöhnlichen Einsatz in der Forschung und den Künsten").

 

Benetton möchte Plattform bieten

Benetton ist nicht die erste Marke, die sich in ihrer Werbung an den Idealen und Werten der Generation Y beschäftigt. Eines hat die aktuelle Kampagne zum „Unemployee of the Year“ den anderen Werbemaßnahmen großer Marken jedoch voraus. Sie widmet sich einem konkreten und brisanten Thema und möchte jungen Arbeitslosen eine Plattform bieten. – Einer Generation, die sich dafür einsetzt, auch ohne festen Job ernst und wahrgenommen zu werden. Ganz nach dem Motto „The Job doesn’t define me. What I fight for it does“ ("Ich definiere mich nicht über meinen Job, sondern durch das, wofür ich kämpfe").

 

>> Hier geht's zur Kampagne "Unemployee of the Future".


Lies auch:
>> „The Global Talent Monitor“ – Wie die Jugend in Zukunft arbeiten möchte
>> "TalenTube" & Co. – Neues aus dem Social Recruitment
>> Interview mit Personalmarketing-Experte Henner Knabenreich

 

Über den Autor

Luise Köhler
Luise Köhler

Als ehem. ABSOLVENTA-Redakteurin hat Luise über die Bedürfnisse, Interessen und Fragen junger Berufseinsteiger recherchiert, geschrieben und erklärt.

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