Arbeitspsychologie Definition

Arbeitspsychologie Definition

ArbeitspsychologieArbeitspsychologie

Die Arbeitspsychologie befasst sich mit Menschen in ihrem Arbeitsumfeld. Anders als in der klassischen Psychologie geht es darum, eine Person in ihrem arbeitstechnischen Kontext zu betrachten. Arbeit wirkt auf den Menschen ein und formt ihn. Bei neuen Bekanntschaften stellt man sich deshalb häufig mit seiner Berufsbezeichnung vor, denn es macht schon einen Unterschied, ob jemand Schriftsteller, Krankenpfleger oder Steuerberater ist. Jeder ausgeübte Beruf wird in einem unterschiedlichen Umfeld ausgeführt und beeinflusst Psyche und Physis auf seine Arte und Weise. Die Anforderungen sind ebenso unterschiedlich, weshalb ein ausgeübter Job sehr viel über eine Person aussagen kann. Jemand mit einem großen Faible für Zahlen ist eher in Berufen wie Wirtschaftsprüfung anzutreffen und ein kreativer Mensch arbeitet eher im Webdesign o. ä. Über den Beruf können wir den anderen besser einschätzen. Ein weiterer Beweis dafür, dass ein Job mehr als nur der sprichwörtliche Broterwerb ist, zeigen zahlreiche Studien über Arbeitslosigkeit. Arbeitslose verlieren demnach mehr als nur ihr Einkommen; sie verlieren einen wichtigen Teil ihrer Identität. Die Arbeitspsychologie untersucht daher die Beziehung zwischen dem Menschen und seiner beruflichen Tätigkeit, um mehr über sein Verhalten in dem ökonomischen Zusammenhang zu erfahren und so die Frage „Was ist der Mensch?“ zu beantworten. 

Arbeitspsychologie verfolgt ökonomische wie persönliche Ziele

Die Arbeitspsychologie verfolgt zwei Ziele: Zum einen soll die Produktivität gesteigert werden, zum andern soll sie zugleich den Arbeiter mit ausreichend Möglichkeiten ausstatten, um sich individuell entwickeln zu können. Dies war jedoch nicht immer so. In ihrer Geschichte hat die Arbeitspsychologie mal die technische Effizienz betont, mal die psychologischen und sozialen Bedürfnisse des Menschen. Mit der Idee des social man z. B. rückte der Mensch als soziales Wesen in den Mittelpunkt. Dies ist er zweifelsohne, aber nicht ausschließlich.  Mittlerweile gehen in der Arbeitspsychologie ökonomische Effizienz und individuelle Selbstentfaltung Hand in Hand und vermitteln so ein besseres Bild vom Menschen bei der Arbeit.

Organisationspsychologie – Hierarchien, Gehalt und Zeit

Ein weiteres Teilgebiet der Arbeitspsychologie ist die Organisationspsychologie. Hier werden spezielle Organisationsformen untersucht. Für viele Tätigkeiten ist z. B. ein autokratischer Führungsstil notwendig. In einer Produktionshalle müssen die Arbeiter bestimmte Arbeitsschritte in einer festgelegten Abfolge machen, wobei sie die genauen Anweisungen über eine solche autoritäre Führung erhalten. In kreativen Berufen wäre ein solcher Stil allerdings eher hinderlich. Dort bevorzugen Unternehmen einen demokratischen Entscheidungsprozess, in dem ein Team Ziele gemeinsam erarbeitet und selbstständig verfolgt. Wie genau dies geschieht, ist dabei zweitrangig, solange die Ziele fristgerecht und effizient erreicht werden. Psychologen haben sich mit den verschiedenen Führungsstilen befasst und die Auswirkungen auf Angestellte untersucht.

Unter Organisationspsychologie fällt auch das Gehalt. Wie wirken sich Belohnungen auf die Motivation aus? Dabei stellte sich heraus, dass ein hoher Lohn nicht immer das wichtigste Kriterium ist. Ein Lob an der richtigen Stelle oder Privilegien im Job bewirken manchmal mehr, als ein dickerer Gehaltscheck.

 Ein weiterer Bestandteil in der Unternehmensorganisation ist die Arbeitszeit. Dank der Arbeitspsychologie fand man heraus, dass Menschen unterschiedliche Leistungskurven haben. Der Frühaufsteher verrichtet seine Arbeit am besten morgens und ist bereits gegen sechs Uhr an seinem Platz. Der notorische „Morgenmuffel“ ruft sein volles Potential hingegen erst deutlich später ab. Flexible Arbeitszeiten tragen dem Rechnung. So erscheinen Angestellte ausgeruht und fit zur Arbeit und das Unternehmen hat eine leistungsfähige Belegschaft.

Ingenieurpsychologie untersucht, wie Menschen und Maschine interagieren

Bei der Arbeitspsychologie werden die Arbeitsbedingungen untersucht. Im Teilgebiet der Ingenieurspsychologie schauen sich Wissenschaftler an, wie Mensch und Maschine miteinander verbunden sind. So sind bei einem Fließband Geschwindigkeit, Höhe und Abstand zum nächsten Arbeiter wichtige Faktoren, die auf den Einzelnen mentalen Einfluss üben. Ein anderes Beispiel ist die Sitzposition von Angestellten an Supermarktkassen. Sitzen sie lieber mit dem Gesicht zur Kasse oder zum Warenband? Laut einer Untersuchung bevorzugen die meisten Personen es, den Kunden frontal gegenüber zu sitzen. Dies hat zwar auch mit Bewegungsabläufen zu tun, es ist schlichtweg einfacher, die Ware von einer Seite zur anderen zu schieben. Entscheidender ist jedoch der psychologische Faktor, von einem Kunden nicht von der Seite angesprochen zu werden. Viele Untersuchungsteilnehmer fühlten sich dabei unwohl und unsicher. Eine andere Studie hat sich mit Bedienelementen von schweren Maschinen beschäftigt. Dabei untersuchten Ingenieure und Psychologen, wie Knöpfe angeordnet und gestaltet sein müssen, um ein bestmögliches Arbeitsergebnis zu ermöglichen. Aus Ingenieurssicht ist es vollkommen egal, ob der Arbeiter eine massive Stahlpresse mit einem kleinen Druckknopf einschaltet oder aber mit einem schweren Hebel. Aus ingenieurspsychologischer Sicht jedoch nicht. Mit dem Hebel hatten die Probanden ein besseres Gefühl für ihre Arbeit, begingen weniger Bedienfehler und arbeiteten sicherer. Für sie war es wichtig, dass ihre Arbeit mit der der Maschine vergleichbar ist. Da die Presse viel Kraft entwickelt, fühlte es sich für sie „richtiger“ an, ebenfalls Kraft aufzuwenden.

Durch die Erkenntnisse der Arbeitspsychologie gelang es vielen Unternehmen, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Menschen besser mit Maschinen interagieren konnten. So steigerte sich die Produktivität, da die Arbeiter weniger Bedienfehler begingen und schneller arbeiteten. Zugleich empfanden die Angestellten ihre Tätigkeit befriedigender. Eine Win-Win Situation für beide Seiten.

Die Arbeitspsychologie betrachtet stets zwei Seiten. Auf der einen Seite die Mensch-Maschine Interaktion und auf der anderen Seite die organisatorischen Rahmenbedingungen wie Führungsstil, Gehalt und Arbeitszeit. Früher war dieses Feld eine Randdisziplin, doch im immer stärker werdenden „war-for-talent“ können es sich nur wenige Firmen leisten, nicht auf die Erkenntnisse der Arbeitspsychologie zu achten.

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