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Arbeitsmarkt und Finanzkrise (5): „Unternehmen und Bewerber reden aneinander vorbei“

Arbeitsmarkt und Finanzkrise (5): „Unternehmen und Bewerber reden aneinander vorbei“

Vor allem zwei Themen dominieren derzeit den Arbeitsmarkt. Der weltweite Fachkräftemangel, insbesondere in den technischen Berufszweigen, und die Finanzkrise sowie die dadurch drohende Arbeitslosigkeit. Die Jobbörse ABSOLVENTA sprach mit Thorsten zur Jacobsmühlen, Betreiber von blogaboutjob und Personalexperte, über die aktuelle wirtschaftliche Situation, Jobs für Ingenieure und zeitgerechtes Recruiting.

 


Finanzkrise und Arbeitsmarkt


  1. Job-Aussichten für Akademiker

  2. Selbst aktiv werden, um die Job-Chancen zu erhöhen

  3. “In einer Rezession müssen Firmen innovativ bleiben und brauchen Akademiker”

  4. Job- und Karrierechancen für Ingenieure

  5. „Unternehmen und Bewerber reden aneinander vorbei“



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Herr zur Jacobsmühlen, Sie sind seit rund 14 Jahren in der Personalbeschaffungsbranche im Internet. Wie können wir uns die Jobbörse vor dem Web 2.0 vorstellen?

Ich fing 1995 an, selber Webseiten zu kreieren und habe für Unternehmen eigene kleine Stellenanzeigen und Joblisten programmiert. Damals war das nur mit HTML und alles noch sehr einfach. Dann wurde Jobpilot auf mich aufmerksam, weil die versuchten, mich als Kunden zu akquirieren. Ich fing im Vertrieb für Großkunden bei der Jobbörse selbst an und gab unter anderem Personalern Seminare, wie die Jobvermittlung im Internet funktioniert. Die Firmenkunden hatten z.T. nicht mal eigene Internetzugänge und konnten nur dadurch gewonnen werden, dass man sie erst einmal mit der Materie vertraut machte, von der Optimierung einer Stellenanzeige bis hin zur Suche im Netz nach Lebensläufen.

Sprung zurück in die Gegenwart: Ist die Finanzkrise wirklich so hart für den Arbeitsmarkt, wie allerorten behauptet wird, oder gab es in Ihrer Laufbahn schon ähnliche Ereignisse?

Nein, ich habe so etwas wie die Finanzkrise noch nicht erlebt. Und ja, ich halte es für sehr schlimm. Das ist keine einfache Schwarzmalerei. Ich denke sogar, wir stehen erst am Anfang der Krise.
Wie immer in einer Krise sehen wir aber deutlicher als sonst die Hierarchien des Arbeitsmarktes. Zuerst hat es jene getroffen, die nur eine geringe oder gar keine Ausbildung haben. Und vor allem die Zeitarbeiter, die in den produzierenden Gewerben schnellstens entlassen wurden. Aus Arbeitgebersicht ist diese Flexibilität ja auch eines der Argumente für Zeitarbeit.

Natürlich gibt es auch jetzt in der Finanzkrise viele zu besetzende Positionen, die aber auf bestimmte Schlüsselqualifikationen ausgelegt sind. Es zeigt sich mal wieder: Je höher die Ausbildung, desto besser sind die Jobchancen auch in der Krise. Ein universitärer Abschluss hilft da meistens weiter, auch als eine gewerbliche Ausbildung.

Insbesondere die beiden großen Berufszweige IT und Ingenieurswesen erfreuen sich immer noch starker Nachfrage. Es gibt einfach zu wenige Fachkräfte und der Bedarf lässt auch in Krisenzeiten nicht so nach, wie in anderen Berufen. Ohne technische Entwicklungen können Unternehmen einfach nicht arbeiten.

Reden wir über den Fachkräftemangel: Rund 40.000 Ingenieure schließen jährlich alleine in Deutschland die Hochschule ab. Wo liegt also das Problem?

Das Problem liegt oftmals bei den Unternehmen selbst, denn der Ablauf des Recruitings ist häufig fehlerhaft. Da schreibt beispielsweise der Bereichsleiter die Anforderungen für einen Kandidaten. Und natürlich geht er dabei von einem Idealkandidaten aus, das gleicht also einem Wunschkonzert. Oder aber er fächert die Anforderungen so breit wie möglich, damit der Jobaspirant wenigstens einen Teil der Anforderungen erfüllt.

Kommt das dann in der Personalabteilung an, werden diese Anforderungen dann alle als notwendig erachtet. Durch die mangelnde Kommunikation zwischen Fach- und Personalabteilung schreiben die Unternehmen sehr spezialisierte Stellen aus und vergraulen so viele Bewerber, die nicht genau auf den Job passen, ihn aber gut erledigen könnten.

Der Fehler liegt darin, dass die Unternehmen denken, je höher die Messlatte, desto eher finde ich einen passenden Kandidaten. Es gibt aber einfach nicht genug davon, gerade wenn wir von Ingenieuren reden. So manövrieren sich die Unternehmen ins Aus und frustrieren auf der anderen Seite die Bewerber. Spricht man persönlich mit den Unternehmen, dann hätten sie lieber einen Bewerber, der nur teilweise auf die Anforderungen passt oder sogar noch im Unternehmen fortgebildet werden muss, aber die Chemie stimmt. Die Denkweise ist nicht das, was nach außen transportiert wird und das ist fatal für beide Seiten.

Wie lange gibt es denn noch gedruckte Stellenanzeigen in den Zeitungen?

Es gibt in Deutschland Unternehmen, deren Entscheidungsträger haben mit dem Internet nichts zu tun. Die schalten dann keine Online-Stellenanzeigen, sondern nur Print. Solange es diese Entscheider gibt, gibt es auch die Print-Anzeige.

Außerdem spreche ich immer von drei Bewerbertypen und drei Altersklassen. Latente, passive und aktive Bewerber finden sich in der Altersklasse Studenten, Absolventen bzw. Young Professionals, bei den Middle Agern zwischen 30 und 40 Jahren und bei den Älteren. Studenten und Absolventen sind natürlich viel internetaffiner und wollen dort beworben werden. Bei den Middle Agern hängt es stark vom Berufszweig ab und ältere Bewerber erreiche ich eher durch Fachzeitschriften etc. Ich muss also wissen, wen ich wie ansprechen muss. Ganz nutzlos ist die Printanzeige demzufolge nicht.

Und wie sieht es mit der Bewerbungsmappe aus? Gibt es bald nur noch die digitale Bewerbung?

Die Bewerbungsmappe ist für mich ein Auslaufmodell, da schlecht vom Handling und viel zu teuer. Ich sehe bei den Bewerbungsunterlagen ganz deutlich zwei Entwicklungen: Einerseits Lebenslaufdatenbanken, Rekrutierungssoftware und webbasiertes Talentmanagement. Dies betrifft vor allem Absolventen, die schon auf den Hochschulen abgeholt und bei ihrer Karriere begleitet werden. Andererseits die sehr beliebte kurze Email-Bewerbung, sprich Anschreiben und Lebenslauf. Dies ist auch für kleinere Unternehmen sinnvoll.

Was sind die ersten Punkte, die Sie bei Bewerbungsunterlagen überprüfen?

Ähnlich wie beim Bewerbungsgespräch der Wissensstand überzeugen und die Chemie stimmen müssen, gilt bei den Bewerbungsunterlagen: Der Lebenslauf muss fachlich überzeugen, vor allem bei Bewerbern mit Berufserfahrung will ich sofort sehen, was sie gemacht haben. Und das Anschreiben muss mich motivieren, mich weiter mit dem Kandidaten zu beschäftigen. Der Ton macht die Musik. Gerade jetzt, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, gibt es viele Initiativbewerbungen. Wenn ich da eine Mail im Sinne von „Anbei meine Bewerbung“ erhalte, ohne ein faszinierendes Anschreiben, kann ich das nicht verstehen.

Generell gilt: Für jeden Job ein individuelles Anschreiben verfassen, aus dem nicht nur klar wird, dass man sich für einen Job interessiert, sondern auch, warum das Unternehmen sich für den Bewerber interessieren sollte.

 


Du brauchst Hilfe in Sachen, Bewerbung, Berufseinstieg und Karriere? Unser Karriere-Guide hilft Dir.

Übrigens haben wir auch die Job- und Karrierechancen für Ingenieure in der Finanzkrise im ABSOLVENTA Blog beleuchtet.

Um den Berufseinstieg als Ingenieur zu meistern, solltest Du wissen welche Qualifikationen Du benötigst und wie Du Dein Einstiegsgehalt definierst.

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