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Interview mit Laura Schneider – Gewinnerin des ABSOLVENTA-Stipendiums 2011/2012

Interview mit Laura Schneider – Gewinnerin des ABSOLVENTA-Stipendiums 2011/2012

ABSOLVENTA-Stipendium: Laura in Mexiko

Noch acht Tage hast Du Zeit, Deine Bewerbung für das ABSOLVENTA-Stipendium hochzuladen. Am 11. August endet die Bewerbungsphase für das nunmehr vierte ABSOLVENTA-Stipendium – eine Initiative, die spannende Studienprojekte mit bis zu 3.000 Euro fördert, unabhängig von Noten und Fachbereich.

Im letzten Jahr zählte Laura Schneider zu den glücklichen Gewinnern. Sie ist Mitglied der Graduate School Media and Communication und beschäftigt sich mit der Messung von Pressefreiheit. Die demokratische Studienförderung ermöglichte ihr einen Auslandsaufenthalt in Mexiko, von dem sie im Interview mit ABSOLVENTA berichtet.


Hallo Laura. Erkläre bitte kurz, wie Deine Bewerbung für das ABSOLVENTA-Stipendium aussah und wofür Du das Geld verwendet hast.

Ich habe Fotos von mir in den verschiedenen Phasen meines Projekts gemacht, dazu ein Gedicht geschrieben und beides zusammen zu einem Video geschnitten, mit dem ich mich dann für das Stipendium beworben habe. Das Geld brauchte ich, um die empirische Phase meiner Doktorarbeit in den USA und Mexiko durchführen zu können, hauptsächlich also für den Flug.

Wie hast Du die Leute dazu bewegt, für Dich zu voten?

Ich habe ihnen von meinem Thema und meinem Vorhaben erzählt und versucht, sie von der Wichtigkeit der Pressefreiheit zu überzeugen. Wir nutzen die Medien heute so viel und auf so viele verschiedene Arten, dass jedem klar ist, dass eine moderne Demokratie ohne freie Medien nicht funktionieren kann. Meine Familie und Freunde haben natürlich für mich gevotet, aber auch sehr viele meiner Facebook-Kontakte.

Haben sich auch Leute aus Deinem Umfeld für das ABSOLVENTA-Stipendium beworben?

Ja, meine Kollegin, mit der ich ein Büro teile, hat mich auf das Stipendium aufmerksam gemacht und mich ermutigt, mich ebenfalls dafür zu bewerben. Wir haben uns gegenseitig motiviert. Letztendlich haben wir beide das Stipendium bekommen.

Mit wem hast Du in Atlanta zusammengearbeitet und wie sah die Vorbereitung für die Studie aus?

Ich habe an der University of Georgia mit Prof. L. Becker zusammengearbeitet und dort meine Studie vorbereitet. Er ist weltweit einer der wenigen, die sich wissenschaftlich mit der Messung von Pressefreiheit auseinandersetzen. In den USA habe ich eine sehr umfassende Umfrage konzipiert und programmiert, die ich dann durch die Interviews mit mexikanischen Journalisten erweitert habe.

Wie gestaltete sich der Kontakt und Austausch mit den Journalisten in Mexiko?

Durch meine Arbeit bei der mexikanischen Tageszeitung kenne ich viele Journalisten in Mexiko. Für meine Studie habe ich mit vielen Reportern aus unterschiedlichen Regionen gesprochen. Natürlich ging es dabei in erster Linie um die Aspekte, die für mein Dissertationsprojekt von Bedeutung sind. Aber die Gespräche mit bedrohten Journalisten werden sehr schnell auch emotional und persönlich. Ich wurde viel gefragt, wie die Situation in Deutschland ist – so viel Freiheit können sich manche mexikanische Journalisten gar nicht vorstellen. Meine Interviewpartner haben alle unter der eingeschränkten Pressefreiheit gelitten – und gleichzeitig hat jeder dazu noch individuelle Probleme: In manchen Regionen sind eher die korrupten Politiker ein Problem, in anderen sind es die Drogengangs. 

Inwieweit hast Du das Problem der Pressfreiheit am eigenen Leib erfahren?

Ich habe als Journalistin in Mexiko gearbeitet und dort sofort gemerkt, mit welchen Problemen und Gefahren die Kollegen dort täglich zu kämpfen haben. Bei der Redaktionskonferenz stellt sich jeden Tag die Frage, ob und wie ein Thema behandelt werden kann, ohne den Journalisten zu stark zu gefährden. Wir haben alle Sicherheitsmaßnahmen angewendet, die in Deutschland gar nicht denkbar wären. In diesem Umfeld habe ich schnell gemerkt, wie wichtig ein freies und angstfreies Arbeitsumfeld nicht nur für die Journalisten selbst, sondern besonders auch für die Qualität der Medienberichterstattung und somit die Informiertheit der Bürger ist. Außerdem habe ich sehr enge Freunde, die in Mexiko als Journalisten arbeiten. Einer von ihnen wurde letztes Jahr entführt und gefoltert, die andere hat so viele Drohungen erhalten, dass sie jetzt ins Exil fliehen musste.

Mexiko wird generell nachgesagt, dass es ziemlich gefährlich ist. Wie hast Du es erlebt?

Seitdem der ehemalige Präsident Felipe Calderón 2006 den „Krieg gegen die Drogen“ erklärt hat, haben im ganzen Land Tausende Soldaten gegen die Drogengangs gekämpft. Das Problem ist jedoch, dass die Polizei und die Soldaten schlecht bezahlt werden und außerdem schlecht ausgebildet und somit für Korruption sehr anfällig sind. Es sind sogar neue Kartelle aus ehemaligen Soldaten entstanden, die gemerkt haben, wie viel Geld man mit dem Drogenhandel verdienen kann. Die Gewalt ist in Mexiko in den letzten Jahren stark angestiegen und die mafiösen Strukturen der Drogenbanden, die es aber natürlich schon viel, viel länger gibt, sind ans Licht gekommen. Am meisten leidet darunter die mexikanische Bevölkerung. Ich selbst habe bei meinen verschiedenen Besuchen in Mexiko gemerkt, wie sich das Klima der Angst immer weiter ausbreitet – mir selbst ist aber nie etwas passiert. Und in vielen Orten Mexikos kann man sich ganz normal bewegen, ohne Angst haben zu müssen. Ich habe mich in Mexiko immer sehr sicher gefühlt. Es ist ein tolles Land mit tollen, sehr hilfsbereiten und offenen Menschen.

Du kannst die Vorurteile gegenüber Mexiko also zum Teil entkräften?

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es nicht „nur“ die Drogengangs sind, die in Mexiko die Probleme machen. Denn so wird es bei uns immer vereinfacht dargestellt. Das Problem sind die engen Beziehungen zwischen den Drogenbanden und korrupten Politikern. Viele Journalisten fürchten diese sogar mehr als die Drogenbosse – das ist bei meiner Studie herausgekommen.

Inwiefern möchtest Du den deutschen Journalismus „revolutionieren“?

Ich möchte nicht den deutschen Journalismus revolutionieren, sondern ich entwickle in meiner Dissertation ein neues Instrument zur weltweiten Messung von Pressefreiheit. Die Pressefreiheitsrankings von Freedom House und Reporter Ohne Grenzen erlangen jedes Jahr sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien und haben Auswirkungen auf verschiedenste Bereiche – etwa auf die Politik, die Mediensysteme in den betroffenen Ländern selbst und auf die Medienentwicklungszusammenarbeit. Die Methoden, auf denen sie basieren, werden jedoch häufig kritisiert. Deshalb versuche ich, ein optimiertes Ranking vorzustellen.

Planst Du einen weiteren Auslandsaufenthalt? Wenn ja, wo und warum?

Ich war in diesem Jahr in Paris bei der Unesco, wo ich zum Thema Messung von Medienfreiheit gearbeitet habe. Außerdem habe ich mein Projekt bei verschiedenen Konferenzen in Istanbul, Dublin, Berlin und Beirut vorgestellt. In den nächsten Monaten plane ich erst mal keinen Auslandsaufenthalt mehr, um mich richtig auf das Schreiben meiner Arbeit konzentrieren zu können.

Was möchtest Du den Bewerbern für das ABSOLVENTA-Stipendium mit auf den Weg geben?

Glaubt an Euch und Euer Projekt – wenn Ihr genug Leidenschaft dafür habt, werden die Leute das spüren und für Euch voten. Viel Erfolg!

 

Du möchtest auch mit Deinem Projekt unterstützt werden? Dann bewirb Dich hier für das ABSOLVENTA-Stipendium!

>> Vorjahresgewinner Clemens Beier und Mads Pankow im Interview mit ABSOLVENTA

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