Personaler antworten: Kenntnisse und Erfahrungen.

Personaler antworten: Kenntnisse und Erfahrungen.
Personaler verraten, welche Kenntnisse und Erfahrungen Studenten, Absolventen und Young Professionals mitbringen sollten, um bessere Chancen für den Berufseinstieg zu erhalten.
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  1. Hallo Frau Grötsch, Frau Al-Mallah und Herr Ullah! Inwieweit macht es einen Unterschied, ob der Bewerber an einer Fachhochschule oder an einer Universität studiert hat? Gibt es einen Bonus für Absolventen, die an bestimmten Hochschulen studiert haben?

    Ulrike Al-Mallah (Brose): In diesem Fall kann ich nur sagen, dass wir hier im Unternehmen keinen Unterschied dabei machen.

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Nein, das macht für uns keinen Unterschied. Was zählt sind Motivation, Kenntnisse, Erfahrungen und Persönlichkeit. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Absolventen davon profitieren, wenn ihr Studium praxisorientiert war.

  2. Sind Bachelor-Absolventen gegenüber Master-Absolventen und Diplomanden im Nachteil?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Nein, so grundsätzlich kann man das nicht sagen. Auch hier zählen die individuellen Erfahrungen. Ein interessierter Bachelor-Absolvent, der relevante Praktika absolviert hat, kann einem Uni-Absolvent mit weniger Motivation und weniger praktischen Erfahrungen durchaus den Rang ablaufen.

    Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Nein. In der Regel nicht, sofern keine besonderen Qualifikationen durch die Stelle vorgeschrieben sind.

  3. Wie kommen Absolventen aus dem Dilemma heraus, dass in Stellenangeboten fast immer Berufserfahrungen gefordert werden? Lohnt es für Absolventen ohne Berufserfahrung überhaupt sich auf diese Stellen zu bewerben?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Dem Berufserfahrungsdilemma können Studierende entkommen, indem sie sich von Anfang an darum bemühen, praktische Erfahrungen zu sammeln: Praktika, Studentenjobs, Werkstudententätigkeiten, Trainee-Programme, Uni-Projekte sind super Möglichkeiten, ins Berufsleben zu schnuppern und herauszufinden, in welche Richtung es später gehen soll.

    Ulrike Al-Mallah (Brose): Man sollte es auf jeden Fall probieren (wenn die Anforderungen nicht erheblich abweichen). Oft ändern sich auch im Laufe der Zeit die Anforderungen an die Stelle bzw. ist es oft auch so, dass Alternativangebote vorhanden sind, wenn der CV überzeugt.

  4. Wie offen sind Sie gegenüber Quereinsteigern, die keinen „Roten Faden“ im Lebenslauf vorweisen können und bereits Berufserfahrung in anderen Branchen (abweichend vom Studiengang) gesammelt haben?

    Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Das hängt von der Stelle ab und von den sonstigen Qualifikationen.

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Grundsätzlich sehr offen. Allerdings muss die Geschichte plausibel sein, warum jemand in dem neuen Feld Fuß fassen möchte und was er dafür vorzuweisen hat. Ein Sinologe, der sich schon immer fürs Programmieren interessiert hat und in seiner Freizeit kleinere Programme geschrieben hat, hat durchaus Chancen, in diesem Bereich einzusteigen. Ein Sinologe, dem mal schnell einfällt, dass er „was mit Computern machen“ will ohne sich je damit beschäftigt zu haben, hat kaum Chancen.

  5. Inwieweit hinterlässt ein Bewerber einen negativen Eindruck, wenn er nach seinem Studium ein Praktikum absolviert hat?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Keinen! Ein Praktikum zeugt davon, dass der Absolvent Erfahrungen sammelt und sich vielleicht noch nicht ganz sicher ist, in welchem Bereich er arbeiten möchte. Er ist schon in der Berufswelt unterwegs und kennt die Abläufe in einem Unternehmen. Außerdem sind Praktika oft der erste Schritt zur Einstellung. Länger als ein halbes Jahr sollte das Praktikum nach dem Abschluss aber nicht dauern.

    Robindro Ullah (DB Mobility Logistics AG): Er hinterlässt keinen negativen Eindruck.

  6. Wie problematisch sind Lücken im Lebenslauf beziehungsweise eine längere Arbeitslosigkeit nach Abschluss des Studiums (> 6 Monate)?

    Robindroh Ullah (DB Mobility Logistics AG): Sie sind problematisch, sofern sie nicht begründet werden.

    Ulrike Al-Mallah (Brose): Lücken sind immer zu hinterfragen und hinterlassen nicht unbedingt einen positiven Eindruck.

  7. Wie stehen die Chancen für die Einstellung von Sozial- und Geisteswissenschaftler in Ihrer Branche?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Wir sind in der IT-Branche unterwegs. Naturgemäß arbeiten da also eher weniger Geisteswissenschaftler. Allerdings besetzen wir Positionen im Online Marketing, im Kundensupport, Personal und im Vertrieb ganz gern mit motivierten, kommunikationsstarken Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Also in Bereichen, in denen es darauf ankommt, kreativ mit Sprache und Informationen umzugehen und darum, ein Gefühl für den Umgang mit Menschen zu haben.

    Ulrike Al-Mallah (Brose): In unserer Branche der Automobilzulieferindustrie werden vor allem Ingenieure gesucht, jedoch bestehen in vereinzelten Funktionsbereichen bspw. dem Personalwesen Möglichkeiten.

  8. Sollte sich ein Bewerber mit mittelmäßigen Noten (Notendurchschnitt über 2,5) realistischerweise ausschließlich bei KMU bewerben?

    Nadia Grötsch (TowerConsult): Große Unternehmen bekommen sehr viele Bewerbungen und können sich die Bewerber mit den besten Noten aussuchen. Aber auch KMU stellen nicht jeden ein. Vielmehr zählen dort Persönlichkeit und praktische Erfahrungen.

    Ulrike Al-Mallah (Brose): Nein! Letztendlich macht es immer die Mischung aus Studium, Studiendauer, Erfahrung, Anforderungen an die zu besetzende Stelle, ob Ihr das Interesse des Personalers weckt.

    Es antworteten euch:

    Nadia Grötsch, TowerConsult GmbH: Mit TowerConsult spürt sie passende eCommerce-Experten für ihre Kunden auf und stellt technische Ressourcen zur Verfügung, um Projekten einen passenden Rahmen zu geben. Außerdem schreibt Sie fleißig für Bewerberblog.de.

    Ulrike Al-Mallah, Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG: Entwickelt und produziert an 52 Standorten in 21 Ländern Systeme und Komponenten für Karosserie und Innenraum. Weltweit beschäftigt Brose mehr als 15.000 Mitarbeiter.

    Robindro Ullah, Deutsche Bahn Mobility Logistics AG: Zuständig für die Mobilitäts- und Logistikaktivitäten des DB- Konzerns. Sie beschäftigt rund 174.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten deutschen Arbeitgeber.

  9. Fazit.

    Bei dieser Befragung wurde deutlich, dass Ihr mit entsprechender Praxiserfahrung und authentischer Persönlichkeit auf jeden Fall punktet. Also am besten durch Praktika, als Werkstudent oder durch andere Tätigkeiten mächtig Erfahrungen in der Berufswelt sammeln - im Idealfall schon während des Studiums. Es ist aber nie zu spät, sich neue Kenntnisse anzueignen. Bei den Bewerbungsunterlagen solltet Ihr stets darauf achten, dass Ihr in euren Lebenslauf ausführlich über eure Kenntnisse und Aufgaben der absolvierten Praktika berichtet.

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