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Ein typischer Tagesablauf

Sich bewerben: Ein Full-Time-Job

Sich bewerben: Ein Full-Time-Job

Arbeitslos und kein Spaß dabei. Auf Jobsuche zu sein und Bewerbungen zu schreiben ist ein hartes Los. Sozialer Druck, die eigenen Ansprüche und limitierte finanzielle Mittel sorgen dafür, dass Bewerber keine Arbeitslosen-Klischees erfüllen und den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, sondern einen (unbezahlten) Full-Time-Job haben.

Bewerben als Full-Time-Job:der typischen Tagesablauf eines Bewerbers

8 Uhr:
Der Wecker beendet alle Traumjob-Träume. Beim Blick aus dem Fenster beneidet man die Menschen, die jetzt zur Arbeit fahren. Um bald selbst zur „Arbeiter-Klasse“ zu gehören, widmet man sich der Stellensuche. Auf dem Weg zum Bäcker erst noch am Briefkasten vorbei. Wieder keine Post von den Unternehmen, nicht mal Absageschreiben. So darf wenigstens weitergehofft werden. Beim Bäcker gleich noch die Tageszeitung kaufen, um schon während des Frühstücks nach aktuellen Stellenanzeigen schauen zu können.

8.45 Uhr:
In der Tageszeitung und dem Anzeigenblatt stehen Stellenangebote en masse. Doch die passen alle nicht recht. Oder vielleicht doch? Wie genau muss das eigene Profil eigentlich auf die Stellenanzeige passen? Habe ich eine Chance auf den Job, auch wenn ich nicht alle Anforderungen erfülle? Computer hochfahren. Google weiß Antwort auf alle Fragen. Immer. Das Problem: Die Antworten im WWW gehen auseinander und widersprechen sich teilweise. Außerdem scheint es dauernd neue Bewerbungstrends zu geben.

9.15 Uhr:
Einen Blick ins E-Mail-Postfach werfen. Darin finden sich Anzeigen für Jobs, die versprechen, dass man von zu Hause aus ohne Mühe täglich hunderte von Euros verdienen kann. Warum eigentlich nicht mal ausprobieren? Doch da der Anbieter seinen Firmensitz in der Karibik hat und die Mail voller Rechtschreibfehler ist, wird die Überlegung schnell wieder verworfen.

9.30 Uhr
Jobsuche in den Online-Jobbörsen. Das Angebot ist riesig. Da muss doch etwas dabei sein!

10.45 Uhr:
Und tatsächlich. Bei zwei Stellenangeboten passen die Anforderungen, und auch die Stellenbeschreibung klingt verheißungsvoll. Merken und weitersuchen.

11.00 Uhr:
Und wieder ist es passiert: Bei der Online-Suche nach Jobs haben die Finger irgendwie von Geisterhand „facebook“ eingetippt. Und dort gibt’s auch jede Menge Neuigkeiten von Freunden. Sie haben spektakuläre Nachrichten, den neuen Promi-Klatsch und Sportereignisse gepostet. Und als Bewerber muss man schließlich in allen gesellschaftlichen Feldern up-to-date bleiben. In den meisten Stellenanzeigen steht schließlich „gutes Allgemeinwissen gewünscht“. Also ab zu Spiegel Online.

11.30 Uhr:
Zurück zur Arbeit. Jetzt steht Unternehmen googlen steht auf der To-Do-Liste. Ein Teil des Anschreibens erklärt, warum man genau diesen Job in genau diesem Unternehmen ergattern will. Bevor man eine perfekt auf die Stellenausschreibung ausgerichtete Bewerbung schreibt, muss man sich schließlich intensiv über das Unternehmen informieren. Ist das Unternehmen modern, innovativ und etabliert? Hat es einen guten Ruf in den Medien und wird es auf Bewertungsportalen von früheren und aktuellen Angestellten positiv bewertet?

12.45 Uhr:
Der Magen meldet sich. In deutschen Unternehmen ist ohnehin gerade Mittagspause, warum also nicht auch die Arbeitsgeräte bei Seite legen und den Kochlöffel in die Hand nehmen. Pasta kochen.

14 Uhr:
Jetzt geht’s los mit dem Bewerbungen schreiben. Aber zunächst noch einmal E-Mails checken. Wieder nichts außer ein paar Mails von arbeitenden Bekannten, die lustige Bilder rumschicken und in den Betreff „Du hast ja Zeit“ schreiben. Wer hat hier Zeit? Derjenige, der diese Bilder sucht, findet und verschickt oder derjenige, der sie empfängt?

17 Uhr:
Die Anschreiben sind fertig. Drei Stunden hat das gedauert. Zwar bildet das Standard-Anschreiben eine gute Grundlage, aus der sich einige Passagen übernehmen lassen, aber jedes erfolgsversprechende Bewerbungsschreiben muss schließlich auf Stellenanzeige, Job und Firma angepasst werden. Ein letzter Check: Stimmen Rechtschreibung, Ansprechpartner, Unternehmensadresse und Datum? Besser noch mal einem Bekannten zumailen und Kontrolle lesen lassen.

17.15 Uhr:
In der Zwischenzeit den Lebenslauf dahingehend optimieren, so dass bei den bisherigen Praxiserfahrungen die Aufgaben hervorheben sind, die Anknüpfungspunkte zum gewünschten Job darstellen.

18 Uhr:
Der Korrekturleser hat geantwortet. Die Korrekturen und Tipps leuchten als Kommentare im Anschreiben-Dokument auf. Gute Vorschläge dabei. Nun heißt es Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse in einem PDF-Dokument zusammen führen. Erstmal googlen, wie das funktioniert.

18.45 Uhr:
Geschafft. Die Bewerbungen sind fertig. Jetzt noch einen kurzen Text für die Mail an den Personaler verfassen. Vorsicht: Ein Buchstabendreher beim Namen des Ansprechpartners und der erste Eindruck ist eventuell schon der letzte. Datei mit den Bewerbungsunterlagen anhängen und absenden. Feierabend.

19.15 Uhr:
Doch noch einmal Mails checken. Und tatsächlich, ein Unternehmen hat sich gemeldet. Ist es eine Zu- oder Absage? Nur eine Empfangsbestätigung. Naja, morgen ist wieder ein Tag. Jetzt ist endgültig Feierabend. Zumindest für heute.

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