Zukunft der Arbeit

Jobtrends: Karriereexpertin Svenja Hofert schaut voraus

Jobtrends: Karriereexpertin Svenja Hofert schaut voraus

Schreckensmeldungen für Akademiker machen in den Medien die Runde: Arbeitslosigkeit steige ins Unermessliche, Arbeitsverträge gäbe es nur noch befristet, die Bezahlung sei auch nicht viel höher als bei normal ausgebildeten Angestellten und ohne fließenden Kenntnisse in mehreren Sprachen, einem 1,0 Universitätsabschluss und jahrelangem Auslandsaufenthalt – natürlich alles bis zu 25. Lebensjahr – ist eine Karriere eigentlich nur noch als Kellner oder Taxifahrer drin, wenn überhaupt.

Auch wenn das etwas überspitzt sein mag, stellen sich viele Absolventen die berechtigte Frage: Bekomme ich nur noch mit hervorragenden Referenzen einen guten Job? Die Buchautorin und Inhaberin einer Karriereberatung Svenja Hofert ist anderer Meinung: „Lieber die Uschi aus Herne als die Ulrike aus Harvard“ lautet ihr Credo.

Mittelmaß besser als Perfektion?

Gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise suchen Personalentscheider Mitarbeiter, die nicht nur fähig, sondern auch loyal sind und sich für das Unternehmen einsetzen, sagt Svenja Hofert. Von absoluten Top-Absolventen erwarten gerade die Entscheider in mittelständischen Unternehmen, dass diese schnell den Arbeitgeber wechseln, wenn sich Aufstiegschancen ergeben und den jeweiligen Arbeitsplatz nur als Sprungbrett sehen. Zahlen belegen, dass eher durchschnittliche Bewerber mehr Zusagen bekommen als Einser-Absolventen.

Kommende Boombranchen und hochspezialisierte Insider

In den kommenden Jahren könnten die Boombranchen der Vergangenheit an Attraktivität verlieren, so zum Beispiel der Automobilsektor. Aufstrebende Bereiche sind das gesamte Feld der regenerativen Energien oder auch die Medizintechnik. Ebenso werden Dienstleistungen und die Nahrungsmittelbranche für Absolventen attraktiver, meint Svenja Hofert. Sie gibt außerdem die Empfehlung, sich genau zu informieren, welche kleinen aber hochspezialisierten Firmen in den einzelnen Brachen existieren. Berufseinsteiger sollten sich, so die Karriereexpertin weiter, nicht nur bei den größten Konzernen bewerben.

Bunt schlägt rot: Lebensläufe mäandern immer mehr

Der perfekt durchgeplante Lebenslauf ist in Zeiten der Globalisierung schwerer zu erreichen als früher – und auch nicht mehr so gefragt. Ein „bunter“, verschlungener Faden ist in einer Bewerbung genauso gut wie ein roter. Viele High Potentials arbeiten interdisziplinär und wechseln mehrmals in ihrer Arbeitskarriere die Branche. Personalentscheider deuten das heutzutage jedoch nicht mehr als „ziellos“, sondern eher als „flexibel“. Interdisziplinäres Wissen werde von Personalern geschätzt, sagt Svenja Hofert.

Zukunft auf dem Berufsmarkt: Mehrere Jobs und Selbstständigkeit

In Zukunft könnten Arbeitnehmer mehrere Jobs haben. Gerade in der Kulturbranche oder in der Verbandsarbeit sind Halbtags-Anstellungen gängig. Zwei dieser Arbeitsstellen können jedoch eine Chance für diejenigen sein, die gerne an verschiedenen Projekten arbeiten. Auch die Anzahl der Selbstständigen wächst in Zeiten der Krisen immer. Wie viele dieser Neugründungen sich am Markt etablieren können, bleibt jedoch abzuwarten. Der Trend ist jedoch unverkennbar und wird 2010 anhalten.

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