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Alumni-Verband

„Unterm Strich steht eine Win-Win-Situation“

„Unterm Strich steht eine Win-Win-Situation“

Experten-Interview mit Christian Kramberg vom Alumni-Verband über den Alumni-Club, Career Service und Jobvermittlung.

Herr Kramberg, warum ist die Mitgliedschaft in einem Alumni-Verein sinnvoll?

Die Mitgliedschaft in einem Alumni-Verein birgt sowohl für die Absolventen also auch für die Hochschule viele Vorteile. Beispielsweise haben viele Alumni-Vereine einen Career Service aufgebaut. Der Career Service geht in zwei Richtungen. Auf der einen Seite geht es um die Erhöhung der Berufsfähigkeit. Dafür werden den Studenten schon während des Studiums Kurse und Veranstaltungen angeboten. Ältere Alumni geben den Studenten und Absolventen unter anderem Best Practice Beispiele, Tipps für die Bewerbung oder bieten Management Training an. Auf der anderen Seite hilft der Career Service bei der klassischen Job-Vermittlung und auch fortlaufenden Karriere.

Inwiefern hilft der Alumni Career Service bei der Job-Vermittlung?

Viele Alumni stellen Studierenden und Absolventen Praktika-Plätze, Abschlussarbeiten oder Einstiegsjobs bereit. Für viele Arbeitgeber liegt es bei gleicher Qualifikation der Bewerber näher, einen Absolventen aus der eigenen Uni anzunehmen als den Bewerber aus einer anderen Region. Die Alumni-Regionalgruppentreffen sind eine gute Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Da tauscht man sich mit denen aus, die „aus dem gleichen Stall“ also von der gleichen Uni kommen. Das Netzwerken über den Alumni-Verein endet natürlich nicht mit dem Berufseinstieg, sondern führt sich auch in den Folgejahren fort. Einige Jahre an dem Studium ist es aufgrund geänderter Lebensumstände – Partnerschaft, Heirat, Kinder – normal, sich nach neuen und besseren Jobs umzuschauen. Auf den Alumni-Treffen gibt es dann häufig einen regen Visitenkartenaustausch.

Wie hoch ist der Alumni-Jahresbeitrag für die Absolventen?

Das ist von Hochschule zu Hochschule verschieden. Zum Teil ist es kostenlos, zum Teil müssen die Mitglieder einen geringen Beitrag bezahlen. Das entscheidet jeder regionale Alumni-Verein für sich. Von den Einnahmen werden unter anderem Events mit Vorträgen renommierter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft finanziert. Das können Veranstaltungen mit direktem Job-Bezug sein, aber auch mit Bezug zu einem allgemeinen Bereich wie beispielsweise Soft Skills.

Wo liegt der Vorteil und Interesse der Hochschulen an Alumni-Vereinen?

Die Hochschulen müssen heutzutage strategischer denken und Beziehungen und Kontakte aufbauen, denn sie stehen im globalen Wettbewerb. Es gibt eine Reihe deutscher Unternehmen, die nicht mehr nur in Deutschland, sondern auch im Ausland akademischen Nachwuchs rekrutieren. Eine Uni zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Absolventen sehr gut ausgebildet sind und entsprechend auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Für eine Uni muss es darum gehen, ein gutes „Relation-Management“ mit den Ehemaligen zu etablieren. Die Ehemaligen können den Hochschulen viel Input geben. Nicht nur mit Geld, sondern vor allem auch in Sachen Know-How und Praxiserfahrung aus der Wirtschaft. Die Alumni-Vereine sind dabei ein zentrales Verbindungsglied zwischen Uni und den Ehemaligen und ein strategischer Partner.

Was hat das für die Hochschulen und die Studierenden für einen konkreten Nutzen?

Über die Alumni-Vereine können die Hochschulen evaluieren, wie gut ihre Ausbildung war und wie erfolgreich die Absolventen Karriere gemacht haben. Die Unis können von den Erfahrungen ihrer Alumni auf dem freien Arbeitsmarkt stark profitieren, indem deren Know-How aus der Wirtschaft im Speziellen und aus der Gesellschaft im Allgemeinen an die Uni zurückfließt. Mit den Infos können die Unis ihre Studieninhalte und Ausbildungs-Prozesse stetig anpassen und verbessern, um in die Ausbildung einen höheren Praxis- und Realitätsbezug hineinzubringen. Auf diejenigen Unis, die diesen Weg nicht beschreiten, werden Probleme zukommen. In dem Zusammenhang ist es auch auffällig, dass die Hochschulen, die zur Exzellenz-Hochschulen gewählt worden sind, alle eine vorbildliche Alumni-Arbeit leisten. Es geht also nicht nur um Finanzierung sondern auch um positive Einflussnahme im besten Sinne. Von daher ist es gewissermaßen eine Pflicht der Uni, einen Alumni-Verein aufzubauen oder zumindest aktiv zu unterstützen.

Sehen das bereits alle Hochschulen so?

Leider nein. Politisch ist das noch nicht ganz angekommen, aber es wird in Zukunft sicher ein großes Thema werden. Bisher hat nur etwa jede zweite deutsche Uni einen Alumni-Verein. Es haben leider noch nicht alle Unis verstanden, dass sie zuerst in die Beziehung zu ihren Studierenden investieren müssen. Viele scheuen diese Investition oder sehen nicht die Notwendigkeit. Jemand, der heute die Uni verlässt, wird nicht schon zwei Jahre später im Vorstand eines großes Konzerns sitzen und kann natürlich nicht sofort Geld oder Know-How Spenden. Die Unis können erst nach etwa zehn Jahren so richtig von den guten Kontakten zu ihren erfolgreichen Ehemaligen profitieren. Unis dürfen aber nicht erst auf der Abschlussfeier damit beginnen, eine Beziehung zu ihren Studenten aufzubauen. Das sollte schon mit der Bewerbung an der Uni beginnen. Absolventen-Feiern oder dergleichen gab es vor etwa 20 Jahren übrigens noch so gut wie gar nicht. Das hat sich erst Mitte der 90er durch die Alumni-Vereine etabliert.

In den USA gibt es eine viel engere Beziehung zwischen Hochschulen und den Ehemaligen.

Ja. Ein klares Indiz dafür ist, dass die US-amerikanischen Hochschulen etwa ein Drittel ihrer Einnahmen aus Spenden, Beiträgen, Vererbung, Stiftungen von Ehemaligen etc. von ihren Alumni-Mitgliedern generieren. Davon sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt. Für Arbeitgeber und Personalverantwortliche sind der enge Kontakt und die finanzielle Unterstützung an die Uni auch eine Art Employer Branding, und sie rekrutieren akademischen Nachwuchs direkt von „ihrer“ Hochschule. Arbeitgeber können auch davon profitieren, dass sie für ihre Unterstützung und die enge Zusammenarbeit aktuelle Forschungsergebnisse von den Unis gestellt bekommen. Unterm Strich steht eine Win-Win-Situation.

Wie genau sieht die Kooperation der Alumni-Vereine mit den Hochschulen aus?

Unser Verband betreibt Relationship-Management. Wir unterstützen Hochschulen bei den Konzepten, schauen über den Tellerrand und unterhalten Kontakte zum internationalen Alumni-Verband „Case“. Unser Dachverband Alumni-Clubs stellt den Hochschulen zudem die Plattform bereit, über die man sich vernetzen kann. Wer es im Detail wissen möchte, kann sich in unserem Alumni-Verzeichnis informieren. Dort sind die Alumni-Aktivitäten an den Hochschulen im Einzelnen aufgelistet.

Ist jeder Alumni-Verein der einzelnen Hochschulen weitgehend selbständig?

Die einzelnen alumni-clubs in den Hochschulen sind selbständig und haben auch andere Strukturen. Mal ist die Kooperation mit der Hochschule vor Ort sehr eng, woanders ist sie eher lose. Die Alumni-Struktur und die Vernetzungen untereinander sind genauso vielfältig wie die Vernetzungen der verschiedenen Hochschulen in Europa.

Wie kann man aktiv bei Alumni mitmachen, und welche Aufgaben kann man übernehmen?

Unser Verband repräsentiert über die Alumni-Clubs inzwischen ca. 500.000 Mitglieder. Jeder kann sich direkt an den Alumni-Club seiner jeweiligen Hochschule anmelden und am besten gleich auch seine Freunde einladen Alumni beizutreten, damit die Uni die Kontakte zu seinen Ehemaligen überhaupt erst knüpfen kann. Zudem ist es möglich, eine Regionalgruppe zu übernehmen oder Alumni- Treffen zu organisieren. Wer Interesse an kann sich im Alumni-Verzeichnis über seine alumni-clubs informieren.

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