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Zeitarbeit-Firmen im Interview

„Immer noch schwarze Schafe in der Zeitarbeitsbranche“

„Immer noch schwarze Schafe in der Zeitarbeitsbranche“

In Zeiten von Fachkräftemangel und zunehmender Flexibilisierung des Arbeitsmarktes etabliert sich die Zeitarbeitsbranche am Markt immer mehr, auch als Alternative für Berufseinsteiger. Im zweiten Teil des Experteninterviews zum Thema Zeitarbeit erfährst du, wie Zeitarbeitsfirmen ihr Personal rekrutieren, wie die Übernahmechancen in eine Festanstellung sind und wie dein Kündigungsschutz in einer Zeitarbeitsfirma geregelt ist.

Wie werden die Bewerber ausgewählt? Welche Studienrichtungen haben die besten Chancen, rekrutiert zu werden bzw. welche Qualifikationen sollte man mitbringen?

DIS AG: Wir stimmen zunächst ein detailliertes Anforderungsprofil mit unseren Kunden ab. Anschließend suchen wir den geeigneten Kandidaten über unser eigenes deutschlandweites Bewerbermanagementsystem „eMaRS“. Zudem schalten wir Stellenangebote auf Jobportalen. Und wir nutzen natürlich unsere Netzwerke und Kontakte. Potentielle Bewerber prüfen wir dann auf ihre Eignung für die jeweilige Position. Dabei führen wir mit ihnen persönliche Gespräche oder Telefoninterviews und führen verschiedene Einstellungstests durch.

Wie lange sind Akademiker im Schnitt in einem Unternehmen beschäftigt? Länger als Nicht-Akademiker?

Randstad: Das kann man so pauschal nicht festlegen. Je nach Projektdauer beträgt die Einsatzdauer eines Mitarbeiters in einem Unternehmen wenige Wochen bis hin zu vielen Monaten. Viele unserer Mitarbeiter bleiben auch mehrere Jahre bei unseren Kundenunternehmen und werden dort entweder für spezielle Projekte oder zur Aufstockung des eigenen Personals eingesetzt. Besonders hoch qualifizierte Mitarbeiter arbeiten mehrere Jahre hintereinander für Projekte in einem Unternehmen.

Wie ist der Kündigungsschutz geregelt? Kann dem Arbeitnehmer gekündigt werden, wenn das entleihende Unternehmen unzufrieden ist?

DIS AG: Ist ein Kunde mit einem Mitarbeiter mal nicht zufrieden, dann ist das sicherlich kein Grund für eine Kündigung. Uns ist es wichtig, dass wir uns regelmäßig mit unseren Mitarbeitern und unseren Kunden austauschen. Wir wollen so erfahren, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt, um eventuell unterstützend eingreifen zu können. Außerdem: Genau wie bei allen anderen Unternehmen, werden auch bei der DIS AG Kündigungsfristen für die Mitarbeiter im Arbeitsvertrag geregelt.

Wie sind die Übernahmequoten für Akademiker in eine Festanstellung?

Randstad: Wenn Sie den Wechsel eines unserer Mitarbeiters zum Kundenunternehmen meinen, dann liegt der so genannte Klebeeffekt bei rund 30 Prozent. Das heißt rund 30 Prozent der Mitarbeiter werden von einem der Kundenbetriebe, bei denen sie im Einsatz waren, übernommen. Einerseits ist dies für uns ein Imagegewinn, denn es zeigt uns, dass wir unseren Job beherrschen und wir dem Mitarbeiter die optimale Stelle im Unternehmen vermitteln. Andererseits verlieren wir einen geschätzten Mitarbeiter.

Was passiert mit Akademikern, die Sie nicht vermitteln können?

Randstad: Wir kennen unsere Kundenunternehmen ganz genau, arbeiten mit den Personalabteilungen eng zusammen und wissen, welche Mitarbeiter gesucht werden und ins Team passen. Dementsprechend wählen wir unser Personal aus. Wir bewerten im Vorstellungsgespräch nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern schätzen ab, welche Stelle für den Bewerber am optimalsten ist.

Zeitarbeit hat immer noch das Image von Ausbeutung und schlechter Bezahlung. Inwiefern hat sich das in den letzten Jahren verändert?

Randstad: Längst hat Zeitarbeit dieses Schmuddel-Image abgelegt. Denn die Zeiten, als Zeitarbeitnehmer nur ungelernte Mitarbeiter und Hilfskräfte waren, sind vorbei. Zeitarbeit etabliert sich als „Chancenbieter“ für Unternehmen, die Zeitarbeit nutzen, um Innovationen und neue Projekte umzusetzen, die ohne flexiblen Personaleinsatz nicht möglich wären. Dabei wird Zeitarbeit verstärkt strategisch eingesetzt. Diese Flexibilität ist ein wesentliches Element der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in Deutschland und somit einer der Schlüssel zur Standortsicherung. Arbeitnehmern ermöglicht Zeitarbeit, sich in unterschiedlichen Projekten bei verschiedenen Unternehmen beruflich weiterzuentwickeln und entsprechende Qualifikationen anzueignen.

DIS AG: Heute sorgen Tarifverträge und arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen für ein hohes Maß an Absicherung der Mitarbeiter. Die Zeitarbeitsbranche leistet einen erheblichen Beitrag dazu, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ihnen vielfältige Berufswege und Karrierechancen aufzuzeigen.

Worauf muss ich achten, wenn ich mich für die Arbeit bei einer Zeitarbeitsfirma entscheide?

DIS AG: Leider gibt es auch heute in unserer Branche noch „schwarze Schafe“. Deshalb lohnt es sich, auf einige Punkte bei der Suche nach einem guten Zeitarbeitsunternehmen zu achten. So sollte ein Unternehmen einen Branchentarifvertrag vom Bundesverband Zeitarbeit (BZA) oder vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) anwenden. Zudem sollte es eine unbefristete Erlaubnis zur gewerblichen Arbeitnehmerüberlassung besitzen und über mehrjährige Erfahrung am Markt verfügen. Ein ISO-Zertifikat ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. Auch die Auszeichnung bei Arbeitgeberwettbewerben spricht für ein Unternehmen. Generell würde ich raten: Wenn Sie eine interessante Stellenausschreibung eines Zeitarbeitsunternehmens entdecken, dann sprechen Sie persönlich mit einem Mitarbeiter dieses Unternehmens vor Ort. So können Sie am besten feststellen, ob Ihr Ansprechpartner kompetent und serviceorientiert ist und ob Sie sich bei diesem Zeitarbeitsunternehmen wohl fühlen werden.

Wie sieht die Zukunft der Zeitarbeit aus? Wird die Zeitarbeitsbranche von der Wirtschaftskrise eher Nachteile oder vielleicht sogar Vorteile haben?

Randstad: Die Zeitarbeitsbranche ist ein Indikator für die Entwicklungen in der gesamten Wirtschaft. Geht es der Wirtschaft gut oder schlecht, macht sich dies zuerst entsprechend in der Zeitarbeitsbranche bemerkbar. Wie der Marktforscher Lünendonk prognostiziert, wird sich der Markt schnell wieder regenerieren. Denn flexible Personalkapazitäten sind eine wichtige Grundlage für zukünftige Erfolge der Unternehmen. Lünendonk schätzt, dass sich die Anzahl der Zeitarbeitnehmer trotz der Krise bis zum Jahr 2020 auf 1,4 Millionen erhöhen wird.

DIS AG: Auch wir, die sich auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften spezialisiert haben, spüren die aktuelle Wirtschaftskrise. Wir erwarten jedoch mittelfristig eine Entspannung der Situation. Zeitarbeit als moderne Beschäftigungsform zeichnet sich durch ein hohes Maß an Flexibilität aus und hilft so vielen Firmen, die Wirtschaftskrise zu überstehen. Zwar sind Zeitarbeitnehmer momentan häufiger von Kündigungen betroffen. Sie werden aber wieder als erste eingestellt, sobald sich die Wirtschaft erholt. Zudem sind hoch qualifizierte Fachkräfte, wie die DIS AG sie vermittelt, generell weniger von der Krise betroffen.

>> Der erste Teil des Experteninterviews zur Zeitarbeit erklärt das Prinzip Zeitarbeit und zeigt die Vorteile von Zeitarbeit für Hochschulabsolventen auf.

>> Lies auch: Zeitarbeit eine Alternative für Akademiker?

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