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Experten-Interview

„Zeitarbeit ein Sprungbrett in den Beruf“

„Zeitarbeit ein Sprungbrett in den Beruf“

Über das Thema Zeitarbeit scheiden sich wahrlich die Geister. Während die einen Zeitarbeit durchaus für eine Alternative zur Erwerbslosigkeit oder den Berufseinstieg halten, verteufeln sie andere als Ausbeutung der Arbeitskraft. Doch in Zeiten von Wirtschaftskrise und Arbeitsmarktflexibilisierung müssen auch Hochschulabsolventen alle Möglichkeiten des Berufseinstiegs prüfen und sich umfassend informieren. Deshalb sprachen wir vom ABSOLVENTA-Karriereblog mit zwei Vertretern großer Zeitarbeitsfirmen in Deutschland. Reno Nimmrichter, District Manager bei Randstad in Berlin und Sabine Hager, Geschäftsbereichsleiterin Office & Management der DIS AG in Köln.

Erklären Sie uns bitte in der gebotenen Kürze das Prinzip der Zeitarbeit.

Randstad: Zeitarbeitnehmer sind fest angestellte Mitarbeiter eines Personaldienstleisters, die in der Regel für verschiedene Kundenunternehmen entsprechend dem Bedarf und der Qualifikation im Einsatz sind.

DIS AG: Das Bild der Zeitarbeit hat sich längst von der „Arbeit auf Zeit“ zum flexiblen und zeitgemäßen Beschäftigungsmodell gewandelt. Denn es handelt sich in der Zeitarbeit nicht mehr nur um kurzfristige Einsätze. Bereits heute setzen immer mehr Unternehmen flexibles Personal ein, um ganze Projekte langfristig zu realisieren.

Welche Unternehmen/Branchen greifen in besonderem Maße auf Zeitarbeiter zurück?

DIS AG:
Laut der aktuellen Lünendonk-Studie sind die Top 10 Branchen, die Zeitarbeit als flexible Lösung nutzen:

Sabine_Hager_DIS_AG

1. Industrie
2. Transport/Logistik
3. Baunebengewerbe
4. IT/Telekommunikation
5. Automobil
6. Sonstige Dienstleistungen
7. Handel
8. Banken/Versicherungen
9. Energie/Umwelt
10. Öffentliche Dienstleistungen


Randstad: Je nach Region und Wirtschaftsstruktur sind die Personalanforderungen international und national tätiger Unternehmen unterschiedlich geprägt. Während beispielsweise im Norden Deutschlands Personal für die Dienstleistungsbranche benötigt wird, sucht man im Süden Mitarbeiter für die verarbeitende Industrie. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Fachkräftemangels sind natürlich in erster Linie aber Ingenieure und Techniker gefragt.

Ist Zeitarbeit ein guter Berufseinstieg für Hochschulabsolventen? Wenn ja, Warum?

Randstad: Gerade für Hochschulabsolventen ist Zeitarbeit mehr als nur ein Sprungbrett in den Beruf. Absolventen können bei uns die eigenen Fähigkeiten austesten und wertvolle Berufserfahrung sammeln, um sie als Qualifikationsvorteil gegenüber Mitbewerbern einzubringen. Wer sich noch nicht sicher ist, was er machen will, kann auf diese Weise verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Absolventen lernen über uns unterschiedliche Unternehmen kennen und werden bei Eignung auch von einem großen Unternehmen übernommen, bei dem sie über den klassischen Web der Bewerbung keine Chance gehabt hätten.

DIS AG: Für hochqualifizierte Bewerber lohnt sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Personaldienstleistern. Denn diese kennen die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Mitarbeiter und vermitteln sie so in maßgeschneiderte und herausfordernde Projekte bei ihren Kundenunternehmen. Dies bietet vielen Absolventen eine gute Chance, einen Einstieg ins Berufsleben zu finden.

Wie hat sich der Anteil an Akademikern im Bereich der Zeitarbeit in den letzten Jahren verändert?

Reno Nimmrichter von Randstad, Berlin

Randstad: Unternehmen arbeiten heutzutage fest mit Personaldienstleistern zusammen. So hat sich die Anzahl der Akademiker in Zeitarbeitsverhältnissen in den letzten Jahren stetig erhöht. Denn Zeitarbeit hat Vorteile für alle Beteiligten. Hochschulabsolventen müssen sich nicht gleich zu Beginn auf ein Unternehmen festlegen. Sie können verschiedene Branchen und Firmen ausprobieren und Kontakte in die Industrie aufbauen.

DIS AG: Die Zeitarbeitsbranche hat sich gewandelt und es werden zunehmend hochqualifizierte Mitarbeiter vermittelt. Allein bei uns sind über ein Fünftel der bundesweit rund 10.000 Zeitarbeitnehmer Hochschul- bzw. Fachhochschulabsolventen.

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten für Akademiker? Gibt es Nachteile gegenüber einer Festanstellung?

DIS AG: Zeitarbeitnehmer erhalten bei uns eine adäquate Bezahlung, viele Zusatzleistungen und einen tariflich geregelten Arbeitsvertrag, an dessen Umsetzung wir maßgeblich beteiligt waren: Viele der bei dem Unternehmen bereits bestehenden arbeitsvertraglichen Regelungen wurden 2004 in den Tarifvertrag vom Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) aufgenommen und sind damit zum Standard für den größten Teil der Branche der Personaldienstleister geworden.

Randstad: Unsere Mitarbeiter sind bei uns festangestellt – mit allen Rechten und Pflichten. Als Impulsgeber für den Arbeitsmarkt haben wir bereits im Jahr 2000 einen flächendeckenden Tarifvertrag mit ver.di abgeschlossen, der als Grundlage für die geltenden tariflichen Regelungen in der gesamten Branche diente. Die Entlohnung der Mitarbeiter richtet sich demnach bei uns nach diesem Tarifvertrag zwischen dem BZA und den DGB-Gewerkschaften. Ausschlaggebend für die Höhe des Gehalts ist neben der Qualifikation natürlich die Position, auf der der Mitarbeiter eingesetzt ist. Wie andere Unternehmen auch, zahlen wir marktübliche Gehälter. Leider ist die Zeitarbeitsbranche aber mit unterschiedlichen Tarifverträgen sehr heterogen und es gibt schwarze Schafe, die Löhne zahlen, die unter der Tarifvereinbarung zwischen Branchenverband und Gewerkschaft liegen.

>> Im 2. Teil des Experteninterviews zur Zeitarbeit erfährst Du, wie die Übernahmechancen für Akademiker in eine Festanstellungen sind, wie lange Akademiker durchschnittlich in einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt werden, und wie es um den Kündigungsschutz für Zeitarbeiter bestellt ist.

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