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Horst Kaltenbach im Interview

„Die wichtigste Disziplin in der Karriere ist, wie mich andere empfinden“

„Die wichtigste Disziplin in der Karriere ist, wie mich andere empfinden“

Die eigenen Stärken für den Berufseinstieg und die Karriere zu nutzen, klingt oftmals leichter als es ist. Denn die Selbsteinschätzung bedarf einiger Übung und dann müssen die gewonnenen Erkenntnisse anderen auch noch glaubwürdig vermittelt werden. Die Jobbörse ABSOLVENTA sprach mit dem „Karriere-Doc“ Horst Kaltenbach darüber, wie Du Deine Stärken, Talente und Kompetenzen nicht nur erkennst, sondern sie bei Bewerbung und Karriere auf noch sinnvoll nutzen kannst. Außerdem gibt er Tipps, wie Du Dich selbst motivierst und mit Konkurrenz unter Kollegen umgehst.

Wenn ich als Absolvent die Hochschule verlasse, wie kann ich dann meine beruflichen Stärken einschätzen, wenn ich noch kein Berufserfahrung habe?

Berufliche Stärken bestehen aus dem Talent, dem erworbenen Sach-/Fachkompetenzen, also Know-how und Wissen, sowie Sozialkompetenzen, sprich Dialog-, Team- und Führungsfähigkeiten.

Ihr Talent können Sie mit einigen Analysen schnell ermitteln. Es sind diejenigen „Stärken“, die mit Wissen nichts zu tun haben. Beispielsweise die Fähigkeit logisch, analytisch zu denken. Oder die Begabung schnell ein Gefühl für andere Menschen zu entwickeln. In meinem Buch „Persönliches Karrieremanagement“ gibt es dazu Übungen, mit denen das Talentprofil gut zu ermitteln ist. Talent hat viel mit dem jeweiligen Menschentyp gemeinsam, die Psychologie C. G. Jungs liefert da viele Erkenntnisse.

Ihre Sachkompetenz ist im Resümee der Kern all dessen, was Sie in Ausbildung oder Studium gelernt und geübt haben. Das sollten Sie auf einer viertel Seite einmal formulieren, zusammenfassen.

Ihre Sozialkompetenz, Ihre Kompetenz zur Gestaltung von Beziehungen geht grundsätzlich aus Ihrem Talentprofil hervor, kann aber auch trainiert werden. Bei einem Mangel an Empathie, dem Gefühl für andere, kann ein guter Trainer zumindest durchschnittliche Fähigkeiten herstellen. In Diskussionen mit Studienkollegen, in Seminaren, in Freizeitgruppen können Sie sich einschätzen, inwieweit Sie mit Beziehungen umgehen können.

Gut, nun habe ich meine Stärken erkannt. Wie setze ich sie bei der Suche nach dem Traumjob um?

Sehen Sie sich die Jobbeschreibung genauestens an. Welche Fähigkeiten sind hauptsächlich gefragt? Passen Ihre Fähigkeiten gut dazu? Hinterfragen Sie das auch im Bewerbungsgespräch genau. Sodann müssen Sie sich ein Bild vom Unternehmen machen. Welchen Eindruck macht die Firma auf Sie? Die Webseite sagt schon viel aus.

Sind Sie zum Beispiel ein recht kreativer Mensch und das Unternehmen stellt sich sehr formal, ohne Emotionen dar, so werden Sie sich dort wahrscheinlich nicht wohl fühlen. Checken Sie im Gespräch die Gesprächspartner daraufhin durch! Lesen Sie in ihren Gesichtern. Studieren Sie ihr Verhalten. Beobachten Sie, wie sie mit ihrer Umgebung umgehen.

Wie kann ich meine selbst entdeckten Stärken im Vorstellungsgespräch am besten definieren, ohne prahlerisch zu wirken?

Fragen Sie: „Worauf kommt es Ihnen für die Aufgabe am meisten an?“. Hören Sie der Antwort gut zu. Fragen Sie nach, wenn die Antwort zu allgemein bleibt. Dann kommentieren Sie ehrlich, offen, inwieweit und warum Sie dafür geeignet sind. Stärken ohne Relation zu schildern, ist nutzlos.

Und wenn während der Bewerbung auch die Frage nach meinen Schwächen gestellt wird, wie gehe ich darauf ein?

Angenommen Sie sind ein recht unternehmerischer, ideenreicher Typ. Dann antworten Sie in etwas so: „Ich kann Ihnen eine Empfindung mitteilen, was ich weniger gerne mag, was mir weniger liegt. Beispielsweise ständig im Detail herumkramen. Wenn ich das im Job ständig tun sollte, wäre es der falsche Job. Das können Sie als Schwäche auslegen. Aber Sie beschreiben in Ihrem Angebot ja eine stark kreative Herausforderung. Dies liegt mir“. Schwächen sind wie Stärken immer relativ.

Wenn ich mir nur meiner Stärken bewusst bin, werde ich dann vielleicht zu stolz bzw. unrealistisch in meiner Selbsteinschätzung?

Wenn Sie sich Ihrer Stärken bewusst sind, sind Sie sich auch Ihrer Schwächen bewusst. Wobei Schwächen ein ungünstiger Ausdruck ist. „Was liegt mir weniger und wo übertreibe ich?“ Das geht in Richtung Schwächen. Wenn ich nur in dem lebe, was mir liegt, verliere ich den Blick für andere Stärken. Das wird gefährlich im Beruf. Und wenn ich meine Stärken übertreibe, verliere ich an Sympathie. Wenn der Kopfmensch zu anderen stets auf Distanz geht, gilt er als Team-ungeeignet, als „Mind Fucker“.

Lohnt es sich, meine Stärken nach gewisser Zeit zu überprüfen, ob sie überhaupt zutreffen?

Aber sicher. Manchmal sind Stärken eine Einbildung, auch wenn sie per Analyse ermittelt wurden. Beispielsweise eine durch die Erziehung entstandene Einbildung, sogenannte „Einprägungen“ durch Vater oder Mutter. Im Berufsweg erfahren Sie das meist durch Konflikte, dass Sie einer Selbsttäuschung unterliegen. Dann müssen Sie sich mit „Fremdbildhilfe“ Ihr Selbstbild zurechtrücken. Nicht selten, dass Männer dann erkennen, „Ich bin ein sensibler Mensch, statt ein beinharter Typ“. Denn letztes ist so eine Art Wunschimage für viele Männer.

Wie kann ich mich aus einem Tief heraus mit meinen eigenen Stärken motivieren?

Erinnern Sie sich an ein Erfolgserlebnis. Erinnern Sie sich, mit welchen Ihrer Stärken Sie zu Ihrem Erfolg kamen. So betreiben Sie den Aufbau eines „Ressource Zustandes“. Dann gehen Sie mit genau diesen Stärken in Ihr Tief, in die negativen Vorstellungen und löschen dadurch das negative Bild.

Wie mache ich im Berufsalltag meinem Kollegen klar, dass ich etwas besser kann bzw. dass seine Stärken woanders liegen?

Spreche Sie mit ihm ganz offen darüber. „Wie können wir unsere Arbeitsteilung mit unserer Stärkenteilung verbessern?“

Die Psychologie spricht von Selbstbild, Fremdbild und angenommenem Fremdbild. Wie kann ich diese drei Sichtweisen verbinden?

Fremdbild ist die Antwort auf die Frage, wie mich andere empfinden. Die wichtigste Disziplin in der Karriere ist genau diese Frage! Nur dann kann ich ermitteln, was ich an mir für meinen Erfolg ändern sollte. Nur dann kann ich mein Selbstbild zurechtrücken. Nur dann kann ich meine Fantasie, was andere von mir denken, der Wirklichkeit anpassen. Deshalb ist die Fremdbildermittlung der Kern jedes Team-/ Führungs- und Kommunikationstrainings.

Horst Kaltenbach berät bei Bewerbung und Karriere. Auf seiner Webseite Kaltenbach Consulting bietet er verschiedene Hilfsmittel zur Selbsteinschätzung an. Sein Buch: Persönliches Karrieremanagement. Wie Karriere heute funktioniert - Einsichten und Tools vom Karriere-Doc, Gabler Verlag 2008, 184 Seiten, 24,90 Euro.

 

 

 

 

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