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Svenja Hofert im Interview

„Absolventen wissen oft nicht, was sie können“

„Absolventen wissen oft nicht, was sie können“

Svenja Hofert ist seit vielen Jahren Karrierecoach und berät bei Bewerbung, Weiterentwicklung im Job und Existenzgründung. Sie teilt ihr umfassendes Wissen regelmäßig in ihrem Blog und hat mittlerweile 15 Bücher zu diesem Themen veröffentlicht. Mit ABSOLVENTA spricht die „Karriere-Fachfrau“ über Jobs für Absolventen, die Finanzkrise und den neuen US-Präsidenten.

Frau Hofert, Sie haben ein Buch über die Bewerbung in Zeiten des Web 2.0 geschrieben. Was ist so anders, als vor wenigen Jahren?

Neu ist das Bewerbercasting im Internet. Personaler schauen sich bei Xing um, wer auf die offene Stelle passt. Das spart Kosten für die Anzeige. Neu ist auch das Networking, das Beziehungen sichtbar macht und ein viel intensiveres Empfehlungsmanagement bedingt. Man wird für einen Job empfohlen. Und natürlich die Selbstdarstellungsmöglichkeiten mit Video und Blogs. Das bietet Bewerbern die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.

Können Sie uns je drei Do‘s und Don’ts im Bewerbungsprozess nennen?

Do´s:

1) Sich vorher ganz genau überlegen, wo man hin will.

2) Verkaufsargumente auf den Leser zugeschnitten formulieren – die meisten schreiben egozentriert.

3) Sich frei machen von dem Gedanken, man müsse sich immerfort nur verkaufen. Ist ein Irrglaube. Manch natürliche Bewerbung kommt viel besser an. Das gilt genauso fürs Vorstellungsgespräch.

Don´ts:

1) Sich auf alles bewerben, was halbwegs passt

2) Sich so gut auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten, dass am Ende die Persönlichkeit nicht mehr erkennbar ist. Das ist dann nicht fassbar für die Arbeitgeber.

3) Zu schnell aufgeben.

Was unterscheidet allgemein die Jobsuche eines Studenten bzw. Absolventen von jemand, der eine Berufsausbildung gemacht hat?

Der Absolvent hat keine oder nur wenig konkrete Berufserfahrung. Er muss sich oft noch finden. Ganz viele wissen nicht wirklich, wo sie arbeiten wollen und was die eigenen Kompetenzen sind. Mit Berufsausbildung hat man sich und seine Kompetenzen da oft schon eher gespürt.

Wie steht es um die verschiedenen Berufsgruppen? Gelten andere Regeln für ITler, Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure als für Geistes- und Sozialwissenschaftler?

Geistes- und Sozialwissenschaftler haben es am Arbeitsmarkt sehr viel schwerer, aber sie haben auch eine größere Chance, sich auf sich selbst und die Kernkompetenzen und damit die eigenen Ziele zu besinnen. Sie müssen das, sonst finden Sie nur Aushilfsjobs. Sie müssen auch früher und mehr praktische Erfahrung sammeln, extrovertierter sein, pfiffiger und findiger. Für Wirtschaftswissenschaftler gilt das in sehr viel geringerem Maße. Die stolpern oft irgendwo rein und fragen sich dann „huch, wie komme ich aus dieser beruflichen Ecke wieder raus?“ Ingenieure finden (meist) was, aber ihr Selbstfindungsprozess mit der zentralen Frage „wo will ich hin?“ beginnt meist erst nach einigen Jahren im Job.

Ist die Zukunft die des Freiberuflers oder lohnt es sich als Akademiker, eine Festanstellung anzustreben?

Das ist ganz klar eine Persönlichkeitsfrage. Man braucht eine bestimmte Freiberufler- oder Unternehmerpersönlichkeit, das ist einfach nicht jedem gegeben. Entscheidend ist letztendlich, welche Karriereanker einen antreiben. Wer Autonomie liebt, mag meist auch das freiberufliche Dasein. Angestellte haben in aller Regel ein höheres Sicherheits- und oft auch Statusbestreben. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Beispiele aus der IT Schule machen werden. Dort arbeitet man oft zwischen den Stühlen: steuerlich freiberuflich, aber letztendlich sehr angestelltenähnlich. Das ist eine Art von Tätigkeit, die viele sehr schätzen: man bekommt mehr Abwechslung, meist spannendere Projekte und oft eben auch mehr Geld.

Die Finanzkrise 2008 hat große Teile der Wirtschaft getroffen. Ist es jetzt schwerer, neue Jobs zu bekommen?

Ja, es ist deutlich schwerer geworden, vor allem auch für Absolventen – aber nicht nur. Meine Kunden merken sehr deutlich, dass die Unternehmen zögern, einzustellen. Geplante Einstellungen werden herausgeschoben oder dann doch nicht besetzt. Und dann kommt es jetzt auch zu den ersten Kündigungen.

Reden wir über Vorbilder. Was hat Barack Obama bei seiner Bewerbung um den Job des US-Präsidenten richtig gemacht? Und was John McCain falsch?

Barack strahlt unendlich viel Souveränität aus. Ich finde ihn als Persönlichkeit gar nicht mal so besonders strahlend, es ist eher diese Festigkeit im Ausdruck. Außerdem hat er die richtigen Berater, die passenden Leute um sich. Und das ist ja ein Riesen-Apparat. Die Personalauswahl war einfach auch sehr clever. Barack traut man was zu. McCain wirkt unsouverän, ja tölpelhaft. Und er hat eine lausige Personalpolitik. Sarah Pallin ist wahrlich eine Witzfigur.

Was würden Sie in Ihrem Lebenslauf hervorheben, wenn Sie sich nochmal bewerben müssten?

Ich will mich nie mehr bewerben – ich bin nämlich jemand mit einem starken Karriereanker im Bereich der Autonomie. Deswegen würde ich es auch gar nicht nötig finden, irgendetwas hervorzuheben. Sollen die anderen es bei mir finden ;-)

Personaler googeln immer öfter nach den Bewerbern. Der virtuelle Ruf im Internet wird immer wichtiger. >> Tipps zum Online Reputation Management.

Der ABSOLVENTA Karriere-Guide gibt Dir noch viel mehr hilfreiche Tipps zum Thema Vorstellungsgespräch und Bewerbung.

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