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Prof. Nathusius im Interview

„Ich rate Absolventen zum Berufseinstieg im Mittelstand“

„Ich rate Absolventen zum Berufseinstieg im Mittelstand“

Prof. Dr. Klaus Nathusius lehrt an den Universitäten Göttingen und Kassel im Fachbereich „Entrepreneurship und Entrepreneur Finance“. Zudem ist er Gründer der GENES GmbH Venture Services in Köln. Im Interview mit der Jobbörse ABSOLVENTA erklärt er, was Absolventen, die sich selbstständig machen wollen, zwingend beachten sollten und sagt, warum er seinen Studenten empfiehlt, ihre berufliche Karriere nicht in den großen Konzernen sondern im Mittelstand zu starten.

Hallo Herr Nathusius, was raten Sie Ihren Studenten, die mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen? 

Grundsätzlich gilt: Niemals gründen, ohne dass man sehr genaue Kenntnisse des Marktes hat. Deutschland ist eines der wenigen Länder, das sehr traditionelle und risikoscheue Kunden hat. Ich sehe häufig interessante Gründungskonzepte, doch dann denke ich, „Das sollte man eigentlich in den USA und nicht in Deutschland machen“. Es gilt also, den Markt realistisch einzuschätzen. Im Zweifelsfall besser nicht die Super-Neuigkeit anbieten, die den Kunden überfordern würde, sondern ihm ein Produkt nahelegen, das er auch annimmt. Außerdem sollten Gründer immer einen ausgearbeiteten Businessplan haben. Und als drittes sollten Gründer über ein großes persönliches Netzwerk verfügen, denn die Kontakte können überaus wertvolle Türöffner sein.

Das reicht aber noch nicht.

Nein, es gehört natürlich noch mehr dazu. Zunächst muss man ein überzeugendes Geschäftsmodell definieren. Darüberhinaus muss sich ein Gründer die Frage stellen: „Kann ich mit dem, was ich da mache, letztendlich überzeugend Gewinn erzielen?“ Also bitte nicht das 40. Internet-Flirtportal eröffnen! Wo soll man denn damit noch Geld verdienen?

Wie sollte ein Gründerteam zusammengesetzt sein?

Es braucht Leute mit ganz unterschiedlichen Erfahrungshintergründen. Das wird extrem unterbewertet. Gründerteams sind viel zu häufig unglaublich stümperhaft zusammengestellt. Oftmals besteht das Gründerteam aus Leuten, von denen man annehmen könnte, es wären Klone. Keine Spur von Heterogenität.

Wie und wo kommen Gründer an Mitstreiter, Partner und Mitarbeiter?

Normalerweise sucht man zunächst in seinem persönlichen Umfeld. Das hat den riesigen Vorteil, dass da in der Regel schon eine Vertrauensbasis gibt. Daneben gibt es dafür verschiedene Dienste und Jobbörsen im Internet. Als dritte Möglichkeit bietet es sich an, Messen, Branchen-Events, Seminar-Veranstaltungen zu besuchen. Dort trifft man häufig auf Menschen, die in die gleiche Richtung wollen und die ihren Fokus auf das gleiche Marktsegment gerichtet haben. Übrigens gründen wir momentan ein Unternehmen zur Team-Diagnose und zum Team-Matching, das sich genau dieser Thematik annimmt.

Ist die Arbeit in einem Start-Up, ob als Gründer oder „normaler“ Mitarbeiter auch eine Art Typenfrage?

Da ist sicher etwas dran. Man sagt ja so schön, wer drei Jahre in einem Konzern gearbeitet hat, der ist fürs echte Leben versaut. Ich empfehle Hochschul-Absolventen, bei ihrem Berufseinstieg nicht zu einem Konzern zu gehen, sondern zu kleineren Unternehmen. Dort können sie das Unternehmen noch als Ganzes überblicken, stehen in persönlichem Kontakt zur Geschäftsführung, können beobachten, wie eine Firma wächst und wie das Unternehmen in andere Entwicklungsphasen eintritt. Das alles ist spannend und sehr lehrreich, in großen Konzernen aber so gut wie unmöglich.

Viele Absolventen glauben, dass die Arbeitsplätze in großen Konzernen sicherer sind.

Das ist ein Mythos. Heutzutage ist keiner mehr sicher, auch die Großen entlassen die Leute reihenweise. Der Mittelstand hat in diesen Tagen in Hinblick auf das Recruiting von jungen Absolventen sicher gute Chancen, und das ist auch meine Empfehlung an die Berufseinsteiger.

Viele Absolventen wollen unbedingt einen großen Namen in ihrer beruflichen Vita haben und versprechen sich dadurch dauerhaft bessere berufliche Perspektiven.

Das kann durchaus funktionieren, aber für mich wäre das nichts. Wenn man sich die Vorstände der DAX-Konzerne anschaut, stellt man fest, dass sie primär in der Mischpoke der Konzerne groß geworden und weitergereicht worden sind. Da sind kaum Gründer dabei oder Leute, die aus dem Mittelstand kommen. Man kann also auch auf diesem Weg sehr erfolgreich sein, in meiner Sicht ist diese Art des beruflichen Werdegangs jedoch nur die zweite oder dritte Wahl. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

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