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Experten-Interview

Absolventen als Vorreiter der Digitalen Transformation

Absolventen als Vorreiter der Digitalen Transformation

Ausgelöst durch digitale Medien und das Internet verändert die Digitale Transformation langfristig die Struktur und Kultur von Unternehmen zu vollständig vernetzten digitalen Organisationen. Welche Bedeutung die Notwendigkeit einer „Digital Strategy“ für Unternehmen hat und welche neuen Jobs die Digitale Transformation für Absolventen mitbringen kann, erklärt Prof. Dr. Herbst im Experteninterview mit ABSOLVENTA. Prof. Dr. Herbst ist Marken- und Kommunikationsexperte und Leiter des Masterstudiengangs „Leadership in Digitaler Kommunikation“ an der Universität der Künste Berlin. Als Berater hilft er Unternehmen dabei, ihre Strategie an digitale Erfordernisse anzupassen. 

Hallo Herr Professor Herbst. Die Digitale Transformation nimmt einen wichtigen Stellenwert in der öffentlichen Diskussion ein. Bekannte Unternehmen, wie PwC und die deutsche Telekom, beschäftigen sich intensiv damit eine „Digital Strategy“ für ihr Unternehmen zu entwerfen. Wie müssen Unternehmen aus Ihrer Sicht auf die Digitale Transformation reagieren?

Die digitale Transformation kommt auf alle Unternehmen zu - egal wie groß sie sind und in welcher Branche sie tätig sind. Die Konsequenzen sind umfassend: Sie reichen von technologischen Folgen über organisatorische Folgen wie veränderte Rollen und Verantwortlichkeiten, neue Prozesse und Strukturen bis hin zu Veränderungen in der Kultur und der Kommunikation von Unternehmen. Unternehmen müssen sich für ihren eigenen Weg in die digitale Zukunft entscheiden, hierbei aber flexibel bleiben, um auf Veränderungen zu reagieren.

Bei der Frage, wie Unternehmen ihre „Digital Strategy“ einschätzen, geben 42 Prozent der Unternehmen an, dass sie sich als „Mitläufer“ der Digitalen Transformation sehen. Fast ebenso viele – 39 Prozent – sehen sich als „aktive Gestalter“. Welche Veränderungen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch diese Selbsteinschätzung auch in der Unternehmenskultur?

Digitale Transformation bedeutet grundlegende und umfassende Veränderungen für die Unternehmenskultur: Digitale Transformation bringt geringere Machtdistanz, vor allem durch mehr Kooperation auf Augenhöhe in Teams. Sie erfordert mehr Wir-Gefühl und interdisziplinäre Zusammenarbeit, weil nicht eine Disziplin allein die Herausforderungen durch die digitale Transformation lösen kann. Unsicherheit wird enorm steigen durch die dynamische Entwicklung aufgrund der digitalen Transformation und damit die Fähigkeit, diese Unsicherheit auszuhalten und unter diesen Bedingungen weitreichende Entscheidungen zu treffen - dies erfordert in vielen Unternehmen eine massive Veränderung im Hinblick auf ihre Einstellungen, denn bisher herrscht in den Unternehmen Kontrolle und das Bedürfnis nach Absicherung.

Eine Veränderung in der Unternehmensstruktur bedeutet immer auch eine Veränderung auf Ebene der Arbeitnehmer. Wie wird sich die tägliche Arbeit der Mitarbeitenden durch die Digitale Transformation verändern?

Ich möchte zwei Beispiele herausgreifen: Erstens, die tägliche Arbeit wird sich im Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich ändern, weil durch die Digitalisierung viele Wissensarbeiten wegfallen. Studien zeigen, dass es Berufe wie den Steuerberater in einigen Jahren nicht mehr geben wird, weil die Steuererklärung mit Hilfe digitaler Tools erstellt wird. Zweitens, in der Produktion werden viele Arbeiten von Menschen durch Roboter ersetzt. Aktuelle Beispiele in China lassen erahnen, wie viele Arbeitsplätze dies kosten wird. Das Arbeitsumfeld wird sich ändern durch neue Formen der Zusammenarbeit: Zu nennen sind hier vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit und neue Formen der Tele- bzw. Heimarbeit.

Wenn sich die Struktur von Unternehmen ändert, müssen sich die Mitarbeiter an die „Digital Strategy“ anpassen. Aus Ihrer Sicht als Berater, über welche Kompetenzen müssen Mitarbeiter zukünftig verfügen?

Über die Fachkompetenz hinaus müssen Mitarbeitende künftig über deutlich mehr Methodenkompetenz verfügen, zum Beispiel für die veränderte Strukturierung der Arbeit. Durch die stärkere Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams sind immer mehr soziale Fähigkeiten gefragt. Methoden wie das Design Thinking beruhen hierauf. Die Anforderungen an die Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz werden sich also ändern. Diese neuen Kompetenzen können wir als „Digital Literacy“, also die Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien und digitalen Technologien, bezeichnen. Diese sollte schon in der Schule vermittelt werden.

Bleiben wir bei der Frage nach den Kompetenzen: Die Digitale Transformation befindet sich gerade erst im Prozess und Unternehmen fangen an darauf zu reagieren, indem Unternehmen wie Detecon Jobs für die Digitale Transformation ausschreiben und damit vor allem auf neue Mitarbeiter setzen. Welche Erwartungen werden aus Ihrer Sicht an die kommenden Absolventen gestellt?

An Absolventen werden künftig sehr hohe Anforderungen gestellt: Sie sollten die Bedeutung der Digitalisierung für Unternehmen in ihren Dimensionen kennen und in der Lage sein, die Digitalisierung angemessen zu leben. Die Anforderung wird auf Absolventen zukommen, Unternehmen durch die Digitalisierung zu begleiten, also als Vorreiter in der Lage zu sein, den "Rest" des Unternehmens erfolgreich durch die Digitalisierung zu führen. Führen in virtuellen Teams ist eine weitere Herausforderung. Gerade für diese Erfordernisse bildet unser Masterstudiengang „Leadership in Digitaler Kommunikation“ kommende Führungskräfte aus. Grundsätzlich wird die „T-Bone“-Qualifikation sein: breit aufgestellt, aber besondere Kenntnisse auf einem Gebiet.

Gerade durch die verbreitete Internetaffinität der Generation Y bringen diese ein großes Potenzial für die Digital Strategy von Unternehmen mit. Wie schätzen Sie als Professor das Bewusstsein der Studenten für die Digitale Transformation ein? Gibt es den Willen, die Digitale Transformation aktiv mitzugestalten?

Soweit ich beobachten kann, sind die Kenntnisse über die weitreichenden Konsequenzen der Digitalisierung nicht in vollem Umfang bekannt. Das aktive Mitgestalten setzt die entsprechende Einstellung und Persönlichkeit der Personen voraus, die Psychologie nennt diese „Gestaltungsorientierte“. Wir wissen aus der Forschung, dass es neben diesen Gestaltern aber auch „Lageorientierte“ gibt, die eher passiv sind. Sie haben große Probleme mit Veränderungen und müssen durch die Transformation geführt werden.

Schaut man sich an, welche Job-Bereiche Unternehmen als besonders wichtig für die Digitale Transformation erachten, definieren 58 Prozent der befragten Unternehmen das Thema der Digitalen Transformation als ein „IT-Paradigma“. Spricht das Thema der Digitalen Transformation wirklich nur IT-Studenten an? Oder gibt es insgesamt Fachbereiche, die für Unternehmen interessanter werden?

Nein! Digitale Transformation betrifft alle Funktionen im Unternehmen: von der Forschung und Entwicklung über Produktion und Marketing, aber auch die Human Relations und die Verwaltung. Sie betrifft das Management, das Leadership, Gestaltung und Kommunikation und Projektmanagement. Beispiel Forschung und Entwicklung: Hier werden künftig bahnbrechende disruptive Innovationen gefragt sein, die ganze Branchen ändern. Durch Open Innovation beziehen Unternehmen Ihre Kunden und andere Externe in die Forschung ein und durch Crowdsourcing wird die Intelligenz und die Kreativität der Masse für Innovationen genutzt.

Seit Jahren wird propagiert, dass die Wirtschaft und die Wissenschaft mehr miteinander arbeiten müssen; als Ansätze haben sich zum Beispiel Duale Studiengänge herausgebildet. Auch im Hinblick auf Jobs in der Digitalen Transformation wird akademisches Wissen immer mehr gefragt sein. Welche Auswirkungen können sich aus Ihrer Sicht als Professor daraus auch für die Lehre an Universitäten ergeben?

Akademische Lehre hat sich in den vergangenen Jahren bereits stark verändert: Sie ist wesentlich anwendungsnaher geworden. Für die Herausforderungen der Zukunft sind an Universitäten gut ausgebildete Absolventen gefragt; diese müssen die erworbenen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen. Aus diesem Grund finden immer mehr Labs, Projekte, Veranstaltungen in Kooperationen von Universitäten mit der Industrie statt. In Forschungsprojekten werden die Veränderungen durch die digitale Transformation untersucht sowie die Erfolgsfaktoren, wie eine „Digital Strategy“ in der Praxis gelingen kann. In unserem Studiengang leben wir, wie akademisches Wissen Fragen aus der Praxis beantworten und Probleme lösen kann.

Als Abschluss-Frage ein Tipp für kommende Absolventen: Gibt es aus Ihrer Sicht Möglichkeiten für Studenten, eine „Digital Strategy“ für sich zu entwerfen?

Digitale Transformation wird enorm viele gut ausgebildete Arbeitskräfte erfordern. Schon derzeit fehlen 20.000 Experten in der digitalen Wirtschaft - Tendenz steigend. Hier öffnet sich also ein riesiges Berufsfeld mit ausgezeichneten Entwicklungsmöglichkeiten. Eine weitere Möglichkeit ist, seine eigene Arbeit auf der Digitalisierung aufzubauen, sei es als Solopreneur, der in Einzelarbeit digitale Produkte herstellt und entwickelt. Digitale Produkte werden aber auch die gesamte Arbeit vereinfachen, vorausgesetzt, man verfügt über Digital Literacy. Diese Digital Literacy lässt sich über Studiengängen wie unser Masterstudium hervorragend auch berufsbegleitend aneignen.

Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

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