Arbeiten am Limit: Gefahr für die Gesundheit

Arbeiten am Limit: Gefahr für die Gesundheit

Leistungsdruck, Überforderung und Selbstüberschätzung: Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und BARMER GEK (März 2015) zur Situation der Arbeitnehmer zeichnet ein negatives Bild der Arbeitsbelastung.

Stress am Arbeitsplatz: Erfolg vor Gesundheit

Mit der Thematisierung vom Burnout-Syndrom in der medialen Öffentlichkeit rückten in den letzten Jahren auch Stress und Belastung am Arbeitsplatz zunehmend in den Fokus. In vielen Unternehmen wird das Thema ‚Gesundheit am Arbeitsplatz’ dennoch weiterhin stiefmütterlich behandelt. So ergab die repräsentative Studie, dass ein Viertel der 1.000 Befragten Erwerbstätigen bei der Arbeit ein Tempo vorlegt, das, laut eigenen Einschätzungen, langfristig nicht durchzuhalten sei. Ganze 18 Prozent gaben sogar an, bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen. Auch in den Pausen offenbart sich der Leistungsdruck: 23 Prozent der Befragten gaben an, sich erst gar keine Erholungszeit zu nehmen. Ein klares Zeichen für eine Überbelastung.

Selbstgefährdendes Verhalten am Arbeitsplatz

Fast die Hälfte der Befragten (42 %) merkte an, dass ihr Arbeitsumfeld durch steigende Leistungs- und Ertragsziele geprägt sei. Durch diese wachsenden Anforderungen werde der Stress permanent erhöht. Die Erwartungshaltung an den Arbeitnehmer wächst. Erfüllt er das neu gesetzte Ziel, so wird das Geleistete zum neuen Standard und muss bald wieder übertroffen werden, bilanziert die Studie die Arbeitstendenzen.

Es verwundert nicht, dass jemand, der keine Pause macht und am Limit arbeitet, sich auch nicht von einer Krankheit verhindern lässt. Jeder achte Arbeitnehmer geht auch krank zur Arbeit. Damit gefährdet die Person nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der Kollegen. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von ‚selbstgefährdendem Verhalten’. Darunter werden der Verzicht auf Erholung, der Missbrauch vermeintlich leistungssteigernder Substanzen wie Nikotin und Medikamente sowie das Unterlaufen von Sicherheitsstandards subsumiert. Um dem Druck standzuhalten oder einer Krankheit zu trotzen, riskieren zu viele Arbeitnehmer ihre eigene Gesundheit.

Ein Umdenken ist gefragt

Woher kommt dieser Leistungsdruck? Sind nur die Arbeitgeber verantwortlich?

Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht die Unternehmen in der Pflicht: „Das Management kann die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen." Aber auch die Beschäftigten seien in der Verantwortung ihre Grenzen richtig einzuschätzen und zu kommunizieren. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, hofft auf ein grundlegendes Umdenken: „Wir brauchen in Unternehmen eine Kultur, die Gesundheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg anerkennt und fördert."

Einige Unternehmen haben diese Notwendigkeit bereits erkannt und fördern aktiv die Gesundheit ihrer Mitarbeiter.

Gesundheit am Arbeitsplatz fördern: So gehts!

Tipps für Arbeitgeber:

  • Ziele realistisch setzen und klar formulieren, um eine Überforderung zu vermeiden
  • Arbeitsbelastung kritisch hinterfragen und das Feedback der Arbeitnehmer suchen
  • Proaktiv auf die Mitarbeiter zugehen, die überlastet oder krank sein könnten: Bei Schwächeanzeichen empfehlen, den Tag frei zu nehmen, um einen Komplettausfall zu vermeiden
  • Je nach Budget: kostenloses Obst anbieten, Sportangebote nutzen oder initiieren, Haltungsschulung für PC-Arbeit

Tipps für Arbeitnehmer:

  • Die eigenen Grenzen feststecken und üben „Nein“ zu sagen
  • Realistische To-Do Liste schreiben (verdeutlicht, wie viel man geschafft hat)
  • Pausen wahrnehmen (30 Minuten sind ab sechs Stunden Arbeit gesetzlich vorgeschrieben)
  • Mögliches Konkurrenzdenken hinterfragen (wenn jemand keine Mittagspause macht, muss das nicht der Maßstab sein)
  • Bei Krankheit definitiv zu Hause bleiben! Kritisch Hinterfragen: „Bin ich wirklich so wichtig, dass das Unternehmen keinen Tag ohne mich überlebt?“
  • Bei Überbelastung das Gespräch mit den Vorgesetzten suchen und entsprechendes Feedback geben

Über den Autor

Kim-Laureen Döpke
Kim-Laureen Döpke

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