Plädoyer für einen neuen Karrierebegriff.

Plädoyer für einen neuen Karrierebegriff.
Karriere wird häufig mit Karriereleiter gleichgesetzt. Doch während es auf der Karriereleiter nur rauf oder runter geht, kann die Karriere ganz andere Wege nehmen. In unserer schnelllebigen Zeit, in der viele Arbeitnehmer regelmäßig Arbeitsplatz und Aufgabengebiet wechseln, gilt das im Besonderen. Und zum anderen wollen längst nicht alle Arbeitnehmer die große Karriere machen und immer weiter nach oben, sondern sind ab einem bestimmten Level durchaus zufrieden. ABSOLVENTA meint: Es ist Zeit für einen neuen Karrierebegriff.
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  1. Karriere nicht gleich Karriereleiter.

    Laut einer HIS-Umfrage von 2009 ist nur jeder fünfte Absolvent nach dem Studium in einem Normalarbeitsverhältnis (Vollzeit und unbefristet) beschäftigt. Da ist der erste Jobwechsel schon vorprogrammiert. Auch wenn die durchschnittliche Verweildauer bei einem Unternehmen in den letzten 30 Jahren bei konstant zehn Jahren lag, ist das „Normalarbeitsverhältnis auf dem Rückzug“, wie Dr. Hilmar Schneider, Direktor für Arbeitsmarktpolitik beim Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), meint. Zehn Jobwechsel seien im Laufe eines Arbeitslebens nichts Ungewöhnliches. Doch während bei Spitzenkräften mit einem Jobwechsel oft ein Aufstieg auf der Karriereleiter einhergeht, ist das bei Max Mustermann keinesfalls gewährleistet. Es kann im Gegenteil auch ein Abstieg sein, wenn man sich den neuen Job nicht wirklich aussuchen kann, weil man z.B. ortsgebunden ist und die Alternativen rar gesät sind.

  2. Karrierewege mit Auf's und Ab's.

    Es gibt diverse Beispiele dafür, dass der Karriereweg nicht gradlinig bergauf geht, sondern ganz andere, auch verschlungene Wege einschlagen kann. So arbeiten zum Beispiel viele Bachelor-Absolventen nach ihrem Abschluss zunächst einige Jahre, bevor sie erneut die Schul- bzw. Uni-Bank zu drücken, um noch den Master zu machen.

    Es gibt viele weitere Gründe, die einen Jobwechsel erfordern und die Karriere in neue, ungewisse Bahnen lenken. So müssen sich Mitarbeiter von Unternehmen oder ganzen Branchen, umorientieren, wenn die Firma oder die Branche einen Niedergang erlebt. Zudem es kann ein Burn-Out oder eine andere Krankheit dafür sorgen, dass man eine Pause einlegen und/oder den Job wechseln muss. Auch persönliche Interessenwechsel oder Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten und Kollegen können einen Jobwechsel herbeirufen.

  3. Alternative Karrierewege einschlagen.

    Auch Frauen, die nach einer Babypause wieder ins Berufsleben einsteigen möchten, haben es auf dem Arbeitsmarkt umso schwerer, je länger sie nicht im Arbeitsleben standen.

    Zudem gibt es zunehmend Menschen, die Veränderungen anstreben, wenn sie merken, dass sie den falschen Karriereweg eingeschlagen oder an das Ende einer Etappe angekommen sind. Beispielsweise hängen viele junge Unternehmensberater ihren hochdotierten Job nach ein paar Jahren an den Nagel, weil sie nicht fünf Tage die Woche in einem Hotel und mehr zwölf Stunden am Tag arbeiten wollen. Das ist dann zwar nicht immer ‚gesellschaftsfähig’, und der neue Job kann sogar nach außen hin als ‚Abstieg’ dastehen, aber für die Person an sich ist es doch eine deutliche Verbesserung, auch wenn Gehalt und Verantwortung weniger geworden sind.

  4. Prioritäten setzen: Nicht jeder will Karriere machen.

    Es gibt kaum etwas schöneres, als einen Job zu haben, der einem Spaß macht, bei dem man seine Stärken einbringen kann, wo man nette Kollegen hat und wo man für seinen Einsatz auch noch angemessen bezahlt wird. Das ist leider nicht jedem vergönnt. Doch selbst wenn das bei allen der Fall wäre, ist das nicht gleichbedeutend damit, dass der Job an erster Stelle steht. Für sehr viele Menschen gibt es wichtigeres im Leben als die Arbeit, z. B. die Hobbys, Freunde, Partnerschaft oder Familie.

    Viele Mütter wollen nach der Elternzeit auch gar nicht mehr in ihre vorherige, arbeitsintensive Stelle zurück, sondern streben zunächst eine Halbtagsstelle an, da sich die Prioritäten verschoben haben: Die Familie steht an erster Stelle. Der Job erfüllt dann vielmehr den Zweck, etwas zum Haushaltseinkommen beizutragen, sozial integriert zu sein, Abwechslung zur Hausarbeit zu haben und wieder ins Berufsleben hineinzufinden. Die große Karriere inklusive 50 Wochenarbeitsstunden ist dann weder umsetzbar noch gewollt.

    Gerade Generation Y ist darauf bedacht, ihre Ideale zu leben. Statt den lukrativen Job bei einem großen Zigaretten-Unternehmen anzunehmen, bevorzugen sie mitunter die deutlich schlechter dotierte Stelle bei einer Umweltorganisation. Zudem gibt es einen Trend zu flexiblen Arbeitszeitmodellen, inklusive der Möglichkeiten eines Home-Offices oder eines Sabbat-Jahrs

  5. Keine Lust auf Ellenbogen und steigende Verantwortung.

    Zum anderen klingen beim Wort Karriere immer auch Begriffe wie harte Arbeit, Ellenbogen-Mentalität, Machtkämpfe und steigende Verantwortung mit. Das schreckt viele ab, weil sie darauf keine Lust haben oder sich dafür als ungeeignet einschätzen. Es gibt eben unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen und Arbeitstypen: Zum Beispiel gibt es die geborene Führungspersönlichkeit, die gerne organisieren und Strategien entwickeln. Andere wiederum scheuen Verantwortung am Arbeitsplatz und bevorzugen es, einfach die ihnen zugeteilten Aufgaben bearbeiten. Es wollen gar nicht alle Menschen Karriere machen oder eine Führungsposition. Wer erst einmal eine zufriedenstellende Position gefunden hat und über ein ausreichendes Einkommen verfügt, will dann nicht unbedingt für mehr Geld unverhältnismäßig mehr Arbeit und Verantwortung übernehmen.

  6. Es gibt viele Wege, aber keine Umwege.

    Auch wenn es der Laufe der Dinge ist, dass permanent junge Menschen in die Arbeitswelt eintreten und im Zeitverlauf die verantwortungsvollen Positionen der älteren und erfahrenen Arbeitnehmer übernehmen, sollte der Begriff Karriere nicht zwangläufig mit der Karriereleiter assoziiert werden, sondern vielmehr die Bedeutung Werdegang und Berufsleben entsprechen. Das kommt der Lebensrealität der meisten Menschen heute näher. Es gibt nicht nur den einen Karriereweg, sondern unzählige. Dabei gibt es keine Umwege, sondern nur unterschiedliche Möglichkeiten.

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