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Sabbatical

Sabbatical

Mit der Gitarre ein Jahr um die Welt reisen und Straßenkonzerte geben, endlich einen Fantasy-Roman schreiben oder in einem Waisenhaus in Peru traumatisierte Kinder betreuen – das machen heute nicht mehr nur Abiturienten  in ihrem Work and Travel-Jahr. Viele renommierte Unternehmen wie die Boston Consulting Group, Siemens oder Audi, aber inzwischen auch mittelständische Betriebe, bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer bezahlten Auszeit in Form eines Sabbaticals.

Die Angestellte können ein Sabbatical nutzen, um sich persönlich oder beruflich weiterzuentwickeln – oder dem Burn-Out vorzubeugen. Die Jobbörse ABSOLVENTA erklärt, welche Vorzüge ein Sabbatical hat, was für Finanzierungsmodelle existieren und wie die Rechtslage ist.

Sabbatical – Was steckt dahinter?

Das Sabbatjahr ist im Judentum das Jahr, in dem Felder brach liegen um sich zu regenerieren und in den darauffolgenden Jahren nicht an Fruchtbarkeit einzubüßen. Übertragen auf die Arbeitswelt bedeutet das: Ich arbeite hart und gönne mir schließlich ein Jahr Pause, um im nächsten Jahr noch produktiver sein zu können. Diese Abwesenheit vom Berufsleben wird gerne genutzt, um persönliche Ziele zu verfolgen oder um sich fachlich fortzubilden, etwa durch einen mehrmonatigen Sprachkurs im Ausland.

Was macht man in einem Sabbatical?

Das Sabbatical muss nicht notwendigerweise ein ganzes Jahr umspannen, möglich sind auch einige Wochen oder Monate – in Ausnahmefällen auch mehr als ein Jahr. Der Fantasie sind dabei lediglich finanzielle Grenzen gesetzt: Dem Hobby frönen und eine Konzerttour durch Nordamerika starten, sechs Monate Chinesisch lernen in Shanghai, die Welt umsegeln oder einen Aufbaustudiengang belegen.

Manche Unternehmen bieten ihren Angestellten sogar die Möglichkeit ein Sabbatical zu nehmen, um in der Zeit auf Kosten des Unternehmens einen Master-Abschluss zu absolvieren oder sich anderweitig fachlich weiterzubilden.

Was für ein Sabbatical spricht

Freizeit, persönliche und berufliche Weiterentwicklung - Studien legen nahe, dass sich der Stress nicht nur während des Sabbaticals verringert, sondern auch nach dem Wiedereinstieg in den Job. Dass Angestellte von einem Sabbatjahr profitieren liegt auf der Hand. Doch inwieweit birgt die Auszeit auch einen Mehrwert für die Unternehmen?

Die Vorteile eines Sabbaticals sind für das Unternehmen nicht unmittelbar greifbar, doch auf lange Sicht kann es sich als gewinnbringende Investition auszahlen. Neue Erfahrungen, Inspiration sowie erholte und energiegeladene Mitarbeiter steigern deren Produktivität und kommen somit auch den Unternehmen zu gute. Werden Sabbaticals in regelmäßigen Abständen angeboten, ist für Topkräfte der Anreiz auch höher, bei dem Unternehmen zu bleiben.

In Finnland und Dänemark hat das Konzept des Sabbaticals auch an anderer Stelle positive Auswirkungen: Langzeitarbeitslose füllen hier oftmals die Lücke, die vorübergehend entsteht, und schaffen so den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Dänemark fördert die Auszeit gar finanziell.

Sabbatical: Rechtslage und Finanzierung

Im Jahr 2010 boten 16,1 Prozent der deutschen Unternehmen Sabbaticals an. Zum Vergleich: In Schweden waren es 30,5 Prozent, in Großbritannien sogar 35 Prozent.

Ein Anspruch auf ein Sabbatical besteht bisher in der freien Wirtschaft nicht. Nur im Beamtenwesen ist diese Möglichkeit rechtlich verankert. Vielen deutschen Arbeitgebern ist das Konzept zwar bekannt, die meisten sträuben sich jedoch noch. Mitarbeiter sind schließlich das höchste Gut eines Unternehmens. Wenn wichtige Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum abwesend sind, muss das Unternehmen erst für Ersatz sorgen und neue Mitarbeiter einarbeiten, was mit einem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden ist. In Krisenzeiten ist es aber für Unternehmen eine Möglichkeit in dem Zeitraum des Sabbaticals Personalkosten zu sparen, ohne dabei jemanden entlassen zu müssen.

Auch die Finanzierung will geplant sein. Es gibt unterschiedliche Modelle zur Finanzierung und Umsetzung eines Sabbaticals. Der Freistellungsphase sollte eine Anspar- und Arbeitsphase vorausgehen. Beispielsweise ist möglich, dass man bei gleicher Arbeitszeit ein geringeres Gehalt erhält. Der abgezogene Lohn wird schließlich während des Sabbaticals ausgezahlt. Zudem besteht die Möglichkeit eines Arbeitszeitkontos, auf das Überstunden „eingezahlt“ werden können, im Sabbatjahr kann man die ersparten Stunden aufzehren. In einem bezahlten Sabbatical wird die Sozialversicherung weiterhin vom Arbeitgeber gezahlt.

Schwieriger ist die Finanzierung eines unbezahlten Sabbaticals, denn hier muss der Arbeitnehmer sich eigenverantwortlich um Finanzierung und Versicherung kümmern.

Die letztendlich getroffenen Vereinbarungen sollten schriftlich festgehalten werden.  In dem Vertrag sollte neben der Dauer des Sabbaticals auch die Rückkehr in den Job geregelt sein. Ein Kündigungsschutz für die Zeit des Sabbaticals sowie eine Insolvenzversicherung des Arbeitszeitkontos dürfen in dem Vertrag ebenso wenig fehlen.

Pläne frühzeitig kommunizieren

Insgesamt bedarf ein Sabbatical einer langen Vorlaufphase. Der Chef sollte frühzeitig in die Pläne eingeweiht und schließlich überzeugt werden. Bei der Planung des Sabbaticals gilt es daher zu bedenken, dass der Chef den Plänen zustimmen muss. Der Angestellte muss erklären können, wieso das Sabbatical sowohl für sich selbst als auch das ganze Unternehmen von Nutzen ist. Sechs Monate Sabbatical, um zuhause auf der Couch zu sitzen und Computerspiele zu spielen werden daher bei den wenigsten Vorgesetzten auf Anklang stoßen.

Wertewandel bei Berufseinsteigern

Die gesteigerte Nachfrage nach Sabbaticals lässt sich durch einen Wertewandel bei Berufseinsteigern erklären: Die heutige Generation von Berufsanfängern, die der zwischen 1980 und 1990 geborenen Millenials, lebt nicht mehr nur für ihre Arbeit. Werte wie Work-Life-Balance und die Firmenphilosophie gewinnen bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber an Wichtigkeit. Es locken nicht mehr nur der Name des Unternehmens und der Lohn sondern auch das Unternehmensklima und die Möglichkeit, sich neben der Arbeit noch Zeit für Familie und Hobbies zu nehmen. In Zeiten des Fachkräftemangels wird die Arbeitgeberattraktivität bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter immer wichtiger. Es sind Angebote wie Sabbaticals, Home Office und flexible Arbeitszeiten, die die Attraktivität eines Unternehmens immens steigern können.

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Über den Autor

Susanne Dewein
Susanne Dewein

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