Leichter lernen

Lerntipps für Uni und Studium

Lerntipps für Uni und Studium

Wie lerne ich am besten? Über Lerntipps hast du dich in der Schule vielleicht noch nicht informiert, denn du musstest wöchentlich für Tests und Kurzarbeiten lernen. Im Studium musst du nun auch im Selbststudium Texte lesen und Übungen bestreiten, um am Semesterende die großen Prüfungen oder Hausarbeiten erfolgreich zu meistern. Effektives Lernen will gelernt sein und deswegen haben wir die besten Lerntipps für dich herausgesucht! 

Inhalt

  1. Effektives Lernen – das passiert dabei im Gehirn
  2. Lerntipps – so lernst du für Uni-Prüfungen
  3. Lesemethoden – Strategien für langes Texte-Lesen
  4. Besser Lernen – weiche Faktoren für mehr Erfolg

Effektives Lernen – das passiert dabei im Gehirn

Bevor du dich auf die ganzen Lernstrategien stürzt, um absoluter Profi zu werden, solltest du verstehen, was beim Lernen in deinem Gehirn passiert.

Einfach gesagt, ist Lernen zunächst einmal die Reaktion unseres Gehirns auf Erfahrungen, die wir machen. Erst jedoch, wenn diese Erfahrungen zu nachhaltigen Veränderungen im Gehirn führen, kann man vom Lernen sprechen.

Unser Gehirn besteht aus ungefähr 100 bis 150 Milliarden Nervenzellen bzw. fachsprachlich Neuronen. Diese sind größtenteils schon bei der Geburt angelegt. Was nach der Geburt passiert und zur Größe und zum Gewicht unseres Gehirns führt, sind vor allem die Verbindungen von Neuronen, die unser Gedächtnis bilden. Diese Verbindungen, sogenannte neuronale Verknüpfungen, entstehen, wenn sich zwei Nervenzellen über sogenannte Synapsen miteinander verbinden. Jede Nervenzelle kann mit hunderten bis tausenden anderen Nervenzellen in sogenannten neuronalen Netzwerken verbunden sein. Dabei gilt:

  • Je nachhaltiger eine Erfahrung ist, desto eher kommt es zu neuronalen Verknüpfungen und
  • je öfter wir diese impulsauslösenden Erfahrungen machen, desto stabiler wird die synaptische Verbindung zwischen den Nervenzellen.

Dabei werden unsere Erfahrungen und unser Gedächtnis zu großen Teilen im Großhirn gespeichert. Dieses besteht aus unterschiedlichen Rinden-Felder, in welche die verschiedenen Gedächtnisinhalte eingeordnet werden. Einen weiteren wichtigen Teil bei unserem Lernverhalten spielt auch der Hippocampus. Dieser ist Teil des Limbischen Systems und entscheidet, welche Informationen ins Langezeitgedächtnis übertreten. Alles, was das der Hippocampus als nicht relevant erachtet, bleibt im Kurzzeitgedächtnis und wird nach einer gewissen Zeit wieder aussortiert. 

(Quelle: https://www.brgdomath.com/psychologie/lernen-und-gedächtnis-tk-3/was-passiert-beim-lernen-im-gehirn/)

Lerntipps – so lernst du für Uni-Prüfungen

Im Folgenden findest du die besten Lerntipps für Uni und Studium, wenn du vor großen Prüfungen stehst. Viele Studenten machen bei schlechten Leistungen zwar die hohe Stofffülle verantwortlich, mit einer guten Organisation lassen sich jedoch alle Informationen effektiv in das Gehirn aufnehmen. 

  • Zeitplan erstellen: Gerade vor großen Abschlussprüfungen ist es wichtig, sich seine Lernzeit einzutakten, um einen Anfang zu finden und Erfolge zu sehen. Unterteile den gesamten Stoff in Abschnitte pro Woche und diese wiederum pro Tag. Sei dabei jedoch realistisch, aber auch selbstdiszipliniert! Du brauchst noch Zeit zum Essen, Schlafen und Alltag erledigen. Und nach acht Stunden lernen und lesen, nimmst du auch nichts mehr auf.
  • Lerntag strukturieren: Was du im Großen pro Woche machst, machst du auch pro Tag: Strukturiere deinen Lerntag von Anfang an und leg fest, was du vormittags und nachmittags schaffen willst. Plane großzügig Pausen mit ein und Zeit zum Wiederholen.
  • Aufwärmen: Wenn du am Anfang nicht so recht reinkommst, nimm dir erstmal vor, nur 10 Minuten an einer Aufgabe zu arbeiten. 10 Minuten hat man immer Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen, To-dos zu notieren, etwas zu recherchieren oder einen Konzeptentwurf aufs Papier zu bringen. Bist du dann erst drin, fällt es dir leichter, weiterzumachen.
  • Visualisieren: Wenn du dir viele Zahlen, Fakten und einzelne Informationen zu merken hast, solltest du zu Methoden wie Mindmaps, Diagrammen und Tabellen greifen. Die Lernpsychologie zeigt, dass die Strukturierung von Inhalten, Argumenten und Konzepten den größten Verständniseffekt hat.
  • Karteikarten: Für reines Auswendig-Lernen bietet es sich an, Karteikarten anzulegen. Auf diesen fasst du die einzelnen Kapitel in Stichpunkte zusammen. Außerdem kannst du auf die Vorderseite nur ein Stichwort schreiben, zu welchem du die Informationen auf der Rückseite wissen musst.
  • Erklären: Oftmals hilft es, sich Sachen laut vorzusagen. Stelle dich dafür gegenüber von deinem Spiegel und versuche, dir selbst das Gelernte mit eigenen Worten zu erklären.
  • Ortswechsel: Finde heraus, wo du am besten Lernen kannst: Zuhause oder in der Bibliothek. Kommst du Zuhause nicht weiter oder bist zu sehr abgelenkt, nutze die Möglichkeit, dich in einen Park, in die Uni oder eben die Bibliothek zu setzen, um dich wieder konzentrieren zu können.
  • Lerngruppen bilden: Immer noch die effektivste Methode, um Wissen zu vertiefen und Fragestellungen zu klären.

Lesemethoden – Strategien für langes Texte-Lesen

Gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern gehört das Lesen von Texten zum Studium dazu und spätestens, wenn du deine Bachelor- oder Masterarbeit schreibst, musst du dich mit Literatur genau auseinandersetzen. Diese Lerntipps können dir im Studium beim Bewältigen wissenschaftlicher Texte helfen:

  • Lesen mit Notizen/Exzerpte: Um Texte zu verstehen und wiedergeben zu können, solltest du dir während des Lesens entweder an die Seite oder auf ein extra Blatt Notizen, sogenannte Exzerpte, machen. In diesen fasst du die wichtigsten Aussagen der einzelnen Abschnitte mit eigenen Worten zusammen und nimmst damit gerade langen Texten ihre Komplexität.
  • SQR3-Technik: Diese Lese-Methode zielt darauf ab, einen Text eingehend zu verstehen. Dabei werden fünf Phasen durchlaufen. In der ersten Phase „Survey“ verschaffst du dir einen Überblick über den Text, indem du den Klapptext, die Autorenbiografie und das Inhaltsverzeichnis liest. Im nächsten Schritt „Question“ stellst du dir selbst Fragen an den Text oder das Buch, welche du erklärt haben möchtest. In der dritten Phase „Read“ liest du nun endlich den Text einmal durch. Anschließend gehst du im Schritt „Recite“ jeden Abschnitt noch einmal durch und gibst die wichtigsten Kerngedanken wieder. Eigene Formulierungen sind hierbei entscheidend. Abschließend rekapitulierst („Review“) du den kompletten Text auf deine am Anfang gestellten Fragen hin. Was wurde beantwortet, welche Fragen sind noch offen?
  • Selektives Lesen bei Büchern: Hast du dir ein ganzes Buch für deine Abschlussarbeit besorgt, musst du dieses nicht komplett lesen, sondern nur die wichtigsten Informationen rausfiltern, also selektieren. Dafür schaust du dir das Inhaltsverzeichnis an, liest Einleitung und Zusammenfassung und blätterst einmal durch, um herauszufinden, welches Kapitel für dich entscheidend ist, indem du zum Beispiel bei Grafiken, Tabellen oder Überschriften hängen bleibst.

Besser Lernen – weiche Faktoren für mehr Erfolg

Neben den ganzen Lerntipps solltest du nicht vergessen, dass dein Körper und vor allem dein Gehirn Energie brauchen, um sich Dinge merken und beim Lernen konzentriert bleiben zu können. Auch wenn du alle Lerntipps beherzigst, fehlt es manchmal schlicht an Motivation und Durchhaltevermögen, um sich ganz auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Inhalte umfassend aufzunehmen. Deswegen ist es wichtig, dass du für erfolgreiche Lernmarathons vor Prüfungen, auch weitere Aspekte beachtest wie

  • dein Lern-Umfeld
  • deine Ernährung
  • deine Fitness

Lerntipps für das richtige Umfeld

Um dich voll auf deine Aufgaben konzentrieren zu können, muss dein Lernumfeld passen. Die meisten Studenten neigen dazu, statt zu lernen plötzlich aufzuräumen, abzuwaschen oder zu putzen. Prokrastination oder Aufschieberitis wird das auch genannt und fast jeder zweite Deutsche neigt dazu. Um das von vornherein zu umgehen, solltest du dafür sorgen, dass dein Lern-Umfeld aufgeräumt und ordentlich ist, damit du nicht abgelenkt wirst. Folgende Punkte können dir dabei helfen:

  • Markiere den Tag, an dem du das Lernen anfangen willst, in deinem Kalender. Nicht unbedingt in Rot, das wirkt sehr aggressiv, nimm lieber ein hoffnungsvolles Grün.
  • Räume, am Tag bevor du das Lernen anfangen willst, dein Zimmer sowie deinen Schreibtisch auf. Dazu sollten alle Kleider und sonstigen Unterlagen weggeräumt und verstaut werden, also nicht mehr sichtbar sein.
  • Verlagere dreckige Wäsche entweder gleich in die Waschmaschine oder ins Bad, damit du nicht auf den Gedanken kommst, diese unbedingt jetzt waschen zu müssen.
  • Mache am Lerntag dein Bett und spüle dein Geschirr ab.
  • Stelle dir auf deinem Schreibtisch Wasser sowie kleines Snacks bereit (mehr dazu auch im nächsten Punkt), damit du nicht während des Lernens in die Küche musst.
  • Lege dir außerdem Ohropax bereit, falls du es sehr ruhig brauchst und deine WG-Bewohner eher zu Lärm neigen.
  • Stelle dein Handy auf lautlos und aktiviere dir Programme, die vorher festgelegte Internetseiten, wie Facebook, blockieren (zum Beispiel eine Chrome Extension wie StayFocusd).

Lerntipps und Ernährung

Um fit im Kopf zu bleiben, solltest du generell auf eine gesunde Ernährung Wert legen. Dazu zählen, wie du sicher schon weißt, viel Obst und Gemüse, Fisch und ab und zu bewusst Fleisch.

  • Um einen ganzen Lerntag durchzuhalten, solltest du mit einem vitaminreichen Frühstück starten, das dich lange sättigt ohne deinen Körper zu sehr mit der Verdauung zu beanspruchen. Ideal ist ein frischer Obstsalat mit Joghurt und wer mag Müsli- oder Haferflocken.
  • Als Hauptmahlzeit bieten sich Lachs, gegrilltes Gemüse, Reis oder Kartoffeln an. Nudeln machen eher müde, da sie dem Körper viel Energie bei der Verdauung abverlangen.
  • Als Snacks und Pausen zwischen den Lernphasen eignen sich Bananen, Smoothies, Studentenfutter, Nüsse, getrocknete Früchte oder auch einmal dunkle Schokolade.
  • Dazwischen solltest du darauf achten, viel zu trinken: Zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee, für den Zuckerausgleich auch mal ein Glas Saftschorle, sind perfekt.

Lerntipps zum Schlaf

Damit dein Gehirn Informationen aufnehmen und verwerten kann, ist es bestimmt nicht verwunderlich, dass es dazu ausgeschlafen sein muss. Verschiedene Studien weisen einen Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und der Qualität des Schlafes auf die Leistung nach. In einer Untersuchung litten 59 Prozent der Studenten vor einer Prüfung an schlechtem Schlaf, was sich negativ auf ihre Note auswirkte, im Gegensatz zur Vergleichsgruppe, die auch während der Lernphase gut schlafen konnte. 

(Quelle: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/17019/1/Ahrberg_Kurosh.pdf)

In einer Umfrage zum Schlafverhalten von jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahren) in Deutschland gaben nur 12 Prozent der befragten Probanden an, dass sie überhaupt keine Schlafprobleme haben:

Zustimmung in Prozent Aussage
12 % Haben keine Schlafprobleme
46 % Ist ein ruhiges Schlafzimmer wichtig
55 % Fühlen sich morgens unausgeschlafen
12 % Können nur mit offenem Fenster schlafen
39 % Fällt es schwer, abends abzuschalten
11 % Können nicht auf Mittagsschlaf verzichten
29 % Gehen erst nach Mitternacht zu Bett
63 % Nutzen im Bett Handy, Laptop oder Tablet

Quelle: statista.de (2017): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/244/umfrage/schlafgewohnheiten/

Für einen erholsamen Schlaf ist es wichtig:

  • Seine Tiefschlafphase zu kennen: Bei manchen liegt diese vor 12 Uhr, andere schlafen erst um 2 oder 3 Uhr richtig tief und fest.
  • Ausreichend Schlaf zu haben: Junge Erwachsene brauchen eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden, damit sich der Körper vollständig erholen kann und Informationen verarbeitet werden können. Ein kurzer Powernap im Nachmittagstief kann hier auch Abhilfe schaffen.
  • Die richtige Schlafumgebung zu schaffen: Dein Zimmer sollte dunkel ohne direkte Lichteinstrahlung sein (auch kein Blinken von Laptop oder Monitortasten), die ideale Schlaftemperatur liegt bei um die 18 Grad und dich sollten keine Geräusche stören – neben Straßenlärm zählen hierzu auch das Vibrieren des Handys oder ein laufender Fernseher.

Durch diese weiteren Hinweise zu effektivem Lernen können die oben beschriebenen Lerntipps am besten umgesetzt werden. 

Das könnte dich auch interessieren: 

>> Effektives Zeitmanagement mit dem Pareto-Prinzip

>> Stressbewältigung im Beruf

Über den Autor

Noemi Haderlein
Noemi Haderlein

Als Content Managerin kümmert sich Noemi Haderlein seit 2015 um die Inhalte von ABSOLVENTA und schreibt zu allen Themen, die Studenten und Berufseinsteiger rund um Studium, Bewerbung und ersten Job interessieren.

Beliebte Artikel aus unserem Karriereguide

Arbeiten im Start-Up
Neue Wege gehen

Arbeiten im Start-Up

Start-Up Unternehmen bieten vielfältige Karriere-Möglichkeiten abseits der ausgetreten Berufspfade, doch die meisten Absolventen streben den Berufseinstieg bei einem großen Unternehmen an. Dies kann man niemandem verdenken, schließlich locken die Wunscharbeitgeber der jungen Nachwuchskräfte mit attraktiven Gehältern...

Zum Artikel
Vorstellungsgespräch-Training
Gut vorbereitet sein

Vorstellungsgespräch-Training

Ein Vorstellungsgespräch ist von Person zu Person, von Firma zu Firma und von Branche zu Branche unterschiedlich. Dennoch lassen sich viele Verhaltensweisen und auch die Körpersprache trainieren, um im Einstellungsgespräch erfolgreich zu bestehen. Personaler achten in einem Vorstellungsgespräch nämlich nicht nur auf...

Zum Artikel
Karriere bei HP: Einblicke vom Arbeitgeber
Personaler im Interview

Karriere bei HP: Einblicke vom Arbeitgeber

Ramona Gehrlich ist Talent Acquisition Consultant bei Hewlett Packard (HP). Im Interview mit ABSOLVENTA spricht sie über Einstiegsmöglichkeiten für Hoschsulabsolventen, Anforderungen an Bewerber und die Unternehmenskultur bei dem IT-Unternehmen, das in über 170 Ländern rund 300.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Zum Artikel